AktivistInnen verschönern „Denkmal“

Wie von Protestierenden angekündigt (siehe „Kontroverse um das ‚Freiheitsdenkmal'“), gab es jetzt beim „Second-Hand-Denkmal“ eine „Zettelaktion“, sprich das Denkmal wurde mit bunten Zetteln als Ausdruck des Protests zugeklebt (Fotos hier, hier und hier).

Bei Indymedia kann man Details zu der Aktion nachlesen:

„Seit September schon schwelt an der FU ein Streit um ein ‚Denkmal‘ für 10 anfang der 50ere Jahre in sowjetischer Lagerhaft ermordete Studenten. Das FU-Präsidium hatte die Skulpur anfang September in einem Festakt eingeweiht, ohne die Universitätsöffentlichkeit auch nur zu informieren.

Später kam heraus: die als ‚Denkmal‘ etikettierte Skulptur war ursprünglich als Banken-Repräsentationskunst für den Berliner Hauptbahnhof vorgesehen, zudem sind die geehrten Studierenden höchst ambivalente Figuren: alte Nazis und bezahlte Geheimdienstagenten sind dabei, das FU-Präsidium sieht jedoch nur heroische Freiheitskämpfer. Seit gestern Nachmittag gibt es einen Kontrapunkt: das Denkmal wurde von Unbekannten mit Kommentaren versehen und zuplakatiert.

Laut Augenzeugenberichten fand die Aktion gestern (19.12.) am hellichten Tage statt, mit Leitern, Kleistereimer und Pinsel rückten etwa 25 AktivistInnen der ‚größten und komplexesten Bronzeskulptur in Deutschland‘ (FU-Presserklärung) zuleibe. Hinterher sah das 15-Tonnen Monument etwas bunter aus: Plakate mit verschiedenen Textausschnitten aus Pressemitteilungen, Blogartikeln sowie einigen Zitaten aus einer von Studierenden organisierten Podiumsdiskussion anfang November wiesen auf die umstrittenen Kontexte der Denkmalsetzung hin.

(…) Dennoch war es bis auf eine vom AStA organisierte Podiumsdiskussion anfang November erstaunlich ruhig um den Bronzeklotz. Geschichtspolitik erscheint vielen wohl als nicht spannend genug, oder aber man hat mit drohenden Studiengebühren, Kommerzialisierung und Elite-Hype andere Sorgen in Berlin. Umso erfreulicher, dass sich einige Leute gestern dennoch aufgerafft haben…“(„Aktion gegen „Denkmal“ an der FU Berlin“, Indymedia, 20.12.07)

Laut AStA Blog wurden die Zettel schnell wieder entfernt:

„Die Originale sind leider schon wieder abgekratzt, offenbar hat die FU keine Lust auf studentische Randglossen zu ihrem fragwürdigen Freiheitsklotz.“ („Ein Denkmal blüht auf“, AStA FU Blog, 21.12.07)

Die Prophezeiung von FUwatch, dass es vermutlich nur eine Frage der Zeit ist, bis das Denkmal von AktivistInnen härter angegangen wird, hat sich damit noch nicht erfüllt. Es bleibt vorerst beim vergleichsweise harmlosen Zettelkleben. Dennoch war die Aktion beachtlich, wenn sie wie behauptet tatsächlich tagsüber durchgeführt wurde und knapp 30 Protestierende involviert waren.

Natürlich war es eine rein symbolische Aktion, aber sie hat immerhin Aufmerksamkeit auf die vielen immer noch offenen Fragen hinsichtlich des „Denkmals“ gelenkt. Denn die Peinlichkeit hier ohne Rücksprache eine Skulptur „abgestaubt“ und aufgestellt zu haben, die ursprünglich einem völlig anderen Verwendungszweck zugedacht war, auf der nicht die Namen der ermordeten Studierenden auftauchen sondern der eines Bankhauses, die sich auf Opfer bezieht bei denen immer noch unklar ist inwieweit sie nicht auch Täter waren, ist ja nicht aus der Welt.

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