Protestaktion gegen Bücheraussonderung geplant

Am heutigen Dienstag (18.12.) ist eine Protestaktion gegen die angekündigte Halbierung des PolSoz-Bücherbestandes (siehe „Der Bücher-Bestand im FB PolSoz soll bis 2020 halbiert werden“) geplant:

„In einer ersten symbolischen Aktion werden daher am Dienstag, den 18.12.2007, die Bibliotheken des Fachbereichs mit leeren Regalen versperrt. („Bilbiotheken werden geschlossen. Hunderttausende Bücher werden aussortiert“, Pressemitteilung des AStA FU, 17.12.07

Laut BBFB-Blog treffen sich die AktivistInnen um 9 Uhr am Roten Café (interessanterweise ist beim BBFB die Rede von „Mittwoch“). Wenn nun allerdings klar ist, wann, wo und was passieren soll, wird es unter Umständen schwierig werden, das durchzuziehen. Mal sehen ob das Präsidium daraufhin Security auffahren lässt.

Was mit den Büchern passieren soll, kann man (unter anderem) inzwischen in der taz nachlesen:

„Bis 2020 soll die Universitätsbibliothek (UB) der FU umgebaut und neu strukturiert werden. Spätestens dann soll auch die Literatur der Politik- und Sozialwissenschaften in dem UB-Gebäude unterkommen. Allerdings nur zum Teil: Christa Beckmann von der Pressestelle der FU antwortete auf eine Anfrage der taz: ‚Bücher und Zeitschriften aus der Zeit vor der Wende, die vielfach vorhanden sind und nicht permanent benötigt werden, spendet die Freie Universität der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius.‘ Die Sprecherin bestätigte, dass es sich dabei um rund 300.000 Medieneinheiten handelt.“ („Elite-Uni schmeißt Bücher raus“, taz, 17.12.07)

Welch perfide PR-Taktik, denn wer wollte schon etwas dagegen sagen, dass nun auf einmal die „bedürftigen“ KommilitonInnen der EHU die Bücher bekommen? Immerhin handelt es sich hier um eine Exiluniversität, die aus der weißrussischen Diktatur nach Litauen umsiedeln musste.

Hmmm… nur ist ja wohl die deutliche Mehrheit der betroffenen Bücher in deutscher Sprache verfasst und in der Exiluniversität wird trotz Vielsprachigkeit und Internationalität nicht Deutsch die Hauptsprache sein, oder? Was konkret sollen die KommilitonInnen in Litauen also mit so vielen deutschsprachigen Büchern anfangen? Geht es nicht eher nur darum, einen vermeintlich passenden Grund zu (er)finden, um die Bücher loswerden zu können? Die FSI Ethnologie präzisiert es:

„Das Präsidium will durch diesen Akt vermeintlicher Großzügigkeit studentische Kritik an der sog. Profilschärfung delegitimieren. Sich gegen die Aussortierung hunderttausender Bücher einzusetzen, heißt nicht, der EHU Unterstützung zu verweigern. Es heißt, die weitere Verschlechterung der Studienbedingungen an der FU zu verhindern.“ (in: „Bilbiotheken werden geschlossen. Hunderttausende Bücher werden aussortiert“, Pressemitteilung des AStA FU, 17.12.07

Was bei dem ganzen Stunt am meisten beeindruckt ist, wie Lenzen und seine Truppe es hier geschafft haben, aus einer neoliberalen Kürzungsaktion einen Akt des „antikommunistischen Widerstands“ zu machen (mal unterstellt, Lukaschenko steht mit seinem Führungsstil in der Tradition realsozialistischer Ostblock-Regime, was ja zumindest eine Lesart ist). Das erinnert irgendwie ans Second-Hand-Denkmal.

Doch was kommt als nächstes? Finanzielle Hilfe für die CANF? Ein Fedecámaras-Vertreter als Redner im FB Wiwiss (Notiz an Schreyögg: Stühle diesmal lieber anketten)? Der Ehrendoktor für Lehmann-Brauns? Eine gemeinsame Kampagne mit PETA gegen die Hummer-Konsumentin Wagenknecht? Georg Gafron als Nachfolger Lenzens? Wir lassen uns von Frontstadt-Dieter überraschen…

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3 Antworten to “Protestaktion gegen Bücheraussonderung geplant”

  1. DLFC Says:

    Erklärung vom 19.12.2007 zur Schließung der sozialwissenschaftlichen Bibliotheken

    Nachdem am 18.12. eine Gruppe von Studenten eine politisch motivierte Störaktion vor den
    Bibliothekseingängen der Soziologie, Ethnologie, Publizistik und Politikwissenschaft durchgeführt
    hat, bei der unbeteiligte Studenten beim Betreten der Bibliotheken zu Umwegen von bis zu drei Metern genötigt wurden, sieht sich der Dieter Lenzen Fanclub veranlasst, eine Erklärung
    abzugeben.
    Der Dieter Lenzen Fanclub unterstützt ausdrücklich das Vorhaben des Präsidiums, die aufgeführten Bibliotheken zu schließen, sie in die dann für 15 Millionen Euro umgebaute Universitätsbibliothek zu integrieren, und dabei mindestens 350.000 Bücher auszusondern,
    die doppelt vorhanden sind oder nur selten ausgeliehen werden.
    Der Dieter Lenzen Fanclub tut dies in erster Linie deswegen, weil das Vorhaben vom Präsidium,
    bzw. unserem Universitätspräsidenten Dieter Lenzen konzipiert wurde.
    Darüber hinaus sprechen aber auch andere Gründe für die Zusammenlegung der Bibliotheken:
    1. Die Zentralisierung der Bestände hat zur Folge, dass das unnötige Pendeln zwischen den
    unterschiedlichen Standorten wegfällt und zu einem erheblich Zeitgewinn für die Studenten
    führt. Die gewonnene Zeit kann von den Studenten gut in andere Studienleistungen investiert werden.
    2. Der Wegfall der doppelten Exemplare und die Einrichtung eines neuen Lesesaals mit bis zu
    24 Stunden Öffnungszeit eröffnet den Studenten neue Möglichkeiten des Zeitmanagements.
    Das umständliche Hin- und Herfahren zwischen Universität und Wohnung fällt weg: Tagsüber
    können die Lehrveranstaltungen besucht werden, nachts wird in der Bibliothek gelernt.
    3. Auch die Aussonderung der selten benutzten Bestände kommt den Studenten zu Gute. Eine
    geringe Ausleihfrequenz eines Buches ist ein sicherer Indikator für dessen Unbrauchbarkeit.
    Eine Beschäftigung im Studium mit unpopulären Themen oder kruden Randtheorien werden
    von jedem Personalmanager als mangelnde Zielstrebigkeit und verschwendete Zeit interpretiert.
    Hier sollten die Studenten einer Elite-Universität gar nicht erst in Versuchung geraten.
    Der Politikwissenschafts-Cluster des Dieter Lenzen Fanclubs möchte dabei dazu anregen, nur noch die Bücher zu behalten, die dem „governance“-Ansatz zuzuordnen sind.
    Für die Nutzung der frei werdenden Räume in der Ihnestr. 21 schlägt der Dieter Lenzen Fanclub
    folgendes vor:
    – Eine Renovierung der Räume nach repräsentativen Kriterien
    – Die Ansiedlung des kompletten Arbeitsbereichs der Internationalen Beziehungen mit einem eigenen Eingang von der Ihnestraße
    – Die Abtrennung aller Zugänge zu den IB-Räumen aus dem Gebäude der Ihnestr. 21

  2. Symbolische Aktion gegen die Schließung der PolSoz-Bibliothek « FUwatch Says:

    […] Eine ähnliche Aktion hatte es bereits im Dezember letzten Jahres gegeben (siehe “Protestaktion gegen Bücheraussonderung geplant”). […]

  3. Zum Stand der Dinge im Bibliotheksskandal « FUwatch Says:

    […] nicht nachgekommen, dennoch macht dies zusammen mit der Tatsache, dass die ausgesonderten Dubletten wie berichtet an die Europäische Humanistischen Universität in Vilnius gehen sollten, deutlich, dass die […]

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