Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne

Hieß es unlängst noch, der inzwischen berüchtigte „Studienerfolgsbericht“ sei ein internes Papier und werde gar nicht veröffentlicht (siehe „‚Studienerfolgsbericht‘ bleibt im Giftschrank“), ist er nun offenbar doch öffentlich zugänglich.

Der Kommilitone Mathias hat das 115 Seite starke Papier im AStA hinterlegt, wo es bei Interesse kopiert werden kann. Auch diversen Zeitungen liegt der Bericht inzwischen vor. Eine Online-Ausgabe ist allerdings offenbar leider nicht verfügbar. Und offiziell hat ihn die FU offenbar auch nach wie vor nicht veröffentlicht (?).

In der taz heißt es:

„Untersucht wurde dafür der Studienerfolg in den Bachelor-Studiengängen der Fachbereiche Biologie, Chemie, Pharmazie, Erziehungswissenschaften, Psychologie, Philosophie sowie Geschichts- und Kulturwissenschaften. Hohe Abgänge wurden im geistes- und im naturwissenschaftlichen Bereich festgestellt. So diagnostiziert die Studie beim lehramtsbezogenen Biologiestudium einen ‚außerordentlich hohen Schwund‘, beim lehramtsbezogenen Chemiestudium sei dieser ‚inakzeptabel‘, ebenso bei Philosophie. Dort brach über die Hälfte der KommilitonInnen das Studium ab.

Auch von einer kürzeren Studiendauer kann laut der Untersuchung nicht die Rede sein. Danach darf nur von 30 Prozent der Studierenden ein Abschluss in der Regelstudienzeit erwartet werden. 38 Prozent wird mindestens ein Jahr mehr, ein weiteres Drittel noch länger für den Abschluss benötigen. Für den Fachbereich Philosophie wird prognostiziert, dass lediglich 14 Prozent der KommilitonInnen ‚mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Examen nach nur drei Jahren abschließen können‘.“ („Uni-Reform verprellt Studierende“, taz, 05.13.07)

In einem Bericht über die Sitzung des Akademischen Senats vom 14.11.07 schreibt der Kommilitone Bartelt zu den wesentlichen Ergebnissen des Berichts:

„Im Jahr 2006 wurden 871 Bachelor-Studierende exmatrikuliert, von denen sich 50,4% an besagter Umfrage des Präsidiums beteiligt haben. Davon waren 240 im Kombi- und 160 im Mono-Bachelor eingeschrieben.

Ihr Abidurchschnitt lag im Mittel bei 2,5 und als Studienwahlmotive gaben 86% Fachinteresse und 79% ‚eigene Begabung‘ (was immer das heißen soll…) an.

Rund die Hälfte war erwerbstätig und Hauptgründe für die Exmatrikulation waren der fehlende Berufs- und Praxisbezug des Studiums, das Anstreben von praktischeren Tätigkeiten und die Unklarheiten über die Fortführung der Masterstudiengänge.

In der Auswertung wurden 35% der Befragten in die Spalte ‚Verwählt‘, 25% ‚Überfordert‘, 18% ‚Enttäuscht‘ und 21% ‚frühzeitig wechselnd‘ eingeteilt.“ („Evaluation statt Mitbestimmung – Neues aus dem Akademischen Senat (14.11.07)„, FSIs Blog, 15.11.07)

Ronny von der LHG schreibt in seinem Bericht über die letzte Kuratoriumssitzung in diesem Jahr (in der das Ergebnis des „Studienerfolgsberichts“ ebenfalls thematisiert wurde):

„Die Erkenntnis ist, dass nicht jede/r die/der geht, geht, mit der allgemeinen Situation an der Uni unzufrieden ist. Die Erkenntnis ist aber auch, dass eine ganze Menge junger Menschen gehen, weil sie offensichtlich vor Studienbeginn nicht ordentlich über die Anforderungen informiert waren. Zu erkennen ist ebenfalls, dass vielen der Start in das Studium nicht recht gelingt, und sie bei Problemen auch niemanden haben, an den sie sich wenden können. 60% verlassen die Universität, ohne sich je in eine Beratung begeben zu haben. Daraus ergibt sich meines Erachtens wenigstens dreierlei:

Erstens, dass die Studierenden bereits vor Antritt ihres Studiums ordentlich über die genauen Inhalten und den exakten Aufwand (der sich in einigen Fächern insbesondere vor den Semesterferien immens kumuliert) informiert werden, den sie zu betreiben haben.

Zweitens, dass den Studierenden möglichst schon vor dem ersten Vorlesungstag, also zu einem Zeitpunkt, wo die Wahl der Kurse, der Umgang mit Campus Management, das Zurechtfinden auf dem Campus etc. bereits zu Problemen führen, wirkliche Ansprechpartner zur Seite gestellt werden, die mehr sind als eine abstrakte ‚Sprechstunde‘ sondern die echte Hilfe und Problemlösung anbieten können.

Und drittens braucht es eine Überarbeitung der Studiengänge dahingehend, dass die Studienorganisation einfacher möglich (z.B. transparenter und flexibler) ist und sich der Workload (Arbeitsaufwand) sinnvoll über das Semester verteilen lässt. Letztendlich sind dies ja auch Fragen, die nicht nur die Exmatrikulierten sondern auch diejenigen Studierenden betreffen, die sich trotz ihrer Probleme durch das Studium schleifen, obwohl ihnen das Leben mit besseren Bedingungen deutlich vereinfacht werden könnte.“ („Aus der letzten Kuratoriumssitzung“, LHG Blog, 30.11.07)

Im FSI OSI Blog wird ausführlich aus dem Bericht zitiert:

„Da [im Fazit des Berichts, Anm. FUwatch] heißt es ganz lapidar:

‚Die bisher mit der Einführung der neuen Studiengänge verbundenen Vorstellungen: – geringerer Studienabbruch aufgrund intensiverer Betreuung und besserer Strukturierung der Studiengänge sowie – Verkürzung der Studiendauer werden nicht oder nur teilweise eingehalten.‘ (…)

Vor allem das Ziel ‚geringerer Studienabbruch‘ wird deutlich verfehlt. So liegt die Abbrecherquote im Magister-Hauptfach nach 5 Fachsemestern im Schnitt bei zehn Prozent, in 60 LP-Bachelorstudiengängen dagegen bei 28 Prozent und in 90 LP-Bachelorstudiengängen sogar bei desaströsen 37 (!) Prozent.

Die einzige alte Studienordnung, die da nur ansatzweise ‚mithalten‘ kann, sind Lehramtsstudiengänge – hier beträgt der ‚Schwund‘ 25 Prozent. Gründe dafür nennt die Studie ebenfalls: ‚Studierende geben im größeren Umfang als bisher ihr Studium auf und die Bewerberzahl einen Studienplatz in einem höheren Fachsemester hat sich verringert. Studierende sind [..] nicht daran interessiert, in ein höheres Fachsemester in den Bachelorstudiengang an der FU zu wechseln [..].‘ (S. 5)

Eine detaillierte Auflistung der Abbrecherquoten in den einzelnen Studiengängen folgt. Hierbei zeigt sich, dass v.a. LehramtsstudentInnen mit Bachelor-Studienordnungen überhaupt nicht zurechtkommen. Im 90-LP-Bachelor Biologie auf Lehramt gaben innerhalb der ersten fünf Semester 65 Prozent der Studierenden auf (zum Vergleich: in der alten Studienordnung waren es 17 Prozent). Weitere ähnliche Beispiele unter den Lehramtsstudiengängen finden sich zuhauf.

Ebenfalls unbeliebt: B.A.-Abschlüsse in den Geisteswissenschaften, v.a. wenn mensch den Vergleich mit den alten Studienordnungen zieht. Im 90-LP-Bachelor ‚Deutsche Philologie‘ brachen 18 Prozent der Studierenden ihr Studium vorzeitig ab. Verglichen mit den Durchschnittswerten (s. oben) ist das wenig, verglichen mit dem bisherigen Magisterstudiengang eine Versechsfachung: in der alten Studienordnung brachen nur drei Prozent der Studierenden ihr Studium ab.

Über die Philosophen heißt es in der Studie: ‚Der Schwund in den neuen Studiengängen ist inakzeptabel hoch. Mehr als die Hälfte [53 Prozent, um genau zu sein, Anm. d. Verf.] verlassen diesen Studiengang innerhalb von zwei Jahren. Dies war in dem auslaufenden Magisterstudiengang nicht der Fall.‘ (S. 25) In diesem betrug die Abbrecherquote gerade mal 14 Prozent.

Doch auch die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, die angeblich mannigfaltig von den neuen, ’strafferen‘, ‚praxisbezogeneren‘ usw. usf. B.A.-Abschlüssen profitieren sollten, schneiden geradezu desaströs ab. Als – zugegebenermaßen sehr negatives – Beispiel sei hier der Informatik-Studiengang erwähnt. Die Einführung des Bachelors verzehnfachte (!) hier die Abbrecherquote im Vergleich zum Diplomstudiengang: von sieben auf 71 Prozent im Monobachelor. Im 90-LP-Modul betrug der Schwund noch einmal mehr: nur gut jedeR zehnte (14 Prozent) blieb länger als fünf Semester dabei. Mit ein Grund: Studierende wechseln in höheren Fachsemestern offenbar ‚in erheblichem Umfang‘ (S. 17) in den Diplomstudiengang.

Dies passiert übrigens auch am OSI; während der Diplomstudiengang sogar noch dazugewinnt, also quasi einen ’negativen Schwund‘ aufweist, verlassen 36 Prozent der PolitikstudentInnen ihren Bachelorstudiengang.“ („Der ‚Erfolg‘ der Bachelor-Studienordnungen“, FSI OSI Blog, 05.12.07)

Der Tagesspiegel fasst die Erklärung für die geringere Abbrecherquote in den Magisterstudiengängen wie folgt zusammen:

„Wie kommt es aber, dass in den alten Magisterstudiengängen der Schwund so gering ist, obwohl dort die Abbrecherquoten als besonders hoch galten? Die Abgänge seien gut durch Studierende ausgeglichen worden, die in höheren Fachsemestern von anderen Unis an die FU wechselten, heißt es in dem internen Papier. Das sei im Bachelor bisher kaum passiert. Dies werde sich aber ändern, wenn andere Hochschulen entsprechende Studiengänge anbieten. Die Berliner Hochschulen und vor allem die FU gelten deutschlandweit als Vorreiter bei der Studienreform.“ („Streit um den Bachelor der FU“, Tagesspiegel, 07.12.07)

*lol* Natürlich! Wenn nur alle anderen Unis dieselben unbrauchbaren BA-Studiengänge anbieten, dann kann endlich auch beim BA fleißig von Uni zu Uni hin- und hergewechselt werden, weil man ohnehin überall denselben Dreck fressen muss.

Einen „Run“ gibt es eigentlich nur auf die alten Studiengänge

Vor die Wahl gestellt, einen alten Magister- / Diplom-Studiengang oder einen neuen BA-Studiengang zu studieren, entscheidet sich die Mehrheit immer noch für die erste Variante. Jedenfalls ist der immense Zulauf in diese alten, eigentlich ja auslaufenden Studiengänge schon sehr auffällig.

Statt nun aber zu hinterfragen, ob das mit der Bologna Reform wirklich so eine tolle Idee war, macht man lieber nach und nach alle alten Studiengänge dicht. Haben die Studierenden keine Alternative mehr, werden sie die BA-Studiengänge schon noch „lieben lernen“.

Denkbare Lösungsansätze für die jetzigen Probleme in den BA-Studiengängen

Ob die geplanten Gegenmaßnahmen als Reaktion auf die jetzige BA-Misere greifen oder überhaupt eingeleitet werden, wird sich noch zeigen.

Sicherlich kann man die Anzahl der Studierenden die sich „verwählt“ haben zukünftig reduzieren, wenn man die Informationsangebote vor Beginn des Studiums ausbaut. Also den BewerberInenn möglichst genaue Angaben darüber macht, was auf sie zukommt.

Bei den Kombi-Studiengängen muss darüber hinaus auch die Möglichkeit vereinfacht werden, sein Nebenfach („Modulangebot“) zu wechseln. Denn viele Abbrecher haben sich ja nicht versehentlich „verwählt“, sie wurden von Anfang an vor die Wahl gestellt, ein ihnen unliebsames „Modulangebot“ zu wählen oder es eben gleich ganz zu lassen. Es müssen also zum einen die Fächer stärker geöffnet werden, so dass auch jedeR die Kombination bekommt, die er / sie eigentlich möchte und zweitens, falls dies nicht möglich ist, dann im späteren Verlauf wenigstens noch die realistische Chance erhält, sein / ihr „Modulangebot“ zu wechseln.

Um zu vermeiden, dass die Studierenden aufgeben, weil sie sich „überfordert“ fühlen, reicht es vermutlich nicht, sie vorher intensiver über den bevorstehenden Arbeitsaufwand aufzuklären. Viel mehr muss ein Arbeitsaufwand der objektiv zu hoch ist, dann auch einfach reduziert werden. Wenn ein Viertel der Befragten angeben, sie hätten abgebrochen, weil sie überfordert gewesen wären, dann sind vielleicht einfach die Leistungsanforderungen generell zu hoch (zu viel Arbeit in zu kurzer Zeit).

Die BA-Studierenden als Probanden in den Reform-Experimenten der Unileitung

Natürlich könnte man sich alternativ auch eingestehen, dass die Studienreform im Sinne des Bologna Prozess‘ gescheitert ist. Der Bericht liefert jedenfalls genug Belege für diese These. Nur natürlich werden die Verantwortlichen das nicht tun, ein Ausstieg aus den neuen, modularisierten Studiengängen ist für sie aus vielerlei Gründen keine Option.

Sie werden stattdessen darauf verweisen, es „müsse nachgebessert werden“. Selbst wenn das aber nun tatsächlich getan wird, besteht natürlich immer noch keine Garantie, dass die BA-Studiengänge doch noch ein Erfolg werden. Denn liegt der Fehler im Konstrukt des modularisierten Studienaufbaus als solchem, hilft vermutlich auch kein Nachbessern mehr.

Und von denen, die Lenzens ehrgeizigen Plänen die FU zum „Vorreiter bei der Studienreform“ zu machen, bereits jetzt zum Opfer gefallen sind, redet ja schon gar keiner mehr. Das wird dann vermutlich unter „Verluste“ abgebucht, die der Fortschritt nun mal grundsätzlich immer mit sich bringt.

Davon ausgehend, dass die meisten Studienabbrecher die im BA-Sumpf der FU stecken geblieben sind, vermutlich nie wieder eine Uni von innen sehen werden (weil sie abgeschreckt und fürs Leben von dieser Erfahrung geprägt sind) und ohne Hochschulabschluss statistisch gesehen deutlich geringere Chancen haben später ein Auskommen zu haben von dem es sich wirklich leben lässt („prekarisiert“ werden), ist es wohl nicht überzogen zu behaupten, dass die „Experimentierfreude“ von Lenzen und Konsorten bereits jetzt Existenzen zerstört hat und wohl auch in Zukunft zerstören wird.

Denn nüchtern betrachtet sind die BA-Studierenden ja genau das: Probanden in den Reform-Experimenten der Universitätsleitung, die einen höheren „Ausschuss“ in der übereilten Übergangsphase billigend in Kauf nimmt, nur um bei der Umsetzung des Bologna Prozess‘ in Deutschland ganz vorne mit dabei zu sein.

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14 Antworten to “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”

  1. Mathias Bartelt Says:

    Lieber Niklas,

    in Bezug auf Deine Formulierung

    „…ist er nun offenbar doch öffentlich zugänglich.“

    sowie

    „Und offiziell hat ihn die FU offenbar auch nach wie vor nicht veröffentlicht (?).“

    zur Aufklärung: Als ich vor sieben Wochen die ersten Zahlen und Formulierungen aus dem Bericht bekam und darüber berichtete, lag mir der Bericht noch nicht selbst und nicht vollständig vor. Zu diesem Zeitpunkt war er nicht öffentlich und wurde unter Verschluß gehalten.
    Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch jetzt lag mir der Bericht endlich vollständig vor, so daß ich ihn auch materiell weiter geben konnte.
    Und die FU-Leitung hat nun in ihren Antworten auf journalistische Anfragen endlich bestätigt, daß dieser Bericht der Wahrheit entspricht, daß dies ihr Bericht ist.

    Ich begrüße die Debatte, die das nun innerhalb kurzer Zeit ausgelöst hat. Führt sie so weiter. Tragt das in alle Gremien, Fachbereiche und Institute. Die Debatte ist, nicht zuletzt dort, seit Jahren überfällig und es brodelt sehr bei vielen (auch Entscheidung tragenden) Lehrenden in unteren und höheren Ebenen, doch bisher traut sich kaum eineR, etwas offen bzw. öffentlich zu sagen, zumeist nur unter vor gehaltener Hand oder zumindest nur Instituts-intern. Denn nicht zuletzt in Fachbereichsräten, aber auch Institutsräten usw. war vor Allem eines in den vergangenen Jahren immer wieder zu hören, womit jede wirkliche oder fundamentale Kritik an BA usw. immer sofort ab gewürgt wurde: Der „Bolognaprozeß“ (bzw. das, was daraus gemacht wurde) sei nun mal da, die Diskussion sei vorbei, und so wie so: er sei unaufhaltbar. Es sei doch „unrealistisch“, etwas daran ändern zu wollen. Von Beginn seiner Einführung an, ja schon zuvor war dies mit die Hauptstütze in der „Argumentation“ für die Einführung. (Die selbe „Argumentation“ kennen wir seit zehn Jahren in Bezug auf die Einführung von Studiengebühren.)
    Mensch hatte oft genug den Eindruck, sich lächerlich zu machen, wenn wirklich ein Mal Kritik vor gebracht wurde – also wurde sie oft genug gar nicht mehr vor gebracht.

    Wie unrealistisch letztlich der Blick „von oben“, also derer, die den „Realismus“ für sich beanspruchen, auf die, wie Du hier zurecht ganz deutlich machst, vielen „zerstörten“ Existenzen ist, zeigt sich nun um so mehr.

    Mit bestem Gruß

    Mathias

  2. Wolf Dermann Says:

    Die Reflexbeschuldigung an die Adresse von Lenzen, bezüglich der frühen Einführung der gestuften Studiengänge, erweist sich wieder mal als Unfug. Dass wir vor drei Jahren flächendeckend mit minimalster Vorlaufzeit auf BA/MA umgestellt haben, ist Klaus Wowereit, Klaus Böger, Thomas Flierl und der Rot-Roten Koalition zu verdanken. Die haben damals im Oktober beschlossen, dass sämliche Lehramtsstudiengänge auf BA/MA binnen eines Jahres umgestellt sein müssten und gefordert, dass die Studienordnungen im Januar/Februar vorgelegt werden müssen. Kein Wunder, dass in der kurzen Zeit nichts gutes und durchdachtes entstanden ist. Leider hat man in den meisten Fächern bisher keine grundlegende Neukonzeption vorgenommen, sondern am Notfallprodukt nur ein wenig rumgebastelt. Das rächt sich nun im Ergebnis der Studie. Da müssen die Fachereiche endlich ran – und wir müssen vorgeben, wie.Übrigens hängt auch eine Rücknahme der Reform am Senat und am Abgeordnetenhaus, die die Reform rechtsverbindlich gemacht haben. Die Unigremien können das nicht. Wir müssen so lange also das beste aus der Situation machen – und die Blognavorgaben erlaben es allen Unkenrufen zu trotze auch. Außer der Zweistufigkeit und der studienbegleitenden Prüfung lässt sich nämlich wirklich alles darstellen, was früher bei Magister und Diplom auch möglich war.

  3. Niklas Says:

    || Dass wir vor drei Jahren flächendeckend
    || mit minimalster Vorlaufzeit auf BA/MA
    || umgestellt haben, ist Klaus Wowereit,
    || Klaus Böger, Thomas Flierl und der
    || Rot-Roten Koalition zu verdanken.

    Und Lenzen war hier nur ein armes Opfer, der die Bologna Reform gar nicht wollte? Nicht wirklich.

    Bologna war fester Bestandteil von Lenzens Vision vom Auftstieg der FU zur Netzwerk- und Eliteuniversität, zur „unternehmeristischen Uni Deutschlands“. Bologna stand für Fortschritt in der deutschen Hochschullandschaft und Lenzen wollte und will beim „Fortschritt“ ganz vorne mit dabei sein.

    Lenzen hat die Einführung der BA/MA-Studiengänge massiv forciert, ihm konnte es gar nicht schnell genug gehen.

    Insofern hat der Berliner Senat in ihm schon den Richtigen, um ein wenig Col. Kurtz im Dschungel zu spielen, mit all dem Wahn der dazugehört.

  4. Wolf Dermann Says:

    Nein. Ernsthaft. Wir waren bis zur Lehramtsumstellung bei BA/MA Laggards. Zu dem Zeitpunkt des Beschlusses des Berliner Senats hatten viele Unis, wie z.B. die Uni Darmstadt schon weit über die Häfte der Studiengänge umgestellt und akkreditiert. Bei uns war außer ein paar MA Studiengängen und Pilotprojekten damals noch nichts zu sehen. Nein, Lenzen und seine ganze Hochschulleherergruppe, die Vereinte Mitte, sind bis heute genauso strukturkonservativ wie die AStA-Gruppen, die am liebsten bis heute die unter Dauerkritik stehenden Diplom- und Magisterstudiengänge unverändert beibehalten hätten.

  5. Mathias Bartelt Says:

    Lieber Wolf,

    aus Zeitgründen hier nur in Kürze, zumal Niklas kaum etwas hinzu zu fügen ist:

    KeineR hat behauptet, daß politischer Senat und Koalition keine Mitverantwortung haben. Es ist nicht zuletzt der Senat, wie auch im damaligen Gespräch unserer Umfragegruppe mit der präsidialen Evaluationsgruppe von dieser beteuert wurde, der die Unis mit seinen Leistungsvorgaben „treibt“ und droht, bei zu wenig „Leistungen“ der Unis (in Form von vor Allem quantitativen „Ergebnissen“ beim Bachelor und in anderen Bereichen) diesen Gelder zu kürzen und den jeweils anderen Unis zu zu weisen. Die Unis geben das ihrerseits an die Fachbereiche und diese an die Fächer weiter. Fächern, die nicht genug und nicht schnell genug „Leistung“ in Form von BA-AbsolventInnen und anderer Form bringen, kann schnell ein Drittel ihrer Gelder verlustig gehen. Mittel zu dieser Durchsetzung dieser Kürzungsdrohungen sind nicht zuletzt die weit reichenden Vollmachten der Verwaltungsleiter der Fachbereiche.
    Dies hier nur auszugsweise – daß die Debatte viel breiter zu führen ist, ist evident und unstrittig.

    Auch darauf, „dass sämliche Lehramtsstudiengänge auf BA/MA binnen eines Jahres umgestellt sein müssten“, beruft sich die FU-Leitung gern entschuldigend dafür, daß auch sämtliche anderen Studiengänge mit um gestellt werden müßten. Natürlich. Ganz ab gesehen davon, ob dies überhaupt im Lehramt hilfreich ist.

    „Kein Wunder, dass in der kurzen Zeit nichts gutes und durchdachtes entstanden ist.“
    –> Konsens.

    Daß da AUCH die Fachbereiche ran müssen, ist ebenfalls Konsens. Und die KfL. Und der AS. Und viele Andere.

    Von einer „Reflexbeschuldigung“ zu sprechen erscheint mir wiederum wie ein „antikritischer“ Reflex, der mindestens eben so irrational begründet ist, wie das, was er zu kritisieren sucht.

    Was wolltest Du hier nun widerlegen? Den von Dir so empfundenen „Reflex“? Das erscheint mir etwas Reflex-artig :-).

    Herzliche Grüße

    Mathias

  6. observer Says:

    > Dass wir vor drei Jahren flächendeckend mit minimalster Vorlaufzeit auf BA/MA umgestellt haben, ist Klaus Wowereit, Klaus Böger, Thomas Flierl und der Rot-Roten Koalition zu verdanken. Die haben damals im Oktober beschlossen, dass sämliche Lehramtsstudiengänge auf BA/MA binnen eines Jahres umgestellt sein müssten und gefordert, dass die Studienordnungen im Januar/Februar vorgelegt werden müssen.

    dass stimmt allerdings und wird viel zu wenig beachtet. (vor allem war das natürlich ein versäumnis, vor drei jahren nicht genau dagegen entschieden protestiert zu haben.)
    gut also, dass die lhg jetzt darauf hinweist. kommt aber etwas spät. ich finde auch keinen beleg dafür, dass die lhg jemals zum protest gegen die BA/MA-umstellung aufgerufen hätte.

    >Übrigens hängt auch eine Rücknahme der Reform am Senat und am Abgeordnetenhaus, die die Reform rechtsverbindlich gemacht haben. Die Unigremien können das nicht.

    kannst du das mal näher erläutern? wo steht denn das „magister- und-diplom-totalverbotsgesetz“? wieso können die unigremien nicht beschließen, die alten studiengänge doch fortzuführen? wenn der senat dem die genehmigung versagt, ist zumindest klar, wer die verantwortung trägt.

    >Wir müssen so lange also das beste aus der Situation machen – und die Blognavorgaben erlaben es allen Unkenrufen zu trotze auch. Außer der Zweistufigkeit und der studienbegleitenden Prüfung lässt sich nämlich wirklich alles darstellen, was früher bei Magister und Diplom auch möglich war.

    die „bolognavorgaben“ erlauben schon deshalb alles, weil es gar keine verbindlichen „vorgaben“ sind, sondern bloße absichtserklärungen, an die sich niemand zu halten braucht (ausgerechnet großbritannien tut das z.b. auch nicht)
    entscheidungskompetenzen haben hier nur der landesgesetzgeber und die hochschulen selbst, anderslautende darstellungen sind teil der allgemeinen vernebelungstaktik.

    ebenso ist es vernebelungstaktik, wenn die verantwortung für die gemeinsame politik der landesregierung und der hochschulpräsidien nun zwichen diesen hin- und hergeschoben wird und angeblich immer der andere schuld ist (und sich einige studierende auch noch daran beteiligen).

  7. Ronny Says:

    Ich weiß, historische Debatten und Schuldzuweisungen sind wichtig, weil wir alle großen Spaß daran haben.

    Ich hab aber den schweren Verdacht, dass das nichts verbessert. Ist allerdings nur ein Verdacht. ;-)

    Wenn mein Gefühl mich nicht täuscht, ist die Erkenntnis, dass da was schiefgelaufen ist, mehr als deutlich in den Köpfen der Universität angekommen. Jetzt kann man zwar feststellen, dass das verdammt lange gedauert hat – und man kann erwarten, dass es auch noch eine Weile dauern wird, bis sich was bessert – aber hey, lieber kleine Fortschritte als keine Fortschritte.

    Bologna ist nicht böse. Und BA und MA sind auch nicht böse. Sie sind z.T. schlecht gemacht, zugegeben. Sie sind vor allem z.T. keine neu konzipierten Studiengänge sondern zerschnippelte alte Studiengänge, wo die Frage nach einem sinnvollen Übergang von einer Stufe zur nächsten zurecht gestellt wird. Daran sind so ziemlich alle Schuld, die daran mitgewirkt haben: Senat, Präsidialverwaltung, Fachbereichsverwaltungen und Professor/inn/en – und eine Studierendenschaft, die vielleicht nicht gut genug organisiert ist, um auf überfallartige Entwicklungen mit mehr als tumbem Protest zu reagieren.

    Aber mir kann niemand erzählen, dass man nicht in vielen Fächern 6-semestrige Studiengänge so konzipieren könnte, dass sie aus einem Schulabgänger einen lebens-, berufs- und selbst kritikfähigen Menschen machen.

    Nur, muss man dafür halt vernünftige Studiengänge basteln, neue Wege zu gehen bereit sein – und sich Zeit dafür zu nehmen, über Details nachzudenken. Nur nicht so viel Zeit, dass wieder zwei Kohorten von Studierenden durchs Rost gefallen sind. Zudem braucht es deutlich bessere Informationen vor dem Studium und mehr Hilfe in der Studieneingangsphase. Wenn diese nämlich vernünftig gelingt und nicht im Gerenne von Pontius zu Pilatus untergeht, ist ein Studienabbruch oder ein verlängertes Studium in vielen Fällen bereits verhindert.

    Ich könnte noch mehr schreiben, hab aber keine Zeit.

  8. Wolf Dermann Says:

    Die alten Studiengänge will ich nicht zurück, damit wir uns nicht falsch verstehen. Wer das will, der muss sich schon vor die Studentinnen und Studenten hinstellen und sagen: „Ohne mündliche und schriftliche Hammerprüfungen zur Studienmitte und am Studienende bekommst Du hier keinen Abschluss – und mit nur sechs statt wenigstens neun Semestern hast Du hier auch keine Ansprüche auf ein Abschlusszeugnis zu stellen.“ Wenn’d’es machen willst, nur zu. Ich kämpfe lieber für gutkonzipierte neue Studiengänge und einen gesicherten Masterübergang.

  9. observer Says:

    >Die alten Studiengänge will ich nicht zurück, damit wir uns nicht falsch verstehen. Wer das will, der muss sich schon vor die Studentinnen und Studenten hinstellen und sagen: “Ohne mündliche und schriftliche Hammerprüfungen zur Studienmitte und am Studienende bekommst Du hier keinen Abschluss – und mit nur sechs statt wenigstens neun Semestern hast Du hier auch keine Ansprüche auf ein Abschlusszeugnis zu stellen.” Wenn’d’es machen willst, nur zu. Ich kämpfe lieber für gutkonzipierte neue Studiengänge und einen gesicherten Masterübergang.

    was „die studierenden“ an und für sich oder „die studienanfängerInnen“ allgemein, am liebtsne wollen, kann man nur dadurch definitiv feststellen, das „alte“ und „neue“ studiengänge zumindest eine zeitlang parallel zu einander bestehen (auch für studienanfängerInnen, und ohne dass die einen schon von vornherein als „auslaufend“ abgestempelt werden), so dass sich empirisch feststellen lässt, welche bevorzugt werden

    genau das wird aber durch das verfahren der „umstellung“ der studiengänge von einem semester an, das ja nicht nur an der fu praktiziert wurde, generell unmöglich genmacht

    im übrigen besteht gar keine absolute imkompatibilität zwischen fortexistenz von magister- und diplomstudiengängen der herkömlichen form und 1. der möglichkeit, schon nach 6 semestern eine form von abschluss zu machen und 2. der ermöglichung von studienbegleitenden prüfungen, die einen teil der abschlussprüfungen ersetzen können, für diejenigen, die das wünschen

    dass hätte sich auch in form einer reform der magister- und diplomstudiengänge inklusive der einführung eines in dieser intergerierten bacherlorabschlusses umsetzen lassen (die ansätze, die es dazu an manchen orten schon gab, wurden aber abgebrochen, nach dem die kultusministerkonferenz vor einigen jahren die „totalumstellung“ nach dem holzhammerprinzip zur einzigen „bolognakonformen“ variante erklärte)

  10. Advent, Advent, die Lehre brennt « FUwatch Says:

    […] katastrophalen Zustände zu deckeln. Der berüchtigte “Studienerfolgsbericht” (siehe “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”) ist inzwischen online verfügbar und es gibt immer mehr Artikel in den Medien zu dem Sachverhalt […]

  11. Fünfte OZ-Ausgabe die bisher deutlich beste « FUwatch Says:

    […] die “Frühjahrsoffensive” (alias der “Aktionstag”), der Skandal um den “Studienerfolgsbericht”, […]

  12. Folgebericht zum FU-”Studienerfolgsbericht” veröffentlicht « FUwatch Says:

    […] Folgebericht zum FU-”Studienerfolgsbericht” veröffentlicht Wie der FSI Blog und der LHG Blog berichten, ist nun der Folgebericht zum inzwischen legendären “Studienerfolgsbericht” (siehe Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne). […]

  13. Eklat im Akademischen Senat der FU « die fachschaftsinitiativen Says:

    […] auch hier die Berichterstattung auf FUwatch: “Advent, Advent, die Lehre brennt” und “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”.), Magister-Student sei, falsche Berichte über die Sitzungen der KfL veröffentlicht hätte und […]

  14. Was erlauben Bartelt! « FUwatch Says:

    […] auch hier die Berichterstattung auf FUwatch: “Advent, Advent, die Lehre brennt” und “Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne”.), Magister-Student sei, falsche Berichte über die Sitzungen der KfL veröffentlicht hätte und […]

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