Die LHG über „Moral“, „sittenfernes Benehmen“ und den „intrinsischen Teil des Grundgesetzes“

Unlängst war der Vorstandschef des Axel Springer Verlags, Matthias Döpfner, Gast im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, um sich in einem Gespräch mit dem „Manager Magazin“ zum Thema „Karriere 2008 – Einstieg, Aufstieg, Umstieg“ zu äußern. Insbesondere sollten dort zentrale Fragen geklärt werden, wie z.B. „Wie gelingt ihnen der Einstieg in einen großen Konzern?“. Die FSI Geschichte fasst das wie folgt zusammen:

“ (…) Da hat uns aber jemand tief in die Seele geschaut. Krisen und Ängste wo man hinsieht – Kreditkrise, Erdbeben, Klimaschock, Volksverdummung, dazu auch noch Arbeitslosigkeit und ein drohender Karriereknick nach dem Jodeldiplom: die Schließmuskeln der Vorstandsvorsitzenden sind unserem Aufstiegsdrang einfach nicht zugänglich!“ („Campustalk mit Springer“, FSI Geschichte Blog, 05.12.07)

Entsprechend enttäuscht zeigt sich die FSI, dass die Veranstaltung nur so verhältnismäßig schwach beworben wurde. Leider, so weiter, reichte auch die Zeit nicht mehr, um dem FB WiWiss etwas bei der Bewerbung der Veranstaltzung zu unterstützen. Immerhin hat man aber ein altes Plakat zum Thema Springer ausgegraben. Etwas altbacken vielleicht, es gibt ja längst neuere, wie z.B. das des Titanic-Magazins zum 50jährigen Bild-Jubiläum.

Allerdings hat man wohl auch nicht viel verpasst, wenn man der Veranstaltung nicht beiwohnen konnte. So schreibt der Kommilitone Thomas Eichentopf im LHG-Blog:

„Mag man über die Antworten von Herrn Döpfner geteilter Meinung sein. Meiner Ansicht nach blieb er blass und beschränkte sich auf Standardsätze, die einem lange schon aus den Ohren heraushängen. Auch die Fragen der beiden Interviewer vom Manager Magazin trugen nicht wirklich zu inhaltlicher Tiefe bei, sondern wirkten vielfach wie einstudierte Vorlagen.“ („Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden“, LHG Blog, 05.12.07)

Was zwar bedauerlich sein mag, aber ehrlich gesagt auch nicht sonderlich überrascht. Ich meine, was sonst kann man denn von so einer Veranstaltung anderes erwarten, als das übliche Manager-Karriere-Gedöns?

Interessant ist ohnehin eher, was Thomas dann zum DLFC schreibt (der offenbar zumindest die LHG regelmässig in Aufregung versetzen kann).

„Von Beginn an unterbrachen sie das Gespräch mit Wellen von Beifall, Jubel und Trampeln. Auch auf mehrmalige Ermahnung durch Prof. Schreyögg waren sie nicht in der Lage, ihr Benehmen anzupassen.“ („Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden“, LHG Blog, 05.12.07)

*rofl* Die unverschämten Studierenden wollten einfach dem Herrn Professor nicht gehorchen! Skandal! Wo soll das noch hinführen, wenn jetzt nicht mal mehr den Worten einer offiziellen Autoritätsperson Gehör geschenkt wird! Was erlauben Strunz!

„Vielleicht wusste der Fanclub das nicht, aber für manchen Studenten im Raum war es eine akademische Pflichtveranstaltung. Vielleicht interessierte es den Club nicht, aber mancher hatte wohl ein Interesse daran, Herrn Döpfner zuzuhören, und reiste extra dafür abends noch einmal zur Uni. Egal: Beiden Gruppen hat der Club letztlich zwei Stunden ihrer Zeit gestohlen.“ („Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden“, LHG Blog, 05.12.07)

Nun ja, offensichtlich waren die Störungen durch den DLFC doch das einzige, was die inhaltlich eher öde Veranstaltung etwas aufgepeppt hat. Ansonsten hätte Thomas ja auch sicherlich mehr über den Inhalt des Interviews als über die Störversuche geschrieben.

„Ehrlich, das war eine Veranstaltung aus dem Kindergarten. Von erwachsenen Studenten erwarte ich, dass sie in der Lage sind, andere zu respektieren. (Das ist im Übrigen auch ein Recht, das vom Verfassungsgericht bestätigt sein dürfte, nämlich intrinsischer Teil des Grundgesetzes, auf dessen Freiheiten sich von bestimmter Seite gerne und natürlich per se völlig zu Recht berufen wird.) Was der Dieter Lenzen-Fanclub zeigt, ist nicht gebildete Satire, sondern einfach sittenfernes, schlechtes Benehmen von Starrköpfen. (..:) Geht das weiter, wird der Ruf der Universität sicherlich beschädigt werden“ („Campus Talk mit Matthias Döpfner: Wie andere meine Zeit verschwenden“, LHG Blog, 05.12.07)

Der DLFC ignoriert Grundrechte und ist „sittenfern“! Gleich mal beim Verfassungsschutz durchklingeln! Oder lieber sofort die GSG9 anfordern!

Als dann auch noch bekannt wird, dass bei der ganzen Sache ein „Ledersessel“ entwendet wurde und die FU deswegen Anzeige erstattete, kann den Kommilitonen Eichentopf endgültig nichts mehr halten. In einem weiteren Blogeintrag schreibt er:

„Ich frage mich, einigermaßen frustriert: Wo sind uns Moral und Geist nur geblieben? Wer was gesehen hat, könnte hier natürlich dazu beitragen, den ramponierten Ruf der Studenten wieder herzustellen. Muss man ja nicht weit denken, wem dieses Vergehen allgemein zugeschrieben wird – das aber, hoffe ich ehrlich, sicherlich zu Unrecht.“ („Nachspiel: Skandal folgt Klage“, LHG Blog, 06.12.07)

Die Frage ist, meint er das ernst oder ist das einfach nur ein bißchen Provo? Echauffiert er sich wirklich so über diesen Vorfall oder ist das nur aufgesetzt?

Jedenfalls kommen mit diesem wertkonservativen Geschwurbel neben den informativen auch endlich wieder unterhaltsame Einträge im LHG-Blog zu stande. Wenn die LHG Eichentopf nicht in den RCDS abschiebt, gibt es vielleicht weitere dieser Perlen (z.B. warum man 129a auf den DLFC anwenden kann oder ähnliches).

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3 Antworten to “Die LHG über „Moral“, „sittenfernes Benehmen“ und den „intrinsischen Teil des Grundgesetzes“”

  1. Ronny Says:

    Naja, Niklas, hin und wieder müssen wir halt mal „Perlen“ vor die Säue werfen, um einen längeren Bericht von dir zu erhalten. :-D

    Und ab und zu mal eine ordentliche Echauffierung mit ordentlich Pathos hat noch keiner politischen Debatte geschadet. Ich erinnere mich noch gut an grandiose moralische Reden gefolgt von exzellenten, wutschnaubenden Abgängen von Ex-AStA Referent David Hachfeld aus verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen.

  2. Thomas Says:

    Lieber Niklas,

    vielleicht äußere ich mich kurz selbst. Ärgerlich war ich nicht, weil jemand einem Professor widersprach. Es ging hier um die Art und Weise, mit der allerdings einem sehr engagierten Professor klar aufgezeigt wurde, wie man sein Engagement würdigte.

    Mir tut Prof. Schreyögg ehrlich sehr leid, der nämlich gestern noch unglaublich betroffen davon war – und zwar persönlich. Wenn der DLFC es erreicht, Professoren zu vergrätzen, die normalerweise auf Seite der Studenten stehen und daran interessiert sind, ihnen möglichst viel beizubringen, na ja, dann erreicht er doch auch nicht, was er sich auf die Fahnen schreibt. Er hinterlässt nur noch ein paar Trümmer mehr.

    Mit Sitte meinte ich daher, und das geht aus dem Kontext deutlich hervor, einfach die allgemein übliche Weise, wie wir miteinander umgehen – nämlich geprägt von Respekt voneinander, weil jeder das für sich in Anspruch nimmt und jeder das dem anderen zuzugestehen hat.

    Über den Inhalt des Vortrags gibt es nicht mehr zu schreiben, als ich geschrieben habe: Hat mir nicht gefallen. War nicht sehr gehaltvoll. Hätte man sich sparen können. Da hätte es den Fanclub dann nicht auch noch gebraucht, um zu wissen, dass der Nachmittag ohnehin schon vertan war.

    Und ich möchte noch einmal klarstellen: ICH sage NICHT, dass der DLFC oder irgendjemand vom ASta diesen Sessel gestohlen hat. Ich sage nur, dass viele das nach den Vorkommnissen denken werden. Die Kritik des Nachspiels fasst diesen Gedanken zusammen und richtet sich allerdings gegen den Deppen von Dieb, der mich persönlich zwanzig mal mehr stört als die Radaumacher vom DLFC.

    Zuletzt: (1) Würdest du mich kennen, würdest du feststellen, dass ich nicht zum RCDS passen könnte. (2) Ich meine das ernst und bin wirklich sauer. (3) Danke für dein ansonsten sehr informatives Blog und die auch angebracht kritische Berichterstattung.

  3. Dieter Lenzen Fanclub Says:

    Verehrte Exzellenzen,

    in Anbetracht der jüngsten Ereignisse sehen wir uns gezwungen, eine Erklärung zu den Geschehnissen des 5.12. 2007 abzugeben, als eine Horde Salonkommunisten im Hörsaal A des Henry-Ford-Baus versuchte den Dieter Lenzen Fanclub öffentlich durch rüpelhaftes Verhalten zu diskreditieren. Wir können und werden dergleichen nicht dulden.

    Wir erklären hiermit:

    Der Dieter Lenzen Fanclub distanziert sich von den Störungen während des Auftritts des hochgeschätzten Dr. Döpfner und erklärt seine vollste Solidarität zu den Leitlinien des Axel Springer Konzerns. Wir erklären unsere tiefste Hochachtung für die persönlichen wie beruflichen Leistungen von Dr. M. Döpfner und sehen uns aufgrund des tiefen Zynismus, mit dem diese Sonntagsnachmittagsrevoluzzer diesen
    Leistungen begegnen, gezwungen sie hier wieder en detail und mit dem gebührenden Respekt aufzuführen.
    Besonders empörend ist es, dass die linken Parasiten sich ausgerechnet eine unpolitische Veranstaltung zum Thema Karriere auswählten, um ihr menschenverachtendes, stasidurchzogenes Gedankengut zu propagieren.
    Mit Herrn Dr. Döpfner hatten wir eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet des Karrierestrebens, ist er doch verantwortlich für die Prägung des Begriffes der Döpfnerkurve und gilt, so der Stern, als „unübertroffen“.
    Wie er bereits erklärte, hat Aufstieg immer auch mit Glück und Chancen zu tun. Im Stern heißt es hier zu seinem Werdegang wie folgt: „Zuerst machte der Verlag Gruner + Jahr (Stern, „Brigitte“) ihn zum Chefredakteur der „Wochenpost“, die er nach seinen Vorstellungen umgestaltete. Sie verlor Auflage, musste verkauft und kurz darauf eingestellt werden. Dann wurde er Chefredakteur der „Hamburger Morgenpost“, die er umgestaltete. Sie verlor Auflage und wurde verkauft. Sein nächster Job war Chefredakteur der „Welt“, die er umgestaltete. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er sie später mit der „Berliner Morgenpost“ zwangsfusioniert.“
    Mathias Döpfners wirtschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der negativen Auflagensteigerung können nur betont werden und als leidenschaftlicher Mensch mit Prinzipien brachte er den Springerverlag aus seiner jahrelangen Stagnation heraus in ein massives Plus bei der Auflagenminimierung.
    Der Vorwurf der Heuchelei, respektive gewissenloser Spekulation, kann keinesfalls erhoben werden. Dr. Döpfner begünstigt durch seine Konzernpolitik einzig und allein die Flexibilität seiner Mitarbeiter und hilft bei einer abwechslungsreichen Gestaltung der Vitae. Erst kürzlich, im Frühjahr 2006, gab er 4000 Mitarbeitern des Konzerns die
    Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung abseits ausgetretener Pfade.
    Wir müssen Döpfner nicht nur als großherzigen Gönner auf dem Gebiet der „Privatdiversifizierung“ sehen, sondern zudem als politischen Revolutionär und Vordenker.
    Nachdem der PIN Group gegen ihren ausdrücklich artikulierten Willen von linken Populisten ein Mindestlohn aufoktruiert wurde, erwog Döpfner sofort, so die FTD, Schritte zur Befreiung aus dem Lohnzwang – von „Verkauf bis zur Schließung.“

    Wir, der Dieter Lenzen Fanclub, distanzieren uns von den Vorwürfen, hier liege böser Willen, profitsteigernde Interessen oder das „Verramschen von Humankapital“ vor. Das vermeintliche persönliche Unglück der betroffenen Springerangestellten stellt sich bei einer differenzierten Betrachtung von Döpfners Lebenslauf sehr schnell als erster Schritt in Richtung einer Aufsichtsratsposition dar. Berufliche Pleiten, der rote Faden in Döpfners Lebenslauf, beweisen, dass es die Exzellenz des Namens, nicht die der Leistung ist, die maßgeblich für die Karriere im Leistungssystem ist. Wir, die Exzellenzen der deutschen Elite, begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich und weisen den pöbelnden Mob darauf hin, dass auch sie Nutznießer unseres guten Namens sind.
    Wir werden keine weiteren Störungen des universitären Exzellenzbetriebes dulden und zukünftige Zwischenfälle mit der vollen Härte der uns zur Verfügung stehenden Mittel ahnden. Hinweise, die zur Ergreifung der Störenfriede und Vandalen führen,
    werden vom Dieter Lenzen Fanclub mit einer Ehrenmitgliedschaft entlohnt.

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