Kontroverse um das „Freiheitsdenkmal“

Wie angekündigt gab es gestern eine Podiumsdiskussion zum unstrittenen „Freiheitsdenkmal“. Wie nicht anders zu erwarten, blieb FU-Präsident Lenzen der Veranstaltung trotz mehrfacher Einladung mal wieder fern und schickte auch keineN VertreterIn.

Dennoch kam es zu einer kontroversen Diskussion besonders zwischen Ralf Hoffroge (FSI Geschichte) und Prof. Wippermann auf der einen und einem Angehörigen eines Ermordeten auf der anderen Seite. Hierbei ging es um die Frage, ob die Ermordeten der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) bzw. dem „Narodno Trudowoi Sojus“ („Völkischer Arbeiterrat“) angehörten (bzw. nahestanden) oder nicht:

„Nach den Eingangsvorträgen gab Moderatorin Kerstin Bischl das Wort ans Publikum, hier kam es dann teilweise zu heftigen Kontroversen zwischen Herrn Utecht, dem Bruder eines der ermordeten Studenten und den Podiumsgästen. Insbesondere über Vorwürfe bezüglich ’schlampiger Recherchen‘ und ungesicherter Quellen bis hin zu angeblich verwendeten ‚Stasi-Informationen‘ gab es heftigem Streit. Sowohl der AStA-Vertreter als auch Professor Wippermann wiesen die Vorwürfe zurück und betonten, sie stützten sich nur auf offizielle Angaben und Ausstellungstexte des Präsidiums. Diese haben die ‚Kampfgruppe‘, den ‚Völkischen Arbeiterrat‘ und auch die West-Geheimdienste klar und eindeutig als Partner der Studenten benannt.

Die weitere Forderung von Herrn Utecht, die ermordeten zehn Studenten in ihrer Biographie ernst zu nehmen, stieß hingegen auf klare Zustimmung beim Podium. Martin Schönfeld betonte: gerade weil man sie Ernst nehmen wolle, müsse man fragen ob dieses für einen ganz anderen Zusammenhang entworfene Denkmal eine sinnvolle Geste oder nicht eine Instrumentalisierung sei.“ („Kontroverse um ‚Denkmal'“, AStA FU Nachrichten, 07.11.07)

Ebenfalls anwesend war Martin Schönfeld vom „Büro für Kunst im öffentlichen Raum“, der die merkwürdige Entstehungsgeschichte des „Freiheitsdenkmals“ darlegte:

„Schönfeld bestätigte noch einmal, dass die Skulptur keineswegs als Denkmal entstanden ist. Vielmehr sei sie vom Bankhaus Oppenheim für den südlichen Vorplatz des neuen Hauptbahnhofes in Auftrag gegeben worden. Eine Aufstellung dort sei jedoch an der zuständigen Senatskommission gescheitert, die ihr Veto eingelegt habe. Die Kommission, in der er auch mitarbeitete, habe stattdessen verschiedene Brachen und Grünflächen am Stadtrand als Aufstellungsort empfohlen. Insbesondere diese Enthüllung löste im Publikum einiges an Heiterkeit aus. Nur weil die Gegenvorschläge als Repräsentationsorte für das Bankhaus nicht attraktiv erschienen, sei die Skulptur quasi als ‚drop-art‘ an die FU gekommen. Man solle sie daher als Kunstwerk in der Tradition des Post-Kubismus nehmen, ein Denkmal sei das Werk jedoch keinesfalls.“ („Kontroverse um ‚Denkmal'“, AStA FU Nachrichten, 07.11.07)

Schönfeld regte ferner an, die FU-Studierenden sollten mit Zettelaktionen rund um das „Denkmal“, sowie mit Diskussionen und anderen Aktionen eigene Inhalte und eine eigene Erinnerungskultur aufbauen. Diesem Vorschlag schloß sich Ralf Hoffrogge im Namen des AStA an (ebd.).

Vermutlich dürfte es allerdings nicht bei „Zettelaktionen“ und „Diskussionen“ bleiben, das wäre „FU-untypisch“. Die Prognose von FUwatch lautet: Das „Freiheitsdenkmal“ wird von AktivistInnen in naher Zukunft entweder bemalt, zerstört oder komplett entwendet (je nach Organisationsgrad der AktivistInnen).

Advertisements

3 Antworten to “Kontroverse um das „Freiheitsdenkmal“”

  1. AktivistInnen verschönern “Denkmal” « FUwatch Says:

    […] verschönern “Denkmal” Wie von Protestierenden angekündigt (siehe “Kontroverse um das ‘Freiheitsdenkmal’”), gab es jetzt beim “Second-Hand-Denkmal” eine “Zettelaktion”, sprich das […]

  2. Fünfte OZ-Ausgabe die bisher deutlich beste « FUwatch Says:

    […] mehrere Konflikte in der jüngeren Vergangenheit. Der ewige Namenstreit um den Henry-Ford-Bau, Lenzens “Freiheitsdenkmal” und die zu schwache Auseinandersetzung mit dem ehemaligen “Kaiser-Wilhelm-Institut für […]

  3. Gute 48er, böse 68er « FUwatch Says:

    […] als Erinnerung an die in die SU verschleppten FU-Studierenden. Dass es um dieses Denkmal eine breite Kontroverse gab, dass sowohl das Denkmal als solches (die “Second Hand” Herkunft der Skulptur), […]

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: