Der AStA, der Lenzen Fanclub und die LHG

In einem aktuellen Eintrag im LHG-Blog versucht Ronny die Verwicklungen der AStA-Koalition in die Aktionen des „Dieter Lenzen Fanclubs“ (DLFC) zu belegen. Dafür zieht er eine Email aus dem FaKo-Verteiler, der Mailing Liste der AStA-tragenden Fachschaftsinitiativen (FSIs), heran. In der Email wird dazu aufgerufen, dem FU-Präsident im Zuge einer Veranstaltung am Freitag („Einstein Lectures Dahlem“) erneut zu „huldigen“, die Veranstaltung also ähnlich zu stören wie unlängst die Immatrikulationsfeier (siehe „Lenzen Fans sprengen Immatrikulationsfeier“).

Hintergrund ist offenbar ein weiterer Eintrag im LHG-Blog über die Störung der Immafeier. Dort kam es in den Kommentaren zu einer längeren Diskussion zwischen Sympathisanten und Gegnern der Störaktion. Betont wurde seitens der Sympathisanten dabei unter anderem auch, dass der DLFC eine vom AStA unabhängige Gruppierungen ist. Ronnys neuster LHG-Post stellt offenbar den Versuch dar, dieses Statement zu widerlegen.

Nun ist der DLFC soweit ich das erkennen kann, eine recht lose Gruppierung. Wer alles dazu gehört und wer nicht, lässt sich pauschal nicht sagen. Grundsätzlich kann jedeR sich an den satirisch-sarkastischen Aktionen des DLFC beteiligen und je nach Veranstaltung sind dies vermutlich unterschiedlich viele Personen. Es gibt anscheinend nicht so etwas wie eine feste Mitgliederstruktur.

Da nun der DLFC und der AStA dem FU-Präsidum gleichermaßen äußerst kritisch gegenüberstehen, kann es auch nicht verwundern, dass sich unter den Sympathisanten des DLFC möglicherweise auch Studierende finden, die sich sonst auch in den AStA tragenden Hochulgruppen / FSIs engagieren bzw. als dem AStA nahestehend gelten. Dies belegt aber noch nicht, dass der DLFC eine Art „Tarngruppe“ des AStAs ist, bei der dieser im Hintergrund die Fäden zieht. Viel mehr scheinen auch Studierende bei den „DLFC-Events“ mitzumischen, die sonst nicht viel mit dem AStA zu tun haben. Trotz eventueller „personeller Überschneidungen“ braucht der DLFC daher den AStA nicht, um sein Vorgehen zu koordinieren. Insgesamt erscheint es durchaus angebracht, den DLFC als eine autonome Bewegung zu betrachten – obgleich man sicherlich auch festhalten kann, dass sie dem AStA politisch nahesteht.

Wesentlich schwieriger und kritischer ist dagegen die Frage zu beantworten, inwieweit die Störer auf der Immatrikulationsfeier mit ihrem Protest die Unterstützung der Mehrheit der anwesenden Studierenden hatten oder nicht. Diese Frage taucht bei solchen Aktionen immer wieder auf, sie muss aber wegen ihrer Brisanz auch immer wieder diskutiert werden. Denn entsprechen die Störer mit ihrem Vorgehen nicht dem Willen der Mehrheit der Anwesenden, sollte schon thematisiert werden, mit welchem Recht die Störer dann eigentlich glauben, die Veranstaltung sprengen zu dürfen.

Ich denke man kann behaupten, dass wenn eine kleine Gruppe eine Veranstaltung sprengt, sie in der Regel damit nicht nur den Unmut der Veranstaltungs-Leitung heraufbeschwört, sondern auch den der Mehrheit der anwesenden Personen im Auditorium. Denn wenn jemand in eine Veranstaltung geht, um sich einen Redner anzuhören, dann wird er es doch immer als negativ empfinden, wenn auf einmal andere Personen in die Veranstaltung kommen, die den Redner nicht ausreden lassen wollen. Basierend auf diesem Zusammenhang halte ich es doch für sehr unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der auf der Immatrikulationsfeier anwesenden Erstsemester Verständnis für die Störaktion des DLFC aufbringen konnte.

Die Erstsemester wissen aber auch nichts oder vermutlich nur sehr wenig darüber, wie Lenzen diese Uni leitet. Das Argument, es sei schlicht und ergreifend undemokratisch, jemanden nicht einmal zur Rede kommen zu lassen, unterstellt direkt oder indirekt immer auch, man habe es beim Redner mit einer Person zu tun, die sich selbst auch an die demokratischen Spielregeln hält. Genau das ist bei Lenzen aber eben nicht der Fall, wie jedeR erkennen muss, der/die sich näher mit seiner Hochschulpolitik beschäftigt.

Würde Lenzen die FU nicht mit seiner klaren Top-Down-Strategie führen, die z.B. sogar soweit reicht, dass er den Fachbereichen erklärt, wen sie zum Professor machen dürfen und wen nicht, dann bestünde auch gar keine Notwendigkeit, ihn auf irgendwelchen Veranstaltungen niederzubuhen (bzw. „niederzujubeln“), weil man Differenzen dann im Diskurs beilegen könnte. Die Notwendigkeit dieser „Guerillataktik“ ergibt sich demnach erst aus den undemokratischen Strukturen und den asymmetrischen Machtverhältnissen, die an der FU vorherrschen.

Wie sonst sollte man sich gegen Lenzen und seine Politik wehren, wenn nicht auch durch solche medienwirksamen (sic!) Störaktionen? Sicher, aus Sicht von Gruppen wie der LHG sind solche Störaktionen einfach nur destruktiv (das kann man aus den Blogeinträgen herauslesen). Allein stehen sie mit dieser Position keineswegs. Und tatsächlich stellt sich natürlich die Frage, ob die Antwort auf undemokratischen Strukturen darin bestehen kann, dass man selbst zu undemokratischen Methoden (und das Niederbuhen („Niederjubeln“) eines Redebeitrags, der von der Mehrheit der Anwesenden durchaus gehört werden will, ist per se erst einmal immer undemokratisch) greift. Wüssten die „unbedarften“ Erstsemester allerdings was die „Störer“ wissen, wären sie vermutlich eher bereit, für die Störaktion Verständnis aufzubringen. Ferner ist zu beachten, dass hier nicht jemand niedergebuht wurde, der mit dem Auditorium auf Augenhöhe kommuniziert, sondern sich hierarchisch über ihm wähnt und eine Gegenrede i.d.R. nicht zulässt oder aber Gegenargument mittels Machtposition vom Tisch fegt. Auch dies muss bei der Bewertung der Situation natürlich berücksichtigt werden.

Letztlich stellt sich natürlich auch die Frage, wie Gruppen wie die LHG, die solche aktivistische „Bambule“ generell abzulehnen scheint, sich dann alternativen Widerstand (oder meinetwegen Protest) gegen die verfehlte Politik des Präsidiums vorstellt (denn die Defizite in Lenzens Hochschulpolitik werden ja auch von der LHG keineswegs bestritten). Man verfällt hier scheinbar dem Irrglauben, dass man mit einem Autokraten wie Lenzen letztlich immer noch irgendwie reden könne, dass man durch Einwürfe in Gremien dazu beitragen könne, dass Lenzen seinen Kurs korrigiert. Doch das funktioniert so offenbar einfach nicht.

Um Druck zu erzeugen ist es stattdessen notwendig, für die desaströse Situation an der FU Öffentlichkeit zu erzeugen, auch Dritte auf die verfehlte Hochschulpolitik des Präsidiums aufmerksam zu machen. Insofern haben Aktionen wie die des DLFC natürlich eine Berechtigung und bringen Lenzen zumindest ein stückweit in die Defensive (durch das Herbeiführen von FU-kritischer Berichterstattung in den Medien und die Einengung von Lenzens Möglichkeiten sich auf öffentlichen FU-Veranstaltungen zu profilieren).

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18 Antworten to “Der AStA, der Lenzen Fanclub und die LHG”

  1. Carsten Says:

    Zu sagen, die kleinen Erstis sind unwissend und sie unterstützten uns, wenn sie nur entsprechend informiert wären, ist anmaßend und natürlich undemokratisch. Davon abgesehen sind solche Aktionen zwar für die Selbstdarstellung und auch das Selbstwertgefühl der „Störer“ förderlich, sie rufen aber bei denen, welche die linksradikale Politik des Asta nicht unterstützen, nicht sonderlich viel Sympathie hervor. Und das sind nunmal mindestens zwei Drittel der Studenten…

  2. gurkensalat Says:

    …genau.

    „> Denn wenn jemand in eine Veranstaltung geht, um sich einen Redner anzuhören,“

    zu auftritten von dieser sorte gehen sowieso die wenigsten, um sich etwas anzuhören, sondern die meisten, um „dagewesen zu sein“ und letztlich zu schlafen.

  3. gurkensalat Says:

    „…genau niklas“, nicht „genau carsten“.

    wobei ich dir darin zustimme dass die asta-menschen sich für viel zu erleuchtet halten.
    ist aber kein grund gegen das stören einer rede, wenns der eigenen einstellung entspricht.

    und im übrigen ist der dlfc wirklich kein abbild oder „arm“ des asta.

  4. Ronny Says:

    Hallo Niklas,

    ich wollte zunächst nochmal deutlich machen, dass ich mitnichten nachweisen möchte, dass der AStA oder die AStA-Koalition als solche Aktionen durchführen oder der Dieter-Lenzen-Fanclub eine offizielle oder inoffizielle Ausgründung anderer offizieller Gruppen ist. Aber offensichtlich vermuten die Anhänger des DLFC auf einem FSI-Verteiler keine ablehnenden Reaktionen und erhoffen sich „erneut“ (Zitat) eine gelunge Störaktion und Mitarbeit der Mitlesenden. Letztendlich ist die AStA-Koaltion und der Kreis der Sympathisierenden eine Gruppe mit fließenden Übergängen, wo nie klar wird, wer eigentlich für was steht und mit welchen Mitteln bereit ist, das durchzusetzen. Durch diese bewusste Unklarheit wird jede direkte Kritik versucht mundtot zu machen, weil man es immer auf „unabhängige“, „autonom handelnde“ Menschen schieben kann, die ja mit den offiziellen und inoffiziellen Strukturen überhaupt nichts zu tun haben.

    Letztendlich ist aber deine Frage, was Gruppen, die wie die LHG nichts von Niederbrüllen und Fundamentalopposition halten, anders machen würden, vollkommen gerechtfertigt: Sie zeigt nämlich, das wir (scheinbar) gezwungen sind, uns zu rechtfertigen, während die Aktionisten bereits durch Aktionen gerechtfertigt scheinen – obwohl sie effektiv in den letzten Jahren nichts von alledem verhindern haben, was an dieser Uni passiert ist.

    Wenn es nach Gruppen wie der LHG ginge, wäre die Studierendenvertretung deutlich glaubwürdiger, weil sie a) ihre Finanzen und ihr allgemeines Handeln transparenter gestalten und b) ihre Antrags- und Teilnahmerechte in allen Gremien regelmäßig wahrnehmen würde. Wenn es nach uns gehen würde, würde die so eine kontinuierlich wirkenden Konstante werden, die auch von allen Partnern und Gegnern innerhalb und außerhalb der Uni ernst genommen wird, was man letztendlich braucht, um die eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Wenn es nach uns ginge, würden die Gelder der Studierenden zunächst und zuvorderst für Aktivitäten an der Universität eingesetzt werden, mit denen den Studierenden nicht nur abstrakt-ideologische und polemische Positionen vorgesetzt sondern sie konstruktiv in die Gestaltung studentischer Politik einbezogen würden. Wenn es nach uns ginge, würde der AStA vielmehr Öffentlichkeitsarbeit nach innen betreiben und nicht nur einmal jährlich großen Protest ausrufen lassen, um die gesammelten Probleme des ganzen Jahres alle auf einmal herauszuposaunen.

    Das Problem ist, dass dies alles nicht gewünscht wird.

    Das Problem ist, das Gruppen wie die LHG eben keine finanzstarken Gruppen sind – wir engagieren uns mit unserer eigenen Zeit und mit unserem privaten Geld (zusammen gut einem Tausendstel dessen, was der AStA zur Verfügung hat). Und andere, politisch gemäßigte Gruppen können garnicht erst gedeihen, weil sie von dem Gewicht und der Öffentlichkeitswirksamkeit der „Hausmacht“ und sonstigen „unabhängigen“ Niederbrüllern in den Schatten gedrängt werden.

    Ein Beispiel: Solche Sachen wie die Berufspraxis des Präsidiums sind auf unserem Blog (und andernorts) seit ihrem Bekanntwerden im April/Mai öffentlich gemacht und danach an höchster Stelle angesprochen und nochmals öffentlich gemacht worden. Haben wir damit etwas bewegen können? Direkt nicht. Aber immerhin wurde es öffentlich. Hat die Studierendenvertretung schnell darauf reagiert? Nein! Es wird gewartet, bis das ganze echtes Protestpotenzial hat, wenn man endlich mobilisieren, demonstrieren und protestieren kann. Solange man vielleicht noch was ändern kann, taucht selten jemand auf, der hartnäckig dranbleibt. Erst, wenn es zu spät ist: dann ist man da und ärgert sich, dass es zu spät ist…

    Nächste Woche Donnerstag wird es zum ersten Mal ein Vernetzungstreffen der Gremien-Studis an der FU geben. Wir haben das seit zwei Jahren gefordert, aber nichts ist passiert. Vielleicht ist das ja ein erster kleiner Schritt in eine Richtung, in der Zusammenarbeit von Studierenden für die gemeinsame Sache ernst genommen und konstruktiv angegangen wird. Wenn ja, würde mich das ehrlich freuen!

  5. Mathias Says:

    Lieber Niklas,

    Du sagst gleich in Deinem zweiten Satz: „Dafür zieht er eine Email aus dem FaKo-Verteiler, der Mailing Liste der AStA-tragenden Fachschaftsinitiativen (FSIs), heran.“

    So wird eine Differenzierung durch eine andere wieder aufgehoben.

    Die FaKo-Liste war und ist von ihrem Ansatz her offen für alle FSIn. Faktisch ist sie das auch. Es sind viele FSIn darin – auch solche, die den AStA nicht tragen oder sich nicht so einfach fest legen wollen oder lassen. Wenn es keinen Widerspruch gibt bei bestimmten Mails, heißt das noch längst nicht, daß es bei allen darüber gehenden Mails Übereinstimmung mit ihren Inhalten bei allen Listenmitgliedern gibt. Hierbei ist unter Anderem zu berücksichtigen, daß es zumeist weniger Sinn macht, Diskussionen über Mailverteiler (vor Allem Verteiler dieser Größe) zu führen.

    Herzliche Grüße

    Mathias

  6. Mathias Says:

    Zur Ergänzung meines Kommentars: „So wird eine Differenzierung durch eine andere wieder aufgehoben.“

    –> Ich meine natürlich, so wird Dein Versuch, hier zu differenzieren, an anderer Stelle wieder „aufgehoben“.

  7. neutralitaetswahrer Says:

    lustig ist jedenfalls, dass auf der von http://www.defo.info/ betriebenen, angeblich nur „einen Überblick über die Artikel anderer Blogs der letzten Wochen“ gebenden Seite http://www.fu-blogs.de.vu/ seit neuestem die Artikel aus Niklas‘ Blog nur noch mir der Überschrift „Niklas“ und nicht mehr mit vollem Titel angezeigt werden, im Gegensatz zu den Artikeln der anderen Blogs ….

  8. stephan Says:

    @neutralitaetswahrer:

    Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, was Du da mit „lustig“ unterstellen willst, insbesondere wenn man sich ansieht, daß eben gerade („im Gegensatz zu den Artikeln der anderen Blogs“) nur Niklas Blog betroffen ist und nicht etwa Artikel von „Fachschaftsini Geschichte FU“, „die fachschaftsinitiativen“ oder „SEMTIX“ …

    oder anders formuliert, es läge mir fern, Niklas in irgendeiner Form in den fu-blogs zu unterdrücken – schon allein deshalb, weil es für mich selbstverständlich ist, dieses Projekt ehrlich zu führen – sprich, „(studentische) Blogs rund um die FU Berlin und ihre Fachbereiche“ nehme ich ernst – es ist ein NEUTRALES Projekt (etwas was der AStA ja leider nicht kennt).

    Da ich in letzter Zeit keinerlei Änderungen an der Technik vorgenommen habe, muß das Problem irgendwo bei FUwatch oder wordpress.com liegen – andererseits sind die Einträge von http://fachschaftsinitiativen.wordpress.com/ korrekt gelistet!?

    Ich habe jetzt gerade mal den kompletten Zwischenspeicher der fu-blogs gelöscht und den Index komplett neu aufbauen lassen – mit dem Ergebnis, daß jetzt momentan auch die alten Einträge von Niklas falsch dargestellt werden :-(

    Niklas: Ist eventuell Deine Avatar-Einstellung neu?

    Ach ja:

    Was im übrigen überhaupt nicht lustig aber dafür mehr als zutreffend ist, das ist Ronnys letzter Kommentar.

  9. Björn Says:

    sorry etwas offtopic geht auch um fu-blogs:

    @ stephan

    Nachdem seit mehr als 4 Wochen diverse Emailanfragen ignoriert werden hier noch mal eine etwas öffentlichere Nachfrage. Der Blog des „Berliner Bündnis für Freie Bildung – gegen Studiengebühren“ (http://www.freie-bildung-berlin.de) würde gerne bei fu-blogs gelistet werden. Wäre toll, wenn ihr uns aufnehmen würdet oder uns zumindest kurz mitteilt warum ihr eine Aufnahme ablehnt.

  10. Niklas Says:

    @Carsten

    || Zu sagen, die kleinen Erstis
    || sind unwissend und sie unter-
    || stützten uns, wenn sie nur
    || entsprechend informiert wären,
    || ist anmaßend und natürlich
    || undemokratisch.

    Die These die Erstis sein „unwissend“ ist nicht anmaßend, die Masse der Studierenden interessiert sich einfach nicht sonderlich für Hochschulpolitik, steht der Thematik desinteressiert gegenüber oder informiert sich wenn dann nur recht oberflächlich.

    Dies trifft natürlich keineswegs nur auf Erstis zu, sondern eben auch auf viele die länger dabei sind. Man muss dieses Desinteresse nicht zwangsläufig werten (es gibt durchaus Wichtigeres als Hochschulpolitik), aber es macht eben auch keinen Sinn, der breiten Masse der Studierendenschaft einen Wissensstand zuzuschreiben, über den sie einfach nicht verfügt.

    Schwieriger zu halten ist dagegen sicherlich die These, die Erstis würden automatisch mehr mit den „Störern“ sympathisieren, wenn sie den Hintergrund des Protests besser kennen würden. Es ist trotzdem meine Überzeugung, dass jemand der sich näher mit der Hochschulpolitik des Präsidiums unter Lenzen befasst, eher bereit ist, Verständnis für das Vorgehen des Lenzens Fanclubs aufzubringen. Und ich schreibe bewusst „Verständnis aufbringen“ und nicht gleich „unterstützen“.

    Die Legitimität einer Veranstaltungs-Sprengung kann nur in den seltesten Fällen darauf aufbauen, dass sie auch im Auditorium mehrheitlich Unterstützung findet. Die AktivistInnen tun sich und ihrer Sache keinen Gefallen, falls sie das behaupten. Ich habe versucht deutlich zu machen, dass sich solche Aktionen eher über Lenzens eigenes Auftreten und Verhalten legitimieren lassen.

  11. Niklas Says:

    @Ronny:

    || Aber offensichtlich vermuten
    || die Anhänger des DLFC auf
    || einem FSI-Verteiler keine
    || ablehnenden Reaktionen und
    || erhoffen sich „erneut“
    || (Zitat) eine gelunge Stör-
    || aktion und Mitarbeit der
    || Mitlesenden.

    Aber was genau soll denn dieses Zitat aus dem Verteiler belegen? Was zeigt es uns auf? Der Einladende vermutet demnach, es gäbe in den FSIs UnterstützerInnen für die Sache des DLFC. Vermutlich nicht ganz zu unrecht. Und was weiter? Es hat doch niemand bestritten, dass es unter den diversen FSI-lern auch SympathisantInnen des DLFC gibt.

    || Durch diese bewusste Unklar-
    || heit wird jede direkte Kritik
    || versucht mundtot zu machen,
    || weil man es immer auf „unab-
    || hängige“, „autonom handelnde“
    || Menschen schieben kann, die
    || ja mit den offiziellen und
    || inoffiziellen Strukturen
    || überhaupt nichts zu tun
    || haben.

    Aber zumindest beim DLFC scheint es doch wirklich so zu sein, dass dies eine recht lose Gruppierung ist, die tatsächlich nicht viel mit „offiziellen und inoffiziellen Strukturen“ der AStA-Koalition zu tun hat. Zumindest belegt auch der zitierte Auszug aus dem Emailverteiler nicht das Gegenteil.

    Selbst wenn nun einige AStA-Leute und FSI-ler bei den Aktionen des DLFC auftauchen, belegt auch das nicht, dass der DLFC auf die bestehenden Strukturen dieser Gruppen zurückgreift. Sicher, jemand der beim AStA das Organisieren von Protest gelernt hat, wird diese „Kernkompetenz“ dann vermutlich auch bei seinem Engagement im DLFC nutzen. Selbst dann bleiben aber doch AStA-Koalition und DLFC immer noch zwei verschiedene Paar Schuhe.

    || Letztendlich ist aber deine
    || Frage, was Gruppen, die wie
    || die LHG nichts von Nieder-
    || brüllen und Fundamentaloppo-
    || sition halten, anders machen
    || würden, vollkommen gerecht-
    || fertigt: Sie zeigt nämlich,
    || das wir (scheinbar) gezwun-
    || gen sind, uns zu rechtferti-
    || gen, während die Aktionisten
    || bereits durch Aktionen ge-
    || rechtfertigt scheinen – ob-
    || wohl sie effektiv in den
    || letzten Jahren nichts von
    || alledem verhindern haben,
    || was an dieser Uni passiert
    || ist.

    Zunächst: Die AktionistInnen sollten sich auch rechtfertigen (besonders wenn sie auf ein Mittel zwiespältiges Mittel wie die Sprengung einer Veranstaltung zurückgreifen). In diesem speziellen Fall wäre es schwierig, weil der DLFC ja auf Satire als Stil baut. Von jemandem der es mit seinem Satire-Ansatz „ernst“ meint, kann man keine ernste, nicht-sarkastische Antwort erwarten, in dem Moment würde er nämlich mit der Satire-Idee an die Wand fahren. Legt man sich einmal auf Satire fest, muss man diese Linie auch durchhalten, um glaubhaft zu sein. Ein Satiriker der sich für seine Satire rechtfertigt oder gar entschuldigt (und dies auch ernst meint), versteht seinen Job nicht wirklich.

    Diesen Aspekt außenvorlassend wäre es allerdings wirklich wünschenswert, die AktivistInnen würden ihr Handeln stärker rechtfertigen (Veranlassung hätten sie jedenfalls durchaus).

    || Wenn es nach Gruppen wie der
    || LHG ginge, wäre die Studieren-
    || denvertretung deutlich glaub-
    || würdiger, weil sie a) ihre
    || Finanzen und ihr allgemeines
    || Handeln transparenter gestal-
    || ten und b) ihre Antrags- und
    || Teilnahmerechte in allen
    || Gremien regelmäßig wahrnehmen
    || würde.

    Zu a), ja das wäre wünschenswert, wird aber kaum passieren und wir wissen beide warum.

    Zu b), hier habe ich schon eher Verständnis für die Gegenposition. Denn die zentrale Frage ist ja wirklich, was können die StudierendenverterInnen in diesen Gremien bewirken und inwiefern hat ihre Präsenz nicht doch primär eine Alibifunktion. Ich teile hier einfach deinen Optimismus nicht, man könnte in den Gremien mehr bewirken, wenn nur alle ihre Antrags- und Teilnahmerechte auch wahrnehmen. Dazu müsste zunächst mal die studentische Position in diesen Gremien generell aufgewertet werden.

    || Ein Beispiel: Solche Sachen
    || wie die Berufspraxis des Prä-
    || sidiums sind auf unserem Blog
    || (und andernorts) seit ihrem
    || Bekanntwerden im April/Mai
    || öffentlich gemacht und danach
    || an höchster Stelle angesprochen
    || und nochmals öffentlich gemacht
    || worden. Haben wir damit etwas
    || bewegen können? Direkt nicht.
    || Aber immerhin wurde es öffent-
    || lich.

    Den Durchbruch brachte dann aber erst die „Scharenberg Affäre“ und der berüchtige SPON-Artikel. Sehen wir uns noch mal kurz an, wie das abgelaufen ist.

    Erst als Kommissionsmitglieder die Sache nach Außen getragen haben, ist die Sache aufgeflogen und hat in den Medien zu einem Druck geführt, dem auch Lenzen letztlich nicht entgehen kann (zumindest wird er es sich jetzt drei Mal überlegen, wenn er mal wieder meint, aus politischen Gründen einen Prof verhindern zu wollen; jede Bildungs- und Wissenschafts-Redaktion in dieser Republik schielt nun darauf, wie er in Berufungsverfahren eingreift). Und sicherlich war es ein dienstrechtlicher Verstoß als Kommissionsmitglieder sich gegenüber SPON geäußert haben (dass das so gewesen sein muss, lässt sich aus dem SPON-Artikel eindeutig ableiten). Nur was hätten sie denn alternativ noch machen können?

    Der Punkt ist: Hätten in der Kommission lauter LHG-Mitglieder gesessen (rein theoretisch jetzt), dann wäre sicherlich nie etwas nach Außen gedrungen, denn ihr klammert euch ans Regelwerk und scheint nicht wahrhaben zu wollen, dass die Gegenseite (Lenzen et al.) es längst über Bord geschmissen haben. So etwas wie „Ziviler Ungehorsam“ scheint für die LHG jedenfalls eher eine rein abstrakte Begrifflichkeit zu sein und keine politische Handlungsoption (das wäre zumindest meine Hauptkritik an der LHG-Politik).

    Sicher, Lenzen geht nicht unter, nur weil er auf einer Veranstaltung „niedergejubelt“ wird. Trotzdem werden ihm so immerhin Grenzen aufgezeigt, bekommt er direkt (im Saal) und indirekt (über die Medien) zu spüren, dass er sich mit seiner Politik auch sehr unbeliebt macht, dass keineswegs jedeR den Exzellenzerfolg für eine Errungenschaft hält (denn das scheint er ja bei all dem Zöllnerabwatschen, Hotelbauen, Glückwünsche entgegennehmen, etc. immer mal wieder schnell zu vergessen). Einen Eindruck, den er in den Gremien so einfach nicht vermittelt bekommt (der AS z.B. sagt de facto doch auch nur „Ja“ und „Danke“).

    || Hat die Studierendenvertretung
    || schnell darauf reagiert? Nein!
    || Es wird gewartet, bis das ganze
    || echtes Protestpotenzial hat,
    || wenn man endlich mobilisieren,
    || demonstrieren und protestieren
    || kann. Solange man vielleicht
    || noch was ändern kann, taucht
    || selten jemand auf, der hart-
    || näckig dranbleibt. Erst, wenn
    || es zu spät ist: dann ist man
    || da und ärgert sich, dass es
    || zu spät ist…

    Denkst du nicht, dass du die Möglichkeiten etwas in den Gremien zu erreichen überschätzt? Also selbst wenn wirklich alle Studierenden wie von dir gewünscht am selben Strang ziehen würden, würde das etwas ändern? Meine These wäre ja eher, dass Druck nur von außen aufgebaut werden kann (über die Medien), da intern das Machtgefälle einfach zu groß ist.

    Um die mediale Aufmerksamkeit zu erlangen und Öffentlichkeit zu erzeugen, muss man sich keineswegs zwangsläufig der Instrumente des DLFCs bedienen, aber es eine denkbare und effiziente Methode.

  12. Niklas Says:

    @neutralitaetswahrer:

    Eine technische Macke, die sicherlich kaum absichtlich erzeugt wurde (zu welchem Zweck auch?).

    @stephan:

    Ich dachte zunächst auch an eine generelle Macke bei wordpress.com, was aber nicht erklärt, warum dann der FSI Blog (der ja auch bei wordpress.com gehostet wird) korrekt angezeigt wird, wie du ja auch selbst ausführst. Der Feed scheint es auch nicht zu sein, er geht sauber raus.

    Die Avatar-Einstellung habe ich nicht geändert, nur seit Oktober halt ein neues Template. Aber auch das kann es nicht sein, denn es ging ja zwischendurch. Ich setz gleich mal einen neuen Post ab, vielleicht renkt es sich beim nächsten Fetch ja dann wieder selbst ein. Da es nur um die Titel der Posts geht, ist das Problem ohnehin sekundär.

  13. Ronny Says:

    @ Niklas:

    Ich bin der letzte, der die Möglichkeiten, die wir Studierende in Gremien haben, überschätzt. Nur bin ich felsenfest davon überzeugt, dass die Art und Weise, wie an der FU studentische Hochschulpolitik betrieben wird, ziemlich oft auch noch die letzten Spielräume, die wir haben könnten, kaputt macht. Ich weiß, dass wir grundsätzlich mehr Raum, mehr Mitspracherecht und mehr Einbezug in Vorgänge brauchten und es auch unserer Rolle ander Uni angemessen wäre. Nur habe ich das Gefühl, dass wir es organisatorisch und politisch nicht einmal wirklich an die Grenzen des heutigen Systems schaffen. Während man die Veränderung eines Systems fordert, darf man es nicht unterlassen, die Möglichkeiten des existierenden zum Wohle der Studierenden voll auszuschöpfen!

    Wenn ich z.B. darum bitte, dass der AStA seine Teilnahmerechte wahrnimmt, dann auch nicht, weil ich glaube, dass die pure Präsenz einer/eines „Delegierten“ machtpolitisch etwas ändern würde. Aber es würde die Zahl der studentischen Stimmen erhöhen. Es würde den Wissenstransfer fachbereichs- und gremienübergreifend garantieren und für mehr Kontinuität auf Seiten der Studierenden sorgen. Kontinuität wird in Zukunft noch viel wichtiger werden, wenn Studierende z.T. nur noch 2-3 Jahre an der Uni sind. Die einzelnen Studierenden in den Gremien werden nur bedingt die Möglichkeit haben, dafür zu sorgen, dafür braucht es umfassende Strukturen und gemeinschaftliche Unterstützung. Die Professor/inn/en hingegen sind dauerhaft an der Uni, bauen sich ihre Netzwerke und Kommunikationswege und können eine nicht kontinuierlich zusammenarbeitende Studierendenschaft viel leichter mit Falschargumenten mundtot machen.
    Eine kontinuierlich anwesende und eher konstruktiv mitarbeitende Studierendenvertretung würde vor allem auch die Position unserer Befürworter/innen bei den Professor/inn/en und Mitarbeiter/inn/en stärken, die uns eher wohl gesonnen sind, aber deren Argumente gegen die struktur- und realkonservativen Kreisen nur bestehen können, wenn sie uns in der Art WIE wir handeln genausogut verteidigen können wie unsere Argumente. Außerdem: Nur wenn der AStA da ist, kann er Informationen erhalten und Einfluss nehmen – jemand der mit Abwesenheit glänzt, verändert nichts, außer vielleicht zu sagen, dass es ihm allgemein nicht passt (nur kann man das einem leeren Platz nicht ansehen).

    Zum zivilen Ungehorsam: Diese Form des politischen Widerstandes ist für mich – und hier kann ich nur für mich reden – eine Ausnahme, die in Ausnahmesituationen gebraucht wird, in denen es objektiv keinen anderen Weg gibt. Er darf in meinen Augen nicht gewählt werden, wenn es andere Wege geben kann, und die Methode des Widerstands bloß einfacher erscheint als diese anderen Wege. Genau das meine ich, wenn ich oben sage, dass wir noch nicht einmal die Grenzen des jetzigen Systems ankratzen: Wir gehen garnicht alle Wege, die möglich wären, sondern verschenden unsere Kraft, Zeit und Ressourcen in Widerstandsaktivitäten, die außer sporadischer Öffentlichkeitswirksamkeit nichts anderes bewirkt, als sogar diejenigen, die mit uns sein sollten – die Studierenden – eher abzuschrecken.

    Und zwei weitere Punkte:
    a) Ziviler Ungehorsam kann problematisch sein, wenn er außerhalb von Extremsituationen verwendet wird, weil er keine oder kaum Differenzierung erlaubt, sondern nur schwarz oder weiß.
    b) Wenn ziviler Ungehorsam so organisiert wird, dass andere Menschen politisch vereinnahmt werden, also die zivil „Ungehorsamen“ durch ihren Protest auch noch für andere sprechen wollen, obwohl die garnicht gefragt wurden – inhaltlich wie methodisch, ist das für mich inakzeptabel, weil jeder für sich entscheiden muss, ob er die Grenze erreicht sieht, die solchen Widerstand rechtfertigen.

    An anderer Stelle habe ich schon mal geschrieben, dass es für mich als liberalen Menschen eine wichtige Handlungsleitung gibt: Handle stets so, dass die Maxime deines Handelns allgemeines Gesetz werden kann. Ich breche also Regeln dann, wenn ich meine, dass alle sie brechen sollten. Und ich versuche mich in Toleranz und konstruktivem Engagement, weil ich auch von anderen hoffe, dass sie es es versuchen. Vielleicht ein bisschen idealistisch – aber dafür nicht ideologisch.

  14. stephan Says:

    @ Björn:

    Ich habe in meiner Mailbox nix von Euch liegen – allerdings habe ich vorgestern auch mal wieder 200 MB Spam rausgelöscht – vielleicht ist es einem meiner Filter zum Opfer gefallen?

    Schicke es mir doch bitte nochmal (oder wohin ging es?) an fu-blogs@defo.info – ich habe diese Adresse jetzt mal von den Filtern ausgenommen.

  15. Yo Says:

    Als gelegentlicher Leser dieses geschätzten blogs möchte ich nur anmerken, dass das diskussionsniveau schon mal höher war.

    So viel zeit und raum der frage zu widmen, ob es demokratisch (uh, kampfbegriff, lieber weg lassen, wenn er nicht ausführlich definiert wird) ist, lenzen (!) bei einer rede niederzubrüllen (!!) ist echt oberschwach.

    (Das ist tagesspiegel-internet-forums-niveau: Dort wurde kürzlich in einer im osi-protest-mailverteiler erwähnten diskussion mehrfach eine aktionsform ökologisch gesinnter menschen mit wütenden eigentums-beschwörungen kommentiert. Es handelte sich dabei um luft ablassen aus den reifen spritintensiver autos.)

    Hier zeigt sich, wie die formaldemokratische empörung der verschleierung der verhältnisse dient. Über diese lächerlich harmlose aktion wird unter aufbietung von schweren begrifflichen geschützen sinniert, in dieser form aber nicht über deren grund, der dazu in keiner relation steht. Warum reden wir nicht darüber, wie vielen menschen lenzen gerade das leben versaut, und zwar langfristig? Darüber, dass von seiner politik gewalt ausgeht? Und ich beziehe mich nicht auf seine machtspiele, sondern auf seine ausbildungs- und erziehungsideale.
    Was hat denn die lhg (als beispiel) von ihrem formaldemokratischen scheiß? Wie viel energie geht denn verloren beim ständigen pöbeln nach mehr / besserer vertretung=repräsentation, geregelten verantwortungen und abläufen etc? So lange das immer priorität haben muss, kann sich natürlich nix verändern, was zeigt, dass veränderungen nicht wirklich priorität haben, sondern die bloße form des vorgehens. Demokratie ist ne spielwiese.

    Zitat:
    „Wenn es nach uns gehen würde, würde die so eine kontinuierlich wirkenden Konstante werden, die auch von allen Partnern und Gegnern innerhalb und außerhalb der Uni ernst genommen wird, was man letztendlich braucht, um die eigenen Vorstellungen durchzusetzen.“
    Das ist bestenfalls idealistischer Unfug! Hauptsache, die anderen tun so, als ob sie mich ernst nehmen! Dazu bräuchte es leider eine materielle grundlage! Die hast du evtl, wenn hinter dir hunderte wütende studis gegen wände, fenster und türen hauen, oder wenn tausende vor dem gebäude demonstrieren oder den uni-betrieb lahm legen. Du hast keine BESONDERE grundlage und einflussmöglichkeit, nur weil du etwa der einstimmig gewählte vorsitzende des transparenten asta und vertreter aller studierenden bist!

    Und dann noch das kant-zitat! Der kategorische imperativ hilft nicht viel weiter, wenn du gegen organisierte (und sei es nur ideologische/symbolische) gewalt vorgehen willst.
    So ist das nun mal: Die kant’schen sprüche taugen seit über 200 jahren super für ein gutes gewissen, ohne dass sich wirklich was ändern muss. Mit ihnen kann auch den unterdrückten verübelt werden, dass sie den betrieb stören.

    Kommt euch das hier nicht komisch vor? Kriegt ihr nicht mit, wie in aller welt leute wegen fast nix den terrorismusvorwurf incl durchsuchungen/knast/riesenstress am hals haben? Und da soll jetzt erörtert werden, ob die leute im saal mündig genug waren, um den redemist von lenzen und co selbst nach den eigenen vernunftkriterien zu beurteilen und zu einer eigenen meinung zu kommen?

    So wird das nix, liebe leute. Überlegt euch lieber eine schöne sahnetorte o.ä., die lenzen oder ähnliche leute zuverlässig in die fresse kriegen, wenn sie einen fu-hörsaal auch nur betreten wollen. Was geht dabei verloren? Über die gründe für die aktion und die ansichten der kritisierten lässt sich ganz einfach in flugblättern o.ä. aufklären.

    Wer einen grund hat, sich direkt zu wehren, soll das tun.
    Wer schlau und moralisch daherreden will, geht in den parlamentarismus und tobt sich dort aus.
    Das sind eben gegensätzliche konzepte für gegensätzliche ausgangspositionen.

  16. Ronny Says:

    Hallo Yo,

    zunächst ist die Fokussierung auf Lenzen, bei allen Problemen, zwar politisch verständlich, aber in der Praxis problematisch, weil übersehen wird, dass viele Sache garnicht vom Präsidium entschieden sondern nur „gesteuert“ werden. Die Studierenden können Lenzen noch so sehr bekämpfen – in den Gremien, die halt erst einmal da sind, entscheiden insbesondere die Profs über Sachen wie Studienordnungen, Zulassungskritierien etc., also die Sachen, die uns Studierenden am meisten Ärger verursachen.

    Ansonsten halte ich Formalia in der Demokratie solange für sinnvoll, wie sie den materiell und personell Schwachen Reche geben. Genau darüber rede ich: Solange die AStA-Koalition ihre Ressourcen verwendet, um jede Form des unabhängigen, nicht radikalen Engagements zu verhindern, werde ich formale Rechte fordern, um zumindest etwas demokratische Kontrolle zu erhalten. Im Übrigen gibt es für mich Wichtigeres als Parlamentarismus und Politik, die sich nur mit sich selbst beschäftigt. Ich und die meisten anderen bei der LHG engagieren sich auch ganz „unpolitisch“ und selbstorganisiert für Sachen, die sie an dieser Uni wichtig finden – freiwillige Studienberatung, Fachschaftsarbeit, Informationsverbreitung usw. Das ist für mich zehnmal wichtiger als irgendwelcher Formalscheiß. Und ich würde lieber viel mehr Zeit mit sowas verbringen, als mich hier im Blog oder im StuPa über all den Mist aufzuregen. Nur, wenn andere Gruppen ihre Formalmacht eben durch parlamentarische Strukturen stützen und solches Engagement faktisch kleinhalten, werde ich mich halt darüber aufregen müssen – und zwar zurecht. Parlamentarische Gleichberechtigung und eigenständiges Engagement gehören für mich zusammen, beide haben verschiedene Zwecke, beide haben ihre Daseinsberechtigung.

    Nur, Gewalt lehne ich ab. Auch als Gegengewalt. Diese quasi-christliche Auge-um-Auge-Argumentation deines Kommentars, von wegen: der ist böse, wir müssen auch böse werden, zieht bei mir nicht – mit so einer Ideologie ist Herr Bush im Irak und die halbe Welt am sich selbst umbringen.

    Was die Diskussionskultur in diesem Blog angeht kann es durchaus sein, dass es bessere Beiträge gibt als sich über Formalia oder studentische Proteste aufzuregen, nur wird genau an dieser Stelle offensichtlich zum ersten Mal überhaupt ausführlich debattiert. Bislang hatte man das Gefühl, vieles, was hier geschrieben wird, lief als Einbahnstraße zu den Lesern, ohne je offen diskutiert zu werden. Offensichtlich musste man dafür mal deutlich Gegenpositionen beziehen oder ein paar Sachen anders präsentieren als sonst. Ich werde mich aber bemühen, in Zukunft wieder trocken, unpolitisch und unidealistisch zu berichten, damit solche Diskussionen nicht mehr aufkommen müssen… ;-)

  17. Pony Says:

    Nunja, bevor wir nun in die politische Philosophie weiter vorstoßen und den Irak-Krieg mit Fanclub-Störern gleichsetzen (und Saddam Hussein offenbar mit Dieter Lenzen), bevor die LHG sich hier noch weiter einen runterholt, was sie nicht alles ehrenamtlich macht – und dabei nicht erwähnt, dass jede FSI an der Uni das ebenfalls tut, nur dabei etwas lockerer bleibt und auch mal Spaß haben kann – , bevor nun weiter behauptet wird, der AStA würde ehrenamtliches Engagement verhindern (lies: er schenkt einer parteinahen Hochschulgruppe kein Geld, obwohl sie doch ganz unabhängig-eklektisch gegen den AStA hetzt), bevor also die Satire des Lenzen-Fanclubs weiter theoretisch von Zweitverwertern durchgeschwurbelt wird, möchte ich noch kurz einen Aufkleber zitieren:

    Das Leben ist kein Ponyhof:
    Eine Torte statt vieler Worte

  18. Ronny Says:

    Nur damit das nicht missverstanden wird: Ich schätze das ehrenamtliche Engagement der FSIs und habe diesen Bereich auch nicht angeführt, um mir einen „runterzuholen“ sondern um zu verdeutlichen, dass die politische Arbeit (das, was du „hetzen“ nennst) mir nachrangig gegenüber anderen Formen des Engagements erscheint und die LHG, aus polit-taktischen Gründen auf ihre sogenannte „Parteinähe“ reduziert, oft so dargestellt wird, als würden wir uns alleine durch unsere Kritik am AStA definieren, nach dem Motto: „FSIs machen gute Fachschaftsarbeit, LHG kann nur meckern.“

    Und ich will auch kein Geld vom AStA (also von allen Studierenden). Mir würde es vollkommen ausreichen, wenn der AStA transparent machen würde, wer von ihm für welche Zwecke Geld erhält, denn wenn das öffentlich wäre, könnten sich auch andere studentische Initiativen gründen und wüssten, wofür sie Geld erhalten können und wofür nicht (das meinte ich, als ich sagte, der AStA verhindere unabhängiges Engagement).

    Solange die FSIs, wie vorgestern im StuPa zu hören war, vom AStA – ganz basis-autokratisch – privilegiert behandelt werden, wird sich an dieser Uni halt nichts ändern. Denn, das Leben ist wirklich kein Ponyhof.

    Daher gehe ich jetzt auch zum Lachen in den Keller und beende meine Beteiligung an dieser Diskussion, weil aus meiner Sicht abschließend geklärt ist, dass wir nicht einer Meinung sein werden.

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