High Noon im FU-Kuratorium

Im LHG Blog ist ein unterhaltsamer Bericht der letzten Kuratoriumssitzung erschienen, der unter anderem dokumentiert, wie Jürgen „Dagobert“ Zöllner und Dieter „Eames Chair“ Lenzen zum High Noon angetreten sind:

„Insgesamt wurde deutlich, dass das gesamte Kuratorium sowie die anwesenden Präsidiumsmitglieder einhellig mit den grundsätzlichen Zielen des Wissenschaftssenators einverstanden sind, die Umsetzung in einer universitätsartigen Einrichtung, die MA- und Promotionsrechte besitzt und die die konzeptionelle Steuerung der Forschungsaktivitäten in Berlin übernehmen soll, jedoch ablehnt.“ („Zöllner zürnt im FU-Kuratorium“, LHG Blog, 31.10.07)

Nach dieser Abfuhr soll Zöllner dann etwas ausgetickt sein, wörtlich (laut LHG Bericht): „Ich lasse mir nicht mal vom Regierenden Bürgermeister vorschreiben, wie ich Wissenschaftspolitik zu machen habe!“

Immer mehr zeichnet sich ab, dass Zöllner offenbar ein ähnlich monströses Ego vor sich herschiebt wie sein neuer „Erzfeind“ Lenzen. Man kann sagen, da haben sich wirklich zwei gefunden. Da Zöllner mit seiner Vision einer Superuni aber weitgehend isoliert dasteht, sitzt Lenzen zur Zeit immer noch am längeren Hebel.

Thorsten Stegemann hat bei Telepolis einen Artikel veröffentlicht, der sich etwas ausgewogener mit der Idee einer Superuni, die ja seit neustem „International Forum of Advanced Studies“ oder „International Free Humboldt Forum“ heißen soll, auseinandersetzt. Ausgewogen insofern, als dass sowohl mögliche Nach- wie Vorteile einer solchen gemeinsamen Forschungsinstitution benannt werden:

„Nachdem die Universitäten monatelang wenig Besseres zu tun hatten, als sich um die besten Konzepte zur Exzellenz- und Elitebildung zu balgen, hätte der Vorstoß des Wissenschaftssenators eigentlich auf breite Zustimmung stoßen können. Immerhin würde die ‚Super-Uni‘ auch wieder Gemeinsamkeiten stiften und durch die finanzielle Beteiligung der Hochschulen wenigstens für eine partielle Umverteilung der horrenden Mehreinnahmen sorgen, die sich bis 2011 nach vorsichtigen Schätzungen auf über 300 Millionen Euro summieren dürften.

(…) Wer der Aufforderung des Regierenden Bürgermeisters folgt [sich offen mit Zöllners Idee auseinanderzusetzen, Anm. FUwatch], kommt schnell zu der Erkenntnis, dass eine Berliner ‚Super-Uni‘ nicht nur organisatorische, finanzielle oder verwaltungstechnische Probleme mit sich bringen würde.

(…) Wenn die beispiellose Selektivität des deutschen Bildungssystems schon jetzt dazu führt, dass sich die persönliche Herkunft unmittelbar auf die Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven auswirkt, kann eine exklusive Eliteschmiede für gerade einmal 500 Studierende kaum das richtige Signal sein.

(…) Die bisherige Zusammenarbeit basierte allerdings explizit auf der Selbständigkeit der beteiligten Einrichtungen, und so ist der Verdacht, dass hier alte Pfründe, liebgewordene Gewohnheiten, Kompetenzen und Eitelkeiten um jeden Preis verteidigt werden sollen, sicher nicht ganz von der Hand zu weisen.

Doch mit der Forcierung des Elite-Wahns wird dieses Problem kaum zu lösen sein. Auf diese Weise werden in aller Regel nur weitere Begehrlichkeiten geweckt und neue Einflusszonen geschaffen, die nach eiliger Besetzung verlangen. Wem aber ist damit geholfen, wenn das dröge institutionelle Schaulaufen jetzt zu einem Akt von nationaler Bedeutung stilisiert wird?

(…) Vielleicht droht Deutschland nach Jahrzehnten planloser Sparrunden nun ein bildungspolitisches Wettrüsten – mit einer Hyper-Uni in München, einer Oxfordkopie zwischen Hamburg, Bremen und Kiel oder einem sächsischen Hochschultempel à la Harvard.“ („Probleme mit der Super-Uni“, Telepolis, 01.11.07)

Im Wesentlichen kritisiert Stegemann also die starke Fixierung auf ein nationales (und internationales) Renommee während sich zeitgleich an den schlechten Studienbedingungen real kaum etwas ändert. Ähnlich wie bei der Exzellenzinitiative geht es auch bei Zöllnes Vision einer berlinweiten Super-Uni im Schwerpunkt um die Forschung, nicht um die Lehre.

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Eine Antwort to “High Noon im FU-Kuratorium”

  1. Die “Berlin Research University” ist tot - es lebe das “Berlin International Forum for Excellence” « FUwatch Says:

    […] Doch Zöllners Vorschlag stieß auf wegen Gegenliebe. Zuerst wurde befürchtet, sein Vorschlag könne die Aussichten der Berliner Unis in der Exzellenzinitiative erfolgreich zu sein schmälern (Killt Zöllners Superuni die Exzellenzaussichten der Berliner Unis?”), danach ließ insbesondere der Präsident der inzwischen zur Exzellenz geadelten FU durchblicken, dass er von dem Konzept wenig halte (“Killt Lenzen mit seinen neuen Muskeln jetzt Zöllners Superuni?”) und es kam zu einem Showdown im FU-Kuratorium (“High Noon im FU-Kuratorium”). […]

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