Kommt Ende diesen Monats ein „Gegen-Verband“ als Alternative zum fzs?

Ende Juli beschäftigte sich ein FUwatch-Artikel mit den Gerüchten um eine „Anti-fzs-Verschwörung“ auf der geplanten Bundesastenkonferenz Ende November. Das Fazit lautete, dass die ASten, die nicht Mitglied im fzs sind, immer noch nur Minderheit darstellen, die Bundesastenkonferenz daher kaum in der Lage sein würde, den „freien zusammenschluss von studentInnnenschaften“ (fzs) zu sprengen bzw. den Verband zu spalten – selbst wenn das vielleicht das Anliegen einiger Akteure auf der Konferenz sein könnte.

Anfang August erschienen dann aber eine Reihe von Artikeln, die deutlich machten, dass der fzs weit stärker in der Krise steckt und die AuflösungsbefürworterInnen möglicherweise weit einflussreicher sind, als hier zunächst vermutet. Untermauert wurde dies dann durch eine Austrittswelle.

Bei uebergebuehr.de kann man einen detaillierten Verlauf der letzten halbjährlichen Mitgliederversammlung des fzs im Juli nachlesen:

„Mit deutlicher Spannung wurde der Tagesordnungspunkt ‚Verbandsauflösung‘ erwartet. Der AStA der Hochschule Darmstadt hatte den Antrag gestellt, der fzs möge sich mit sofortiger Wirkung auflösen. Kaum war der TOP aufgerufen, kam es zu hastigen Geschäftsordnungsanträgen (…) Der fzs ließ also die Diskussion über Sinn und Zweck der eigenen Existenz zu. Beide Anträge, dies zu verhindern, scheiterten (…)

Was folgte, war überraschend. Es fand eine offene Diskussion über den Verband, dessen Ansprüche und Probleme, und seine Rolle in Politik und Gesellschaft statt. Diese zog sich über mehrere Stunden hinweg, so dass viele Hoffnung schöpften und eine positive Aufbruchsstimmung entstand. Es entstanden neue Ideen. Doch wie jeder Tag näherte sich auch dieser einmal dem Ende zu. Hastig versuchten einige den Sitzungstag zu verlängern, andere wollten müde ins Bett. Und so entstand eine wahre GO-Schlacht, ein Geschäftsordnungsantrag folgte dem nächsten, dem wieder ein dritter, vierter und fünfter folgte (…)

Abschließend wurde der Antrag auf Verbandsauflösung abgestimmt. Immerhin 15% der anwesenden Mitgliedern stimmte für die Verbandsauflösung. Nochmal 15% enthielten sich der Stimme. Konstantin Bender, Mitglied im noch-amtierenden Vorstand des fzs, wertet dies so: ‚Die Sinnhaftigkeit eines bundesweiten politischen Akteurs zur studentischen Interessensvertretung wurde von keinem der Anwesenden in Abrede gestellt, jedoch tauchte das Bedürfnis und die Notwendigkeit auf, den fzs vor dem Hintergrund grundsätzlicher Umwandlungen der Rahmenbedingungen studentischer Interessensvertretung neu zu bestimmen. In einer langen konstruktiven Debatte wurde Gemeinsames und Verbindendes im Verband bekräftigt. Mit Optimismus sehe ich der Zukunft des Verbandes entgegen!‘

(…) Und dieses Mal wählte eine Mehrheit im fzs die beiden linken Kandidaten raus. Übrig bleibt ein technokratischer Verband, ohne Geld, ohne Perspektive, mit weniger Mitgliedern und mit einem Vorstand ohne linke Perspektive.“ („Verband in ‚zukunftsfähiger Krise'“, uebergebuehr.de, 01.08.07)

Einerseits haben also „nur“ 15% der anwesenden Mitglieder für eine Verbandsauflösung gestimmt (bei weiteren 15% Enthaltung). Andererseits bedeutet dies aber eben auch, dass knapp ein Drittel der Verbandsmitglieder glauben, dass der Verband nicht mehr zu reformieren ist bzw. zumindest sehr skeptisch sind, was diese Option betrifft.

Nach dem gescheiterten Auflösungsantrag traten am 10. August dann schließlich sechs studentische Hochschulvertretungen geschlossen aus dem Verband aus: der AStA der Universität Gießen, der AStA der Fachhochschule Gießen, der AStA der Universität Marburg, der AStA der Universität Frankfurt, der AStA der Hochschule Darmstadt und der StuRa der Universität Chemnitz. In der gemeinsamen Austrittserklärung heißt es:

„(…) Wir aber wollen einen Dachverband, der seine Politik nicht im Verhältnis zur Mitte bestimmt, die zunehmend nach rechts rückt, sondern über seine Positionen, die er immer wieder neu mit Inhalten füllt, statt nur reaktiv also aktiv agiert, und in seiner politischen Praxis nicht Kompromisse um die eigenen Standpunkte eingeht, in der Hoffnung dann auch mal am großen Tisch der Herrschenden sitzen zu dürfen. Es geht um eine Kohärenz der eigenen Praxis mit den Positionen und Grundlagen, die der Verband sich gegeben hat.“ (Gemeinsame Austrittserklärung, 10.08.07, zitiert nach AStA FU Blog)

Während diesen ASten der fzs nicht links genug ist, treten andere aus, weil er ihnen zu links (zu „ideologisch“), wie Jens Wernicke in einem Telepolis-Artikel am Beispiel des AStA der RWTH Aachen verdeutlicht („Zerreißprobe für studentischen Dachverband“, Telepolis, 02.08.07).

Zwar war der fzs schon immer stark umstritten, nie waren die Erosionserscheinungen jedoch so groß wie heute. Dies lässt es durchaus realistisch erscheinen, dass auf der Bundesastenkonferenz Ende November (so sie denn wirklich stattfindet, man findet im Netz wenig zu dieser Veranstaltung) ein „Gegen-Verband“ gegründet wird. Zumindest ist es naheliegend, dass die aus dem fzs ausgetretenen „linken“ ASten irgendwann einen alternativen Verband gründen.

Die Konferenz als solche taugt vermutlich selbst als dauerhafte Einrichtung nicht als Gegenpol, wahrscheinlicher ist daher die Gründung eines eigenen Verbands. Und selbst wenn dies nicht schon Ende diesen Monats passiert: Irgendwann in naher Zukunft wird es soweit sein. Dies lässt sich auf Basis der massiven Zerwürfnisse innerhalb des fzs schon jetzt prognostizieren.

Dies hätte – wenn es wirklich soweit kommt – Vor- und Nachteile. Der zentrale Nachteil wäre natürlich, dass die Studierendenschaften dann keinen einheitlichen Dachverband mehr hätten, der sie vertritt. Der größte Vorteil in einem kleineren Verband neben dem fzs bestünde vermutlich darin, dass dieser kleinere Alternativverband dann agiler, schlagkräftiger und weniger bürokratisch wäre und vielleicht mehr erreichen könnte.

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Eine Antwort to “Kommt Ende diesen Monats ein „Gegen-Verband“ als Alternative zum fzs?”

  1. Bundesastenkonferenz « FUwatch Says:

    […] “freien zusammenschluss von studentInnnenschaften” (fzs) gegründet werden soll (siehe “Kommt Ende diesen Monats ein ‘Gegen-Verband’ als Alternative zum fzs?”). Hintergrund ist eine zunehmende Unzufriedenheiten diverser Studierendenvertretungen mit dem […]

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