Abbrecherquote beim BA deutlich höher als beim Magister

Eine der besseren Passagen im dritten Asterix-Zeichentrickfilm, „Asterix erobert Rom“, zeigt die beiden Helden Asterix und Obelix bei dem Versuch, den berüchtigten „Passierschein A 38“ in einer Behörde zu ergattern, die den bezeichnenden Namen „Haus, das Verrückte macht“ trägt. Zwar gelingt es Asterix am Ende den Schein zu erhalten, indem er das System gegen sich selbst ausspielt, aber bevor es soweit ist, stehen er und Obelix kurz davor in der bürokratischen Endlosschleife dem Wahnsinn zu verfallen.

Ähnlich müssen sich Studierende an der FU fühlen, die einen der so genannten „Kombi-Bachelor-Studiengänge“ belegt haben. Beim Kombi-BA studiert man mehr als ein Fach, es ist sozusagen das Nachfolgemodell für die alten Magister-Studiengänge. Allerdings mit einigen außerordentlich unangenehmen Unterschieden.

War es früher möglich, sich für das Hauptfach einzuschreiben und die Nebenfächer (jetzt „Modulangebote“ genannt) erst in den beiden ersten Semester zu wählen, so müssen heute bereits zu Beginn des Studiums alle Fächer (Kernfach plus Modulangebote) feststehen. Wegen des hohen NCs in den Modulangeboten bekommt aber nicht jeder Studierende seine Wunschkombination bewilligt, viele wählen daher die Option, sich das Modulangebot „zuteilen“ zu lassen.

Mit teils drastischen Folgen, denn viele Studierenden sind mit diesen zugeteilten Angeboten wie Mathematik, Griechisch oder Lateinischer Philologie schlicht weg überfordert. Dort herrschen Prüfungsbedingungen vor, die selbst für „fachaffine“ KommilitonInnen nur schwer zu bewältigen sind. Für Studierende ohne eine entsprechende Affinität zum Fach der nackte Albtraum.

Die Hofffnung für die meisten ist, dass sie später noch ihre Nebenfächer („Modulangebote“) wechseln können. Doch die dafür zu nehmenden Hürden sind hoch und teilweise eben auch absurd:

„Durch die Modularisierung der Studiengänge etwa kann ein Modulangebot nur noch in geraden Semestern neu anfangengefangen werden – also zum Winter. Gleichzeitig erlaubt die FU einen Studienfachwechsel nur bis zu Beginn des dritten Semesters, danach ist ein Wechsel seltsamerweise nur erlaubt, wenn gleichzeitig das Kernfach gewechselt wird. Zusätzlich gibt es eine weitere Vorschrift, die besagt, dass zwischen Kernfach und Modulangeboten nur zwei Semester Abstand sein dürfen – wiederum eine absolute Hürde für viele Wechselwillige.“ („Die Module spielen verrückt“, AStA FU, 17.10.07)

Es ist offensichtlich, dass es unter solchen Bedingungen kaum möglich ist einen Wechsel der Modulangebote zu vollziehen, die ungeliebten Modulangebote kleben so auf ewig an einem (bei Lehramtstudierenden sogar bis in den Master hinein). Es bleibt als Ausweg nur der Hochschulwechsel oder ganz einfach der Abbruch des Studiums.

Um den Studienerfolg in den neuen BA-Studiengänge zu kontrollieren, wurde vom FU-Präsidium eine Studie in Auftrag gegeben, die unter anderem auch über die Abbrecherquote Auskunft geben soll. Das Ergebnis liegt bereits seit dem letzten Semester vor, ist aber angeblich so fatal, dass es vom Präsidium zurückgehalten wird. Doch natürlich sickern die Zahlen langsam durch. Mathias Bartelt, Mitglied der FSI Philosophie und studentischer Vertreter im Institutsrat Philosophie hat im FSI-Blog unlängst welche veröffentlicht:

„Die Studienabbruch-Quote in den BA-Studiengängen der FU liegt großen Teils über den Abbruchquoten der im selben Zeitraum überprüften Magisterstudiengänge. In einigen Studiengängen fast um das Doppelte. Insgesamt über 50% der BA-Studierenden, sowohl in den Modulangeboten als auch im Kernfach, haben ihr Studium bisher abgebrochen.

Ein wichtiger Grund für die hohen Abbruchquoten sind fehlende Möglichkeiten zum Fachwechsel, wie auch aus einem aktuellen Artikel der AStA-Hochschulberatung deutlich wird. Aus derenn bisherigen Erfahrungen der Beratung geht hervor, daß ohne einfachere Optionen für den Fachwechsel viele Bachelorstudierende geradezu zum Abbruch bzw. Uniwechsel gezwungen sind.“ („Alles wird besser“, FSI Blog, 18.10.07)

Eine Abbrecherquote von über 50%, die dann auch noch deutlich über den Abbrecherquoten der im selben Zeitraum überprüften Magisterstudiengänge liegt, das ist wirklich bitter – sowohl für die Verantwortlichen, wie natürlich auch für die betroffenen KommilitonInnen.

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4 Antworten to “Abbrecherquote beim BA deutlich höher als beim Magister”

  1. Ralf Says:

    Es gibt jetzt im AStA eine Initiative zum Thema „Fachwechsel im Bachelor“, die sich des problems annimmt mit dem Ziel, politischen Druck aufzubauen und Reformen zu erreichen. Das nächste Treffen ist am 13.11 um 16:00 im asta.

    Für weitere Infos und Termine ist die Hochschulberatung im AStA ansprechbar!

  2. Treffen der “Fachwechsel-Gruppe” « FUwatch Says:

    […] der “Fachwechsel-Gruppe” Wie unlängst schon ausgeführt gibt es an der FU seit der Einführung der Bachelor-Studiengänge verstärkt Probleme, sein […]

  3. “Studienerfolgsbericht” bleibt im Giftschrank « FUwatch Says:

    […] aus welchem eine sehr hohe Abbrecherquote in den BA-Studiengängen hervorgeht (“Abbrecherquote beim BA deutlich höher als beim Magister”). “Klar stellte Keitel-Kreidt auch: der ‘Studienerfolgsbericht’ sei und bleibe […]

  4. FU verlost BA-”Restplätze” « FUwatch Says:

    […] beim Fachwechsel in den neuen BA-Studiengängen sind inzwischen hinlänglich bekannt (siehe z.B. “Abbrecherquote beim BA deutlich höher als beim Magister”) und ein Abbauen der Wechselhürden wäre sicherlich ein wichtiger Faktor, um die hohe […]

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