Vollversammlung an der ASFH beschließt Boykott des CHE-Rankings

Die Studierenden der Alice-Salamon-FH (ASFH) haben auf ihrer Vollversammlung am 25.10.07 beschlossen, das diesjährige CHE-Ranking im Studiengang Soziale Arbeit zu boykottieren:

Stupa-Präsident Tobias Berger: ‚Mit 199 Stimmberechtigten war dies die größte Vollversammlung seit langem.‘ An der ASFH studieren rund 1900 Menschen. Zusätzlich sprachen sich die Student_innen dafür aus, dass der AStA bei zukünftigen Rankings an der ASHB frühzeitig darüber informiert werden soll. In diesem Jahr war das nicht der Fall. ‚Wir fordern das Rektorat nun dazu auf sich dem Beschluss der Vollversammlung anzuschließen, nicht am CHE-Ranking teilzunehmen und fordern alle Studierenden auf, Post die sie vom CHE erhalten bei uns im AStA abzugeben‘, so Andrea Remmers, Vorsitzende des AStA der ASFH. Auch die Wortmeldung eines CHE Vertreters konnte die Studierenden nicht von ihrem Boykott abbringen. Die Pressesprecherin des AStA Nicole Biele sagte dazu: ‚Wir hoffen dass unser Boykott sich auch auf andere Hochschulen auswirkt und sie sich uns anschließen.‘ (AStA der ASFH, 25.10.07)

Hintergrund des Boykotts ist, dass das CHE-Ranking wegen seiner Nähe zur Bertelsmann-Stiftung und methodischen Mängeln zunehmend in die Kritik gerät. So nimmt etwa die Schweiz bereits nicht mehr am CHE-Ranking teil, Österreich will sich im nächsten Jahr anschließen. Beim CHE wird freilich betont, die Zusammenarbeit sei von Seiten des CHE aufgekündigt worden (derStandard.at, 03.09.07).

Thorsten Stegemann stellt in einem Telepolis-Artikel jedoch einen generellen Trend heraus, Hochschul-Rankings kritisch zu betrachten:

„Auch in Europa werden zunehmend seriöse, und das heißt vor allem: nachprüf- und tatsächlich vergleichbare Parameter verlangt. Standardisierte Fragebögen, die geringe Rücklaufquote, der Verdacht zielgerichteter Manipulationen und der offenkundige Versuch, völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen auf allerlei seltsamen Wegen miteinander in Beziehung zu setzen, sorgen hier ebenfalls für wachsenden Unmut und praktische Konsequenzen.“ („Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik“, Telepolis, 23.10.07)

Im Fall der ASFH hat das Rektorat die Empfehlung der Vollversammlung jedoch ignoriert und die Briefe mit den Zugangsdaten der Online-Umfrage des CHE an die Studierenden verschickt, weshalb jetzt dazu aufgefordert wurde, die Briefe mit den Zugangsdaten beim AStA abzugeben, „um ein deutliches Zeichen zusetzen, dass wir es mit dem Boykott ernst meinen“ (Hochschulpolitikreferat des AStA der ASFH).

Vermutet wird, dass dem Rektorat der Boykottaufruf ungelegen kam, „denn gute Platzierungen beim CHE-Ranking gehören traditionell in den gern und weit verbreiteten Pressespiegel“ („Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik“, Telepolis, 23.10.07).

Skeptisch zeigt sich Torsten Harmsen in der Berliner Zeitung, was den Erfolg der Aktion angeht:

„Natürlich muss man zweifeln, ob die Studentenaktion Erfolg hat. Immerhin gilt das CHE-Ranking als das etablierte Uni-Ranking. Es wertet in neun Kategorien, darunter ‚Studium und Lehre‘, ‚Ausstattung‘ und ‚Internationale Ausrichtung‘. Aber es gab in jüngster Zeit auch Kritik, wie man erst am 24. August 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen konnte, wo Fachleute aus der Schweiz und Österreich ‚gravierende Mängel an der Erhebungsmethode‘ feststellten.

So kann man die Aktion der Berliner Studenten zumindest als Warnung ansehen: Man sollte sich nie blind auf Studien und politische Ratgeber verlassen. („Widerstand gegen Elite-Uni“, Berliner Zeitung, 27.10.07)

Aus der Aktion könnte sich jedoch durchaus noch mehr entwickeln, bereits jetzt hat der AStA ASFH die Landes Asten Konferenz Berlin, den AStA FU und den RefRat HU zur Unterstützung gewinnen können („Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik“, Telepolis, 23.10.07).

Sollte die ASFH mit der Boykottaktion Erfolg haben und sich der Boykott tatsächlich weiter ausdehnen, hätte das CHE schnell ein größeres Problem, es müsste zumindest auf Rankings unter Studierendenbeteiligung verzichten. Die größere Hürde auf dem Weg dahin wäre allerdings eher die Gewinnung einer tatsächlichen Mehrheit der Studierendenschaft für die Aktion (und nicht nur des jeweiligen AStA oder einer Mehrheit auf einer VV).

Natürlich könnte die Sache auch nach hinten losgehen, wenn das CHE nämlich dann den (theoretischen) studentischen Massenboykott mit einem Achselzucken quittiert und sein Ranking einfach ohne Studierendenbeteilgung durchdrückt und den Nimbus eines maßgeblichen Rankings trotzdem aufrecht erhalten kann.

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Eine Antwort to “Vollversammlung an der ASFH beschließt Boykott des CHE-Rankings”

  1. Gina Says:

    Hi, es gibt auch ein „freies“ Hochschulranking ganz ohne Profil & Werbung –> http://www.unicp.de bitte unterstützt das Projekt, da es im Vergleich zu den „Großen“ echt Vorteile bietet!
    Grüße, Gina

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