Gerüchte um eine „Anti-fzs-Verschwörung“

Der „freie zusammenschluss von studentInnnenschaften“ (fzs) ist einer der größten studentischen Dachverbände in Deutschland, er vertritt nach eigenen Angaben „über 1 Mio. Studierende an rund 90 Hochschulen von insgesamt knapp 2,0 Mio. Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland“ (Wikipedia). Obwohl er als links gilt ist er vielen StudierendenvertreterInnen noch nicht links genug, insbesondere die Dominanz von Jusos und Grünen passt vielen nicht in den Kram. Der Verband gilt Kritikern zudem als zu bürokratisch, träge und defensiv. So heißt es im FSI Geschichte Blog:

„Der fzs war in der Vergangenheit wiederholt wegen seiner nähe zu politischen Parteien in die Kritik geraten. Durch die Dominanz von JUSOS und Grünen im Vorstand sei eine unabhängige Vertretung studentischer Interessen nicht mehr gewährleistet, wurde bemängelt. Der fzs vertritt längst nicht alle ASten in Deutschland, immer wieder gab es in den letzten Jahren spektakuläre Austritte, zuletzt verließ die Fachhochschule Gießen den Verband. Auch dort beklagte man die bürokratische Erstarrung, parteipolitische Vereinnahmung und allgemeine Trägheit des Verbandes, der sich so gut wie gar nicht bei den Bildungsprotesten in Hessen engagiert hatte. (FSI Geschichte Blog, 27.07.07)

Auch der AStA FU ist schon seit langem nicht mehr Mitglied im fzs, bemüht sich aber nach Darstellung des FSI Geschichte Blogs trotzdem in anderen Zusammenhängen wie etwa dem „Aktionsbündnis gegen Studiengebühren“ (ABS) um Vernetzungsarbeit. Wie angespannt das Verhältnis zwischen ABS und fzs ist, wurde erst kürzlich auf der ABS-Mitgliederversammlung in Lüneburg deutlich:

„Wichtige Tagesordnungspunkte wie etwa das Verhältnis zwischen dem ABS und der ABS-Mitgliedsorganisation freierzusammenschluss von studentinnenschaften (fzs) wurden beispielsweise komplett vertagt. Dass es hier Spannungen gibt konnte lediglich bei anderen Tagesordnungspunkten festgestellt werden, wo unter anderem berichtet wurde, dass der fzs dem ABS die Konten gesperrt hatte. Der ehemalige ABS-Geschäftsführer Amin Benaissa aus Frankfurt merkte an, dass es ihm so vor käme als würde der fzs, als sicherlich wichtiger Bündnispartner der aktuellen ABS Geschäftsführung bewusst, aus politischen Gründen Steine in den Weg legen.“ (AStA FU Blog, 26.07.07)

Im LHG Blog wurde unterdessen eine Einladung der Landesastenkonferenz (LAK) Berlin veröffentlicht, die zu einer „Bundesastenkonferenz“ einlädt, welche vom 22. bis 25. November in der HU Berlin stattfinden soll. Auf dieser Konferenz soll es unter anderem um Studiengebühren, die Exzellenzinitiative und das politische Mandat für die verfasste Studierendenschaft gehen. Im LHG Blog ist jedoch davon die Rede, diese Bundesastenkonferenz könnte auch dazu dienen, dem fzs Konkurrenz zu machen:

„Schon länger war aus Kreisen des fzs, des freien zusammenschluss von studentInnenschaften – so etwas wie ein Dachverband vieler deutscher Studierendenschaften (im Prinzip also so etwas wie eine Bundesastenkonferenz) -, zu hören, dass ausgehend aus Berlin eine solche Konferenz geplant sei. Die Bestätigung ist jetzt raus.

Welcher Zweck damit verfolgt wird, ist unklar. Manche Stimmen meinen, der (weitgehend linke) fzs sei den einladenen ASten nicht links / kritisch / emanzipatorisch / aktionistisch / whatever genug und man wolle eine Konkurrenzveranstaltung aufbauen.“ (LHG Blog, 23.07.07)

Das ist natürlich bis jetzt rein spekulativ und selbst wenn es zutrifft, stellt sich die Frage, wie eine Veranstaltung einem Verband Konkurrenz machen sollte. Denn selbst wenn diese Bundesastenkonferenz in Zukunft regelmässig stattfinden sollte, kann sie doch nicht die Rolle eines Verbandes übernehmen. Da müsste man schon einen Schritt weitergehen und auf der Konferenz dann die Gründung eines alternativen Dachverbands beschließen, wovon hier aber nicht die Rede ist.

Weiter ist zu beachten, dass die ASten, die nicht Mitglied im fzs sind, eine klare Minderheit darstellen (soweit ich informiert bin). Lädt man also alle ASten auf eine Bundesastenkonferenz ein, dann automatisch auch jene ASten-Mehrheit, die dem fzs positiv gegenüber eingestellt ist. Wie wollte man also die Bundesastenkonferenz als Gegenpol zum fzs ausrichten, wenn die Mehrheit der Anwesenden immer noch hinter dem fzs steht? Klar, machbar wäre es, logischer wäre es dann aber nur jene ASten einzuladen, die schon aus dem fzs ausgetreten sind. Man müsste zunächst also erst mal verifizieren, an wen die Einladung rausging (an alle ASten oder nur an bestimmte ASten). Nach Angaben des LHG Blogs hat sich der AStA FU allerdings noch nicht zu diesem Punkt geäußert.

Die Faktoren sprechen zur Zeit eher gegen das Gerücht einer „Anti-fzs-Verschwörung“, allerdings ist bisher auch noch relativ wenig über diese geplante Bundesastenkonferenz bekannt. Allein die Tatsache, dass solche Gerüchte die Runde machen, zeugt indes davon, wie zerüttet und von Misstrauen geprägt das Verhältnis zwischen fzs und fzs-kritischen Gruppierungen scheinbar ist.

Update 30.07.07

Im AStA FU Blog wurde ein Eintrag veröffentlicht, der sich detaillierter mit der Frage befasst, wer zur Zeit Mitglied im fzs ist und woher der größte Teil der Mitgliedsgelder kommt.

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3 Antworten to “Gerüchte um eine „Anti-fzs-Verschwörung“”

  1. Ronny Says:

    Pressemitteilung von der Sitzung des fzs: „Mitglieder bestätigen studentischen Dachverband – fzs zukunftsfähig“.

    Bericht der FR über die fzs-Austritte in Hessen.

  2. Rike Says:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25861/1.html

  3. Kommt Ende diesen Monats ein “Gegen-Verband” als Alternative zum fzs? « FUwatch Says:

    […] als Alternative zum fzs? Ende Juli beschäftigte sich ein FUwatch-Artikel mit den Gerüchten um eine “Anti-fzs-Verschwörung” auf der geplanten Bundesastenkonferenz Ende November. Das Fazit lautete, dass die ASten, die nicht […]

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