Dog-Eat-Dog im OSI Mittelbau

Wie berichtet gab es unlängst ein offenes Treffen zwischen Dozierenden und Studierenden am OSI, auf dem es unter anderem auch um die Frage ging, wie das Problem der überfüllten Lehrveranstaltungen am besten zu lösen ist.

In einem Kommentar hat der Kommilitone Stefan dankeswerterweise kurz zusammengefasst, was bei diesem Treffen hinsichtlich des „Überfüllung-Problems“ herausgekommen ist.

Danach hat eine Gruppe von Wissenschaftlichen OSI MitarbeiterInnen (Beisheim, Haberecht, Hagemann, Holzscheiter, Peters, Walter) ein Papier vorgelegt, wie das Problem zu lösen wäre.

In diesem Papier fordern die AutorInnen, dass es dem Mittelbau auf Qualifikationsstellen (MaQ) kurzfristig ermöglicht werden soll, die TeilnehmerInnen-Anzahl in Lehrveranstaltungen (LVs) auf 50 Studierende zu beschränken. Unter diesen 50 Studierenden sollen dann maximal 35 sein, die einen „Leistungsschein“ machen können.

Hier stellt sich dann natürlich zunächst die Frage, wie das eigentlich bei der Anmeldung über das SAP Campus Management (CM) gelöst werden soll. Schließlich kann man über das CM zur Zeit zwar die GesamtteilnehmerInnen-Anzahl für eine LV beschränken, das CM differenziert aber nicht zwischen TeilnehmerInnen die einen Leistungsschein machen möchten und solchen die nur einen Teilnahmeschein machen möchten. Man kann die Gesamtanzahl also theoretisch auf 50 beschränken, aber wie will man darüber hinaus sicherstellen, dass sich unter diesen 50 nur maximal 35 mit einem Wunsch nach einem Leistungsschein befinden?

Weiterhin stellt sich natürlich das Problem, dass wenn erst mal die Büchse der Pandora geöffnet ist, andere Dozierende hier nachziehen werden wollen. Wenn der MaQ für sich Teilnehmer-Beschränkungen fordert und auch durchsetzt, drückt er die Studierende damit in LVs von „einfachen“ Lehrbeauftragten, wo es dann natürlich umso voller wird. Konsequenterweise werden die Lehrbeauftragten dann auch eine Beschränkung für ihre LVs fordern. Und auch die ProfessorInnen werden natürlich nachziehen, wenn der Mittelbau erst einmal anfängt, die TeilnehmerInnen-Anzahl zu beschränken. So werden die Studierenden dann zwischen den verschiedenen Gruppen innerhalb der akademischen Hierarchie am OSI hin und her geschubst.

Betont wird von den AutorInnen die Kurzfristigkeit ihrer Maßnahme, langfristig könne dagegen eine gezielte Steuerung der Studierenden erfolgen, die dann der wünschenswerten Wahlfreiheit der Studierenden auch Rechnung tragen würde. So könnte über eine Voranmeldung noch vor Semsterbeginn im CM bzw. Blackboard festgestellt werden, wie hoch das Interesse an welcher LV ist. Bei einer sich dann abzeichnenden Überfüllung könnte das Angebot dann rechtzeitig angepasst werden.

Doch wie muss man sich das konkret vorstellen? Sagen wir, bei dieser Form der beschriebenen Vorprüfung fällt auf, dass die Veranstaltung XYZ besonders beliebt ist und es hier mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Überfüllung kommen wird. Dann bietet derselbe Dozierende seine Veranstaltung gleich zwei Mal an oder organisiert einen Co-Dozierenden, der dann die Parallelveranstaltung mit demselben Thema leitet? Das wird doch nie im Leben funktionieren. Organisatorisch wie lehrkapazitäts-technisch ist ein solches Szenario unrealistisch.

Tatsächlich wird es natürlich auf eine permanente Abschaffung der Wahlfreiheit hinauslaufen. Die viel besuchten LVs werden Teilnehmer-Beschränkungen einführen, die Studierenden damit in eher unbeliebte LVs umgelenkt, um sie so gleichmäßig verteilen zu können. Mit Wahlfreiheit hat das alles nichts mehr zu tun. Die Frage warum die Lehre von einigen Dozierenden beliebter ist als von anderen (bzw. die Inhalte) wird hier nicht mehr gestellt, jeder Dozierende kann sich aufführen wie er will, Dank des neuen Verteilungssystems braucht er nicht fürchten, dass die Studierenden seinen LVs fernbleiben.

Natürlich hatte auch die studentische Seite auf diesem offenen Treffen Vorschläge, wie man vorgehen könnte. Diese wurden aber als nicht durchführbar abgeschmettert, Stefan schrieb:

„Trotz der Erkenntnis, dass das Problem der überfüllten Seminare allen Anschein nach kein Kapazitätsproblem, sondern ein Verteilungsproblem ist, wurden alle anderen Vorschläge, die Situation in den Seminaren erstmal zu analysieren und entsprechende Daten zu recherchieren, als illusorisch und kurzfristig nicht umsetzbar abgewehrt, obwohl diese Vorschläge konkret formuliert wurden. (Gleichverteilung der Veranstaltungen auf die ganze Woche; Vermeidung von Überschneidungen; inhaltliche Abstimmung des Lehrangebots, Nutzung des unterbesuchten Lehrangebots der TU, Druck auf Dozierende, die das Problem mitverursachen, Bsp. Segbers IB-VL)“

Dieses so genannte „offene“ Treffen hatte damit offensichtlich einen reinen Alibi-Charakter. Der Mittelbau auf Qualifikationsstellen (MaQ) setzte sich mit den Studierenden zusammen, obwohl natürlich von Anfang klar war, dass er seine Idee so durchsetzen wollte, wie er sie in seinem Papier formuliert hatte – ohne Abstriche oder Kompromisse, ohne die alternativen Ideen der Studierenden ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Abzuwarten bleibt natürlich, inwieweit der Institutsrat die Ideen des MaQ übernehmen wird. Tatsächlich besteht aber die Möglichkeit, dass es schon im nächsten Semester Teilnehmer-Beschränkungen für LVs des MaQ geben wird. Das nächste offene Treffen zu diesem Thema findet am 27.07. in der Ihne22, E1 um 10 Uhr statt.

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