Vierte OZ-Ausgabe thematisiert G8-Themenwoche nur wenig

Wie berichtet, ist vor kurzem die vierte Ausgabe der OSI-Zeitung (OZ) erschienen.

Wie schon erwähnt fällt einem sofort das neue Layout ins Auge, das deutlich angenehmer wirkt als das alte. Auch die beiden Lenzen-Karikaturen passen ganz gut zum Titel-Artikel von Florian Schatz.

Ausführlich stellt Florian dar, wie das System Lenzen funktioniert. Man staunt nicht schlecht mit welcher Selbstverständlichkeit das Präsidium bis in die Fachbereiche hineinregiert und dort unter anderem festlegt, welcheR BeweberIn für eine Professur geeignet ist und welcheR nicht. Erschreckend auch das Vorgehen im Akademischen Senat, wo die Gruppe die die Mehrheit stellt im Vorfeld unter sich ausmacht, was entschieden wird, und es dann im AS selbst keine ernsthafte Diskussion mehr gibt, weil die Ergebnisse de facto schon feststehen.

Begründet wird dies mit dem Argument, dass eine klare Top-Down-Führung nötig wäre, um die Uni effizient zu führen. „Eine breite akademische Selbstverwaltung koste zuviel Zeit, Mühe und Geld. Anstatt zu lehren, zu forschen oder zu studieren, würden sich die Beteiligten in endlosen Diskussionen verlieren, nur klare Führungsstrukturen könnten dies verhindern.“ Florian entlarvt diesen vermeintlichen Widerspruch zwischen Demokratie und Effizienz als fiktiv, indem er ausführt, dass die demokratische Entscheidungsfindung die Effizienz überhaupt erst sichert. So wären bei der BA-Einführung Fehler gemacht worden, die heute mit einer Reform behoben werden, jedoch schon damals durch Kritiker diagnostiziert wurden. Nur wurden besagte Kritiker damals eben konsequent ignoriert.

Der Vergleich Lenzens mit dem Sonnenkönig im Titel des Artikels ist hier sehr treffend gewählt. Tatsächlich mutet Lenzens Führungsstil absolutistisch an und ist dabei eben keineswegs so effizient, wie er und seine Getreuen es glauben machen wollen. Alternativ erinnert der Artikel natürlich sehr an den berühmten Vergleich von Dubai Segbers, der in einem Statement Lenzen mit Putin in eine Ecke stellte (siehe Bericht vom Fachbereichsrat PolSoz vom 05.04.06). Tatsächlich hat Lenzens Stil inzwischen etwas von Putins Vision einer „Gelenkten Demokratie“.

Was man schmerzlich in der neuen OZ-Ausgabe vermisst, ist eine intensivere Auseinandersetzung mit der G8-Woche am OSI. Was genau hat das eigentlich gebracht? Was sind die Ergebnisse? Bis heute hat sich niemand der so begeistert Engagierten die Mühe gemacht für die Nachwelt festzuhalten, was dort eigentlich so bahnbrechendes passiert sein soll.

Im Ansatz ist dies im Kommentar von Kathrin Hagemann ja durchaus nachzulesen. Sie führt aus, dass die Studierenden es auch ohne Dozierende geschafft haben diese Woche zu organisieren, dass es in den Medien zur Abwechslung mal nicht um die Exzellenz, sondern eben um die G8-Themenwoche ging. Und was weiter?

Marcel Heberlein demontiert schlüssig den Mythos des OSIs als „linke Kaderschmiede“ der 68er. Dabei verweist er auch auf Peter Grottian, der beim Protest gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 200 bis 300 OSI-Studierende ausgemacht haben will. Wenn dies von der G8-Themenwoche ausging, wäre es sicherlich ein Erfolg. Die Frage ist nur erstens, ob diese 300 nicht auch ohne vorherige G8-Themenwoche nach Heiligendamm gefahren wären und zweitens, warum sie innerhalb des Protestblocks keine größere Rolle gespielt haben, obwohl sie doch organisatorisch und „ideologisch“ durch die vielen G8-Seminare gut vorbereitet waren. Hat man während der Gipfelproteste in den Medien jemals etwas von OSI-Studierenden in Heiligendamm gehört? Haben die OSI-Studierenden dort eine zentrale Rolle in der Organisation gespielt? Und falls ja, warum liest man in der OZ darüber nichts? Was bleibt ist Frida Thurms kurzer Einblick in den G8-Protestalltag in Heiligendamm, ein Bezug zur G8-Themenwoche am OSI wird aber auch hier nicht hergestellt.

Wenn es überhaupt so etwas wie eine Nachbetrachtung der G8-Themwoche am OSI gibt, dann geht es immer nebulös um angeblich geschaffene „Freiräume“, um organisatorische Großtaten in Form der Ausgestaltung der Themenwoche. Was inhaltlich dabei herumgekommen ist, scheint keinen sonderlich zu interessieren – vielleicht auch weil es einfach nicht so wahnsinnig viel war. Was haben diese Diskussionen zur Globalisierung und zum Klimawandel wirklich gebracht? Welchen Einfluss hatten sie auf den späteren G8-Gipfel als solchen? Und wenn nicht auf den Gipfel, dann vielleicht fürs OSI? Marcel schreibt davon, die G8-Proteste selbst könnten vielleicht auch der Unipolitik neuen Schwung geben, führt anschließend aber sicherlich richtig aus, warum auch das nicht so recht funktionieren wird.

Alina Barenz schneidet mit ihrem Artikel über die mangelnde Transparenz des AStAs in Sachen Haushaltsplan ein wirklich uraltes und hinlänglich bekanntes Thema an. Was aber natürlich legitim ist, da das beschriebene Problem ja bis heute fortbesteht. Außerdem enthält der Artikel ein paar interessante Details, denn trotz der generellen Intransparenz seitens des AStAs fördert die Haushaltsprüfung des Rechnungshofes Berlin zumindest immer wieder einige „Perlen“ zu tage, wie etwa Flüge nach Manila.

Interessant ist auch der Artikel von Julia Stark über die „Umgestaltung“ des Roten Cafés in das „Cafe of Excellence“, eine Tat zu der sich angeblich die „Liberal-karrieristische Gelbe Armee Fraktion“ bekennt. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass diese Umbenennung durch das Plenum des Roten Cafés beschlossen wurde (was offenbar nicht der Fall war), es erschien mir offensichtlich, dass das sarkastisch gemeint ist und sich gegen die Exzellenzinitiative an der FU richtet. Folgt man Julia, ist man sich darüber im Plenum aber nicht so ganz einig. Richtet sich das nun gegen das Café oder gegen die Exzellenzinitaive? Soll man es begrüßen oder ablehnen?

Nicht ganz klar wird, ob Julia sich nicht selbst einen Spaß daraus macht, den Leser etwas an der Nase herumzuführen und von Empörung über die Aktion schreibt, obwohl es solche gar nicht wirklich gab. Also ein Artikel mit Augenzwinkern zu einer Aktion mit Augenzwinkern. Offensichtlich scheint jedenfalls zu sein, dass eine Gruppe die sich ironisch „Liberal-karrieristische Gelbe Armee Fraktion“ nennt, nicht wirklich für mehr Exzellenz ausspricht. Das fällt dann wohl doch eher unter Spaß- bzw. Kommunikationsguerilla. Und nimmt man die Sache im Plenum des Roten Cafés wirklich so bierernst, wie Julia beschreibt, dann hatte die Aktion wohl Erfolg (mal angenommen es ging tatsächlich nicht nur um die Exzellenzinitiative, sondern auch um die „links-reaktionäre Gesinnung“ in der Linken). Vom Schriftzug abgesehen fällt die optische Umgestaltung der Fassade ohnehin nicht so wahnsinnig auf, das Café wirkt genauso versifft wie eh und je.

Wichtig ist der kritische Artikel von Axel Lagergren über den Verein Uni-assist, an dem in Zukunft kaum einE ausländischeR StudienbewerberIn vorbeikommen wird und dessen Methoden zweifelhaft erscheinen. Eher schwach erscheint dagegen der Artikel von Christa Roth über den jungen Nachwuchsdozenten Lars Distelhorst, der sich streckenweise wie ein Aufsatz einer Achtklässlerin liest, die heimlich den Schülersprecher aus der 11. anhimmelt („Und dann stellt man sich vor, wie er wäre, als Revolutionär“).

Interessantes findet sich wie immer auch im Newsticker. Die Professur für Politische Ideengeschichte wird wie befürchtet neu ausgeschrieben, da das Präsidium der FU die Berufung von Hartmut Rosa (Uni Jena) abgelehnt hatte, da er sich zu sehr auf moderne Theorien konzentriere. Hier wäre es interessant gewesen zu erfahren, ob das wirklich der Grund war oder ob Rosa dem Präsidium aus anderen Gründen nicht genehm war (zu kritisch?). Die Professur für Internationale Politische Ökonomie wird dagegen wie geplant ab dem SS 2008 mit Susanne Lütz besetzt (in der OZ fälschlich „Sabine“ Lütz benannt). Bereits ab dem kommenden Wintersemester (WS 07/08) wird Miranda Schreurs (in der OZ fälschlich „Schreuers“ geschrieben) die neue Professorin für Vergleichende Politikanalyse und Umweltpolitik.

Insgesamt ist die vierte Ausgabe wie die vorhergehenden gelungen. Was fehlt sind aktuelle Themen wie der Streit um die angeblich suggestiven Fragen in der studentischen Studierbarkeits-Umfrage. Hier hätte man gut eine Pro- und Kontra-Gegenüberstellung einbauen können. Heiß diskutiert war in diesem Semester natürlich ebenfalls wieder die Exzellenzinitiative und der Protest gegen die Begehungen. Auch das hätte man aufgreifen können, selbst wenn es in diesem Jahr nicht das OSI selbst betroffen hat. Dann natürlich Zöllners Pläne von den 300 Millionen Euro bis zur „Berlin Research University“. Nicht zuletzt erwähnenswert auch der zunehmende Widerstand gegen Lenzen (Stichwort „Fanclub“). Hoffentlich gibt es davon dann etwas in der nächsten Ausgabe.

Nachdem die an der G8-Themenwoche beteiligten OSIaner so eine Riesenwelle wegen dieses Projekts geschoben hatten und die Woche was das OSI angeht DAS „Event“ in diesem Semester war, hatte ich eigentlich erwartet, hier mehr Analysen zu lesen. Nachbetrachtungen, die die Nachhaltigkeit der „Konferenz“ untermauern. Aber vielleicht kommt so etwas ja irgendwann noch mal an anderer Stelle.

9 Antworten to “Vierte OZ-Ausgabe thematisiert G8-Themenwoche nur wenig”

  1. Gerrit Says:

    Hallo und mal wieder danke für deine ausführliche Kritik.
    Du hast da durchaus einen wunden Punkt berührt, was die G8-Themensetzung angeht. Das Problem hier ist – wie so oft – daß wir Leute brauchen, die sich auch mit den Themen auseinandersetzen können. Viele der an der G8-Woche beteiligten (und viele unserer Redaktionsmitglieder) hatten wenig bis gar keine Zeit, um sich auch noch um einen Artikel für die OZ zu kümmern, wir waren schon über Kathrins Kommentar froh. Ich selbst muss auch ehrlich sagen, daß ich von nachhaltigen Auswirkungen der Woche (noch) nichts mitbekommen habe. Die anderen Themen (neue Eliteuni oder Fanclub) waren einfach ein wenig zu knapp dran. Wir waren bereits bei der Layoutorgie, als das hereinkam und konnten nicht einfach einen anderen Artikel rauskicken. Aber ich bin optimistisch, daß einige der von dir angeschnittenen Themen auch nächste Ausgabe noch aktuell sein werden – und dann kommen sie rein. Das mit den falschgeschriebenen Namen ist mir jetzt einfach mal peinlich.
    freundliche Grüße,
    Gerrit

  2. Wolf Dermann Says:

    Ich weiß nicht, ob Du’s gemerkt hast, aber die Personalisierung auf das „System Lenzen“, wie Du es schreibst, findet sich in Florian Schatz‘ Artikel gar nicht. Das ist auch richtig, denn die jetzige Personalisierungskampagne auf den aktuellen Präsidenten passt nicht mit der Historie zusammen. Nach Chronik der FU (http://web.fu-berlin.de/chronik/chronik_1970-1988.html) reicht das Bündnis aller Professorengruppen, das das „durchregieren“ erst ermöglicht, zurück ins Jahr 1983, der Wahl Heckelmanns. Auch das abwürgen längerer Debatten im Senat gab es schon unter Gaehtgens; Geppert soll dem vernehmen nach die Senatoren sich noch „totdiskutieren“ lassen, bevor die professorale Mehrheit für den geplanten Beschluss dann trotzdem sorgte.
    Das Einschreiten des Präsidiums bei Berufungsverfahren scheint jedoch mit dem Erprobungsmodell der FU von 1998 gekommen zu sein. Kurioserweise wurde dort zwar jegliche direkte Kompetenz zentraler Gremien bei Berufungsverfahren abgeschafft – eigentlich zugunsten der Fachbereiche – dadurch werden aber Probleme des Präsidenten mit dem Vorschlag nicht mehr bei der Beratung der Stellungnahme des Senats ausdiskutiert, sondern finden nun, wie Florian es beschreibt, hinter den Kulissen statt. Vielleicht mal ein Phänomen, über das es sich lohnt eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben.

  3. Niklas Says:

    || Ich weiß nicht, ob Du’s gemerkt hast, aber die
    || Personalisierung auf das „System Lenzen“, wie
    || Du es schreibst, findet sich in Florian
    || Schatz’ Artikel gar nicht.

    Nun, er schreibt vom „Präsidium“ und meidet die Erwähnung von Lenzens Namen (nur einmal ist von „Lenzens Umfeld“ die Rede). Doch das „Präsidium“ kann ja zur Zeit durchaus als Synonym für Lenzen gelten. Und die Vorkommnisse mit denen sich Florian in seinem Artikel konkret auseinandersetzt beziehen sich doch auf die Gegenwart und damit auf die Amtszeit Lenzens und dessen Handeln.

    || Das ist auch richtig, denn die jetzige Personali-
    || sierungskampagne auf den aktuellen Präsidenten
    || passt nicht mit der Historie zusammen.

    Und du siehst die Historie betrachtend da keinerlei Steigerung hin zur Gegenwart? Selbst wenn die Entwicklung lange vor Lenzen eingesetzt hat, hat er das System des von oben „Durchregierens“ doch auf die Spitze getrieben, „perfektioniert“ wenn man so will. Das Einmischen in Berufungsverfahren hat es in dieser Intensität vorher nicht gegeben und stellt eine Eskalation dar, die es durchaus berechtigt erscheinen lässt, hier von einem „System Lenzen“ zu reden.

    Eine Personalisierung ist legitim und für die politische Auseinandersetzung auch notwendig, ansonsten unterliegt der Protest einer Beliebigkeit, er hat keinen namentlichen Adressaten und verpufft infolgedessen. Denn wenn immer nur abstrakt vom „Präsidium“ oder dem „Dekanat“ die Rede ist, ohne Ross und Reiter beim Namen zu nennen, kann das den Verantwortlichen nur Recht sein, es entsteht auf sie kein unmittelbarer Druck.

    Natürlich hat die Personalisierung als Instrument des Protests ihre Grenzen, wer zu sehr auf eine bestimmte Person fixiert ist, riskiert am eigentlichen Problem vorbei zu kritisieren, wohl wahr. Dennoch sollte man sich _auch_ ansehen, wer in der Hierarchie eigentlich ganz konkret für welche Entscheidung verantwortlich ist und diese Person dann auch namentlich nennen und kritisieren, ansonsten droht der Widerstand wie ausgeführt im Sande zu verlaufen.

  4. Stefan Says:

    Hallo,

    ich komme einfach nicht daran vorbei, als einer der „begeistert Engagierten“ der G8-Woche hier meinen Senf dazuzugeben.
    Ich gebe Dir Recht in Deiner Kritik, dass die G8-Woche im Nachhinein nur ungenügend thematisiert wurde. Allerdings ist mir nicht klar, ob diese Kritik ausschießlich auf die vierte Ausgabe der OSI-Zeitung gerichtet ist, oder darüber hinaus auch die Organisierenden der Woche treffen soll. Dieser Eindruck entsteht bei mir dadurch, dass die G8-Woche an sich von Dir sehr polemisch angesprochen wird:

    „was dort eigentlich so bahnbrechendes passiert sein soll“;

    „organisatorische Großtaten“;

    „Nachdem die an der G8-Themenwoche beteiligten OSIaner so eine Riesenwelle wegen dieses Projekts geschoben hatten und die Woche was das OSI angeht DAS “Event” in diesem Semester war“;

    usw…

    Was erwartest Du also? Warum dieser Stil? Eine kritische Analyse der Woche kann objektiv nur von Leuten getroffen werden, die sich nicht an Organisation und Inhalt beteiligt haben. Wo ist also Dein Artikel in der Zeitung…? (Das ist jetzt in der Tat auch polemisch, ich habe Deine Berichterstattung während der Woche natürlich noch im Kopf, und das war ja gut und ausführlich)

    Und welchen Anspruch hatten die Organisierenden eigentlich? Mit dem bahnbrechenden Event des Semsters eine Riesenwelle zu schieben? Ich bitte Dich…, mit Ruhm und Ehre hat niemand gerechnet.
    Letztendlich haben hier Studis kontinuierlich an nem Projekt gearbeitet, ohne sich dafür irgendwie konstituieren zu müssen in Form irgendeiner weiteren politischen Hochschulgruppe. Und tatsächlich war die G8-Woche als Ereignisform über die letzten Semester gesehen eher außergewöhnlich.

    Das soll jetzt kein Freispruch von Kritik sein. Die Punkte, die bei Dir durchklingen, wurden intern ebenfalls deutlich zur Sprache gebracht: Ergebnissicherung leider nicht gelungen, evtl. zu viel Aufmerksamkeit auf die Quantität der Veranstaltungen als auf die Qualität, keine organisierte politische Ausrichtung…

    Wenn bei Dir anscheinend auch noch Diskussionsbedarf besteht, dann nur her damit, es ist wirklich alles etwas untergegangen in den Wirren zwischen Rostock und Heiligendamm.

    Das nächste Projekt ist übrigerns schon geplant, im nächsten Sommersemester soll es eine Ringveranstaltung geben mit dem Arbeitstitel: „Utopien/alternative Systementwürfe/Alternativen zum Kapitalismus“ – Darf ruhig im Zusammenhang mit der G8-Woche gesehen werden…

    Nicht mehr polemisch, Stefan

  5. Niklas Says:

    || Ich gebe Dir Recht in Deiner Kritik, dass die G8-Woche
    || im Nachhinein nur ungenügend thematisiert wurde.

    Die entscheidende Frage ist warum das nicht thematisiert wurde. Liegt das wirklich nur daran, dass die Beteiligten keine Zeit haben, wie Gerrit meint. Oder ist es nicht vielleicht doch so, dass man keine Nachhaltigkeit dokumentieren kann, wo gar keine Nachhaltigkeit existiert? Anders: Wurde die G8-Woche nicht deshalb ungenügend thematisiert, weil es nicht viel zu thematisieren gab? Obwohl die Themen inhaltlich natürlich wichtig sind, hatte ich persönlich das Gefühl, dass das im Kontext der Woche auf ein eher schwaches „Schön das wir mal drüber gesprochen haben“ hinausläuft.

    || Und welchen Anspruch hatten die Organisierenden
    || eigentlich? Mit dem bahnbrechenden Event des
    || Semsters eine Riesenwelle zu schieben? Ich
    || bitte Dich…, mit Ruhm und Ehre hat niemand
    || gerechnet.

    Ich habe mir schon die Mühe gemacht genau zu beobachten, wie die Organisierenden mit ihren Bändchen am Arm in den zahlreichen Veranstaltungen aufgetreten sind und einen auf Mr. Wichtig gemacht haben, regelrecht berauscht vom vermeintlichen Erfolg der Veranstaltung schienen. Fakt ist, dass intern eben sehr wohl ein riesen Hype um diese G8-Themenwoche gemacht wurde (während die Außenwirkung vergleichsweise gering war). Ein Hype, von dem jetzt im Nachhinein offenbar keiner mehr etwas gespürt haben will, weil sich gezeigt hat, dass dieser Hype eben in keinerlei Relation zu dem steht, was am Ende bei dieser Veranstaltungswoche hängen geblieben ist.

    || Was erwartest Du also?

    Dass die „Glorifizierer“ dieser Woche entweder endlich einräumen, dass diese Woche de facto für den A*sch war, weil sie nichts gebracht hat, was Heiligendamm oder meinetwegen nur das OSI auch nur in irgend einer Weise nachhaltig beeinflusst hat, oder aber in einem etwas längeren Papier detailliert ausführen, warum es ihrer Meinung eben sehr wohl etwas gebracht hat.

    || Eine kritische Analyse der Woche kann objektiv nur
    || von Leuten getroffen werden, die sich nicht an
    || Organisation und Inhalt beteiligt haben. Wo ist
    || also Dein Artikel in der Zeitung…

    Nun, Du findest in diesem Blog hier diverse Einträge die sich ausführlich mit der G8-Themenwoche auseinandersetzen. Darunter 5 Protokolle von verschiedenen Veranstaltungen sowie einen längeren Eintrag mit meinem Resümee. Das ist zwar nicht sooo viel, aber immer noch deutlich mehr, als sonst irgend einer der Beteiligten zu dieser Themenwoche veröffentlicht hat.

    Ich gebe Dir Recht mit Deinem Hinweis darauf, dass eine kritische Analyse eher von Leuten vollzogen werden sollte, die nicht unmittelbar in die Organisation der Woche involviert waren. Insofern hätte ich besser von „Beteiligten“ oder „Teilnehmenden“ statt von „Organisierenden“ sprechen müssen.

    Es waren jedoch die Organisierenden die dann euphorisch im inzwischen dicht gemachten Themenwochen-Blog davon schwärmten, dass die G8-Themenwoche alle Erwartungen übertroffen hätte. Und das sollte dann eben durchaus kritisiert werden, da selbst Personen die unmittelbar in die Organisation involviert waren, doch irgendwo in der Lage sein sollten, das im richtigen Verhältnis zu sehen.

    || Das soll jetzt kein Freispruch von Kritik sein. Die Punkte, die
    || bei Dir durchklingen, wurden intern ebenfalls deutlich zur
    || Sprache gebracht: Ergebnissicherung leider nicht gelungen,
    || evtl. zu viel Aufmerksamkeit auf die Quantität der Veranstal-
    || tungen als auf die Qualität, keine organisierte politische
    || Ausrichtung…

    Dann wäre doch eigentlich der nächste konsequente Schritt gewesen, diese interne Kritik auch öffentlich zu machen, oder nicht? Und dafür wäre, unter anderem, eben auch die OSI-Zeitung in Frage gekommen.

  6. Stefan Says:

    OK, noch ein paar kurze Bemerkungen, ohne das hier unnötig auszuweiten:

    Es war tatsächlich so, dass sich nicht die Mühe gemacht wurde, die Ergebnisse und die nachhaltigen Effekte irgendwie zu dokumentieren. Das lag aber nicht daran, dass es nichts zu dokumentieren gab, bzw. gibt, sondern die Orga-Leute nach einer Woche Pause sich direkt an der Gipfel-Mobilisierung beteiligt haben und dann auch fast alle hingefahren sind. (Aufruf-Flyer, Vorbereitung eines FU-Barrios im Camp von Rostock, Aktionstraining usw.)
    Es gab ein dazwischen ein internes Evaluationstreffen, allerdings – und das war vielleicht ein Fehler – haben wir da nicht über eine öffentliche Selbstkritik gesprochen.

    Dann zum „Mr.Wichtig“-Vorwurf. Ich kann schon verstehen, wie das teilweise gewirkt haben mag. Allerdings muss man da auch sehen, dass der ganzen Woche sechs Monate Arbeit vorausgingen. Für manche in den letzten Wochen fulltime und mit 24-Std. Tagen. Zudem stand das ganze Projekt lange auf der Kippe, da es kaum Anmeldungen für Veranstaltungen gab. Wenn dann doch alles irgendwie klappt, ist eine gewisse Euphorie nur menschlich und war zumindest in meinem Fall auch gar nicht zu unterdrücken.
    Übrigens wurden wir dann mit Anmeldungen überflutet und haben auch keine Fristen durchgezogen, was vielleicht die inhaltlichen Mängel erklären kann, da wir kurz vor der Woche nur noch mit dem Verwalten der immer neuen Anmeldungen zu tun hatten. Hier müsste man sich übrigend auch noch mal das Verhalten der Dozierenden angucken, welches bei der Vorbereitung eigentlich nur Probleme gemacht hat.

    Und dann noch zum „für den A*sch“-Vorwurf. Wenn Du willst, dass irgendwer das „endlich“ zugibt, dann scheinst Du deinem Urteil ja schon Richtigkeit und Objektivität beizumessen.
    Ich verstehe aber immer noch nicht, was denn jetzt eigentlich die Kriterien des Erfolgs, bzw. Nichterfolgs der Woche sein sollen. Außenwirkung, Innenwirkung, politische Verortung, Nachhaltigkeit…?
    Ich find Deine Formulierungen in dem Punkt einfach inakzeptabel, da sie so eine Entweder-Oder-Sicht in sich bergen. Dabei sind die Beteiligten ja bereit, Kritik zu üben und zu ernten, aber für eine derart absolut vernichtende Beurteilung der Woche gab es mittlerweile auch zu viel positive Resonanz.

    Darüber hinaus ist eine Rückschau auf das SoSe 2007 mit Themenwochen- und Gipfelbezug schon öfter als Idee geäußert worden, aber fast immer mit der Erkenntnis, dass man sowas erst im Herbst machen kann. Das ist jetzt natürlich ein leerer Satz, aber jedenfalls wurde daran schon mal gedacht.

    doch nicht so kurz, Stefan

  7. Niklas Says:

    || Ich verstehe aber immer noch nicht, was denn jetzt eigentlich
    || die Kriterien des Erfolgs, bzw. Nichterfolgs der Woche sein
    || sollen. Außenwirkung, Innenwirkung, politische Verortung,
    || Nachhaltigkeit…?

    Das wäre zunächst natürlich zu diskutieren und ich habe diese Frage ja auch ins Zentrum meines eigenen Themenwoche-Resümees gestellt:

    „Zweifellos war die G8-Themenwoche ein Erfolg, wenn man diesen allein daran misst, dass die Veranstaltungen interessant waren und auch alle rege besucht wurden. Trotzdem ist es irgendwie deprimierend auf der Website zu lesen, die ‚G8-Themenwoche übertrifft alle Erwartungen‘. Wenn alle Erwartungen übertroffen wurden, was waren denn dann diese Erwartungen? Das vielleicht 10 Personen in eine Veranstaltung kommen? In dem Fall wären sie ja wirklich übetroffen worden, dadurch das alle Veranstaltungen viel besucht waren.

    ‚Über 2500 interessierte Menschen‘ haben sich beteiligt, nur was sagt das aus? Wenn es um die Gesamtzahl geht, dann kann es ja auch sein, dass es in jeder Veranstaltung immer ungefähr dieselben Personen waren, nämlich jene, die sich ohnehin kritisch mit dem G8-Treffen und der Globalisierung auseinandersetzen. Mir fiel zumindest schon auf, dass ich oft die gleichen Gesichter gesehen haben, gerade bei den Nicht-Großveranstaltungen war das schon auffällig.

    Wenn die Protestbewegung gegen Heiligendamm in dieser Woche noch mal einen Schub erhalten hat, dann hatte das eher mit den Razzien zu tun, und weniger damit, dass sich am OSI so etwas wie ein ‚Widerstandscamp‘ gebildet hätte. Gut, man kann sagen, man hat informative und zumindest teilweise auch wissenschaftliche Vorträge, Workshops und Diskussionen gehabt. Nur welche unmittelbare Konsequenz ergibt sich daraus hinsichtlich des G8-Gipfels in Heiligendamm in einem Monat? Diese Komponente ist irgendwie völlig versackt.“

    Und noch mal zur Erinnerung ein zentrales Zitat aus einem taz-Artikel von Martin Kaul:

    „Wahrscheinlicher aber sind noch andere Gäste. Zwar richtet sich der öffentliche Minigipfel sowohl an die akademischen Zirkel selbst als auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Doch auch einer dritten Zielgruppe stehen die Türen offen: den globalisierungskritischen Gruppen. Wer das politikwissenschaftliche Institut kennt, weiß, dass die Aktionswoche einen Monat vor dem Gipfeltreffen an der Ostsee sich auch zum Widerstandscamp für die Protestbewegung entwickeln könnte: ‘Die institutionelle Aktionswoche ist eine Steilvorlage: zur Mobilisierung und zum Protest gegen eine unsägliche neoliberale Herrschaftshaltung’, sagt Dennis Olsen, der am OSI studiert.“

    Und, glaubt Dennis auch heute noch, dass die „institutionelle Aktionswoche eine Steilvorlage zur Mobilisierung und zum Protest gegen eine unsägliche neoliberale Herrschaftshaltung“ war?

    Vielleicht hätte, die Aktionswoche einen Monat vor dem Gipfeltreffen sich wirklich zum „Widerstandscamp für die Protestbewegung“ entwickeln können. Hat sie aber nicht, und ich werde einfach den Verdacht nicht los, dass genau das der Grund ist, warum die Themenwoche jetzt im Nachhinein totgeschwiegen wird.

  8. Dennis Olsen Says:

    Also die Erwartung eines „Widerstandscamp für die Protestbewegung“ konnte die G8-Woche, wenn überhaupt nur zum Teil erfüllen. Meiner Meinung nach war diese Erwartung aber nie Konsens in der Vorbereitungsgruppe, an der ich nicht beteiligt war und dies auch nicht wollte. Gerade weil auch viele Dozierende beteiligt werden sollten und die Woche am OSI fest verankert stattfinden sollte, konnte keine so eindeutige Ausrichtung
    durchgesetzt werden. Ich kann mich noch gut an eine Institutsratssitzung kurz vor der G8-Woche erinnern, in der einige Profs, versuchten einzelne Veranstatungen, wie etwa die von Block G8 organisierten, zu behindern und aus dem Programm zu kicken.
    Trotzdem hat die G8 Woche doch zur Mobilisierung beigetragen, wenn auch nicht in dem Maße, wie sie es vielleicht gekonnt hätte.

    Es ist einfach die Frage, wie sich derartige Aktionen am OSI in der heutigen Zeit umsetzen lassen und ich denke da gab es keinen anderen Weg für das Orga-Team als ein breites, vielleicht auch nicht ganz zielorientiertes (Mobilisierung, Widerstand) Konzept aufzustellen.

    In Grund und Boden reden würde ich die G8-Woche jedoch trotzdem nicht. So bitter, wie es klingt, war doch bereits das alleinige Stattfinden ein großer Erfolg an einem Institut und an einer Uni, die auf ihr Image setzt und solche auch nur im Ansatz für kritisch zu haltenden Veranstaltungen blockiert.

  9. Niklas Says:

    || Trotzdem hat die G8 Woche doch zur Mobilisierung beigetragen,
    || wenn auch nicht in dem Maße, wie sie es vielleicht gekonnt
    || hätte.

    Ich bin da nach wie vor skeptisch. Natürlich haben sich Studierende im Kontext der Themenwoche auf den G8-Gipfel vorbereitet und sind dann sicherlich auch gemeinsam dorthin gereist. Trotzdem, so meine These, hätten sich doch dieselben Leute in annähernd derselben Anzahl auch ohne die Themenwoche zusammengefunden.

    Ein Erfolg wäre es sicherlich gewesen, wenn durch die G8-Themenwoche Personen mobilisiert worden wären, die sich das vorher gar nicht vorstellen konnten (d.h., die eigentlich nicht vor hatten zum Gipfel zu reisen). Oder mehr noch, wenn sich aus der Themenwoche ein Widerstandscamp gebildet hätte, das weit über die fünf Tage hinaus existiert hätte und zur zentralen, bundesweiten „Anlaufstelle“ für alle Gipfel-Protestierenden geworden wäre. Nur das ist eben einfach nicht passiert.

    || In Grund und Boden reden würde ich die G8-Woche jedoch
    || trotzdem nicht. So bitter, wie es klingt, war doch
    || bereits das alleinige Stattfinden ein großer Erfolg
    || an einem Institut und an einer Uni, die auf ihr Image
    || setzt und solche auch nur im Ansatz für kritisch zu
    || haltenden Veranstaltungen blockiert.

    Aber was konkret hat es gebracht, das Stattfinden dieser Veranstaltungs-Woche durchgesetzt zu haben? Sicherlich man hat sich gegen viele Personen durchsetzen können, die solche kritischen Veranstaltungen an der Uni gar nicht mehr wollen. Diese Personen haben, wenn man so will, eine Schlappe einstecken müssen. Aber hat es sie wirklich in irgend einer Form nachhaltig geschwächt und/oder „uns“ als Gegenseite gestärkt? Ich kann das einfach nicht erkennen.

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