Konfetti gegen Exzellenz

Wie BBFB ausführt, haben gegen Exzellenz-Begehungen protestierenden Studierenden am gestrigen Dienstag Müllsäcke voller Konfetti in der Silberlaube verteilt. Hintergrund ist, dass die Uni-Leitung allen HausmeisterInnen und Putzkräften eingebläut hatte, dass die Gebäude für die Exzellenz-Begehung picobello auszusehen hätten. Dem wurde durch den Konfetti-Regen ein Strich durch die Rechnung gemacht. Weiterhin wurden Flyer die vor dem „Angriff der Exzellenz Cluster“ warnten verteilt:

„Tenor des Flugblattes war sowohl die unklare langfristige Finanzierung, dass die inneruniversitäre Mitbestimmung auf der Strecke bleiben werde und der Exzellenzwettbewerb insgesamt ein neoliberaler Meilenstein für die Hochschullandschaft sei.“ (Proteste gegen Exzellenz gehen in die 2. Runde, BBFB, 19.06.07)

Darüber hinaus wurde auch der erst jüngst eröffnete Uni-Shop mit Fabbeuteln beworfen, was nach Vermutungen von BBFB auch im Kontext des Anti-Exzellenz-Protests steht. BBFB hat ferner eine Fotostrecke veröffentlicht, die das alles dokumentiert.

Doch nicht alle Studierenden sind mit dem Protest gegen die Exzellenzinitiative einverstanden. So hat die LHG einen eigenen Flyer konzipiert, der die positiven Aspekte der Initiative betont und sich gegen eine Pauschalkritik wendet:

„Als einen Bruch mit ihrem – in diesem Blog deutlich sichtbaren – sehr kritischen Umgang mit der Leitung der FU will die LHG die Aktion nicht verstanden wissen. Wichtig ist aber aufzuzeigen, dass die beantragten Millionenzuschüsse die Situation an der FU allgemein verbessern würden und dass dabei natürlich auch etwas für die Studierenden und die Studienbedingungen bei abfällt.

Die LHG wendet sich mit der Aktion vielmehr gegen die Kampagne der Aktivisten im AStA-Umfeld, denen ein logischer Begründungszusammenhang für ihre Aktionen gegen die Begehung der FU durch die Gutachter in diesen Tagen fehlt.“ (Exzellenzbewerbung der FU nützt auch den Studierenden, LHG Blog, 18.06.07)

In ihrem Flyer betont die LHG, dass Zuschläge im Exzellenzwettbewerb mehr Lehrveranstaltungen bedeuten, für bessere Promotionsbedingungen sorgen, neue Chancen für kleine Fächer bieten und die Geistes- und Sozialwissenschaften fördern würden. Die Argumente der Exzellenz-Gegner kann man dagegen unter anderem im FSI Blog und in der OoD-Ausgabe Nummer 5 nachlesen.

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11 Antworten to “Konfetti gegen Exzellenz”

  1. erstsemester Says:

    Das ist ja ganz witzig, Konfetti-gefüllte Müllsäcke und Farbbeutelanschläge auf harmlose Uni-shops (wobei das nicht unbedingt witzig ist) – aber ändern wird dies nun mal überhaupt nichts. Ich verstehe auch die Aufregung um die Exzellenz-Initiative nicht. Wer exzellent ist, bestimmt nun mal nicht die Universiät selbst (wenn es danach ginge, wäre jede exzellent), den Ruf, exzellent zu sein, muss man sich hart erarbeiten.
    Der falsche Weg wäre es aber, den Exzellenz-Weg aus purer Ablehnung nicht zu beschreiten. Was sollte in dem Falle auch besser werden? Oder weniger schlecht? Glaubt man, der Sparkelch geht an den Unis vorbei, die keine Exzellenz-Förderung bekommen? Die Kürzungen kommen doch so oder.

  2. Herrfischer Says:

    Besonders viel versprechend war die Ankündigung der Proteste ja nicht. Von Farbe und von Hundescheisse war die Rede. Nichts, bei dem man sich denken würde: „Schön! Da will ich auch das Flugblatt dazu lesen!“ Um so erfreute war ich über die Papierschnitzel-Aktion. Eine saubere Unordnung, auf deren Basis es sich ernsthaft weiter diskutieren lässt über Sinn und Unsinn der Exzellenzinitiative.

    Meine eigenen kleinen Beiträge zu den hohen Besuchstagen:

    http://herrfischer.net/index.php/2007/06/18/euereure-exzellenz-zu-besuch/

    http://herrfischer.net/index.php/2007/06/19/schon-wars-schon-wird-es-werden/

  3. Niklas Says:

    || Das ist ja ganz witzig, Konfetti-gefüllte Müllsäcke
    || und Farbbeutelanschläge auf harmlose Uni-shops (wobei
    || das nicht unbedingt witzig ist) – aber ändern wird
    || dies nun mal überhaupt nichts.

    Das unmittelbare Ziel der AktivistInnen, die Exzellenz-Begehung der Silberlaube zu unterbinden bzw. das „Saubermann“-Image das die FU zu präsentieren versuchte zu unterminieren ist mit diesen Protestaktionen durchaus gelungen.

    || Wer exzellent ist, bestimmt nun mal nicht die Universiät
    || selbst (wenn es danach ginge, wäre jede exzellent)

    Natürlich wäre es sinnig, würde die Universität sich selbst die Exzellenz bescheinigen (was sie ja durchaus auch versucht), da sich dann jede Uni für „exzellent“ erklären würde, wie Du ganz richtig schreibst. Es geht den AktivistInnen jedoch um eine grundsätzliche Kritik an der Exzellenzidee als solcher:

    FSI OSI: „Es ist nicht Extra-Geld, sondern schlechtes Geld. Denn die Art der Geldvergabe nimmt Einfluss auf die Ausgestaltung und Struktur der Universität. Einerseits wird die inhaltliche Selektion in den Wissenschaften, andererseits wird die soziale Auslese unter den Studierenden forciert. Die Exzellenzinitiative beurteilt Leistung und Qualität nach fragwürdigen Kriterien: Wirtschaftliche Verwertbarkeit ist die Maxime, an der sich Forschung messen lassen muss, gesellschaftspolitische Verantwortung von Universitäten wird zur hohlen Phrase.“

    || den Ruf, exzellent zu sein, muss man sich hart erarbeiten

    *rofl*

    || Der falsche Weg wäre es aber, den Exzellenz-Weg aus purer Ablehnung
    || nicht zu beschreiten.

    Auch diese Auffassung vertreten sicherlich zahlreiche Studierende, daher habe ich oben im zweiten Teil des Eintrags ja auch auf die Gegenposition der LHG hingewiesen, die meint, dass diese kategorische „Anti“-Haltung der AktivistInnen kontraproduktiv ist.

  4. Ronny Says:

    Vorneweg: Ich bin kein prinzipieller Anhänger von Exzellenz-Gehabe, vieles davon erscheint eher wie PR als der Versuch, exzellente Geister zu fördern bzw. exzellente Bedingungen für interessante Geister zu schaffen.

    Ich bin aber doch der Überzeugung, dass das Geld an der FU tatsächlich auf einen Nährboden fällt, der deutlich kritischer damit umzugehen weiß als dies andernorts der Fall wäre. Ich denke auch, dass das Geld hier in Berlin, wohin es eine große Zahl von Akademiker/inne/n zieht, sinnvoll angelegt wäre, um weniger selektiv sein zu müssen oder Exzellenz auch mal an den Rändern und außerhalb des Mainstreams suchen zu lassen, weil man sich auf Grund der Masse trauen kann, dies in der sich gleichschaltenden Hochschullandschaft zu tun.

    Lächerlich finde ich solche Anti-Exzellenz-Aktionen insbesondere, weil sie auf den ebenso lächerlichen Reflexen der Uni-Leitung (et alteri) fußen, Exzellenz ergäbe sich durch Sauberkeit und man könne diese Exzellenz durch die Konfettisierung beeinträchtigen. Aktionistisch-kreativ kann man dies durchaus bezeichnen, aber inhaltlich-kreativ ist es nicht wirklich. Spannend wäre es gewesen, wenn die Gegner zeigen würden, dass die beantragten Bereiche tatsächlich nicht „exzellent“ sind oder nachweisen könnten, dass das Geld in diesen Bereichen schlecht angelegt wäre. Oder man hätte zeigen können, was man für förderungstauglich hielte, weil es gesellschaftliche Zustände hervorbringen würde, die man für lebenstauglicher als PR-Exzellenz hält.

    Natürlich kann man in Gegnerschaft zur Exzellenz-Initiative stehen und natürlich kann man dieser Haltung Ausdruck verleihen wollen. Tatsächlich will man darüber aber Uni-intern keinen ordentlichen Diskurs führen sondern organisiert in kleinen konspirativen Grüppchen Aktionen, die es so aussehen lassen, als stünden tatsächlich viele Menschen hinter dieser Meinungsäußerung. Aber der AStA und die FSIs bevorzugen ja konspirative Basisautokratie einer kleinen Meinungs-Elite, anstatt den Versuch zu machen, alle einzubeziehen und in die Gefahr zu geraten, ein Meinungsbild zu erhalten, dass den eigenen Ansichten widerspricht.

    Auch Anti-Exzellenz kann so Züge von selektiver Wahrnehmung bestimmter gesellschaftlicher Vorstellungen annehmen, die nicht geeignet sind, in der Breite zu positiven Wirkungen zu führen…!

  5. erstsemester Says:

    @Ronny

    Ja. Inhaltlich wird die Konfettiparade nichts bewirken, aber ich nehme an, dafür war sie auch nicht gedacht. Vielleicht ein Fähnchenschwingen „Wir sind dagegen“ und wollten das auch einmal kundtun. Wie gesagt, Aufsehen erregt, nachfolgende Diskussion aber erstickt. Schön wäre es, wenn das Präsidium mit einem fliegenden Putzkommando antowrten würde (heimliches Schrubben der Gänge beid er vermuteten Täterschaft). Quasi Rückantwort auf gleicher Auseinandersetzungsebene. …

  6. Niklas Says:

    @Ronny

    || Lächerlich finde ich solche Anti-Exzellenz-Aktionen
    || insbesondere, weil sie auf den ebenso lächerlichen
    || Reflexen der Uni-Leitung (et alteri) fußen, Exzellenz
    || ergäbe sich durch Sauberkeit und man könne diese
    || Exzellenz durch die Konfettisierung beeinträchtigen.

    Gerade die Verschmutzung durch Konfetti karikiert doch den lächerlichen Ansatz der FU-Leitung, Exzellenz ergäbe sich aus Sauberkeit. Wenn man da etwas Dreck macht und die FU reagiert hektisch, weil auf gar keinen Fall der Eindruck entstehen soll, die FU wäre irgendwie dreckig, führt das die FU-Führung und ihren peinlich preußischen Habitus doch herrlich vor.

    Ob die Verhinderung der Begehungen etwas bewirkt hängt davon ab, welchen Stellenwert diese Begehungen tatsächlich auf die Exzellenzvergabe haben. Selbst wenn die Begehungen aber einen untergeordneten Charakter haben (wovon ja auszugehen ist), bleibt der Aktion immer noch ein symbolhafter Charakter. Ein „freundlicher Reminder“ an das FU-Präsidium, dass ein Teil der Studierendenschaft der Exzellenzinitiative auch kritisch gegenübersteht und nicht bereit ist, sie einfach hinzunehmen.

    @erstsemester

    || Ja. Inhaltlich wird die Konfettiparade nichts bewirken,
    || aber ich nehme an, dafür war sie auch nicht gedacht.

    Die Konfettiparade ist natürlich eher eine aktivistische denn eine inhaltliche Auseinandersetzungsform. Allerdings gab es neben dem Konfetti dann ja auch den Flyer, auf dem die Bedenken gegen die Exzellenzinitiative formuliert wurden und der interessiert gelesen wurde. Die Aufmachung des Flyers lässt freilich vermuten, dass die Argumente nicht besonders ausführlich dargelegt wurden (allerdings liest eben auch kein Mensch einen Flyer, der übermäßig textbeladen ist). Doch zumindest sollte durch den Flyer jedem Beobachter klar geworden sein, welchen Hintergrund die Aktion hatte.

    Die inhaltliche Auseinandersetzung findet auf anderen Ebenen statt, hier ging es darum aktiv zu werden, denn das Präsidium lässt sich ja nicht allein durch Diskussion eines besseren belehren. Wenn es das Ziel der FU ist, mit bestimmten Bereichen der Uni „exzellent“ zu werden und die AktivistInnen dies verhindern können, indem sie diese Begehungen unterbinden können, haben sie ja ihr Ziel erreicht. Und dieses Ziel hat natürlich durchaus „Inhalt“. Wenn diese Begehungen dagegen unbemerkt nachgeholt werden können oder im Kontext der Exzellenzvergabe nur einen untergeordneten Charakter haben, dann hat ihre Verhinderung natürlich nur einen eher symbolhaften Charakter.

  7. erstsemester Says:

    Es wäre mal schön, wenn mehr darüber berichtet würde, in welchem Maße inhaltlich über „Exzellenz“ geredet wird und von welchen Akteuren. Nichtssagende Symbolik haben wir doch nun mehr als genug geliefert bekommen. Und das von allen Seiten.

  8. Niklas Says:

    Inhaltliche Auseinandersetzungen mit der „Exzellenzinitiative“ finden sich unter anderem in:

    – OSI-Zeitung, Ausgabe 2, Dezember 2006 (2 Artikel)
    – Out of Dahlem, Nummer 5, Sommer 2006 (6 Artikel)
    – Out of Dahlem, Nummer 6, Winter 06/07 (2 Artikel)
    – FSI OSI, Fachschaftsinitiativen Blog, Dezember 2006
    – taz, Gut für die Studierenden, 14.10.06
    – FUwatch, u.a. „21 Millionen für überbezahlte Profs“, „Zusammenfassung des Hartmann-Vortrags“, „Gott sei Dank, die FU ist gescheitert“, „Wir sind schon wieder bald vielleicht exzellent“

  9. erstsemester Says:

    Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen: miteinander inhaltich darüber geredet. Solange nur eine kleine Gruppe engagierter Studierender gegen Exzellenz ist (wobei sich mir der Verdacht aufdrängt, sie sind eher aus Prinzip dagegen, als aus Fragen des Wie .. aber das ist nur ein Verdacht) und sich Hochschullehrer und Mittelbau da eher raushalten ist eine Adressierung an das Aufmerksamkeitsnirwana.

    Gruß

  10. Niklas Says:

    || Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen: miteinander
    || inhaltich darüber geredet.

    Das natürlich auch, z.B. in den verschiedenen Gremien, in denen auch Studierende vertreten sind. Nur die Möglichkeiten von „miteinander reden“ sind beschränkt, das FU-Präsidium ist ja nicht auf die Zustimmung seiner Kritiker angewiesen, es übergeht diese im Zweifelsfall einfach. Und in diesem Kontext erscheint es durchaus legitim, sich dann auch aktivistisch gegen eine verfehlte Hochschulpolitik zur Wehr zu setzen, da die Option „ausdiskutieren“ hier einfach nicht besteht.

    || Solange nur eine kleine Gruppe engagierter Studierender
    || gegen Exzellenz ist

    So klein ist sie nicht, auch dies wäre aber sicherlich mal interessant durch eine Erhebung zu erfassen (würde allerdings vermutlich daran scheitern, dass die Mehrheit der Studis gar nicht konkret weiß, worum es bei der Exzellenzinitiative eigentlich geht und sich daher auch nicht dagegen oder dafür positionieren kann).

    || (wobei sich mir der Verdacht aufdrängt, sie sind eher aus
    || Prinzip dagegen, als aus Fragen des Wie .. aber das ist nur
    || ein Verdacht)

    Die oben verlinkten Artikel machen deutlich, dass die Kritik durchaus Substanz hat.

    || und sich Hochschullehrer und Mittelbau da eher raushalten ist
    || eine Adressierung an das Aufmerksamkeitsnirwana.

    Die HochschullehrInnen und der Mittelbau liegen mehrheitlich sicherlich auf der Linie der Exzellenz-BefürworterInnen und nehmen hier eine klassische „Sachzwänge“-Position ein (vor die Wahl gestellt, entweder „exzellent“ oder „nicht-exzellent“ zu sein, ist es demnach immer besser „exzellent“ zu sein; die Grundidee einer Zwei-Klassen-Hochschullandschaft die zwischen Elite und Nicht-Elite differenziert wird nicht mehr hinterfragt). Es gibt sicherlich zahlreiche Ausnahmen, meist nur noch in Form von „Alt-68er-Dinosauriern“, die aber schon lange nicht mehr viel zu melden haben (bzw. einfach „aussterben“). Und im Mittelbau ist es halt so, selbst wenn da jemand eine kritische Position zur Exzellenzinitiative vertritt, wird er sie i.d.R. nicht öffentlich artikulieren, da er es sich mit seinem „Arbeitgeber“ nicht verscherzen will.

    Ins „Aufmerksamkeitsnirwana“ gleitet der Protest trotzdem nicht, da es ja zum einen darum geht, die bis dato desinteressierten KommilitonInnen auf die Problematik aufmerksam zu machen (was zumindest in teilen auch gelungen ist), sowie den Widerstand in die Öffentlichkeit zu tragen (was letztes Jahr deutlich besser klappte, da sich dort auch die Mainstream-Medien des Protestes gegen die Exzellenz-Begehungen annahmen, der Wirkungsgrad also höher war).

  11. “Dank”-Demo zum Forum Hochschulmarketing und Farbbeutelanschlag « FUwatch Says:

    […] Szenario erinnert natürlich an die Farbbeutel-Attacke auf den Uni-Shop im Kontext des Anti-Exzellenzprotests am Dienstag letzter Woche. Auch hier gab es kein […]

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