Kritik an FU-Studierbarkeits-Umfrage ist nicht ausreichend fundiert

Wie angekündigt, ist nun auch die Studierbarkeits-Umfrage der FU unter www.fub.studierbarkeit.de online.

Nach einer Sichtung des Fragebogens habe ich Probleme die Kritik nachzuvollziehen, die Fragen hätten „oft einen suggestiven Charakter“. Damit hatte das FU-Präsidium die Verweigerung begründet, den Fragebogen via ZEDAT-Accounts an alle Studierenden zu versenden. Auch die LHG scheint diese Ansicht zu vertreten. Dass die Studienreform auf dem Deckblatt als „Experiment“ bezeichnet wird, ist in der Tat als suggestiv zu werten.

Die Behauptung, die Fragen als solche sein suggestiv möchte ich dann aber schon noch mal genauer ausgeführt haben. Dafür müsste man sich exemplarisch einige Fragen herausgreifen und die suggestive Ausrichtung aufzeigen, was nur dann gelingen kann, wenn man parallel auch eine alternative Formulierung vorschlägt.

Der Kommilitone Martin Fischer hat mich auf seinen Artikel in der Uni-ZEIT aufmerksam gemacht, in welchem er die Studierbarkeits-Umfrage kritisiert:

„Dass bei beiden [HU- und FU-Umfrage] die Grenze zwischen repräsentativer Umfrage und politischer Unterschriftensammlung fliessend ist, soll hier ignoriert werden.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Was wie gesagt noch zu belegen wäre. Natürlich sind die Organisatoren der Umfrage der Studienreform gegenüber kritisch eingestellt. Trotzdem muss der Vorwurf die Fragen sein suggestiv und würden politisch in eine bestimmte Richtung zielen noch belegt werden.

„Seltsamerweise war ich einer der einzigen, der überhaupt in den neuen Studiengängen studierte, hatte aber diesbezüglich kaum etwas zu beklagen.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Hier wäre es interessant zu erfahren, um welchen Studiengang es sich konkret handelt. Im so genannten „Warnstreik“ 2005 ist sehr deutlich geworden, dass die Zustände in diversen BA-Studiengängen an der FU unhaltbar waren (sind).

„Gemäss Fragebogen dürfte ich an der oberen Grenze der Studierbarkeit studieren. Wie schätze ich daher, Frage Nr. 29, die Menge an Leistungsanforderungen in meinem Studium ein? Ich bin, wie fast alle meine Kommilitonen, mit den Hausarbeiten seit Wochen in Verzug. Also ‚viel zu hoch‘ ankreuzen?“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Ja, oder als „eher zu hoch“. Denn natürlich sollte der Studiengang so konzipiert sein, dass die Studierenden in der Lage sind, ihre Hausarbeiten in der gesetzten Frist abzugeben. Denn die Frist ist ja durchaus Bestandteil der Leistungsanforderung (auch bei Klausuren geht es ja darum, die gestellte Aufgabe in einem beschränkten Zeitrahmen zu absolvieren).

„Anderseits hatte ich noch nie so viel Aufsätze gelesen wie im vergangenen Semester, wurde kaum je so sehr gefordert wie jetzt und, ja, hatte noch selten so viel Spass am Studium wie heute, um das einmal ganz überschwänglich auszudrücken. Aber wo sind wenigstens einige leere Zeilen, um dies in die Umfrage mit einzubringen? Interessiert sich dafür niemand? Gehört dies nicht zur Diskussion über Bachelor und Master?“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Die Kritik ist also, dass man aus der Umfrage unter Umständen herleiten kann, dass viele Studierende durch die neuen Studiengänge an ihre Leistungsgrenze (und darüber hinaus!) gebracht werden, dies aber nicht zwangsläufig etwas darüber aussagt, ob sie mit diesem Zustand zufrieden sind oder nicht. Diese „masochistische Option“ (überfordert werden und trotzdem glücklich) scheint in der Tat unter den Tisch zu fallen. Hier hätte man als Abschluss vielleicht eine allgemeine Frage nach der Zufriedenheit mit den neuen Studiengängen einbringen müssen.

„Stattdessen werde ich gefragt: ‚In wie vielen Deiner Veranstaltungen … musstest du ‚aktive Teilnahme‘ erbringen?‘ Ich wollte ‚in keiner‘ ankreuzen, weil ich in keiner mehr als ein Referat halten oder Zusammenfassungen schreiben muss. Doch dann lese ich, dass bereits die ‚blosse Teilnahme‘ als ‚aktive Teilnahme‘ gilt, dass ‚aktive Teilnahme‘ alles zu sein scheint, was über das zu Hause bleiben hinausgeht.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Generell: Es wird differenziert zwischen „regelmässiger Teilnahme“ und „aktiver Teilnahme“, wobei irritierenderweise manchmal auch beides unter „aktiver Teilnahme“ zusammengefasst wird (ich bin mir allerdings sicher, dass im SAP CM zwischen „regelmässig“ und „aktiv“ differenziert wird). Beides ist Voraussetzung für einen „Teilnahmeschein“ und „Leistungsschein“ (wobei bei letzterem noch die HA oder Klausur hinzukommt). „Regelmässig“ bedeutet i.d.R., dass man nicht mehr als zwei mal fehlen darf (präziser in der SfAP §13 Absatz 4). „Aktive Teilnahme“ bedeutet normalerweise, dass man auch noch ein Referat, ein Protokoll oder Vergleichbares leisten muss (präziser ebenfalls in der SfAP §13 Absatz 4).

In der Frage 28 geht es zunächst einfach darum, in wie vielen Veranstaltungen der Befragte eine „aktive Teilnahme“ erbringen musstest. Was eigentlich der Regelfall ist, denn sowohl „Leistungsscheine“ wie „Teilnahmescheine“ setzen wie gesagt aktive Teilnahme voraus. Da nun „aktive Teilnahme“ sehr denhbar ausgelegt wird (manche Dozierende verlangen eben keinen „Bonus“ wie ein Referat, wenn es nur um einen „Teilnahmeschein“ geht), wurde der Frage 28 der Punkt a hinzugefügt, in dem abgefragt wird, was man für „aktiv“ konkret machen musste. Das ist so schon alles korrekt.

„Auch ich habe meine Probleme mit der Bologna-Reform. Sie betreffen jedoch vor allem Dozierende, deren Reformresistenz sich nicht unbedingt positiv auf mein Studium ausgewirkt hat. Doch wird auch nach ihnen nicht gefragt. An der Evaluation beteiligen kann ich mich daher nicht. Ich sehe nicht, meine Studienrealität durch den Fragebogen irgendwie in die Umfrage einbringen zu können.“ (HerrFischer: „Mein Master-Studium studierbar?“, Uni ZEIT, 07.06.07)

Das Verhalten der Dozierenden hätte man stärker einfließen lassen können, ja (indirekt kommt es durchaus vor). Ich denke dennoch, dass die Mehrheit der FU-Studierenden durchaus etwas mit der Umfrage anfangen kann und die eigene Studienrealität in den Fragen erfasst sieht. Die Frage ist eher, ob man überhaupt mit diesem Fragebogen bis zu ihnen durchdringt.

Womit wir beim bislang einzig essentiellen Kritikpunkt wären. Denn richtig ist die Kritik am Vorgehen, die Umfragebögen nur an bestimmten Punkten auf dem Campus auszulegen (Diskussion hier). Hier besteht in der Tat das Problem nur eine bestimmte Gruppe von Studiereden zu erreichen. Und wenn sich dann mal jemand nicht nur einen Bogen greift, sondern vielleicht auch mal zehn, um zehn mal das Gleiche auszufüllen, dann ist hier einer Verfälschung natürlich Tür und Tor geöffnet.

Die so genannte „ZEDAT-Methode“ hätte demgegenüber den Vorteil alle zu erreichen (jedeR BA/MA-Studierende braucht an der FU einen ZEDAT-Account fürs SAP CM und ist angehalten, seine / ihre ZEDAT-Emails regelmässig abzufragen). Wenn man darüber hinaus den Umfragebogen nicht nur einfach an die Email anhängt, sondern auf eine Website verweist, auf der man die Umfrage mittels TAN-Verfahren ausfüllen kann (TAN stellt sicher, dass jedeR Studierende die Umfrage nur einmal ausfüllen kann), könnte man mit Sicherheit auch die gewünschte Repräsentativität erreichen.

Da das FU-Präsidium die „ZEDAT-Methode“ blockt (wie ausgeführt aus fadenscheinigen Gründen), ist es auch dem FU-Präsidium zuzuschreiben, wenn die Umfrage nicht die erhoffte Repräsentativität erreicht. Denn der Aussagewert basierend auf der „Auslege-Methode“ ist sicherlich gering, das lässt sich jetzt schon prophezeien.

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12 Antworten to “Kritik an FU-Studierbarkeits-Umfrage ist nicht ausreichend fundiert”

  1. Fischer Says:

    Erstmals herzlichen Dank für die Behandlung meines Beitrags!

    Zur zentralen Frage: Ist der Fragebogen suggestiv?

    Mit einer Antwort auf Fragen wie: «Denkst Du, dass zur Vermeidung überfüllter Lehrveranstaltungen deutlich weniger BewerberInnen zum Studium an der FU zugelassen werden sollten?» scheint man aber doch eher ein politisches Statement zu unterschreiben, als sich an einer Erhebung zur Studierbarkeit zu beteiligen.

    Ausserdem lässt einem der Fragebogen nicht die Möglichkeit, seine Antworten zu kommentieren. Beispielsweise werde ich nach der Flexibilität sowie der Wahlfreiheit bei meinem Stundenplan gefragt. Um die Fragen korrekt zu beantworten müsste ich, in meinem Fall, „starre Vorgaben / inflexibel“ sowie „fast keine“ ankreuzen. Das klingt äusserst negativ. Doch sehe ich darin auch Positives, beispielsweise dass Lehrveranstaltungen aufeinander aufbauen. Dies kann jedoch nicht zum Ausdruck bringen.

    Des Weiteren lässt der Fragebogen die Institutsebene gänzlich ausser Acht. Ich persönlich sah (und sehe) jedoch auf dieser stets die grössten Probleme, insbesondere dort, wo sich Professoren und Dozierende der Reform verweigerten (bzw. dies noch immer tun). Diesen Widerstand mag man für ehrenhaft halten und deshalb die entsprechenden Personen vor unangenehmen Fragen bewahren. Doch geht es jetzt darum (wie auch auf dem Fragebogen zu lesen ist), die konkreten Studienbedingungen zu verbessern. Und das bedeutet: Die Probleme dort auszumachen, wo sie existieren, anstatt dort, wo man sie gerne sehen möchte.

    Insofern halte ich den Fragebogen durchaus für suggestiv, wenn auch sein Ton meist neutral ist. Was den Strichcode mit der Bezeichnung „ba ma“ auf dem Deckblatt betrifft: Ich gehe einfach einmal davon aus, dass er ein einer elektronischen Erfassung dient und nicht auch ein politisches Statement ist.

  2. Niklas Says:

    || Mit einer Antwort auf Fragen wie: „Denkst Du, dass zur Vermeidung
    || überfüllter Lehrveranstaltungen deutlich weniger BewerberInnen
    || zum Studium an der FU zugelassen werden sollten?“ scheint man
    || aber doch eher ein politisches Statement zu unterschreiben,
    || als sich an einer Erhebung zur Studierbarkeit zu beteiligen.

    Die Frage, was man gegen überfüllte Lehrveranstaltungen tun kann, wird ja zur Zeit kontrovers diskutiert. Denkbar wäre hier durchaus, dass auch etliche Studierende inzwischen die Position vertreten, dass man einfach weniger BewerberInnen zulassen sollte, was sich dann für jene, die es schafffen, positiv auf die „Studierbarkeit“ auswirkt. Sicher, die Frage reicht über den momentanen Ist-Zustand hinaus.

    (Was allerdings auch nicht viel bringen würde, da die Anzahl der Studierenden in einem festgeschriebenen Verhältnis zur Lehrkapazität stehen muss. Bei einem Herunterfahren der Studierenden-Anzahl würde auch das Lehrangebot entsprechend verknappt werden, es bliebe im Schnitt gleich voll in den LVs. Umgekehrt hat man bei einer Erhöhung der Lehrkapazität das Gleiche Problem: es müssten automatisch mehr Studierenden zugelassen werden.)

    || Ausserdem lässt einem der Fragebogen nicht die Möglichkeit, seine
    || Antworten zu kommentieren. Beispielsweise werde ich nach der
    || Flexibilität sowie der Wahlfreiheit bei meinem Stundenplan gefragt.
    || Um die Fragen korrekt zu beantworten müsste ich, in meinem Fall,
    || „starre Vorgaben / inflexibel“ sowie „fast keine“ ankreuzen. Das
    || klingt äusserst negativ. Doch sehe ich darin auch Positives,
    || beispielsweise dass Lehrveranstaltungen aufeinander aufbauen. Dies
    || kann jedoch nicht zum Ausdruck bringen.

    Kommentare auszuwerten ist schwieriger und aufwendiger, allerdings hätte es sicherlich eine Nachfrage geben müssen, ob man das gut oder schlecht findet, das stimmt. Es ist durchaus denkbar, dass man einen „starren“ Studenplan und einen „inflexiblen“ Studienaufbau hat und dem auch Positives abgewinnen kann. Impliziert wird, dass Verschulung und Kanonisierung per se negativ sind, was in der Tat den faden Beigeschmack von Einseitigkeit aufkommen lässt.

    || insbesondere dort, wo sich Professoren und Dozierende der Reform
    || verweigerten (bzw. dies noch immer tun). Diesen Widerstand mag man
    || für ehrenhaft halten und deshalb die entsprechenden Personen vor
    || unangenehmen Fragen bewahren.

    Woran denkst Du konkret, wenn Du davon sprichst, dass sich Dozierende der Reform verweigern? Zählt es schon zur Reformverweigerung, wenn ein Dozierender z.B. keine Anwesenheitslisten führt? Auch hier hätte man sicherlich auch einfach mal fragen können, ob Anwesenheitskontrollen eher positiv oder eher negativ gesehen werden, anstatt nur abzufragen, in wie vielen LVs es solche gab.

    Insgesamt kann ich Deine Probleme mit dem Fragebogen durchaus nachvollziehen. Ich denke aber, dass man bei der Sichtung der Ergebnisse dann nach Fragen differenzieren muss, die tatsächlich einen suggestiven Charakter hatten und solchen, denen man einen neutralen Ansatz zugestehen kann.

  3. Fischer Says:

    Die meisten Probleme, mit denen ich zu kämpfen habe (vom Chaos der Übergangsphase möchte ich hier nicht reden), hängen nicht in erster Linie mit den neuen Studienordnungen zusammen, sondern dass sich Dozierende nicht mit diesen auseinandergesetzt haben (bzw. dies nicht tun wollten). Das drückt sich dann beispielsweise in unklaren und sich ständig ändernden Leistungsanfoderungen in Seminaren aus. Treten dann Probleme auf, hilft einem der Kommentar von betreffender Person, dass man sowieso gegen diese Reform sei, auch nicht weiter.

    Ob es sich dabei um Einfälle handelt (was ich nicht glaube) hätte ich gerne aus der Umfrage erfahren. Verallgemeinere ich meinen Fall einmal ganz unumwunden auf die gesamte Freie Universität, dann liegt auf dieser Ebene der grösste Stolperstein der Reform und man müsste endlich ernsthaft darüber diskutieren, ob diese Verweigerungshaltung tatsächlich (wie manchmal sogar behauptet) zugunsten der Studierenden ausfällt.

  4. Niklas Says:

    || Treten dann Probleme auf, hilft einem der Kommentar von betreffender
    || Person, dass man sowieso gegen diese Reform sei, auch nicht weiter.
    || Ob es sich dabei um Einfälle handelt (was ich nicht glaube) hätte ich
    || gerne aus der Umfrage erfahren.

    Zugegeben, das zu erfahren wäre wirklich interessant gewesen.

    Ich sehe das nicht so dramatisch, da ich nicht glaube, dass die Mehrheit der Dozierenden eine derartige Anti-Haltung gegenüber der Reform vertritt. Im Gegenteil, genauso wie die Mehrheit der Studierenden hat auch die Mehrheit der Dozierenden doch längst resigniert und die BA/MA-Einführung akzeptiert. Und selbst wenn man mal einen strikten Reform-Gegener vor sich hat (und das als negativ betrachtet), sucht man sich eben einen anderen Dozierenden, der der Reform positiver gegenüber steht (gibt ja genügend die sie selbst voran getrieben haben).

    Nehmen wir z.B. den „Master IB“, der wurde ja von denen maßgeblich mitentwickelt, die heute auch einen Großteil der IB-Lehrveranstaltungen anbieten, die werden der Reform also mit Sicherheit positiv gegenüber stehen.

    Was sich in der Tat feststellen lässt ist, dass viele Dozierende bei den vielen nebeinander laufenden Studienordnungen den Überblick verlieren und dann eben sagen: „Das müssen Sie selbst wissen“ oder „Fragen Sie doch im Prüfungsbüro nach, ich kenne mich da nicht aus“. Aber das ist auch irgendwo nachvollziehbar bei diesem bürokratischen Overkill mit zig Ordnungen. Obwohl sie aber keinen Durchblick mehr haben, sind viele von denen doch nicht generell gegen die Reform.

  5. Beteiligt Euch! - Umfrage “Studierbarkeit an der FU” // SEMTIX - Stark fürs Semesterticket Says:

    […] der AStA-blog sowie der studentische blog fuwatchberichteten bereits über die […]

  6. Sebastian Schneider Says:

    Es wäre erfreulich gewesen, hätte man die InitiatorInnen der Umfrage vor dem Verfassen der Artikel kurz kontaktiert – etwa als Anfrage per Email. Dann wäre unmittelbar klar geworden, dass die Darstellung der LHG nicht korrekt ist, was die Verteilung der Fragebögen betrifft. Die zufällige Verteilung über Informations-Stände bildet einen wichtigen Pfeiler für den Rücklauf. Wesentlicher jedoch ist die gezielte und über Instituts- und Fachbereichsgrößen ermittelte Quotierung bzgl. der Verteilung der Fragebögen in Lehrveranstaltungen. Kurz: die Kritik an der Verteilung läuft ins Leere, weil sich auf die Darstellung der LHG verlassen wurde. Das ist zu bedauern.
    Obendrein ist zu sagen, dass das Präsidium nicht – wie behauptet – die Verschickung per Zedat untersagt hätte. Bisher kam lediglich keine Zusage und von der Evaluationsgruppe der präsidialen Bachelor-Befragung die bloße Empfehlung, hiervon abzusehen: es würde sich ein systematischer Fehler einschleichen, da Zedat-Accounts verstärkt von Bachelor-Studierenden genutzt würden. Der Fehler ließe sich – unserer Meinung nach – ausgleichen durch eine Variablengewichtung bei der Auswertung und durch eine Höherquotierung Nicht-BA-Studierender bei der Verteilung. Der Antrag wird nun erneut von der Studierendenverwaltung bearbeitet. Man darf gespannt sein.
    Was die Suggestivität der Bezeichnung „Experiment Studienreform“ betrifft: die Einführung von BA/MA ist die umfassendeste Hochschulreform seit Jahrzehnten. Da viele Auswirkungen neuer Studienordnungen nicht zu erahnen waren, gibt es in zahlreichen Fächern bereits die zweite oder dritte Studienordnung. Es gibt Einzelfälle von Immatrikulierten ohne Studienordnung. Viele Probleme bei der überschleunigten Einführung des Bachelor werden nun bei den Master-Studienordnungen wiederholt. Einen europaweit einheitlichen Hochschul-Abschluss zu schaffen, der obendrein arbeitsmarktqualifizierend sein soll, ist ein Novum, das seinesgleichen sucht. In diesem Kontext „Experiment“ nicht als sachliche Bezeichnung zu verstehen, würde ich wiederum ideologisch nennen.
    Zu Herrn Fischer nur kurz: die Umfrage wird nicht vom AStA durchgeführt. Der AStA ist in die inhaltliche Gestaltung des Fragebogens nicht involviert, begrüßt und unterstützt die Umfrage jedoch. Hier wäre die Lektüre des Fragebogen-Deckblatts hilfreich gewesen, die fehlerhafte Darstellung von vornherein zu vermeiden. Der vermeintlichen Suggestivität der Fragen wurde ja vom Autor obigen Artikels bereits in dankenswerter Weise widersprochen. Wenn Sie Ihren Fragebogen doch noch abgeben wollen, Herr Fischer, können Sie das an den Info-Ständen, in studentischen Cafés, bei Ihrer Fachschaft und auch im AStA tun.
    Eine allgemeine Frage zur Zufriedenheit zu stellen, wurde im Vorfeld übrigens diskutiert, jedoch abgelehnt: die Kriterien wären unklar geblieben. Im Umkehrschluss einen Katalog an Kriterien aufzustellen und jedes Kriterium einzeln bewerten zu lassen, wurde in den Diskussionen um den Fragebogen als zu zeitaufwendig in der Beantwortung empfunden.
    Vielen Dank für das Interesse an der Umfrage.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sebastian Schneider
    von der Initiative „Studierbarkeit an der FU Berlin“

  7. Ronny Says:

    Lieber Sebastian,

    zunächst einmal danke für Richtigstellungen bzw. Ergänzungen aus deiner/eurer Sicht. Wenn man sich unter den aktiven Studierenden etwas öfters kontrovers aber konstruktiv austauschen könnte, brächte uns das mehr als irgendwelche politische Schuldzuweisungen. Das ist meine ehrliche Meinung, ein solches Klima wird aber an unsere Hochschule nicht wirklich geschaffen.

    Wer die Sichtweise der LHG gelesen hat, wie sie Florian im Rahmen eines Berichts über die Kommission für Lehre (KfL) äußerte, sollte sich klar sein, dass wir jeden Versuch, diese Umfrage repräsentativ(er) zu gestalten, ernsthaft befürworten. Offensichtlich war in der Sitzung der KfL durch die anwesenden Vertreter der FSI der Eindruck erweckt worden, es handele sich um eine Verteilung, die hauptsächlich dem Zufalls-Prinzip entspricht (online wie innerhalb der Universität) und sogar soweit geht, dass die gleichen Personen mehrmals die Umfrage ausfüllen und die Ergebnisse am Ende verfälschen können. Von einer „quotierten Verteilung in Lehrveranstaltungen der Fachbereiche“ höre ich gerade zum ersten Mal – bin aber auch nicht überzeugt, dass dies Repräsentativität ermöglicht, weil eine Mischung von Methoden, die Repräsentativität annähern und solchen, die sie ausschließen, am Ende nicht zu einer repräsentativen Umfrage führen können. Dies sei nicht als politische sondern als methodische Kritik verstanden.

    Was die Beteiligung des AStAs betrifft: Natürlich ist es keine Umfrage des AStAs, das haben wir in unserem Artikel schon klar gemacht, aber im Rahmen des Drucks der Umfrage durch den AStA gibt es hier eine nicht unerheblich sachlich-materielle Unterstützung, ohne die die Initiatoren ihre Aktion wohl nicht hätten durchführen können. Zu dieser Frage gibt es nicht einmal einen StuPa-Beschluss, geschweige denn, dass innerhalb der gewählten Studierendenschaft darüber (inhaltlich wie methodisch) diskutiert wurde. Aus solcher Vorgehensweise ergeben sich dann auch ganz schnell Missverständnisse, die dazu führen, dass eine solche Umfrage eben doch (und vielleicht zurecht) angezweifelt werden kann und dann letztendlich nicht die gewünschten Änderungen in der Studierbarkeit zutage brächten.

    Das wäre aus folgendem Grunde ärgerlich: In den Gremien kritisieren wir regelmäßig, vermutlich bei jeder dritten neu zu beschließenden Studienordnung, dass dort Elemente enthalten sind, die wir als Beeinträchtigung der Studierbarkeit auffassen. Das Präsidium und einige Fachbereiche haben allerdings ein großes Interesse daran, schnell irgendwelche dahingeschluderten Studiengänge zu beschließen, damit sie erst einmal da sind. Evaluieren und reformieren kann man sie immernoch, so Herr Lenzen auf der letzten Sitzung des Kuratoriums. Wir bräuchten also tatsächlich eine Umfrage, die zutage fördert, ob, wie und wo es Probleme gibt, um etwas in der Hand zu haben, mit dem man tatsächlich an Veränderungen hin zum Positiven arbeiten kann. Wenn aber – wie mit dieser Umfrage geschehen – durch die Art der Konzipierung und Durchführung (und die (nicht-)öffentlichen Präsentation der Vorgehensweise) schon von Anfang an methodische Zweifel daran bestehen, dass die Aussagen dieser Umfrage sicher sind, dann gibt sie uns gegenüber den Fachbereichen und der Zentralverwaltung keinerlei argumentative Hilfe, wenn wir Studiengänge kritisieren und deren Re-Reformierung fordern. Wir sähen uns immer dem Argument ausgesetzt, das könne zwar so sein, sei aber nicht belegt, und man dürfe, solle, hätte…

    Ich führe das so intensiv aus, damit Kritik seitens der LHG an der Umfrage, die prinzipiell der richtige Weg ist, nicht als „typische“ Kritik an Aktionen des „politischen Gegners“ gewertet wird. Es geht hier um die Verbesserung der Studiensituation von vielen Studierenden, das ist eine Sache, die ich in fast jeder Minute meines Engagements an dieser Hochschule vor Augen habe. Nur wenn Zweifel daran bestehen, dass hier Mittel der Studierendenschaft (Druckkosten) für etwas eingesetzt werden, das nach meiner Auffassung letztendlich nicht voranbringen wird, so werden ich diese Ansichten hier stets öffentlich geäußert werden. Wenn ihr als Initiatoren tatsächlich gute Argumente habt, bin ich bereit, diese aufzunehmen und wo immer angebracht auch zu verwenden.

    Herzlichst,

    Ronny, Liberale Hochschulgruppe an der FU Berlin

  8. Das liberale Blog an der FU Berlin » Blog Archiv » Studentische Umfrage zur Studierbarkeit/KfL/StuPa Says:

    […] hier stellvertretend auf einen Artikel und die sich anschließende Diskussion in den Kommentaren hingewiesen […]

  9. Mathias Bartelt Says:

    Lieber Ronny,

    vielen Dank schon mal für Deinen in seiner Tendenz konstruktiven Kommentar.

    Nach Sebastians Antwort zur FUWatch-Debatte „allgemein“ hier auch erst mal unsere Antwort auf Martin Fischer im „Besonderen“:

    Richtigstellung

    Am 07.06.2007 wurde im Campus-Community-Internetportal der ZEIT von Martin Fischer ein Artikel zur Studierbarkeits-Umfrage an der FU Berlin veröffentlicht. Wir bedanken uns für das auf diese Weise geäußerte Interesse. Jedoch enthält dieser Artikel einige Aussagen, zu denen wir als Mitglieder der Initiative Studierbarkeit an der FU gern Stellung nehmen würden.

    Unter anderem wird behauptet, dass der AStA der FU diese Umfrage durchführt. Dies entspricht nicht der Realität. Wie bereits dem Deckblatt der Fragebögen zu entnehmen ist, handelt es sich bei unserer Gruppe um eine unabhängige studentische Initiative. Der AStA FU begrüßt unser Unterfangen und unterstützt es sowohl durch die Finanzierung des Drucks aus den Geldern der verfassten Studierendenschaft, als auch durch die Bereitstellung von Infrastruktur, war aber zu keinem Zeitpunkt an der inhaltlichen Gestaltung der Fragebögen beteiligt.

    Zur Kritik daran, dass es nicht „wenigstens einige leere Zeilen“ gibt, um unabhängig von vorgegebenen Antwortkategorien seine oder ihre Meinung zu äußern, ist zu sagen, dass wir uns bewusst für eine quantitative und nicht für eine qualitative Befragung entschieden haben. Eine Verknüpfung beider Methoden der empirischen Sozialforschung im Rahmen einiger weniger Freizeilen erschien uns wegen der zu erwartenden wenig aussagekräftigen und oberflächlichen Antworten als nicht erstrebenswert. Dennoch möchten wir bemerken, dass es bezogen auf einzelne Fragestellungen durchaus Raum für Anmerkungen gibt.

    „Natürlich haben wir unsere Fragestellungen anhand von Problemen entwickelt, die wir auf Grund unseres Alltagserlebens universitärer Praxis für wichtig und bisher nicht hinreichend berücksichtigt halten. Dabei geht es uns um eine Quantifizierung eben dieser möglichen Problemfelder.
    Deshalb jedoch von politischer Unterschriftensammlung zu sprechen, halten wir für wenig fundierte Kritik.“

    Um weitere Missverständnisse der eben dargestellten Art und Weise auszuräumen, sind wir per Email unter studierbarkeit.fub@gmx.de erreichbar und geben gerne weitere Auskünfte zu unserem methodischen Vorgehen, potentiellen Kooperationspartnern oder dem aktuellen Stand des Rücklaufs.

    Mathias Bartelt, Viktoria Braunstein, Katja Müller, Michael Schneider
    für die Initiative Studierbarkeit an der FU

  10. Mathias Bartelt Says:

    Ich bitte, die Anführungszeichen beim vorletzten Absatz zu ignorieren. Ein kleiner Fehler meinerseits.

  11. fischer Says:

    Ich (Verfasser des Kommentars, der diese Diskussion angestossen hat) ging aufgrund der von Ronny bereits beschriebenen Nähe der Umfrage zum AStA all zu voreilig davon aus, dass sie auch von diesem durchgeführt wird. Ich entschuldige mich für den Fehler.

    Doch betrifft meine Kritik nicht den Urheber der Umfrage, sondern den Fragebogen. Sie mag in meinem ersten Statement pointiert gewesen sein. In der darauf folgenden Diskussion habe ich jedoch versucht, sie zu konkretisieren. Dass der Suggestivität der Fragen vom Autor obigen Artikels bereits widersprochen worden war, ist daher nicht ganz richtig. Betreffender Autor sagt im Verlauf der Diskussion auch, dass er meine Probleme mit dem Fragebogen durchaus nachvollziehen könne.

    Ich versuche sie hier in einem etwas grösseren Kontext zu erklären:

    Wenn wir die Studienreform als Experiment bezeichnen wollen, dann gehöre ich seit bald 3 Jahren zu ihren Versuchskaninchen. Ich habe diese Rolle selbst gewählt und möchte mich darüber nicht grundsätzlich beschweren. Doch muss ich mir seit nunmehr 3 Jahren hochtrabende Grundsatzdebatten und politische anti-Bologna Polemiken anhören, die bislang alle reichlich wenig mit meiner Studienrealität zu tun hatten. Was von Aussenstehenden angeprangert wird, halte ich für kein Problem; was mir stattdessen Probleme bereitet, wird nicht diskutiert. So bin ich dazu übergegangen, Auseinandersetzungen mit der Bologna-Reform zunächst an meinem eigenen Studium und meinem Institut zu messen. Dies tat ich auch mit dem Fragebogen.

    Meine Kritik am Fragebogen ist die (ich fasse hier zusammen, was oben bereits ausführlich steht):

    1. Würde ich ihn meinem Studium entsprechend ausfüllen, würde mein Studiengang wahrscheinlich als ‚unstudierbar‘ eingestuft. Jedoch geniesse ich mein Studium ausserordentlich und bereue nicht, seinerzeit freiwillig ins BA/MA-System umgestiegen zu sein.

    2. Ich müsste verschiedene Antworten geben, die äusserst negativ klingen (dass ich kaum Wahlmöglichkeiten habe und mein Stundenplan äusserst inflexibel ist), die ich jedoch auch positiv verstanden haben möchte.

    3. Meine eigentlichen Probleme mit meinem Studium liegen auf Institutsebene und müssen auf dieser gelöst werden. Leider wird aber nach ihr nicht gefragt.

    Die Frage ist nun: Bin ich ein Einzelfall?

    Ich weiss es nicht. Ich vermute nur: Leute wie ich (die mit ihrem Studium im Grossen und Ganzen zufrieden sind) füllen den Fragebogen entweder spasseshalber aus und unterstützten damit eine Statistik, die nicht in ihrem Sinne ist, oder sie legen ihn beiseite. Aber wie viele sind wir? Und wer sind wir? Sind wir die, die alle mit ihrem Studium zufrieden sind? Und wenn ja: Ist die Befragung dann möglicherweise eine Art ‚Umfrage unter Unzufriedenen‘ und nicht wirklich repräsentativ? Oder sind wir die, die mit allem, was nach Unipolitik einer bestimmten politischen Richtung riecht, nichts zu tun haben wollen? Die den Fragebogen spätestens dann zur Seite legen, wenn sie nach sexistischer, rassistischer oder politischer Diskriminierung gefragt werden oder danach, ob an der FU bedeutend weniger Studierende zugelassen werden sollten, um überfüllte Seminare zu vermeiden? Wenn ihnen Fragen gestellt werden, die (mit allem Respekt) relativ wenig mit Studierbarkeit und mehr mit Unipolitik zu haben? Und wenn ja: Ist die Umfrage dann nicht doch eine Art politische Unterschriftensammlung unter Gleichgesinnten?

    Um es deutlich zu sagen: Ich begrüsse eine Studierbarkeitsumfrage (und ich begrüsse eine konstruktive Debatte über diese). Doch müssen obige Fragen sehr genau beantwortet werden können, um von einer einigermassen repräsentativen Umfrage sprechen zu können, die durch das Präsidium ernst genommen werden soll.

  12. Herrfischer a. d. F.U.B. Says:

    […] Fehlinformation bin allerdings einzig und allein ich verantwortlich (und hatte mich auch in der darauf folgenden Diskussion dafür entschuldigt). Die LHG hat lediglich darauf hingewiesen, dass der AStA die Umfrage materiell […]

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