Fortschritte im Konjunktiv – Die Ergebnisse der neusten CeDiS-Umfrage

Nachdem CeDiS bereits im Sommersemester 2006 eine Online-Umfrage zum Thema e-Learning unter Studierenden durchgeführt hatte (Ergebnisse hier, ab Seite 18), wurde im Wintersemester 06/07 eine zweite Umfrage gestartet, die sich erstmals auch an die Dozierenden richtete (siehe „CeDiS startet neue Umfrage zum Thema e-Learning an der FU“). Inzwischen liegen die Ergebnisse vor.

An der Studierenden-Umfrage vom 05.02.07 bis zum 23.02.07 haben sich fast 1100 KommilitonInnen beteiligt. Weiter heißt es:

„Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer gab an, dass der Einsatz von e-Learning ihnen Wege und Zeit erspart hat und eine Arbeitserleichterung darstellt. Der e-Learning Einsatz ist für die Studierenden also mit einem echten Mehrwert verbunden. Für die Einsatzbereiche Kommunikation und Kooperation, deren Nützlichkeit in der ersten Umfrage des Sommersemesters 2006 eher kritisch bewertet wurde, konnten wertvolle Hinweise für Verbesserungsmöglichkeiten gewonnen werden. Die allermeisten Studierenden sind davon überzeugt, dass der Einsatz von Online-Kommunikation das Potenzial besitzt, die Betreuung durch die Lehrenden und die Zusammenarbeit mit den Kommilitonen/innen zu verbessern.“ (CeDiS-Zusammenfassung)

Besonders diese Geschichte mit den Defiziten in Sachen „Kommunikation“ und „Kooperation“ scheint CeDiS umzutreiben. Die Antwort ist eine Umfrage, in der zum einen deutlich wird, dass eine Mehrheit der Studierenden es sehr wohl für möglich hält, dass der Einsatz von Online-Technologien zur Unterstützung von Kommunikations- und Kooperationsprozessen die Lehre verbessern könnte (Online-Kommunikation und Kooperation), zum anderen aber auch klar wird, dass das an der FU durch den Einsatz von Blackboard nicht wirklich passiert (Mehrwerte des Einsatzes der zentralen Lernplattform Blackboard, Gesamtbewertung des e-Learning Einsatzes).

Man stellt also fest, dass es theoretisch durchaus möglich ist die Kommunikation und Kooperation durch den Einsatz von „Online-Technologien“ zu verbessern und hofft dass es dann weniger auffällt, dass gerade die Bereiche zur Kommunikation (Chat, Forum, Email, etc.) gegenüber der Basisfunktion (dem Bereitstellen von Downloadmaterial) zurückstehen. Gerade im interessanten Bereich der Kommunikation und Kooperation war die Frage eben nicht „Hat die Online-Kommunikation über Blackboard die Zusammenarbeit verbessert?“, sondern „Kann die Online-Kommunikation die Zusammenarbeit verbessern?“. Erst bei der Frage nach den „Mehrwerten des Einsatzes der zentralen Lernplattform Blackboard“ werden die Defizite im Bereich Kommunikation dann indirekt deutlich. Hier zeigt sich beim Punkt „Verbesserung der Zusammenarbeit mit den KommilitonInnen“ die geringste Zustimmung, was nichts anderes meint, als dass die Kommunikation und Kooperation nicht funktioniert.

Die Dozierenden-Umfrage wurde vom 21.02.07 bis zum 30.03.07 durchgeführt, es beteiligten sich über 300 Lehrende aus allen Fachbereichen und Zentralinstituten. CeDiS fasst zusammen:

„Von den Lehrenden, die im Wintersemester 2006/2007 die Lernplattform Blackboard aktiv genutzt haben, hat sich mehr als jeder fünfte an der Umfrage beteiligt. Erfreulicherweise haben sich auch zahlreiche Professoren/innen die Zeit genommen, den Online-Fragebogen auszufüllen (N=57). Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass die allermeisten Umfrageteilnehmer positive Erfahrungen mit dem Einsatz von e-Learning gemacht haben: e-Learning war nützlich für die Vermittlung der Lehrinhalte, hat die zeitliche Flexibilität erhöht und die mehrfache Nutzung des erstellen Lehrmaterials unterstützt. Insgesamt ist eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer der Meinung, das e-Learning große Potenziale für den gesamten Lehr-Lern-Prozess birgt.“ (CeDiS-Zusammenfassung)

Jaja, natürlich birgt „e-Learning große Potenziale für den gesamten Lehr-Lern-Prozess“, die viel interessante Frage ist jedoch, inwiefern diese Potenziale an der FU auch genutzt werden bzw. die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Und hier lesen wir:

„Am häufigsten werden konventionelle Lehrmaterialien wie Texte und Präsentationsfolien sowie Ankündigungen über organisatorische Aspekte und aktuelle Ankündigungen zur Lehrveranstaltung online verfügbar gemacht. Aber auch die Beratung und/oder Anleitung von Studierenden und die Bereitstellung multimedialer Lehrmaterialien wurde von rund der Hälfte der Umfrageteilnehmer bereits online umgesetzt. Das technisch sehr anspruchsvolle Distance Teaching wird bisher nur von sehr wenigen Lehrenden genutzt.“ (Formen des e-Learning-Einsatzes)

97% der Befragten nutzen Blackboard zur Bereitstellung von konventionellen Lehrmaterialien, gut 90% zur Verteilung von Informationen, 55% zur Beratung, 28% zur Durchführung von Umfragen, 17% für Tests und Prüfungen und nur 2% für Distance Teaching. Konkret sieht „E-Learning“ an der FU also wie folgt aus: Dozierende und Studierende laden Lernmaterialien in das System, wenn es hoch kommt gibt es mal einen kurzen Wortwechsel im Forum (und „kurz“ meint, es kommt nicht wirklich eine Diskussion zustande) und der/die Dozierende postet hin und wieder ein Annoucement. That’s it.

„Die allermeisten Umfrageteilnehmer stimmen darin überein, dass e-Learning für die Vermittlung von Lehrinhalten sehr nützlich ist, die mehrfache Nutzung des erstellen Lehrmaterials unterstützt und eine größere zeitliche Flexibilität mit sich bringt. Fehlende Computerkenntnisse und Zeitmangel scheinen für viele Lehrende keine entscheidenden Hemmnisse für den e-Learning Einsatz zu sein, allerdings würden die meisten e-Learning stärker einsetzen, wenn sie mehr Unterstützung – personell, technisch oder finanziell – erhalten würden.(Bewertung der bisherigen Erfahrungen)

Okay, das mit den „fehlenden Computerkenntnisse“ ist so eine Sache. Wenn es darum geht, den Blackboard-Course nach seiner Einrichtung vernünftig zu konfigurieren, weisen nach meiner persönlichen Erfahrung die meisten Dozierenden Defizite auf. Funktionen liegen brach, weil sie nicht freigeschaltet werden (etwa das Forum). Es mangelt entweder an der Fähigkeit oder an der Bereitschaft zur Autodidaktik. Selbst wenn das aber nun durch die gewünschte Intenvisierung einer personellen, technischen oder finanziellen Unterstützung kompensiert werden könnte, stellte sich immer noch das Problem, dass es von den Studierenden wenig angenommen wird.

Man sollte in diesen Umfragen einfach mal fragen:

  1. Basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen mit Blackboard in der Lehre: Denken Sie, dass eine einfache Plattform zum Bereitstellen von Dateien durch Studierende / Dozierende, die zusätzlich einen integrierten Email-Verteiler besitzt, anstelle des Blackboards ausreichen würde? Ja, Nein, Weiß nicht.
  2. Entspricht die Art und Weise wie Sie zur Zeit Blackboard in der Lehre nutzen ihrer persönlichen Vorstellung dessen was „e-Learning“ ausmachen sollte? Ja, Nein, Weiß nicht.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

7 Antworten to “Fortschritte im Konjunktiv – Die Ergebnisse der neusten CeDiS-Umfrage”

  1. Überblicksseite zum "CeDiS-Blackboard-Komplex" « FUwatch Says:

    […] 06.06.07: Fortschritte im Konjunktiv – Die Ergebnisse… […]

  2. Bruce Spear Says:

    Hi Niklas:

    I’ve very much enjoyed following this blog, and now that I no longer work for CeDiS I am free to contribute.

    The problem with such descriptive, “customer satisfaction” surveys is that they assume we are all stupid, passive consumers and should be content with things that are “nice to have” and the status quo,

    We do not find here, for example, any meaningful cost/benefit analysis. To say, for example, that “e-Learning war nützlich für die Vermittlung der Lehrinhalte’” does not explain why, in some large lectures, students download and print out one copy from Blackboard and then take it to the copy shop where it can be printed out for everyone else at a tiny fraction of the cost. As CeDiS is an administrative unit, you would think that a cost/benefit analysis would be central to their enterprise.

    For the academic faculty and students I suspect the questions would be far different. It seems to me that, as an intelligent student or instructor, I first want to know how e-learning might help me research, understand, present, discuss, evaluate, and otherwise further my research, teaching, and learning: how it might deliver significant, tangible outcomes, such as: higher student understanding and achievement, lower dropouts and failures, lower costs, etc.

    For an example of such evaluations, please visit: http://www.center.rpi.edu/PCR/R1Lessons.html, the website of the “Program in Course Redesign”, run by the U.S. National Center for Academic Transformation.

    The CeDiS surveys are limited by design to “nice to have” results plotted on basically meaningless scales: they do not evaluate how any of this might actually contribute to teaching and learning or explore how some uses might be more useful or appropriate than others: they neither evaluate the costs and benefits nor help me figure out how to use the technologies better to achieve my ends, nor consider the alternatives. These surveys do, however, paint a glowing picture of the current (Blackboard) technologies and bureaucratic arrangements.

    I would think FU students, faculty, and tax-payers deserve more. But I haven’t figure out where at the FU are such questions being asked? Have you any idea of who else is asking such questions, and if not, who at the university ought to be asking them?

    All the best,

    Bruce

  3. Das liberale Blog an der FU Berlin » Blog Archiv » FUWatch zur CeDiS-Umfrage “e-learning” Says:

    […] kritisch und auf den Punkt gebracht fasst Niklas die Ergebnisse der neuesten CeDiS-Umfrage zum Thema e-learning zusammen: Konkret sieht […]

  4. Bruce Spear Says:

    Kindly edit the last paragraph, written in too much haste, to read:

    “I would think FU students, faculty, and tax-payers deserve more. But I haven’t figured out where at the FU such questions are being asked. Have you any idea of who else is asking such questions, and if not, who at the university ought to be asking them?“

    All the best,

    Bruce

  5. Niklas Says:

    || I would think FU students, faculty, and tax-payers deserve more.
    || But I haven’t figure out where at the FU are such questions being
    || asked? Have you any idea of who else is asking such questions,
    || and if not, who at the university ought to be asking them?

    Well, in WS 06/07 Heinz Gralki planned a more critical e-Learning survey. But as far as I know he put the project on the back burner. The draft is still online. In addition he framed a couple of assumptions (scroll down to read Katrins critical remarks as well).

  6. Bruce Spear Says:

    Thanks for the reply, Niklas!

    I’m well aware of Dr. Gralke’s excellent “6 Thesen zum E-learning” and support him and the many others who feel the same way, but who abandoned attempts to participate actively in the direction of e-learning at the FU because they could not see how they might work with CeDiS in substantive terms. I remember well, for example, sitting beside Prof. Joachim Stary for three hours of Blackboard training about three years ago and his asking, at the end of it, “that’s all very nice, but how might you use it for teaching and learning?” — how ill-prepared we were to answer him.

    We lost him, and no matter how often I brought up this story and pressed the issue little progress has been made: the CeDiS approach to “e-learning” remains as it started almost three years ago: as little more than an introduction to the manipulation of the user interface based on the operating instructions published by the Blackboard Corporation and a very general idea that e-learning is serving “content” provided by experts — much as Gralke referred to the Nürnberger Trichter. How this might actually work out in practice was not, we were told, our concern, and of course, those of us who were committed to other e-learning concepts, such as communications-oriented e-learning models, received no support at all.

    The lack of relevant examples in the CeDiS training programs is breath-taking. When I recently asked one of the current “e-teaching” program’s organizers (http://www.e-learning.fu-berlin.de/service_support/e-teaching/programm/index.html) what examples were being presented, she answered: “we have none, and we are hoping the participants will come up with some.” Simply breathtaking. How is it that a university that includes such well-informed, thoughtful, and committed instructors as Gralke and Stary, and dozens of others, could develop e-learning policies governing the expenditure of over 1 million euros per year without them, and when they showed up, disappoint them so completely — as Gralke’s extensive, well-founded comments on the web document so clearly?

    Things could be done much differently, and we do not lack good examples. For instance, consider the ETH Zurich (http://www.elz.ethz.ch/). There, e-learning technologies are embedded in a larger research and continuing education program run by accomplished researchers and teachers, and their program begins not with the technology, but with a variety (over a dozen each term!) of seminars based on current, state-of-the-art teaching methods and principles. And following current beliefs, instruction begins with an explicit criticism of the “content” model CeDiS advances — as we find in the first topic title of their current program offering: “Paradigmawechsel: Die Lehre ist mehr als Stoffvermittlung” (http://www.diz.ethz.ch/kurse/ProgDOZ_bach.pdf), Clearly, if a Stary had someone managed to avoid this program and posed his question to the technical staff of the ETH Zurich, they would assuredly direct him to that on-going continuing education program. And when he got there, as I am sure the syllabus linked above will indicate, he would find the methods and principles he has long studied addressed by colleagues possessing disciplinary knowledge and experience equal to his own.

    So, why is it that our qualified instructors have not played an active role in the design of the FU’s e-learning strategies and why are they not playing a leading role in the offering of seminars, workshops, lunchtime sessions … why do they now appear in CeDiS-sponsored events only as the winners of prizes and not as those determining who wins them? Why were they not part of the application process for the Project FUeL, why were they not consulted in the process? How is it that we do not find at least one of them on the CeDiS staff, or on the LG-eL that administers CeDiS, or on a consulting committee that might advise either office in a regular fashion?

    Or more generally, why do we not find in the current arrangements that elaborate framework of research and collegiality that is the distinguishing feature of professorial and academic authority? Why is it that the only time they appear at the Ihnestr. 24, and for that matter in their applications to the Office of the President, is as petitioners for peanut-sized grants of 10-20,000 Euros: why is their role limited to that of clients and not educational professionals, certified by their disciplines, holding themselves in every other sphere accountable to a critical community of their peers? If their proposals have pedagogical dimensions, is it really the case that only those whose major qualification and experience is administration is the best judge of them? How is it that the university has long established that the faculty are responsible for instruction, but when it comes to educational technologies, the FU prevents them from exercising any meaningful execution of that responsibility except in individual, or better privatized, terms and accountable to no one but administrators?

    Finally, as noted in my previous post, the one claim that administrators might make, that e-learning might somehow contribute to achieving efficiencies, is hardly measured either: we do not find any evidence that e-learning is being subject to a cost-benefit analysis: we are given user-satisfaction surveys that merely support the status quo, but no research suggesting that the FU, or more properly, the German tax-payer, is saving any money with its investment of one million Euros per year in e-learning never mind, for that matter, that it contributes in any substantive way to “excellence.”

  7. E-Learning and Academic Authority « Web 2.0 For You! Says:

    […] are making an honest effort to advance e-learning, such as those contributing to the studen blog, FU Watch. Below I paste my recent […]

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