Neues von MeinProf.de

Es gibt Neues von MeinProf.de, wie schon im letzten Jahr berichtet, steht das Webportal zur Bewertung von Dozierenden immer mal wieder in der Kritik, weil gelistete Lehrende sich in Misskredit gebracht sehen. So forderte ein Marketing-Professor an einer FH in Brandenburg unlängst eine „strafbewehrte Unterlassungserklärung“ von den Machern von MeinProf.de, weil Studierende ihn in einem Kommentar unter anderem als „Psychopath“ und seine Lehre als „echt das Letzte“ bezeichnet hatten.

Die Macher hinter MeinProf.de entfernten die Bemerkungen offenbar nicht schnell genug und sollten nun 3000 Euro blechen, falls auf ihrer Seite noch mal eine ähnliche Bemerkung über den Professoren auftaucht, sowie die Anwaltskosten zahlen. Während in erster Instanz noch der Kläger Recht bekam, wurden diese Forderungen jetzt im Berufungsverfahren zurückgewiesen:

„In erster Instanz entschied das Amtsgericht Tiergarten noch zugunsten des Wissenschaftlers. Das Landgericht Berlin allerdings wies seine Forderung im Berufungsverfahren zurück. Die Begründung: Hochschuldozenten müssten sich in ihrer Funktion öffentlicher Kritik stellen. Eine pauschale Unterlassungserklärung könne nicht eingesetzt werden, um vorab kritische Kommentare zu verhindern. Dem Betreiber könne auch keine Vorab-Prüfungspflicht zugemutet werden.

Im Klartext bedeutet das: Von Thomas Metschke und seinen MeinProf-Kollegen kann nicht verlangt werden, dass sie die Seite rund um die Uhr überwachen und jeden Forenbeitrag sofort prüfen.“ (Spiegel Online, 04.06.07)

Die Frage ist, inwieweit dies dem so genannten „Heise Foren Urteil“ entgegensteht (das erst Anfang Mai erneut bestätigt wurde):

„Das Bereithalten von Internetforen stelle eine Form unternehmerischen Betriebs dar. Der Betreiber müsse sein Unternehmen so einrichten, dass er mit seinen sachlichen und personellen Ressourcen in der Lage sei, diesen Geschäftsbetrieb zu beherrschen. ‚Wenn die Zahl der Foren und die Zahl der Einträge so groß ist, dass die Antragsgegnerin nicht über genügend Personal oder genügend technische Mittel verfügt, um diese Einträge vor ihrer Freischaltung einer Prüfung auf ihre Rechtmäßigkeit zu unterziehen, dann muss sie entweder ihre Mittel vergrößern oder den Umfang ihres Betriebs [ …] beschränken‘, so das Landgericht Hamburg.“ (heise news, 14.04.06)

Das ganze Theater könnte man sich sicherlich auch ersparen, indem man die Website vom Ausland aus betreibt (also auch ohne .de-Domain).

Was die Bewertung von FU-Dozierenden bei MeinProf.de angeht, hält das OSI übrigens sowohl einen positiven als auch einen negativen Rekord. Prof. Ladwig gehört mit einem Durchschnitt von 1.4 zu den beliebtesten Dozierenden, Prof. Riedmüller führt mit 4.0 nach wie vor einsam das untere Ende der Skala an (was auf ihre „legendäre“ Einführungsvorlesung zurückzuführen ist, siehe „Riedmüller Affäre“).

Insgesamt ist der Aussagewert von MeinProf.de-Wertungen immer noch nur sehr gering. Es gibt zwar ein Minimum an Wertungen die abgegeben sein müssen, bevor eine Gesamtbewertung veröffentlicht wird, doch ist die Anzahl der teilnehmenden Studierenden bei MeinProf.de immer noch zu niedrig im Verhältnis zur gesamten Anzahl an Studis die mit dem jeweiligen Dozierenden zu tun hatten. Auch kann es sein, dass ein Urteil auf Basis der Bewertung einer einzelnen Lehrveranstaltung die vielleicht vor 2 oder 3 Semestern einmal stattfand zustande kommt. Das ist insgesamt einfach alles immer noch viel zu dünn. Zu begrüßen ist es dennoch, wenn dadurch Druck auf Dozierende ausgeübt werden kann, ihre Lehre zu verbessern.

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Eine Antwort to “Neues von MeinProf.de”

  1. MeinProf.de hat mal wieder Stress « FUwatch Says:

    […] Portal zum Bewerten von Dozierenden an deutschen Unis, hat mal wieder Ärger (siehe auch 2006 und 2007). Diesmal ist das Problem allerdings nicht einE DozentIn die/der sich verunglimpft sieht, sondern […]

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