Re: Hier bloggt die Uni

Als der Kommilitone Fabian Reinbold Anfang Mai anfragte, ob ich mich nicht wegen eines Artikels den er für den Tagesspiegel schreiben wolle mit ihm treffen könnte, ahnte ich schon nichts Gutes, denn er räumte gleichzeitig freimütig ein, „kein Blog/Web-Experte“ zu sein. Da ich zudem ein angespanntes Verhältnis zum Tagesspiegel wegen seiner „präsidiums-affinen“ Berichterstattung habe, sparte ich mir das Treffen (siehe „Raumplan für G8-Themenwoche veröffentlicht / Tagesspiegel sucht FU-Blogger“).

Traditionell sind Blogger und Journalisten meist nicht allzu gut aufeinander zu sprechen, wofür es diverse Gründe gibt (vgl. z.B. Mario Sixtus: „Die ungleichen Brüder“, heute.de, 25.01.05; okay, vielleicht etwas überholt, aber es reicht, um die Spannungslinien nachzuvollziehen). Wenn man nun aber schon einen Nicht-Blogger über Blogs schreiben lässt, sollte dieser Nicht-Blogger sich vielleicht wenigstens etwas in die Materie eingearbeitet haben. Ansonsten kommen dann zwangsläufig Zeilen wie folgende zu stande:

„Tagebücher sind Privatsache? Das war einmal. Heute leben wir im Zeitalter der Blogs. Solche Online-Tagebücher sind für jedermann einzusehen.“ (Tagesspiegel, 31.05.07)

Über die Phase Blogs als „Online-Tagebücher“ zu definieren ist man eigentlich schon lange hinaus, das ist inzwischen selbst bei den meisten nicht-bloggenden Journalisten die sich mit der Blog-Materie auseinandersetzen Common sense. Treffender ist da schon der Nachsatz in dem Fabian von „Kommunikationsmitteln“ schreibt.

„Vor kurzem hat die Freie Universität ein zentrales Blogsystem eingerichtet. Lehrende, Studierende und Mitarbeiter sollen dort ihren persönlichen Blog führen und sich untereinander austauschen. Das ist die Vision. Die Realität sieht momentan noch anders aus. Die Plattform läuft im Probebetrieb und gerade einmal zehn aktive Weblogs sind registriert.“ (Tagesspiegel, 31.05.07)

Gut, hier wäre zunächst die Frage wie man „aktiv“ definiert, „registriert“ sind inzwischen jedenfalls 75 Blogs (und nicht 10), wie ein Blick auf blogs-fu-berlin.de verrät (Mitte April waren es roundabout 12, Mitte Mai schon 69). Wirklich „aktiv“ ist allerdings kein einziges – ausgenommen von denen die von CeDiS-MitarbeiterInnen selbst betrieben werden vielleicht.

Viel interessanter erscheint jedoch die Frage nach dem „Warum“. Warum wird das Blog-System nur so schleppend angenommen? Liegt das wirklich nur daran, dass das System sich noch in einer Testphase befindet? Hier hätte sich der Kommilitone Fabian auf FUwatch schlau machen und wenigstens einen Satz dazu verlieren können, dass es offensichtlich weder in der Dozierenden- noch in der Studierenschaft einen größeren Bedarf nach einem FU-eigenen Blog-System gibt – was sich auch in Zukunft nicht großartig ändern wird. Die geringe Anzahl der bisher registrierten und tatsächlich geführten Blogs scheint dies bereits zu implizieren, allerdings zaubert das CeDiS hier natürlich sofort seine Lieblingsargumente aus der Tasche: 1) Es braucht Zeit bis sich das Blog-System etabliert hat, 2) Es ist momentan nur in einer Testphase, 3) Wir führen bereits Dozierenden ins Bloggen ein.

Interessant wäre gewesen zu erfahren, was genau die FU sich den Spaß eines eigenen Blog-Systems eigentlich kosten lässt. Stattdessen liest man:

„Können FU-Angehörige auch im zentralen Blogsystem die eigene Uni nach Lust und Laune kritisieren? Was erlaubt sein soll, ‚wird momentan zwischen der Unileitung und Cedis diskutiert‘, sagt Apostolopoulos. Die Nutzungsbedingungen enthalten bereits einen Passus, der es als ‚missbräuchliche Nutzung‘ definiert, wenn im Blog ‚das Ansehen der Freien Universität Berlin geschädigt wird oder die Nutzung ihren Interessen entgegensteht‘. Die Blogs auf der offiziellen Plattform sollen auch in der Lehre genutzt werden. Cedis führt bereits Dozenten in das Bloggen ein.“ (Tagesspiegel, 31.05.07)

Der Hinweis auf den Zensur-Passus in den Nutzungsbedingungen ist ja richtig und lobenswert, nur wird nicht wirklich deutlich, was für Konsequenzen das hat und dass es sich für die studentische FU-Hochschul-Blogger-Szene allein wegen eines solchen Passus‘ von selbst verbietet, die Blog-Aktivitäten auf das FU-eigene System zu verlagern. Auch hätte man an dieser Stelle einen kurzen Absatz über die Entwicklung von Blogs aus der Idee einer Gegenöffentlichkeit heraus einschieben können, und wie stark der Ansatz von FU/CeDiS dem offensichtlich widerspricht.

Sicher, das Vorhaben die studentischen Hochschulpolitik-Blogs vorzustellen, ist Fabian gelungen. Nur wenn er auf der einen Seite die lebendige studentische Blogger-Szene beschreibt und dann auf der anderen Seite das eher von sich hin dümpelnde FU-eigene Blog-System, drängt sich doch die Frage auf, woher diese Unterschiede kommen. Warum das eine funktioniert und das andere nicht.

Hier kommen dann die unterschiedlichen „Philosophien“ ins Spiel, während für die FU das eigene Blog-System in der Lehre eingesetzt werden soll und eine kritische Betrachtung des FU-Alltages nicht willkommen ist, stehen die studentische Blogs außerhalb des FU-eigenen Systems eher in der Tradition einer kritischen Auseinandersetzung mit der Art und Weise wie an der FU Hochschulpolitik betrieben wird.

Diese unterschiedliche Ansätze für was man Blogs eigentlich braucht (Gegenöffentlichkeit / kritische Information und Kommunikation vs. plätschernde Begleitung für LVs / private Banalitäten), sollten klar herausgearbeitet werden, um anschließend den Bogen zu der Tatsache zu spannen, dass der eine Ansatz funktioniert und der andere nicht (natürlich kommen andere Faktoren hinzu, wie etwa das Grundsatzproblem, dass kaum jemand Blogs im Kontext einer LV braucht). Was ja im Artikel in Ansätzen durchaus erkennbar ist, dann aber schwammig bleibt.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

11 Antworten to “Re: Hier bloggt die Uni”

  1. Überblicksseite zum "CeDiS-Blackboard-Komplex" « FUwatch Says:

    […] 02.06.07: Re: Hier bloggt die Uni […]

  2. erstsemester Says:

    Daß sich die FU als Betreiber ihres eigenen Blog-Services gegen eigenschädigende Auswüchse in den Nutzungsbedingungen absichert, ist nun wirklich kein haltbarer Kritikpunkt. Welche andere Einrichtung wäre so dumm, sich öffentlichkeitswirksam so ein Grab zu schaufeln ?
    Und ob man jetzt einen Blog per se dazu benutzen muss, um einen „Gegenöffentlichkeit“ zu etablieren, bleibt einmal dahingestellt. Der Großteil der Leute begreift einen Blog eben als das, was sie sind: eine Möglichkeit, sich wichtiges/unwichtiges von der Seele zu reden. Jedem seine Aufmerksamkeit sozusagen. Also ist beim ersten Betrachten so eine Rückversicherung durch die Geschäftsbedingungen nicht per se unseriös. Fragwürdig wird erst die praktische Anwendung dieses Punktes. Ab wann schadet eine Aussage dem Ansehen der Universität wirklich ?! Das wird die konkrete, fallbezogene Auswertung erst noch zeigen.
    Im Punkt der Wirksamkeit der FU Blogs zum Einsatz in der Lehre gebe ich Dir und Deinen Kritikpunkten recht. Wie groß der Wunsch oder das Verlangen nach Blogs tatsächlich war, werden wohl erst die Archivare in 50 Jahren sagen können, wenn sie die CeDiS Protokolle dazu finden …
    Diese ganzen technischen Sachen können die Lehre verbessern, vorausgesetzt, man weiß sie richtig einzusetzen bzw. man hat genügend didaktisches Know-How im Bereich „Neue Medien“. Dazu müsste man die Leute aber erst entsprechend schulen.

  3. Niklas Says:

    || Daß sich die FU als Betreiber ihres eigenen Blog-Services gegen
    || eigenschädigende Auswüchse in den Nutzungsbedingungen absichert,
    || ist nun wirklich kein haltbarer Kritikpunkt. Welche andere
    || Einrichtung wäre so dumm, sich öffentlichkeitswirksam so ein
    || Grab zu schaufeln?

    Wenn Du Dich in Deinem Blog bei Yahoo! 360° kritisch über Yahoos Engagement in China äußerst, wird man Dir deshalb ja auch nicht den Blog löschen (und wenn doch, gäbe es sicherlich einen Aufschrei). Weil es zu den Gepflogenheiten der Meinungsfreiheit eben auch gehört, kritische Stimmen zuzulassen – selbst dann wenn sie einem persönlich nicht genehm sind oder als „geschäftsschädigend“ ausgelegt werden können.

    Der FU ist allerdings schon etwas Satire zu viel. Nun gut, dass sie es nicht tolerieren, wenn ich im Namen des FU-Präsidenten blogge, kann man ja durchaus noch nachvollziehen. Trotzdem zeugt dieses Beispiel eben von der Empfindlichkeit, davon wie leicht ihnen der Zensurstift in der Hand liegt.

    || Ab wann schadet eine Aussage dem Ansehen der Universität wirklich ?!
    || Das wird die konkrete, fallbezogene Auswertung erst noch zeigen.

    Es liegt im Ermessen der FU, ob eine Aussage der Universität schadet oder nicht. Erkennst Du nicht den willkürlichen Charakter der hier schon in der Formulierung liegt? Wenn man sich gegen Missbrauch absichern will, dann sollte man eben präziser in den Nutzungsbedingungen festhalten, was unter einer Aussage die der Universität schadet zu verstehen ist. So aber ist das doch eine Steilvorlage für Zensur und allein wegen des „Zensurpotentials“ wird zumindest niemand der sich kritisch mit der FU-Hochschulpolitik beschäftigt seinen Blog bei der FU selbst hosten. Gerade diese Gruppe gehört aber nun mal zu den aktivsten Bloggern unter den FU-Studierenden.

    || Der Großteil der Leute begreift einen Blog eben als das, was sie
    || sind: eine Möglichkeit, sich wichtiges/unwichtiges von der Seele
    || zu reden. Jedem seine Aufmerksamkeit sozusagen.

    Aber wenn jemand bloggen möchte, was sein Goldfisch heute so alles getan hat, braucht er dafür nicht ein Angebot von der FU, sondern kann sich einen privaten Anbieter suchen. Hier stellt sich dann deutlich die Frage, ob die finanziellen Mittel die die FU in den Aufbau eines eigenen Blog-Systems steckt nicht vielleicht woanders besser aufgehoben wären.

    Sinnvoll wäre ein FU-eigenes Blog-System wenn es in der Lehre eingesetzt wird, woran sie ja auch arbeiten. Nur als jemand der schon mehrere Seminare in denen ein Blog-Einsatz versucht wurde miterlebt hat, sage ich: Das Interesse daran ist eher schwach. Selbst in Fällen, in denen der Dozierende sich mit voller Begeisterung reingehängt hat, war das Feedback durch die Seminar-TeilnehmerInnen eher bescheiden. Jedenfalls gab es keine nennenswerte Kommunikation über den jeweiligen Blog.

  4. erstsemester Says:

    Ein Blog, der vorgab, die persönlichen Notizen eines FU Präsidenten zu sein, wurde gelöscht. So what ?
    Da jetzt nach „Zensur, Zensur“ zu schreien … na gut, ist nicht verboten in diesem Land. Bevor diese Regelung nicht einen echten Fall betrifft, ist es sehr spekulativ zu sagen, „aber damit könnten sie doch jede …“. Abwarten, wenn so ein Fall eintritt, kann man das immer noch besprechen.

    Zweitens, es geht auch nicht darum, ob jemand seinen Goldfisch durch die Blog-Maschine dreht, wer bestimmt denn, was auf einem FU-Blog gepostet wird ? Sollen doch die Leute erstmal damit sehen, wie sie mi der Technik und dem Medium zurechtkommen. Meinetwegen auch, indem sie Kommentare über Fifi den Dackel oder Jack den Goldfisch ablassen (wenn ihnen das flüssiger von der Hand geht).
    Im Gegensatz zu anderen Ausgaben der Uni, kann man den Einsatz eines Blogsystems jetzt zwar als übereilt bezeichnen, aber daß es gleich dem Finanzetat ein Zacken aus dem bodenlosen Fass sprengen würde … na, ich weiß ja nicht.

  5. Niklas Says:

    || Ein Blog, der vorgab, die persönlichen Notizen eines FU Präsidenten
    || zu sein, wurde gelöscht. So what ? Da jetzt nach „Zensur, Zensur“
    || zu schreien …

    Satire kann durchaus eine legitime Kritkform sein und ihre Unterbindung dann tatsächlich Zensur. Ich finde schon, dass das ein gutes Beispiel dafür ist, wie man es mit der Meinungsfreiheit an der FU hält, sobald sich eine Meinung gegen die Uni richtet.

    Letztlich ist es auch eine ganz pragmatische Frage, die Gruppe von Studierenden die sich kritisch mit der FU-Hochschulpolitk beschäftigt hält man so sicherlich auf Abstand. Die Frage ist, ob man sich den „Luxus“ wirklich leisten kann ausgerechnet jene zu vergrätzen, die noch am ehesten in der Lage sind diesem Blog-System etwas kontinuierliches Leben einzuhauchen. Sicher, inzwischen weist die Startseite der FU-Blogs 77 registrierte Blogs auf, aber auf wie vielen passiert denn wirklich etwas? Einige habe ich gesehen, aber die sind dann CeDiS-MitarbeiterInnen zuzuschreiben.

    || Zweitens, es geht auch nicht darum, ob jemand seinen Goldfisch durch
    || die Blog-Maschine dreht, wer bestimmt denn, was auf einem FU-Blog
    || gepostet wird ? Sollen doch die Leute erstmal damit sehen, wie sie mi
    || der Technik und dem Medium zurechtkommen.

    Siehe dazu „Wozu ein FU-eigenes Blogging-System?“, das ist ein Eintrag aus dem letzten Semester, wo wir bereits mit den Verantwortlichen eine Diskussion darüber hatten, was ihre Motivation für die Einführung des Blog-Systems ist.

    Ich meine, die Standpunkte sind ja klar. Ich tendiere dazu festzuhalten, dass man vorher erst mal hätte evaluieren sollen, ob überhaupt ein Bedarf nach einem eigenen Blog-System besteht (dann hätte man auch gemerkt, dass ein solcher Bedarf nicht bzw. nicht in ausreichender Höhe besteht). Die Gegenposition ist, man kann das nicht evaluieren, wenn die Leute gar nicht wissen, was Blogs sind und welche Vorteile sie bieten. Man muss CeDiS also erst mal die Chance geben, den Leuten das Blog-System schmackhaft zu machen.

    Darauf entgegne ich, dass 1) es CeDiS schon beim Blackboard nicht gelungen ist, die Leute auf den Geschmack zu bringen (das System verkümmert als Datei-Austauschsystem, was mit E-Learning nicht viel zu tun hat und für diesen Zweck überdimensioniert ist) und dass 2) meine persönlichen Erfahrungen (die einen doch recht weiten Zeitraum umfassen) gezeigt haben, dass das Interesse an der Kommunikation über Blogs unter Studierenden im Kontext von Lehrveranstaltungen ausgesprochen gering ist (was genauso für Foren und Chats gilt).

    Wir fassen also zusammen: Die „Hardcore“-Blogger wurden durch einen Maulkorb-Paragraph in den Nutzungsbedingungen vergrätzt, im Zuge von LVs wird es nie ein nennenswertes Interesse an Blogs geben (selbst wenn der/die Dozierende voll begeistert ist). Es bleiben die „Tagebuch-Blogger“, die ihr persönliches Blog führen, auf dem es dann um Fußball, Partys, etc. geht (eben die „StudiVZ-Generation“). Von denen schaffen es 99% nicht über 3 Postings im Semester hinaus, wenn die Sache mit dem Blog nicht gleich nach zwei Test-Postings wieder eingestellt wird.

    Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass man sich das mit einem eigenen FU-Blog-System auch hätte sparen können. Du magst jetzt noch an meinen Prophezeiungen zweifeln, doch in zwei oder drei Semestern wirst Du mir mit einem Blick auf die FU-eigene Blogosphäre recht geben.

  6. erstsemester Says:

    Der erste Teil Deiner Antwort ist reine Spekulation. Vergrätzte Hardcore-Blogger, Zensurbestimmungen bei den Blog-Inhalten etc.
    Ich setze also aus Spass einen Dieter-Lenzen-Veralberungsblog auf und wenn man mich aus dem Blogsystem kickt, dann war es eben schnell Satire. Da die ja bekanntlich alles darf, MUSS jedes Behindern derselbigen ja Zensur sein.
    Das ist mir zu einfach.

    Und noch einmal: nur weil die FU wie jede andere Einrichtung für sich das Recht in Anspruch nimmt, Einrichtungs-schädigende Beiträge zu unterbinden, wird noch kein Maulkorberlass draus. Das wird es erst, wenn bereits bei normaler Kritik der rote Knopf gedrückt wird.

    Prophezeiungen finde ich eigentlich eine tolle Sache, problematisch wird es erst, wenn sie die Zukunft betreffen.

    Gruss

  7. Niklas Says:

    || Der erste Teil Deiner Antwort ist reine Spekulation. Vergrätzte
    || Hardcore-Blogger, Zensurbestimmungen bei den Blog-Inhalten etc.

    Nein, ist er nicht. Es gibt unter den an der FU gehosteten Blogs keinen einzigen, der eine so hohe Post-Frequenz und/oder inhaltliche Qualität aufweist, dass man sagen könnte, hier bloggt ein „echter“ Blogger (die vorhandenen Blogs sind entweder trivial (wie hat der FCB gespielt, etc.) und/oder kommen nicht über eine handvoll Posts hinaus). Denn ein „echter“ Blogger hat eben keine Lust auf ein Blog-Hoster, der bereits in den Nutzungsbedingungen einen derartigen Maulkorb-Paragraphen einbaut. Wenn ich meine Nutzungsbedingungen so formuliere, dass Kritik am Anbieter (hier die FU) nicht möglich ist, dann sind das durchaus „Zensurbestimmungen“.

    || Und noch einmal: nur weil die FU wie jede andere Einrichtung für
    || sich das Recht in Anspruch nimmt, Einrichtungs-schädigende Beiträge
    || zu unterbinden, wird noch kein Maulkorberlass draus.

    Es gehört schon viel Naivität und Obrigkeitshörigkeit dazu, ein derartiges „Urvertrauen“ in die FU-Leitung zu setzen. Würdest Du Dir die Zeit nehmen, Dich damit zu beschäftigen, wie die FU in den letzten 10 Jahren mit den Studierenden und Kritikern umgegangen ist, Du würdest sicherlich anders denken. Niemand macht sich die Mühe zu definieren, was „einrichtungs-schädigende Beiträge“ eigentlich ausmacht, woraus folgt, dass man im Zweifelsfall alles darunter fassen kann, was einem nicht in den Kram passt.

  8. erstsemester Says:

    Und wieder einmal Spekulation. Oder hast Du die „echten“ Blogger explizit mal gefragt, ob sie wegen der „Zensurbestimmungen“ nicht bloggen? Wenn dem so wäre, erkenne ich es an. Wenn nicht, ist es, was es ist: Spekulation. Das hat auch nichts mit „Urvertrauen“ in die Universität zu tun, aber daß „im Zweifelsfall alles darunter [gefasst werden] kann, was einem nicht in den Kram passt“ ist bis zum Eintreten de benannten Falles nur eine Unterstellung, die eben von einem Ur-Unvertrauen in die Uni gespeist wird.

    Vielleicht ist es auch einfach so, daß die Dozenten keine Zeit haben, sich noch mit Blogs in der Lehre zu beschäftigen, aber das ist ein anderes weites Feld, was man an anderer Stelle beackern könnte.

    An dieser Stelle sei auf die Konferenz des organisierten Berliner Hochschulmittelbaus verwiesen. Ich kann mal das datum heraussuchen.

    Gruss

  9. Niklas Says:

    || Und wieder einmal Spekulation. Oder hast Du die „echten“ Blogger explizit
    || mal gefragt, ob sie wegen der „Zensurbestimmungen“ nicht bloggen?

    Das nicht (bis auf einige, die meine Ausführungen aufgriffen, etwa die FSI Geschichte), aber welche anderen denkbaren Gründe fallen Dir denn ein? Technisch gibt es eigentlich nichts, was an dem Service auszusetzen wäre. Als weiteren Abschreckungsgrund müsste man sicherlich die Realnamenspflicht nennen, die ebenfalls in den restriktiven Nutzungsbedingungen verankert ist (man darf nicht unter Pseudonym bloggen, sondern nur unter vollem Namen, ausführlich dazu: „Das neue Weblog Publishing System der FU“, siehe dort den Punkt „Impressumspflicht“).

    Natürlich wäre es auch ganz einfach denkbar, dass viele Studierenden den Service noch nicht kennen. Doch der „internet-affine“ Teil der Studierendenschaft, hat ihn sicherlich längst bemerkt. Gerade den gilt es zu gewinnen, wenn man wirklich ein paar Blogs haben möchte, die regelmässig aktualisiert und über allgemeines Plätschern hinaus gehen. Nur die machen offensichtlich keine Anstalten, dort einen Blog zu starten, eben weil sie keinen Bock auf einen Blog-Anbieter haben, der der meinungsfreiheit- und datenschutz-schätzenden Idee hinter Blogs entgegensteht.

    || Das hat auch nichts mit „Urvertrauen“ in die Universität zu tun, aber daß
    || „im Zweifelsfall alles darunter [gefasst werden] kann, was einem nicht in
    || den Kram passt“ ist bis zum Eintreten de benannten Falles nur eine
    || Unterstellung, die eben von einem Ur-Unvertrauen in die Uni gespeist
    || wird.

    Nein, es ist keine Unterstellung, sondern etwas was sich aus der entsprechenden Formulierung ableiten lässt. Mein „Unvertrauen“ in die Uni ist empirisch fundiert, es umfasst Vorgänge die weeeeit in die Vergangenheit zurückreichen. Dein Verhaltensmuster die Universitäts-Leitung und ihre Absichten verteidigen zu wollen, ihr nichts „Böses“ unterstellen zu wollen, zeugt dagegen einfach von einer Unkenntnis, wie das Präsidium in der Vergangenheit mit kritischen Stimmen umgegangen ist.

    || Vielleicht ist es auch einfach so, daß die Dozenten keine Zeit haben,
    || sich noch mit Blogs in der Lehre zu beschäftigen, aber das ist ein
    || anderes weites Feld, was man an anderer Stelle beackern könnte.

    Selbst wenn sie sich die Zeit nehmen, hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass bei diesen Blog-in-der-Lehre-Ansätzen nicht viel rauskommt (exemplarisch WS 05/06, SS 06 oder WS 06/07).

  10. erstsemester Says:

    || Mein “Unvertrauen” in die Uni ist empirisch fundiert, es umfasst Vorgänge die weeeeit in die Vergangenheit zurückreichen. Dein Verhaltensmuster die Universitäts-Leitung und ihre Absichten verteidigen zu wollen, ihr nichts “Böses” unterstellen zu wollen, zeugt dagegen einfach von einer Unkenntnis, wie das Präsidium in der Vergangenheit mit kritischen Stimmen umgegangen ist. ||

    Aha, daher ist Dein „Unvertrauen“ verbindlich für alle und mein „Vertrauen“ (wobei ich das in meinen Post so nicht bekundet habe, ich weigere mich einfach gegen dieses Haltung „im Präsidium sitzt das personifizierte Böse“) schlichte Unkenntnis.
    Nun gut, auch Blogs sind eher dem Meinungsdiktat als anderen Ansprüchen unterworfen. Dem muss ich dann wohl auch Tribut zollen.

  11. E-Learning kostet an der FU jährlich 400.000 Euro « FUwatch Says:

    […] Reinbold hat nachgelegt und seine Berichterstattung über die Web-2.0-Ambitionen der FU (siehe “Re: Hier bloggt die Uni”) ausgebaut. Im gestrigen Tagesspiegel erschien ein ausführlicher Artikel von ihm zum […]

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