G8-Themenwoche: Resümee

Die „G8-Themenwoche übertrifft alle Erwartungen“ heißt es euphorisch im Abschlussposting des Themenwochen-Blogs. Ist dem tatsächlich so? Sehen wir uns den Ablauf noch mal an.

Das Raumverbot des FU-Präsidiums

Zwei Werktage vor Beginn der Themenwoche zieht das FU-Präsidium seine Raumzusage mit der Begründung zurück, die G8-Themenwoche sei eine Veranstaltung des OSIs und dürfe daher auch nur in den Räumlichkeiten des OSIs stattfinden (siehe „Das FU-Präsidium sperrt der OSI-Themenwoche die Räume“). Es geht also nicht darum, dass die Räumlichkeiten außerhalb des OSIs nicht zur Verfügung stehen würden, sondern darum, dass man die G8-Themenwoche einfach nicht will.

Die These es habe sich nur um ein „Missverständnis“ oder ein „Kommunikationsproblem“ gehandelt, wie sie etwa Ronny von der LHG vertritt, erscheint daher nicht schlüssig (siehe „FU-Raumverbot – Alles nur ein Missverständnis?“).

Der Versuch das Raumverbot anschließend organisatorisch (man wolle nicht „größere Menschenbewegungen während des Lehrbetriebs in die Silberlaube verlagern“) und formal (es habe für den HFB nur eine allgemeine und keine konkrete Raumanfrage vorgelegen) zu begründen, erscheint hier einfach nur noch lächerlich. Natürlich war es offensichtlich eine politische Entscheidung, eine Veranstaltungsreihe die sich kritisch mit dem G8-Gipfel auseinandersetzt passt offenbar nicht in das moderne Universitätsbild des FU-Präsidiums und da man die Sache nicht völlig verbieten konnte, wollte man sie zumindest räumlich auf das OSI eingrenzen.

Zwar hat man dann nach dem medialen Aufruhr doch noch Räume im Henry-Ford-Bau und auch in der Silberlaube zur Verfügung gestellt, dies galt jedoch nur für zwei Diskussionsrunden und eine Filmvorführung. Für den Rest der über 60 Veranstaltungen mussten kurzfristig Räumlichkeiten im OEI und im OSI gefunden werden, was nur aufgrund der Verlegung regulärer Lehrveranstaltungen möglich war.

Natürlich sollten aber auch die positiven Nebeneffekte dieses Skandals nicht unerwähnt bleiben. Durch den Skandal erreichte die G8-Themenwoche ein mediales Feedback, wie es sonst vermutlich nicht zu verzeichnen gewesen wäre. Es war übrigens das erste und einzige Mal, dass die G8-Themenwoche überhaupt auf nennenswerte Resonanz in den Mainstreammedien stieß. Ferner hat die räumliche Nähe vielleicht auch OSI-Studierende in die G8-LVs gelockt, die sonst vielleicht nicht extra den Weg bis zur Silberlaube angetreten hätten.

Zum heroischen Verhalten der Institutsleitung

Der Raumverbots-Skandal ermöglichte es dem OSI aber auch die Rolle des Underdogs einzunehmen, der gegen die politische Bevormundung durch das FU-Präsidium aufmuckt. In der Pressemitteilung der studentischen Vorbereitungsgruppe werden Altvater und Funke mit deutlichen Worten zitiert, später feierte man es als Großtat der Institutsleitung, dass doch noch Ersatzräume innerhalb des OSIs gefunden werden konnten.

Was dabei völlig unter den Tisch fällt ist, dass die Unterstützung durch die Institutsleitung bzw. den Institutsrat keineswegs so nachhaltig war, wie durch themenwoche-affine Studierende (studentische Vorbereitungsgruppe und andere in der Organisation involvierte) dann glauben gemacht wurde. Der IR hat es nicht geschafft die Lehrenden am OSI zu Beginn des Semesters kollektiv aufzufordern, die Themenwoche bei der Seminarplanung zu berücksichtigen, oder gar gleich alle regulären Lehrveranstaltungen in dieser Woche ausfallen zu lassen. Dann, und nur dann, hätte man wirklich behaupten können, das Institut steht hinter dem Projekt.

Um das chronologisch noch mal deutlich zu machen: Der Institutsrat beschließt die G8-Themenwoche offiziell zu unterstützten, geht aber dabei nicht soweit den Ausfall aller regulären der LVs in dieser Woche zu verfügen oder zumindest alle Lehrenden mit Nachdruck dazu aufzurufen die Themenwoche bei der Seminarplanung zu berücksichtigen. Da wegen der parallel stattfindenen regulären LVs nicht genug Räume im OSI zur Verfügung stehen, weicht man auf Räume außerhalb des OSI aus. Kurz vor Beginn der Themenwoche schießt das FU-Präsidium quer und verfügt ein Raumverbot für alle Räume außerhalb des OSIs. Die Institutsleitung reagiert und schafft es kurzfristig nahezu alle Veranstaltungen ins OSI zu verlegen, indem reguläre LVs verlegt werden. Reguläre LVs, die in dieser Woche von Anfang an nie hätten stattfinden müssen, wenn der Druck durch Institutsleitung und -rat auf die eigenen Dozierendenschaft entsprechend groß gewesen wäre.

Man kann es drehen und wenden wie man will, der Support durch das Institut für die Themenwoche war halbherzig. Die Frage ist, ob sich tatsächlich mehr Studierende und Dozierende in die Themenwoche eingebracht hätten, wenn in dieser Woche gar keine regulären Lehrveranstaltungen stattgefundenen hätten. Anzunehmen ist, dass einige dann ganz einfach eine Woche Ferien gemacht hätten. Trotzdem wäre es doch einen Versuch wert gewesen, auch diese Personen einzubinden.

Organisation

Im Vorfeld der Themenwoche habe ich einige Dozierende kontaktiert und auf die Themenwoche hingewiesen. Ich verdeutlichte ihnen die Optionen: die Sitzung in dieser Woche ausfallen lassen, die Sitzung in den Themenkontext der G8-Themenwochen einzugliedern (und zu öffnen), oder wie nach ihrem Seminarplan vorgesehen vorgehen, dann aber unter Umständen mit „gelichteten Reihen“ leben zu müssen.

Wie auch schon ihre Seminarpläne vermuten ließen (in denen die Themenwoche nicht eingeplant war), versicherten sie mir, vorher noch nie etwas von der Themenwoche gehört zu haben bzw. nicht informiert worden zu sein, dass sie das in irgend einer Form bei ihrer Seminarplanung berücksichtigen sollten (siehe „Bekanntheitsgrad der G8-Themenwoche am OSI tendiert gegen Null“). Nur einer war bereit, das eine Woche vorher wenigstens mal im Seminar anzuschneiden (wie man das in der Themenwoche handhaben wolle). Die anderen ignorierten es völlig oder stellten fest, dass man die Planung jetzt nicht mehr umstellen könne und dann ggf. eben mit ein paar Leuten weniger im Seminar leben müsse.

Auch wenn ich andere KommilitonInnen auf die Themenwoche ansprach, hatten sie vorher noch nie etwas davon gehört oder aber, kannten sie nur dem Namen nach und wussten nicht, worum es dabei eigentlich geht. Nun sind meine persönlichen Erfahrungen natürlich nicht notwendigerweise repräsentativ, aber ich fand es schon auffällig, wie wenig OSI-Studierende von einer Veranstaltungsserie wussten, die immerhin eine ganze Woche dauern sollte und das ganze Institut betraf.

Die Organisation der Woche als solcher funktionierte ausgesprochen gut. Am Ende hatte dann jede Veranstaltung ihren Raum und soweit ich es überblicken kann, waren die Veranstaltungen auch relativ gut besucht. Defizite sind aber im Vorfeld erkennbar, die „Werbung“ für die Themenwoche setzte viel zu spät ein, sowohl Dozierenden- als auch Studierendenschaft hätten frühzeitiger und nachhaltiger informiert werden müssen.

Die imaginäre Signalwirkung der G8-Themenwoche

Um ein Urteil darüber fällen zu können, ob die Themenwoche ein Erfolg war oder nicht, muss man sich erst mal klar werden, was eigentlich die Ziele waren. Werfen wir dazu einen Blick in die taz:

„Wahrscheinlicher aber sind noch andere Gäste. Zwar richtet sich der öffentliche Minigipfel sowohl an die akademischen Zirkel selbst als auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Doch auch einer dritten Zielgruppe stehen die Türen offen: den globalisierungskritischen Gruppen. Wer das politikwissenschaftliche Institut kennt, weiß, dass die Aktionswoche einen Monat vor dem Gipfeltreffen an der Ostsee sich auch zum Widerstandscamp für die Protestbewegung entwickeln könnte: ‘Die institutionelle Aktionswoche ist eine Steilvorlage: zur Mobilisierung und zum Protest gegen eine unsägliche neoliberale Herrschaftshaltung’, sagt Dennis Olsen, der am OSI studiert.“ (taz, 06.02.07)

Und, ist die Themenwoche nun wirklich zur „Steilvorlage zur Mobilisierung und zum Protest gegen eine unsägliche neoliberale Herrschaftshaltung“ geworden? Ist das OSI zum „Widerstandscamp für die Protestbewegung“ mutiert? Wohl kaum. Natürlich gibt es auch in Berlin eine Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm, nur der geht sicherlich nicht unbedingt vom OSI aus. Klar gibt es Busse und Protestwillige, nur die hätte es auch ohne G8-Themenwoche gegeben. Um in den zahlreichen globalisierungskritischen Veranstaltungen so etwas wie ein „Widerstandscamp“ zu sehen oder den zentralen Ausgangspunkt einer Anti-G8-Bewegung, braucht es schon viel Phantasie.

„Für das politikwissenschaftliche Institut, das seine Forschung verstärkt auf internationale Politik ausrichtet, bietet die Aktionswoche Profilierungspotenzial. ‘Angesichts der Aktualität dieses Ereignisses steht es uns gut zu Gesicht, die aufgeworfenen Fragen zur Globalisierung und ihrer Zukunft auf der Höhe der Zeit zu reflektieren’, sagt Institutsdirektor Peter Massing, sichtlich zufrieden mit der Initiative der Studierenden. Er wünscht sich eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung und erwartet Prominenz am Institut in Dahlem.“ (taz, 06.02.07)

„Wissenschaftliche Auseinandersetzung“? Ja, die gab es. „Prominenz am Institut“? Ja, kann man so auslegen. Aber hat sich das OSI mit der Themenwoche wirklich „profiliert“? Die Resonanz in den Medien war eher schwach (vom Raumverbots-Skandal abgesehen), aber das muss ja nicht unbedingt das Kriterium sein. Nur wem oder was gegenüber hat man sich dann profiliert? Der Fachwelt? Den anderen G8-Kritikern? Und als was hat man sich profiliert? Als Institut, an dem G8 und Globalisierung auch kritisch gesehen werden?

Fazit

Zweifellos war die G8-Themenwoche ein Erfolg, wenn man diesen allein daran misst, dass die Veranstaltungen interessant waren und auch alle rege besucht wurden. Trotzdem ist es irgendwie deprimierend auf der Website zu lesen, die „G8-Themenwoche übertrifft alle Erwartungen“. Wenn alle Erwartungen übertroffen wurden, was waren denn dann diese Erwartungen? Das vielleicht 10 Personen in eine Veranstaltung kommen? In dem Fall wären sie ja wirklich übetroffen worden, dadurch das alle Veranstaltungen viel besucht waren.

„Über 2500 interessierte Menschen“ haben sich beteiligt, nur was sagt das aus? Wenn es um die Gesamtzahl geht, dann kann es ja auch sein, dass es in jeder Veranstaltung immer ungefähr dieselben Personen waren, nämlich jene, die sich ohnehin kritisch mit dem G8-Treffen und der Globalisierung auseinandersetzen. Mir fiel zumindest schon auf, dass ich oft die gleichen Gesichter gesehen haben, gerade bei den Nicht-Großveranstaltungen war das schon auffällig.

Wenn die Protestbewegung gegen Heiligendamm in dieser Woche noch mal einen Schub erhalten hat, dann hatte das eher mit den Razzien zu tun, und weniger damit, dass sich am OSI so etwas wie ein „Widerstandscamp“ gebildet hätte. Gut, man kann sagen, man hat informative und zumindest teilweise auch wissenschaftliche Vorträge, Workshops und Diskussionen gehabt. Nur welche unmittelbare Konsequenz ergibt sich daraus hinsichtlich des G8-Gipfels in Heiligendamm in einem Monat? Diese Komponente ist irgendwie völlig versackt.

Die G8-Themenwoche bei FUwatch:

Alle Einträge zur G8-Themenwoche.

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3 Antworten to “G8-Themenwoche: Resümee”

  1. G8-Themenwoche: Copyright & Copyriot « FUwatch Says:

    […] Samstag: Resümee […]

  2. Mathias Bartelt Says:

    Lieber FUwatcher,

    es ist durchaus richtig, daß die G8-Woche im Vorfeld recht groß angekündigt worden war und dann nicht das demnach zu vermutende Aufsehen erregt hat. Schon die Ankündigung in der taz, daß der reguläre Lehrbetrieb für die Dauer dieser Woche ersetzt würde, war sachlich falsch und eine Fehlinterpretation entweder der vorbereitenden Studierenden oder des taz-Autors Martin Kaul. Ob bewußt großspurig oder nicht, sei dahin gestellt. Siehe dazu der IR-Beschluß des OSI zur G8-Woche, der mir auf Anfrage am 8.2.07, kurz nach der taz-Ankündigung, vom Institutsleiter Herr Massing mitgeteilt wurde:

    „Der Institutsrat des OSI hat folgendes beschlossen.

    1. Der IR unterstützt die Initiative der Studierenden. Der G8 Gipfel ist
    eine angemessene Gelegenheit Probleme der Globalisierung am OSI zu
    diskutieren. Geplant ist eine offene wissenschaftliche Diskussion, in der
    unterschiedliche Positionen zur Geltung kommen sollen.

    2. Der IR hat keineswegs beschlossen den kompletten Lehrplan gegen eine
    Themenwoche auszutauschen. Er hat den Studierenden zugesagt, die Lehrenden
    zu bitten, soweit dies möglich ist, in ihren „normalen“ Veranstaltungen
    Probleme der Globalisierung zum Thema zu machen.
    3. Hat der IR angeregt, dass Lehrende auch Sonderveranstaltungen zum Thema
    machen können und in diesem Fall mit der Projektgruppe der Studenten
    zusammen arbeiten können.
    4. Der IR wird alle Lehrende am OSI bitten! ! den Studierenden die
    Möglichkeit zu eröffnen, an solchen Sonderveranstaltungen teilzunehmen.
    5. Großveranstaltungen wie z.B. eine Posiumsdiskussion sollen außerhalb der
    normalen Studienzeiten stattfinden, also ab 18 Uhr.

    Um es noch mal zu betonen, es geht in dieser Veranstaltung nicht darum,
    Globalisierungsgegnern eine Möglichkeit zu bieten, sich vor dem G 8 Gipfel
    zu organisieren, sondern es geht natürlich allein um eine wissenschaftliche
    Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema.“

    Es klingt, um fort zu fahren, entsprechend übertrieben, wenn nach der G8-Woche davon gesprochen wird, daß alle Erwartungen übertroffen wurden. Sollten es tatsächlich 2.500 Teil nehmende Menschen gewesen sein, ist das (nicht zuletzt für gegenwärtige FU-Verhältnisse) immer noch viel – ob nun „die üblichen Aktiven“ oder noch Andere. Sollten es im Wesentlichen die Selben gewesen sein – immerhin. Was erwartest Du? Was können wir an der FU unter den gegenwärtigen BA-Bedingungen, dem Leistungsdruck, den zunehmend heraus gedrängten Magistranden, Diplomanden und Examinanden in spe und den mehr oder weniger hilf- und zeitlosen BA-Studierenden, die kaum noch Handlungsmöglichkeiten und (Denk-) Freiheiten haben, noch erwarten?

    Großspurigkeit hin oder her, es war schon eine Leistung, daß diese G8-Woche überhaupt zu Stande gekommen ist. Auch die Unterstützung durch den IR des OSI. Das ist bei Weitem nicht selbstverständlich. Im Philosophischen Institut wurde mein Antrag auf eine solche oder ähnliche Woche abgelehnt. Nun ist das Philosophische Institut nicht das OSI, aber immerhin wäre eine solche Beteiligung in früheren Zeiten zumindest denkbar gewesen.
    Momentan ist jede Initiative von Studierenden oftmals ein Raubbau an sich selbst, ein Investieren von Zeit, die praktisch keineR mehr hat und sich von dem nicht vorhandenen Zeitkontingent abzweigen muß, um dafür zum Dank von vielen uninteressierten Studierenden und affirmativen Medien in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden, gegen frustrierende, ermüdende und vernichtende ideologische Wände auf allen Seiten zu rennen und sein eigenes Engagement, mithin vier Jahre später, in einer völlig verlogenen Nacherzählung verklärt zu bekommen. Notwendig geraten andere Dinge, darunter das eigene Studium, in’s Hintertreffen.

    Du berichtest, das läßt sich aus Deinen bisherigen Kommentaren heraus lesen, sehr kritisch, und das nach allen Seiten. Das ist begrüßenswert. In diesem Fall vielleicht übertrieben kritisch.
    Natürlich ist es momentan schwierig, an der Uni überhaupt noch Leute zu etwas zu motivieren, geschweige denn, den Kontakt „nach außen“ bzw. zu Aktiven außerhalb der Uni zu halten und sie z.B. auf so eine wissenschaftliche G8-Woche aufmerksam zu machen. Das zeigt doch die ganze Trostlosigkeit, mit der wir es momentan zu tun haben. Es ist begrüßenswert, daß überhaupt noch etwas passiert, zumal auf einem halbwegs kompetenten Niveau, und nicht nur blinder Pöbel-Aktionismus, Verbalbrutalismus oder ideologischer Radikalismus, die notwendig immer weniger Studierende geschweige denn Lehrende ansprechen.

    Was die Lehrenden des OSI angeht, ist es möglich, daß sie am Anfang eher halbherzig informiert wurden, selbst halbherzig die Studierenden informierten oder tatsächlich desinteressiert waren. Mir ist bekannt, daß die OSI-Lehrendenschaft in ihren (hochschul-) politischen Auffassungen keine Einheit bildet, wie es nach außen hin manchmal noch scheinen mag. Ob nun mangelnde Kommunikation oder bewußtes Ignorieren hier zutrifft, ist momentan schwer zu beurteilen. Ob nun die Forderung eines Totalausfalls der Lehre (also ein Quasi-„Streik“) für die Dauer dieser Woche sinnvoll oder praktikabel gewesen wäre, ist eine andere Frage. Rechtlich ist das, meine ich, nicht möglich, jeden Falls rechtlich durch den IR nicht erzwingbar. Doch wäre eine Ergänzung der Lehrveranstaltungen (z.B. hälftig) um das vorgeschlagene G8-Programm möglich gewesen. So hatte ich es in meinem Antrag zum Philo-IR vorgeschlagen.

    So viel hier von mir.

    Schöne Grüße

    Mathias Bartelt
    Student IR Philosophie

  3. Niklas Says:

    || Was erwartest Du?

    Es ging nicht darum, was ich persönlich erwartet habe, sondern was ganz allgemein erwartet wurde. Der besagte taz-Artikel stammt von Martin Kaul, der ebenfalls Student am OSI ist. Er bezieht sich auf die Außerungen von Prof. Massing, dem OSI-Direktor, und auf Dennis Olsen, einem Kommilitonen von der FSI OSI. Die Quellen erscheinen legitim, um zumindest einen Teil der Erwartungen an die Themenwoche im Vorfeld abzustecken.

    Trotzdem nun Prof. Massing, wie du zitierst, betont hat, „es geht in dieser Veranstaltung nicht darum, Globalisierungsgegnern eine Möglichkeit zu bieten, sich vor dem G8 Gipfel zu organisieren“, lässt doch ein Blick in das Veranstaltungsverzeichnis der Woche durchaus einen gegenteiligen Schluss zu. Es waren auch Veranstaltungen darunter, die eindeutig der Mobilisierung dienten. Diese Annahme, dass die Erwartungen an die Themenwoche durchaus „dual“ waren (akademisch und aktivistisch), wird durch den taz-Artikel noch mal untermauert (deswegen habe ich den herangezogen).

    Wenn nun aber die allgemeinen Erwartungen nicht nur in Richtung eines wissenschaftlichen Diskurses gingen, sondern darüber hinaus auch in Richtung einer Anti-G8-Mobilisierung („Widerstandscamp“, „Steilvorlage zur Mobilisierung“, usw.), dann muss sich das Ergebnis auch daran messen lassen, ob diese Erwartungen erfüllt wurden oder nicht.

    || Was die Lehrenden des OSI angeht, ist es möglich,
    || daß sie am Anfang eher halbherzig informiert
    || wurden, selbst halbherzig die Studierenden
    || informierten oder tatsächlich desinteressiert waren.

    Was mir halt aufgefallen ist, dass die Dozierendenschaft zu Beginn des Semesters offenbar ein Rundschreiben erhalten hat, in dem sie dazu aufgefordert wurde, sie müsse in jedem Fall Anwesenheitslisten führen. Zwei Dozierenden sprachen eine solche Anweisung unabhängig voneinander an, woraus ich folgere, es muss ein entsprechendes Rundschreiben gegeben haben.

    Andererseits waren sie dann aber offenbar ahnungslos, was die Themenwoche angeht, dazu gab es offenbar kein Rundschreiben (oder aber es gab eines, das dann aber einen relativen großen Anteil nicht erreicht hat). Und das spricht meiner Ansicht nach eben schon Bände, wenn einerseits mit Nachdruck auf die (vermeintliche) Pflicht Anwesenheitslisten zu führen gedrungen wird (als Beispiel jetzt), andererseits die Info mit der Themenwoche-Ankündigung aber offenbar nicht die Runde gemacht hat.

    Der Kommilitone Thomas wies in einem Kommentar daraufhin, Prof. Segbers hätte in seiner IB-Vorlesung gefragt, ob man zur Themenwoche irgend etwas Spezielles machen soll, wofür sich allerdings nur „drei Leute oder so“ aussprachen. Wie immer man das bewerten will, immerhin hat er den TeilnehmerInnen diese Option in Aussicht gestellt, was aber eben nicht die Regel war.

    Selbst wenn der IR nicht einfach festlegen kann, dass in dieser Woche die regulären LVs ausfallen (und es wäre zu klären, ob er das nicht doch kann), so könnte er doch die Dozierenden mit Nachdruck anhalten, die Themenwoche wenn möglich bei der Seminarplanung zu berücksichtigen. Und selbst wenn die Dozierenden dann skeptisch sind, könnten sie das in ihren Lehrveranstaltungen doch mal ansprechen (und zwar nicht erst eine Woche vorher) und erfragen was die Studierenden darüber denken. Wenn die Studis keinen Bock haben, dann eben nicht, aber man muss es doch zumindest zur Diskussion stellen.

    Und wenn Prof. Funke dann in der Pressemitteilung feststellt, die „Themenwoche ist allseitig begrüßt worden, vom Institut wie auch dem Institutsrat“, dann ist das eben nur die halbe Wahrheit, denn „allseitig“ war die Unterstützung für die Themenwoche eben beim besten Willen nicht, weder von den Dozierenden noch von den Studierenden. Was man im Zuge der Pressemitteilung und ihrer Intention noch als legitim betrachten kann, sollte spätestens bei der Analyse im Anschluss an die Themenwoche vielleicht ein wenig differenzierter betrachtet werden.

    Update 18.05.07, kleiner Lapsus

    Ich habe jetzt „aktionistisch“ durch „aktivistisch“ ersetzt.

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