G8-Themenwoche: Globale Erwärmung

Die G8-Themenwoche am OSI wurde gestern mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „G8 und die globale Erwärmung – Wie kann die Klimakatastrophe gestoppt werden?“ abgeschlossen. Prof. em. Elmar Altvater (FU Berlin / OSI), Tobias Münchmeyer (Pressesprecher Greenpeace), Wolfgang Dirschauer (Beauftragter für Klimaschutz bei Vattenfall) und Norbert Theiss (Verband der Chemischen Industrie) diskutierten den Klimawandel. Im KVV heißt es zur Veranstaltung:

„Wir sind auf einem guten Weg. Machen wir weiter wie bisher, werden wir in 90 Jahren geschafft haben, wovon unsere Eltern nur in Science-Fiction Romanen lesen konnten. Laut UN-Klimabericht könnte die Temperatur der Erde bis zum Jahr 2100 um 6,4 Grad angestiegen sein. Meeresspiegel werden angehoben, ganze Länder überflutet. Dürreperioden, Hungersnöte, Massenimmigration… Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was können wir tun, um das zu verhindern? Sind Emissionshandel, die vermehrte Nutzung von Kernkraft oder Konsumverzicht adäquate Mittel? Lassen sich marktwirtschaftliche Interessen mit Klimaschutz vereinen? Kann die Klimafrage überhaupt innerhalb dieses Systems wirtschaftlichen Handelns gelöst werden?“

Wer trägt die Schuld an der Klimakatastrophe?

In einem von mehreren kurzen Einspielern, die die studentische Vorbereitungsgruppe produziert hatte, gab es auf die Frage wer denn die Schuld an der Klimakatastrophe tragen würde die unterschiedlichsten Antworten (interviewt wurden OSI-Studierende und andere an der Themenwoche beteiligte Personen): Staaten, Konzerne, Individuen oder die Sonne.

Doch wie sieht die Expertenrunde das? Münchmeyer (Greenpeace) nennt die westlichen Industrienationen, wobei China inzwischen zu den USA aufschließen würde, was die CO2-Emissionen angeht. Dies betrifft jedoch die absoluten Werte, berechnet man die Emissionen pro Kopf steht das Verhältnis 1:10. Doch natürlich müssten auch die großen Energie-Konzerne wie RWE oder Vattenfall als Verursacher in die Verantwortung genommen werden.

Dirschauer, als Vertreter von Vattenfall, führt aus, dass man sich der historischen Verantwortung durchaus bewusst sei und in der Gegenwart auch viel tue, die Klimakatastrophe zu verhindern. Zur Zeit sei man hier deutlich weiter als in den asiatischen Boomländern wie China, die zu den eigentlichen Klimakiller aufsteigen würden. Innerhalb von Deutschland würden Vattenfall (und andere Energie-Konzerne) z.B. immer stärker auf CO2-Sequestrierung (Carbon Capture and Storage, CSS) und regenerative Energie setzen.

Münchmeyer entgegnet dies sei nur bedingt richtig, mit Ach und Krach könne man es eventuell schaffen, den Anteil von regenerativer Energie bis 2020 auf ein Viertel der Gesamtenergie zu erhöhen, die Frage sei nur, inwieweit ein Konzern wie Vattenfall daran wirklich mitarbeitet.

Dirschauer betont, dass zur Zeit noch 70% der Energie in Deutschland aus Kohle gewonnen wird, den Anteil regenerativer Energie zu erhöhen sei sehr schwierig. Windanlagen würden erst jetzt mit der Möglichkeit sie Offshore zu bauen so viel Energie erzeugen, dass es sich betriebswirtschaftlich überhaupt lohnt, sie zu errichten. Seit 1990 hat Vattenfall 10 Mrd. Euro in seine Infrastruktur investiert, davon immerhin 500 Mio. Euro, also 5%, in regenerative Energie.

Wie lässt sich die Klimakatastrophe aufhalten?

Theiss, vom Verband der Chemischen Industrie, betont, die chemische Industrie habe eigene Beiträge geleistet, die Emissionen zu senken. Bei zeitgleicher Steigerung der Produktion sei es möglich gewesen, die Emissionen deutlich zu senken. Die chemische Industrie habe zudem entscheidenen Anteil an der Entwicklung im Bereich Photovoltaik. Ein weiteres Beispiel wäre die Entwicklung von leichterem Plastik, dass in Autos verbaut diese ebenfalls leichter machen würde, so dass hier weniger Energie verbraucht würde.

Altvater betont, dass die Klimakatastrophe durchaus noch aufzuhalten ist, es müsse aber deutlich mehr getan werden, als bisher getan wurde und für die Zukunft veranschlagt wurde. Der CO2-Ausstoß sei in den letzten Jahren kaum gesunken. Auch halte er es für unsinnig hier eine Win-Win-Lösung erkennen zu wollen: Verbraucher, Energie-Konzerne, das Klima, usw. am Ende sein alle glücklich. Das sei ganz einfach unrealistisch.

Münchmeyer denkt dagegen, dass die Zielsetzung wie sie zur Zeit besteht völlig ausreicht, das Problem sei eher die Durchsetzung. Positiv gemeinte Konzepte wie der Emissionshandel würden noch nicht funktionieren.

Kernenergie als Alternative?

Da man fossile Energie nicht mehr möchte, erneuerbare Energien aber nach Meinung vieler Beobachter nicht ausreichen, setzen einige Staaten wieder zunehmend auf Kernenergie. Dirschauer bezieht sich auf ein Referenzmodell der IEEA demnach man 2030 trotz aller Gegenmaßnahmen 25% mehr Emissionen haben wird. Der Anteil fossiler Energie betrage 66%, der von Atomenergie 15,7%. Ein Ausstieg aus der Kernenergie sei theoretisch natürlich machbar, aber nicht sinnvoll, es gäbe schlicht und ergreifend sonst keinen Ersatz für die fossile Energie.

Altvater sieht hingegen keine Alternative in der Kernenergie. Wollte man den Energiebedarf so decken, würden weltweit gut 15.000 neue Atomkraftwerke gebraucht, hier stelle sich dann das Problem der Proliferation, Krisen wie zur Zeit mit dem Iran würden sich vervielfältigen. Ferner sei die Sicherung von Atomkraftwerken nach außen gegen Anschläge und nach innen gegen Reaktorunglücke sehr kostsspielig. Weiterhin sei sowohl der Bau von Kraftwerken als auch die Entsorgung der Brennstäbe sehr aufwendig und kontraproduktiv was die Eindämmung des CO2-Ausstoßes angeht. Es sei durchaus möglich den Energiebedarf mit erneuerbarer Enegie zu decken, allerdings brauche man dafür dezentrale Netze und nicht wie bisher zentrale.

Theiss verweist darauf, dass man einen ausgewogenen Energie-Mix brauche und auch in Zukunft nicht ohne Kernernergie auskommen könne. Münchmeyer verweist dagegen auf die IEEA, dernach der Atom-Anteil zwar absolut konstant bleibe, relativ aber sinken würde, es demnach keinen Sinn machen würde, auf ein Energie-Modell zu setzen, dass sich bereits im Niedergang befindet. Insbesondere dann nicht, wenn es nur um den Überbrückungszeitraum geht, bis die regenerativen Energien die fossilen vollständig ersetzen können. Er betont ferner, dass die G8-Staaten hinsichtlich der Atom-Frage zerstritten sind, es hier keine einheitliche Position gäbe.

Emissionshandel – Teil der Lösung oder Teil des Problems?

Der Emissionshandel als Instrument gegen die Klimakatastrophe ist äußerst umstritten. Altvater lehnt ihn kategorisch ab, für ihn ist er eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Es ginge beim Emissionshandel nur um eine „Privatisierung der Atmosphäre“, viele Akteure (Banken, Makler, etc.) verdienen daran und haben somit gar kein Interesse, dass die Emissionen sinken, sondern im Gegenteil, eher steigen.

Im Gegensatz dazu sieht Münchmeyer grundsätzlich schon ein positives Potential im Emissionshandel, er könne durchaus funktionieren. Dass er das momentan nicht tut, keine Steuerfunktion hat, hat mit den diversen Ausnahmeregelungen zu tun, die die Energie-Konzerne durchsetzen. Der Einfluss der Industrie auf die Gesetzgebung sei zu stark. Grundsätzlich sei der Emissionshandel aber ein gutes Instrument.

Altvater entgegnet, der Emissionshandel könne höchstens als reiner Tauschhandel funktionieren, der von Finanzmärkten isoliert werden müsste, damit er nicht pervertiert. Die Chance dafür stehen schlecht, er glaubt nicht an eine positivere Ausgestaltungsmöglichkeit.

Regulierung über den Markt?

Zum Schluss entbrennt eine grundsätzlich Diskussion, ob das Problem der Klimakatastrophe über den Markt behoben werden könnte oder nicht. Dirschauer bestreitet nicht, dass der Markt Defizite aufweise („Der Markt ist immer unvollkommen, aber so ist auch das Leben“), allerdings gäbe es keine brauchbare, bessere Alternative. Die Anwesenden im Auditorium sollten doch eine entwickeln, wenn sie meinen, der Markt wäre so schlecht.

Münchmeyer betont man brauche sowohl das Ordnungsrecht als auch den Markt zur Lösung des Problems. Das Problem sei nur, dass die Energie-Konzerne den Markt manipulieren (Preisabsprachen, etc.). Ferner sieht er das zentrale Problem in zu wenig Wissen beim Verbraucher (über die Alternativen, über die Auswirkungen der Klimakatastrophe, etc.) und in mangelndem politischen Druck, die Emissionsreduzierung auch tatsächlich durchzusetzen.

Altvater betont, er lehne den Markt nicht generell ab, allerdings zeige eben gerade der Emissionshandel, die negativen Auswirkungen, wenn die Makler Geschäfte machen und so nach höheren Emissionen streben.

Fazit

Ähnlich wie bei der Podiumsdiskussion zu Beginn der Themenwoche zum Thema Afrika, zeigten sich auch hier wieder Defizite hinsichtlich der eigentlich nötigen Diskussionstiefe. Allerdings ist im Kontext einer solchen Podiumsdiskussion mit vier Diskutanten und bei angesetzten 90 Minuten vermutlich einfach nicht mehr möglich. Dennoch war die Diskusssion informativ und anregend, gerade Interessierte die sich vorher noch nie näher mit dem Thema befasst hatten, konnten sicherlich Einiges mitnehmen.

Die G8-Themenwoche bei FUwatch:

Alle Einträge zur G8-Themenwoche.

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4 Antworten to “G8-Themenwoche: Globale Erwärmung”

  1. G8-Themenwoche: Migration « FUwatch Says:

    […] Montag: Afrika […]

  2. G8-Themenwoche: Wissenschaftliches Studium und politisches Mandat « FUwatch Says:

    […] Montag: Afrika […]

  3. mojgan elizabhet Says:

    ich find g8 echt klasse.ich denk drüber nach, mich euch anzuschließen!!!

    macht weiter so!stoppt den klimawandel!

  4. Jörg Djuren Says:

    Die zivile Atomenergienutzung ist von der militärischen nicht zu trennen. Historisch war die zivile Nutzung fast immer ein Schleier für die militärische Option (z.B. Schweden). Bis heute gilt, daß Atomenergie vor allem wegen dieser militärischen Option interessant ist. Dabei geht es nicht unbedingt darum real Bomben zu bauen, sondern allein die Fähigkeit dazu bedeutet bereits einen erheblichen Machtzuwachs.

    Dazu: http://irrliche.org/politische_kritik/atomwaffen_proliferation.htm

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