FU-Raumverbot – Alles nur ein Missverständnis?

So ärgerlich die kurzfristige Raum-Absage des FU-Präsidiums für die OSI-G8-Themenwoche auch sein mag (FUwatch berichtete), der Skandal hat dem Projekt zumindest bereits vor dem eigentlichen Beginn ein Medienecho beschert, wie es sonst vermutlich nicht zu verzeichnen gewesen wäre. Sollte die Motivation des FU-Präsidiums – wie etliche Beobachter ja vermuten – gewesen sein, eine kritische Veranstaltungsserie zum G8-Gipfeltreffen kleinzuhalten, so hat man das genaue Gegenteil bewirkt.

Mainstream-Medien:

Blogosphäre:

Während es vorgestern noch hieß, man habe kein Problem damit, wenn das OSI eine G8-Themenwoche veranstaltet, solange diese eben nur innerhalb der Räumlichkeiten des OSIs stattfinde und nicht in anderen FU-Gebäuden, hörte es sich gestern dann so an, als sei alles nur ein Missverständnis gewesen und es sei offenbar schon denkbar, dass auch andere Räume genutzt werden. So hat der Kommiltone Ronny Patz von der LHG Kontakt mit Herrn Nissen in der Abteilung für zentrale Aufgaben im Präsidialamt aufgenommen, der für die Vergabe von Räumen an der FU zuständig ist. Aus diesem Gespräch ergab sich folgendes:

„… Intention des Präsidialamtes sei es letztendlich nur gewesen, größere Menschenbewegungen während des Lehrbetriebes nicht in die Silberlaube zu verlagern sondern im Umkreis des OSI zu konzentrieren. Dies sei keine politische sondern eine organisatorische – und schon gar keine inhaltlich behindernde – Entscheidung gewesen.

Des Weiteren teilte er mir mit, dass für den Henry-Ford-Bau (HFB) zwar eine allgemeine Anfrage vorliege, aber noch keine Zusage erfolgt sei, weil diese Anfrage nach seiner Kenntnis noch nicht konkretisiert wurde. ‚Natürlich‘ könnten die Räumlichkeiten des HFB für Veranstaltungen mit (Zitat) ‚hochklassigen‘ Personen wie Oskar Lafontaine oder Claudia Roth dort stattfinden, wenn es die Raumlage zulässt.

Auch meine Nachfrage, ob bei möglichen Raumproblemen rund um das OSI noch 2-3 freie Räume in der Silberlaube genutzt werden könnten, wurde von ihm bestätigt.“ (LHG Blog, 04.05.07)

Die Argumentation, es sei darum gegangen, „größere Menschenbewegungen während des Lehrbetriebs nicht in die Silberlaube zu verlagern“, erscheint nun wirklich lächerlich. In der Rost- und Silberlaube als einem der zentralsten Gebäude der FU ist natürlich immer viel los, nur diese Struktur wird nicht dadurch zum Kollaps gebracht, dass hier nun zusätzlich einige G8-Seminare und die ein oder andere Diskussionsveranstaltung mit prominenten Gästen stattfindet.

Vermutlich war die Sorge eher, es könnte zu irgendwelchen Protestaktionen kommen oder zur Aufforderung an die in der Rost- und Silberlaube anwesenden Studierenden, sich ebenfalls einzubringen und ihren regulären LVs fernzubleiben. Was den Lehrbetrieb in der Silberlaube also stören könnte, sind nicht die „größeren Menschenbewegungen“, sondern die Tatsache, dass auch Nicht-OSIaner sich spontan beteiligen könnten. Gerade aber das ist doch der Sinn, nur weil die Themenwoche vom OSI ausgeht, sollen sich ja nicht nur OSI-Studierende daran beteiligen.

Im zweiten Teil der Aussage heißt es bezüglich des Henry-Ford-Baus (HFB), es habe hier nur eine allgemeine und keine konkrete Raumanfrage gegeben, weshalb für die Freistellung der Räume noch keine Zusage gemacht worden sei. Sofern es die Raumlage zulasse, könnten dort auch ohne Probleme Veranstaltungen der G8-Themenwoche stattfinden. Nur wenn diese Option besteht, warum hat das FU-Präsidium dann darauf bestanden, die G8-Veranstaltungen dürften nur innerhalb der OSI-Räumlichkeiten stattfinden? Wirklich nur ein Missverständnis, ein Kommunikationsproblem?

„Wenn es die Raumlage zulässt“ meint eben auch, dass die Räume nicht reserviert wurden und auch nicht genutzt werden können, wenn andere, reguläre Lehveranstaltungen dort wie geplant stattfinden (der HFB wird ja von mehr als nur einem Fachbereich genutzt). Hier wäre zu prüfen, ob diese Differenzierung zwischen „allgemeiner“ und „konkreter“ Raumanfrage zutrifft oder ob das schlicht und ergreifend Haarspalterei ist, die die tatsächlichen Ablehnungsgründe kaschieren soll. Haben die Organisatoren der G8-Themenwoche im Vorfeld nun dezidiert um ein oder zwei Hörsäle im HFB gebeten oder nicht? Muss ja irgendein Schriftstück geben, das diese Frage beantwortet.

In einem Artikel der Berliner Zeitung vom heutigen 05.05. heißt es jedenfalls, der HFB stehe nicht zur Verfügung und die studentische Vorbereitungsgruppe glaube auch nicht, dass das FU-Präsidium sich hier noch mal umstimmen lässt. Viel mehr habe es die OSI-Leitung nun zumindest geschafft, die Räume im eigenen Institut bereitzustellen, indem reguläre LVs verlegt wurden. Hoffentlich bedeutet dies, dass Hörsaal A und B in der Ihne21 zusammengelegt werden, ansonsten wird es zumindest bei den Diskussionsveranstaltungen knapp mit dem Raum.

Sicher, der Super-GAU ist das Raumverbot nun doch nicht, weil „nur“ jeder fünfte Raum fehlt, was trotz der Kürze der Zeit kompensierbar sein sollte. Doch die dahinter stehende Frage bleibt immer noch offen: Nämlich was das FU-Präsidium wirklich dazu bewogen hat, die Raumzusage zwei Werktage vor dem Start der Themenwoche doch noch zurückzuziehen. Die Argumentation, es habe sich hier nur um ein „Missverständnis“ bzw. ein „Kommunikationsproblem“ gehandelt, bleibt wie aufgezeigt unglaubwürdig. Dazu war die Aussage des FU-Präsidiums viel zu eindeutig und die Begründung wirkt auch zwei Tage danach immer noch fadenscheinig.

Ungeachtet dieser Schwierigkeiten ist auf der Website zur Themenwoche inzwischen ein Reader mit den Grundlagentexten zu den einzelnen Veranstaltungen erschienen. Die Texte sind alle online verfügbar.

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3 Antworten to “FU-Raumverbot – Alles nur ein Missverständnis?”

  1. Ronny Says:

    Herr Nissen hat gestern Nachmittag (gegen 15 Uhr) persönlich telefonisch nochmal mit mir Kontakt aufgenommen um genau zu erfahren, wer für die Organisation zuständig ist und wie er Kontakt aufnehmen könne, damit er von diesen erfahren konnte, für wann ein Raum benötigt würde, weil bis zu diesem Zeitpunkt noch keine solche Information bei ihm vorlag. Er war also offensichtlich gewillt, den HFB zur Verfügung zu stellen…

    Was die genauen Intentionen hinter der ganzen Aktion sind, kann ich natürlich nicht nachprüfen, Herr Nissen klang im Gespräch aber eigentlich nicht ausweichend. Für mich hörte sich das nach einer typischen Verwaltungsaktion an: Technische Mitarbeiterin erhält Anfrage für die Räume in der Silberlaube, leitet dieses an die Entscheidungsebene (Herr Nissen) weiter, dieser prüft, ob für die G8-Woche nicht noch Räume im Umkreis des OSI frei sind (weil es aus seiner Sicht eine überwiegende OSI-Sache ist), stellt das im Kontakt mit Herrn Brose fest, und trifft eine typische Verwaltungsentscheidung, gibt diese an die technische Mitarbeiterin, die die berühmte Antwortmail verschickt, die die ganze Chose ins Rollen bringt, aber offensichtlich nicht die gesamte Wahrheit enthält…

    Ob die letztendliche Entscheidung gut oder schlecht ist, will ich überhaupt nicht bewerten, aber sie erscheint mir absolut nicht böswillig oder skandalträchtig. Und selbst wenn es im Ausgang so gewesen wäre: Ich bin gestern morgen zum frühestmöglichen Zeitpunkt ins Präsidialamt gegangen, um eine Situation zu klären, die sich mir am Abend vorher als untragbar dargestellt hatte. Ich habe die Information erhalten, dass Räume organisiert wurden, der HFB genutzt werden dürfe (was sich durch das Hinterhertelefonieren von Herrn Nissen auch nochmal bestätigt hat), und habe mir die Zusage geben lassen, dass bei Raumknappheit auch noch 2-3 Räume in der Silberlaube genutzt werden dürfen. Das klang tragbar für mich.

    Diese Lage entspricht nach meiner Sicht zwar nicht der organisatorischen Ausgangsplanung und hält auch Aktivitäten um das OSI, die vielleicht besser woanders stattgefunden hätten, aber es scheinen mir auf Initiative auch der Verwaltung immerhin genügend Räume und Möglichkeiten verfügbar zu sein – eine Lage, die die Woche nicht großflächig beeinträchtigen sollte.

  2. Stefan Hernádi Says:

    Ich möchte hier meinen Eintrag auf dem LHG-Blog zitieren:


    Lieber Ronny.,

    Deinen Einsatz in Ehren, aber von einer wirklichen Hilfe von Seiten des Präsidiums kann auch jetzt nur eingeschränkt die Rede sein. Bis Freitagabend war die Raumplanung immer noch höchst unsicher, gerade was die kleinen Veranstaltungen angeht. Letztendlich wurde einfach alles bis auf den HFB ans OSI delegiert, jetzt muss eine Veranstaltung sogar in der Cafeteria stattfinden.

    Ein wirkliches Entgegenkommen wäre gewesen, uns die konkret beantragten Räume einfach zu bewilligen.

    Außerdem spricht der Ablauf des Vorfalls nach wie vor gegen ein bloßes Missverständnis. Wir haben von der Nichtbewilligung der Räume erst durch Zufall am Mittwoch erfahren, obwohl die ersten Gespräche mit der Zentralverwaltung schon vor über zwei Wochen geführt wurden.

    Darüber hinaus gibt es seriöse Quellen am Institut, die bestätigt haben, dass das Präsidium die ganze G8-Woche an sich nicht begrüßt und deswegen schon vor längere Zeit Kontakt mit der Insitutsleitung hatte und diese auch zu einer Rechtfertigung aufgefordert hat.

    Meiner Meinung sollten wir also mit einem Urteil über den Gehalt des Vorfalls warten und ihn ggf. nach der Woche diskutieren.

  3. Raumplan für G8-Themenwoche veröffentlicht / Tagesspiegel sucht FU-Blogger « FUwatch Says:

    […] Der komplette Wochenplan inklusive Raumangaben ist als pdf-Datei einzusehen. Da das FU-Präsidium wie berichtet seine Raumzusage kurzfristig zurückgezogen hatte, musste die Vorbereitungsgruppe so gut wie alle […]

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