Das FU-Präsidium sperrt der OSI-Themenwoche die Räume

Noch bevor die G8-Themenwoche am Montag beginnt, hat sie schon ihren ersten Skandal: Zwei Werktage vor Beginn der G8-Themenwoche am OSI hat das FU Präsidium seine Zusage zurückgezogen, die dafür notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, wie im Themenwochen-Blog nachzulesen ist. Das studentische Organisationsteam hat darauf mit einer Pressemitteilung reagiert, in der unter anderem auch die Begründung des FU-Präsidiums nachzulesen ist:

„Ihr Antrag auf Nutzung von Räumen außerhalb des Gebäudes des OSI wurden vom Präsidium der Freien Universität mit der Begründung abgelehnt, dass es sich um Veranstaltungen zu der G8-Themenwoche handelt und diese dürfen nur im Gebäude des OSI durchgeführt werden.“

Die Frage ist nur, warum man die Bereitstellung von Räumlichkeiten zunächst zugesichert hat und erst jetzt zwei Werktage vor dem Beginn der Themenwoche einen Rückzieher macht. In der Pressemitteilungen werden auch die Professoren Funke und Altvater zitiert:

„Das Präsidium der FU sollte dankbar sein, wenn Studierende ein Großereignis wie den G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm zum Anlass für eine Themenwoche zur politischen und wissenschaftlichen Reflexion nehmen. Es sollte diese Initiative unterstützen und nicht durch den kurzfristigen Rückzug der Raumvergabe behindern. Das Präsidium der FU sollte auch bereit sein, offen gegenüber der Universitätsöffentlichkeit zu begründen, welche politischen Beweggründe es sind, die es zu diesem Schritt veranlasst haben. Die formalen Argumente jedenfalls überzeugen nicht.“ (Prof. em. Elmar Altvater)

„Die Raumvergabe war langfristig verabredet. Die Entscheidung, sie zu blockieren, ist daher willkürlich und Ausdruck einer tiefen Ängstlichkeit im Umgang mit den Studierenden und dem Institut, sowie einer kompetenten Auseinandersetzungen mit dem Thema G8. Die Themenwoche ist allseitig begrüßt worden, vom Institut wie auch dem Institutsrat.“ (Prof. Hajo Funke, stellvertretender Direktor des OSI)

Das Organisationsteam selbst schreibt in der Pressemitteilung:

„Ausschließlich mit formaler Begründung hat das FU-Präsidium nun die in Aussicht gestellten und bereits für die Themenwoche reservierten Räume am Mittwoch den 02. Mai 2007, zwei Werktage vor Beginn der Themenwoche, vom Präsidium der FU verweigert. Ersatz für die verweigerten Räume zu finden ist in der kurzen Zeit sehr schwierig, weshalb dies als Versuch gewertet werden muss, die Durchführung der Themenwoche zu be- und verhindern.“ (Pressemitteilung der Orga-Gruppe; Hervorhebung durch FUwatch)

Der Vorwurf der hier erhoben wird lautet also, dass die formalen Gründe des Präsidiums nur vorgeschoben sind und es in Wahrheit darum geht die G8-Themenwoche am OSI aus politischen Gründen zu behindern. Falls das tatsächlich die Intention war, dürfte das Präsidum mit dieser Strategie kaum Erfolg haben, die studentische Vorbereitungsgruppe betont, dass die Themenwoche in jedem Fall stattfinden wird. An einer Lösung wird zur Zeit noch gearbeitet.

Trotzdem taucht hier natürlich wieder die Frage auf, die auf FUwatch bereits vor einigen Tagen thematisiert wurde: Wenn das Institut und die Institutsleitung hinter der G8-Themenwoche stehen, wieso hat man die Dozierenden dann zu Beginn des Semesters nicht explizit auf die Woche hingewiesen und gebeten, Räume zur Verfügung zu stellen? Selbst wenn sich nicht alle Dozierenden darauf eingelassen hätten, hätten doch innerhalb des OSIs einige Räume mehr zu Verfügung gestanden und die Abhängigkeit von externen Räumlichkeiten wäre nicht ganz so groß gewesen.

Das ist letztlich inkonsequent: Einerseits will man die Themenwoche unterstützen, andererseits hat man keine Anstalten gemacht bereits im Vorfeld (gleich zu Beginn des Semesters) mit Nachdruck bei den Lehrenden für die Themenwoche zu werben, damit diese das bei der Ausarbeitung ihrer Seminarpläne berücksichtigen können. Statt sich von Anfang an auf die Freistellung von Räumlichkeiten innerhalb des Instituts zu konzentrieren, hat man lieber versucht extern Räume zu reservieren und sich damit eben auch vom FU Präsidium abhängig gemacht.

Update, 02:03 Uhr

Der Kommilitone Martin Kaul berichtet in der taz, dass „nur“ für rund jede fünfte Veranstaltung ein Raum fehlt. Demnach finden die anderen also im OSI statt und hier steht die Raumplanung. Pikant ist jedoch, dass gerade die Diskussionsveranstaltungen mit prominenten Gästen (Claudia Roth, Oskar Lafontaine, Sven Giegold, etc.) von dem Raumverbot betroffen sind.

Vermutlich ist die FU-Leitung in dem Moment von der Raum-Zusage abgesprungen, als ihr bewusst wurde, wer in diesen Diskussionsrunden so alles auftauchen wird. Die Idee, dass die „unternehmerischsten Hochschule Deutschlands“ (so der offizielle Titel einer Auszeichnung mit der die FU sich brüstet) nun auf einmal mit Globalisierungskritikern in Zusammenhang gebracht wird, war vielleicht einigen im Präsidium nicht ganz geheuer. Daher das Motto: „G8-Themenwoche ja, aber bitte nur am OSI selbst“. Wäre vielleicht auch gar nicht alles so ein Problem gewesen, wenn das Raumverbot nicht so kurzfristig erfolgt wäre.

Mein Kritikpunkt bleibt indes, dass man vielleicht gar nicht erst so ein Raumengpass gehabt hätte, wenn man schon viel früher versucht hätte auf Dozierende einzuwirken, ihre regulären LVs ausfallen zu lassen und Räume zur Verfügung zu stellen. Zur Zeit gibt es einen studentischen Aufruf auf der OSI-Wesbite, aber eben keine offizielle Weisung oder wenigstens Empfehlung der Institutsleitung an alle Lehrenden (die dann bereits zu Beginn der Vorlesungszeit hätte erfolgen müssen).

Advertisements

5 Antworten to “Das FU-Präsidium sperrt der OSI-Themenwoche die Räume”

  1. Christof Says:

    Was ist denn das für eine blöde Kritik zu sagen, die hätten sich einfach mal eher um Räume kümmern sollen?? Wenn ich das richtig verstanden habe, gab es doch die Zusage für die Räume! Hätte man aus vorauseilendem Gehorsam dem FU-Präsidium zuliebe von vornherein zur Sicherheit andere Räume suchen sollen, die besser noch weiter in der Pampa liegen, damit auch ja keiner mitbekommt, wer an die FU eingeladen wird?
    Mpf…
    Diese kurzfristige Absage der Räume mit Formalitäten zu begründen ist doch einfach lächerlich vom Präsidium!

  2. Niklas Says:

    || Was ist denn das für eine blöde Kritik zu sagen,
    || die hätten sich einfach mal eher um Räume kümmern
    || sollen?? Wenn ich das richtig verstanden habe, gab
    || es doch die Zusage für die Räume!

    Wenn die G8-Themenwoche am OSI stattfindet, warum dann nicht auch in den Räumlichkeiten des OSIs? Platz genug ist ja da, die Institutsleitung hielt sich nur bedeckt was die Freischaffung dieser Räume angeht. Einerseits betont man, hinter der Themenwoche zu stehen, andererseits will man sicherstellen, dass parallel noch reguläre Lehrveranstaltungen stattfinden können.

    Es ist wirklich zu viel verlangt, dass die Institutsleitung wenn sie sich schon zu diesem Projekt bekennt, zu Beginn des Semesters die Lehrenden auffordert, in der Themenwoche alle LVs ausfallen zu lassen und die Räume bereitzustellen?

    || Hätte man aus vorauseilendem Gehorsam dem FU-Präsidium zuliebe von
    || vornherein zur Sicherheit andere Räume suchen sollen, die besser noch
    || weiter in der Pampa liegen, damit auch ja keiner mitbekommt, wer an die
    || FU eingeladen wird?

    Was heißt denn hier „noch weiter in der Pampa“? Willst du ernsthaft argumentieren, dass das OSI in der Ihnestraße noch „weiter in der Pampa“ liegt als meinetwegen der Henry-Ford-Bau oder die Rostlaube? Das ist doch Schmarrn.

    || Diese kurzfristige Absage der Räume mit Formalitäten zu
    || begründen ist doch einfach lächerlich vom Präsidium!

    Was ich auch nicht in Abrede stelle. Ich sage nur, wir hätten dieses Problem nicht, wenn die Institutsleitung stärker darauf hingearbeitet hättet, die Räume im OSI selbst freizuräumen. Stattdessen stelle ich fest, dass alle OSI-Lehrenden die ich wegen dieser Themenwoche kontaktiere davon zuvor noch nie etwas gehört haben bzw. nicht wussten, dass in dieser Woche eigentlich alle regulären LVs nach Möglichkeit ausfallen sollten. Was ich halt unmöglich finde, wenn man so etwas auch von offizieller Seite stützt, kann man die Dozierenden doch auch rechtzeitig informieren.

    Es geht also nicht nur um die Raumfrage, sondern ganz generell darum, wie ein solches Projekt organisatorisch vorbereitet wird.

  3. Das liberale Blog an der FU Berlin » Blog Archiv » Raumfragen in der G8-Woche Says:

    […] zurückgezogen habe, und auch die Presse informiert worden sei (taz, Tagesspiegel, Junge Welt, FU Watch, Hauptstadtblog), war ich heute früh um 9 Uhr persönlich bei Herrn Nissen in der Abteilung für […]

  4. FU-Raumverbot - Alles nur ein Missverständnis? « FUwatch Says:

    […] die kurzfristige Raum-Absage des FU-Präsidiums für die OSI-G8-Themenwoche auch sein mag (FUwatch berichtete), der Skandal hat dem Projekt zumindest bereits vor dem eigentlichen Beginn ein Medienecho […]

  5. G8-Themenwoche: Resümee « FUwatch Says:

    […] des OSIs und dürfen daher auch nur in den Räumlichkeiten des OSIs stattfinden (siehe “Das FU-Präsidium sperrt der OSI-Themenwoche die Räume”. Es geht also nicht darum, dass die Räumlichkeiten außerhalb des OSIs nicht zur Verfügung stehen […]

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: