Senator Brüggemann

Die Bedingungen unter denen an deutschen Universitäten in letzter Zeit Studiengebühren eingeführt wurden sind oft haarsträubend bis surreal. In Münster versuchte das Rektorat die protestierenden Studierenden loszuwerden, indem es die entscheidende Senatssitzung auf acht Uhr morgens an einem Samstagmorgen in eine ehemalige NATO-Kaserne außerhalb der Stadt verlegte. Doch die Studis kamen trotzdem mit fünf Bussen, es gab Auseinandersetzungen mit der Polizei, während sich drinnen der Senat zum wiederholten Mal nicht einigen konnte (SPON, 14.03.07).

Auf einer anderen Sitzung war es dann endlich soweit. Nachdem sich für 300 Euro Studiengebühren pro Semester keine Mehrheit finden ließ, ging man auf 275 Euro runter und auf einmal stand die Mehrheit (ebd.). Hallo? Geht’s noch? Die Frage, ob man für oder gegen die Einführung von Studiengebühren ist, hängt also von einer Differenz von 25 Euro ab? Als wären sich die Verantwortlichen überhaupt nicht der Konsequenz bewusst, dass es hier um eine grundsätzliche Frage geht. Denn sind Studiengebühren erst einmal eingeführt, ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis sie in ihrer Höhe ansteigen. Es geht darum die Büchse der Pandora gar nicht erst zu öffnen, nicht darum, ob es nun 25 Euro mehr oder weniger sind. Sollte man zumindest meinen.

Jedenfalls kam die Entscheidung im Senat knapp mit 12 zu 11 Stimmen zu stande. Was zunächst nicht überrascht, haben doch die ProfessorInnen genau 12 Sitze (die MitarbeiterInnen 7, die Studierenden 4, zusammen also eben nur 11). Das brisante beim Abstimmungsergebnis war jedoch: Ein Professor soll im Vorfeld deutlich gemacht haben, er wolle gegen Studiengebühren stimmen. Die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen lehnen grundsätzlich alle Gebühren oberhalb von 200 Euro ab. Die entscheidende 12. Stimme müsste demnach von einem der Studierendenvertreter gekommen sein.

Spiegel Online nannte den Namen, es sei der BWL-Student Max Brüggemann vom RCDS gewesen. Der hat zwar nicht verraten, wie er abgestimmt hat, gleichzeitig aber keinen Zweifel daran gelassen, dass er Studiengebühren befürwortet. Dass er nun die Einführung von Gebühren offen befürwortet, aber im Senat dagegen stimmt, erscheint unlogisch und sehr unwahrscheinlich. Man kann also davon ausgehen, dass hier schon die richtige Person ausgemacht wurde. Konsequenterweise verliehen ihm die Blog-KollegInnen vom SEMTIX-Blog denn auch die „Pflaume des Monats“.

Wie man sich leicht vorstellen kann, wurde es in den folgenden Wochen etwas ungemütlich für den „Senator Brüggemann“ (wie ihn der RCDS Münster nennt). In einem zweiten SPON-Artikel werden die Drohungen und Hasstriaden auf seinem StudiVZ-Profile dokumentiert. Der Frust der Betroffenen, die sich so ausdauernd gegen die Einführung der Studiengebühren eingesetzt haben, ist natürlich immens angesichts der Tatsache, dass es jetzt ausgerechnet ein Kommilitone gewesen sein soll, der das Zünglein an der Waage bei der Einführung spielte.

Statt sich jedoch über das unmögliche Verhalten Brüggemanns zu echauffieren, sollten die Münsteraner KommilitonInnen vielleicht auch mal einen Gedanken daran verschwenden, wie ein RCDS-Studi der sich für Studiengebühren ausspricht überhaupt einen studentischen Sitz im Senat erhalten konnte. Man möge mich korrigieren, aber auch die Studierendenvertreter im Senat der Uni Münster werden doch von ihren Kommilitoninnen direkt dorthin gewählt oder nicht?

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