„Jetzt, wo Sie Gebühren zahlen…“ – UNIcheck.de und die Emnid-Umfrage

Wie im LHG- und auch im SEMTIX-Blog schon nachzulesen war, steckt einem SPON-Artikel zu folge hinter dem neuen Studierendenportal UNIcheck.de die neoliberale „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), die sich klar für die Einführung von Studiengebühren ausspricht. Inzwischen hat UNIcheck.de eine erste Emnid-Umfrage veröffentlicht, ein guter Zeitpunkt, sich die ganze Geschichte noch mal im Detail anzusehen.

Primär geht es bei UNIcheck.de darum den Studierenden zu suggerieren, sie könnten selbst bestimmen, was mit ihren Studiengebühren passiert. Der Hintergedanke ist offensichtlich: Wenn die Studierenden stärkeren Einfluss darauf haben, was mit ihren Gebühren passiert, dann werden sie vielleicht zukünftig weniger ablehnend gegenüber Studiengebühren eingestellt sein. Nur erstens ist die Idee die Studis könnten selbst bestimmen was mit ihren Gebühren passiert illusorisch (siehe „Studiengebühren für Imagebroschüren“), zweitens würde selbst mehr Mitbestimmung bei der Verwendung der Gelder nichts am elitären, selektiven Wirken von Gebühren ändern.

Inzwischen prangt auf der UNIcheck.de Website der deutliche Hinweis, dass es sich hier um ein Projekt der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ handelt. Folgt man dem SPON-Artikel war dies aber offenbar nicht immer der Fall. Ursprünglich war in einer von UNIcheck.de an diverse ASten versendeten Email die Rede davon, es handele sich um ein Projekt „von Studenten für Studenten“, was suggeriert, es gehe hier um ein studentisches Projekt. Erst nachdem über einen Whois-check ermittelt wurde, dass die Domain auf Jan Loleit, dem „Chef vom Dienst“ bei der INSM, registriert war, gab sich die INSM ganz offen und tat so, als sei von Anfang klar gewesen, dass sie die Initiatorin des Projekts ist. Der Witz dabei: UNIcheck.de war mit dem Anspruch angetreten, für mehr „Transparenz“ zu sorgen. Mit der Transparenz in eigener Sache nahm man es aber wohl nicht so genau.

Wie unten auf der Website nachzulesen ist, kooperiert UNIcheck.de auch mit der Hochschulzeitschrift UNICUM (zu solchen Gazetten siehe den zweiten Absatz in „Institutstag – Ein kurzer Rückblick“), der Financial Times Deutschland (FTD) und der Verbraucherzentrale NRW. SPON fasst zusammen:

„Auf ahnungslose Unterstützer hoffen offenbar auch die Unicheck-Macher bei ihrem als studentisches Projekt getarnten Aufruf zur Mitarbeit: ‚Abstimmen. Mitbestimmen‘ heißt es im Logo der Homepage. Das Bonner ‚Medienbüro.sohn‘, das unter anderem die Medienarbeit für die INSM macht, kündigte allerdings schon mal an, was ab Mittwoch [11.04.07] auf ‚unicheck.de‘ wirklich los sein wird: Die INSM wird dann zusammen mit zwei Medienpartnern – ‚Financial Times Deutschland‘ und ‚Unicum‘ – die vermeintlich ‚erste Umfrage zu Studiengebühren nach deren Einführung in fünf Bundesländern“ veröffentlichen. Diese Umfrage stammt laut Ankündigung auf der INSM-Homepage vom Emnid-Institut, garniert wird sie ‚mit 25 Live-Berichten zur Lage an Hochschulen, die bereits mit Gebühren arbeiten‘.

Wer Anfang April ahnungslos auf die Mail von Thorsten Schröder geantwortet hat, könnte sich dann plötzlich als Statist einer gut geplanten Pro-Gebühren-Kampagne wiederfinden.“ (SPON, 10.04.07)

Besagte Emnid-Umfrage kann auf UNIcheck.de hier eingesehen werden. Eine mehr als deutliche Mehrheit der Studierenden glaubt demnach nicht daran, dass die Studiengebühren im Sinne einer besseren Studienqualität verwendet werden. Eine ebenso klar Mehrheit fühlt sich schlecht informiert und will fordernder gegenüber der Hochschule auftreten („jetzt, wo Sie Gebühren zahlen“). Und, welch Überraschung, eine klare Mehrheit will auch mehr Mitsprache was die Verwendung der Studiengebühren angeht.

Naturwissenschaftler finden, dass sie mehr von den Studiengebühren abbekommen sollten, weil ihr Studium durch „Experimente, etc. teurer ist“, Sozialwissenschaftler sehen das freilich anders. Ein deutlicher Versuch die Studentenschaft zu spalten; im Hintergrund schwebt dabei natürlich immer die Annahme, dass Naturwissenschaftler als „Human Kapital“ innerhalb der Verwertungslogik wertvoller sind.

Waren vor einigen Monaten noch 72% der Studierenden gegen Studiengebühren, sind es heute „nur“ noch 67%. Auch hier ist die Message klar: Die Mehrheit der Studis ist gegen Gebühren, doch diese Mehrheit bröckelt langsam. Und obwohl immer noch eine Mehrheit gegen Gebühren ist, ist laut dieser Umfrage zeitgleich auch eine Mehrheit von 62% der Meinung, dass Studiengebühren die Ausbildung an Universitäten verbessern können (Sozialwiss. 50:50, Wirtschaftswiss. 77:22).

Fleißig wird mit dieser Umfrage also an dem Ziel gearbeitet, Studiengebühren innerhalb der Studentenschaft (und der Gesellschaft allgemein) salonfähig zu machen. Der Tenor: Studierende sind zwar im Moment (sic!) unzufrieden mit dem Umgang der Gebühren, sobald die Verteilung jedoch transparenter würde und die Gelder sinnvoll eingesetzt würden, wären Gebühren okay. Die interessante Frage, wie hoch die Befragten die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass sich an der intransparenten, ohne studentische Mitbestimmung ablaufenden Verteilung in Zukunft etwas ändern wird, wurde nicht gestellt. Auch Fragen nach der Sozialverträglichkeit von Studiengebühren, nach der sozialen Selektion, wurden natürlich nicht gestellt.

Es ist also eingetreten, was Kritiker vermutet hatten: UNIcheck.de und die INSM erkennen zwar an, dass das mit den Studiengebühren im Moment noch nicht so das Wahre ist, fordern als Konsequenz aber natürlich nicht etwa die Abschaffung der Gebühren, sondern gerieren sich als Sprachrohr der Studentenschaft, das für eine gerechtere, transparentere Verteilung der Gebühren eintritt. Das ist Pro-Gebühren-Propaganda in Reinkultur und jedeR der/die sich bei UNIcheck.de einbringt oder an Umfragen teilnimmt, sollte sich dessen bewusst sein.

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Eine Antwort to “„Jetzt, wo Sie Gebühren zahlen…“ – UNIcheck.de und die Emnid-Umfrage”

  1. INSM-Sniper Says:

    Die Umfragewerte scheinen zu variieren. In einem anderen Artikel fand ich bis zu 80% Ablehnung der Studiengebühren, das kann aber natürlich regional und je nach Uni schwanken, siehe http://insm.wordpress.com/2007/04/20/neue-studiengebuhren-an-den-universitaten-sturzen-studenten-in-armut/

    INSM-Sniper

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