„Minigipfel“ am OSI dient auch aber nicht nur zum Protest

Wie berichtet soll es im kommenden Semester vom 7. bis 11. Mai eine Aktionswoche am OSI zum G8-Gipfel in Heiligendamm geben (der einen Monat später vom 6. bis 8. Juni stattfindet).

Alle Lehrveranstaltungen sollen sich während dieser „Minigipfel“ genannten Aktionswoche mit dem Thema „G8 und Globalisierung“ auseinandersetzen. So lautet zumindest die auf studentisches Engagement hin getroffene Empfehlung des Institutsrats an die Dozierenden des OSIs. Die studentischen Initiatoren hoffen daher auf eine breite Beteiligung der DozentInnen aber natürlich auch der Studierenden:

„Abzuwarten bleibt, wie die OSI-Studierenden die Initiative aufnehmen. Die Befürchtung einiger Dozierender, die Studierdenden würden diese Woche zum Freimachen nutzen, wird sich hoffentlich nicht bewahrheiten. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung für die Initiative, denn immerhin wird schon seit November des letzten Jahres an dem Projekt gearbeitet. Daher müssen schon im Vorfeld möglichst viele Studierende in die Vorbereitung mit eingebunden werden, um die Woche zu einem gemeinsamen Erlebnis zu machen.“ (OSI-Zeitung, 3. Ausg., S. 12)

Der Kommilitone Stefan Hernádi, Mitinitiator des „Minigipfels“, schreibt in dem zitierten OZ-Artikel auch von einer „Themenwoche“, ein Begriff der vielleicht besser gewählt ist, als „Aktionswoche“. Natürlich bietet der „Minigipfel“ auch eine Menge Protestpotential wie der Kommilitone Martin Kaul in der taz berichtet:

„Wahrscheinlicher aber sind noch andere Gäste. Zwar richtet sich der öffentliche Minigipfel sowohl an die akademischen Zirkel selbst als auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Doch auch einer dritten Zielgruppe stehen die Türen offen: den globalisierungskritischen Gruppen. Wer das politikwissenschaftliche Institut kennt, weiß, dass die Aktionswoche einen Monat vor dem Gipfeltreffen an der Ostsee sich auch zum Widerstandscamp für die Protestbewegung entwickeln könnte: ‚Die institutionelle Aktionswoche ist eine Steilvorlage: zur Mobilisierung und zum Protest gegen eine unsägliche neoliberale Herrschaftshaltung‘, sagt Dennis Olsen, der am OSI studiert.“ (taz, 06.02.07)

Ob der „Minigipfel“ wirklich zur Steilvorlage zur Mobilisierung und zum Protest gegen den G8-Gipfel (bzw. das was er repräsentiert) wird, wie der Kommilitone Dennis Olsen von der FSI OSI hofft, bleibt abzuwarten. In jedem Fall geht das Spektrum, dass der „Minigipfel“ am Ende bieten soll, aber wohl über Protestorganisation hinaus. Von daher ist „Themenwoche“ wohl treffender als „Aktionswoche“. Letzterer Begriff suggeriert eher Konfrontation, Protest, Widerstand. Was unzweifelhaft wichtig ist, aber nicht der alleinige Zweck des „Minigipfels“ ist, der sich möglichst breit mit dem Thema „G8“ und „Globalisierung“ auseinandersetzen soll.

Der Kommilitone Thomas macht in einem FUwatch-Kommentar deutlich, dass er der Sache eher skeptisch gegenüber steht und das Problem einer zu einseitigen Ausrichtung des „Minigipfels“ sieht:

„Zugegeben, ich habe mich noch nicht weiter mit dem G8-Projekt beschäftigt, habe jedoch die Befürchtung, dass dahinter die gleichen Leute stecken, die damals auch den Streik organisiert haben. Und einigen dieser Leute zweifle ich, ob eine offene und kontroverse Diskussion wirklich möglich ist, oder ob man mit seiner abweichenden Meinung entweder ausgelacht wird, zum ‘Rechten’ erklärt wird oder dass einem vorgeworfen wird, dass man nicht weiß, was gut für einem ist.

Und wenn man dann liest, dass sich das ganze zu einem Widerstandscamp entwickeln soll oder könnte, dann ist doch wohl bereits im Vorfeld klar, was das erwünschte Ergebnis dieser Themenwoche ist.“ (Thomas)

In seiner Antwort betont Ronny von der LHG demgegenüber, dass sich an dieser Themenwoche eben nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ beteiligen, sondern die Unterstützung durch zahlreiche politische Gruppen jeglicher Couleur gewährleistet sein wird. Die OZ nennt:

  1. Unabhängige Studierende
  2. FSI OSI
  3. FSI Islamwissenschaft/Arabistik
  4. FSI Physik
  5. Unabhängige Linke Hochschulgruppe
  6. Linke.FU
  7. attac campus
  8. Liberale Hochschulgruppe
  9. Grüne Hochschulgruppe
  10. Juso-Hochschulgruppe
  11. AG-Lehre des OSI
  12. Redaktion der OSI-Zeitung

Nun stehen die genannten Gruppen vielleicht nicht unbedingt repräsentativ für die Mehrheit der OSIaner (oder der FU-Studis allgemein), dass allerdings sowohl AStA-tragende Listen wie Oppositions-Listen sich beteiligen kann als klares Indiz dafür gewertet werden, dass die Themenwoche nicht zu sehr nur in eine bestimmte politische Richtung geht, sondern ein breites Spektrum an Positionen zu erwarten ist.

Ob sich am Ende dann wirklich viele (und nicht nur „einige“) Studierende (und Externe) aktiv in die Themenwoche einbringen, wird sich herausstellen. Scheitern wird die Sache aber sicherlich nicht daran, dass der „Minigipfel“ zu sehr in nur eine bestimmte politische Richtung oder Aktionsform gedrückt wird, denn so ist er offensichtlich nicht angelegt.

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