Studiengebühren für Imagebroschüren

Gestern für seine allzu Lenzen-freundliche Berichterstattung gescholten, muss man dem Tagesspiegel heute zugute halten, dass er zumindest was die Verwendung von Studiengebühren angeht, einen kritischen Tonfall anschlägt:

„So will die Universität Düsseldorf mit dem Geld aus den Studiengebühren Marketingkonzepte erarbeiten – um mehr Studienanfänger zu gewinnen. Die Universität Göttingen plant, wie zahlreiche Unis, neue Sportgeräte für den Hochschulsport anzuschaffen. Der behindertengerechte Ausbau von Seminarräumen steht vielerorts auf dem Programm; die Uni Osnabrück spielte mit der Idee, Anzeigetafeln für schwerhörige Studenten in den Hörsälen zu montieren.

An der RWTH Aachen, einer der größten Technischen Universitäten, haben im Wintersemester mehrere Fächer die Gebühren der Erstsemester genutzt, um Imagebroschüren für ihre Fakultät entwerfen und drucken zu lassen. Ein Fachbereich gestaltete seine Homepage neu, für ein Begegnungszentrum zwischen deutschen und ausländischen Studierenden wurde eine Sozialarbeiterin eingestellt. Die Fachhochschule Hannover finanzierte ein Alumni-Portal im Internet, mit dem Absolventen angesprochen werden sollen.

… Umstritten ist, ob es zu den sinnvollen Maßnahmen gehört, Hörsäle zu sanieren. Für Baumaßnahmen stellt der Staat eigentlich Extragelder zur Verfügung. Aachen plant dennoch, 4,5 Millionen Euro aus Gebühren in ein neues Seminargebäude zu stecken, um es von drei auf vier Stockwerke zu erhöhen. Göttingen will für drei Millionen Euro ein altes Gebäude zu einem Seminarzentrum umbauen und für eine Million Euro drei Hörsäle sanieren. Beide Unis argumentieren, sie hätten nicht genügend geeignete Räume, um mehr Lerngruppen anzubieten.“ („Verheizte Studiengebühren“, Tagesspiegel, 21.02.07)

Das grundsätzliche Problem ist, dass nirgendwo eindeutig geregelt wird, was noch als Verbesserung der Lehre gilt. Mit Leichtigkeit lässt sich konstruieren, wie eine Ausgabe die eigentlich nichts mit der Lehre zu tun hat, ihr am Ende indirekt doch zu gute kommt. Wenn dann aber, wie in Ulm zwischenzeitlich angedacht, z.B. selbst die Heizkosten mit Studiengebühren beglichen werden sollen, wird es vollends absurd. Nur eine Frage der Zeit, bis unter solchen Bedingungen der Ruf nach einer deutlichen Erhöhung der Studiengebühren zu vernehmen sein wird.

Selbst Ulrich Müller, „Gebührenexperte“ des gebührenfreundlichen CHE, sieht nach Tagesspiegel-Angaben nach dem ersten Semester mit Studiengebühren starke Defizite was eine langfristige Planung der Gebühren-Verwendung angeht:

„Zwar würden praktisch alle Unis mehr Tutoren einstellen, damit Studenten in kleineren Gruppen lernen können. Bibliotheken bekämen mehr Geld. Von einem strukturierten Vorgehen, das langfristig zu einem Qualitätssprung führe, könne allerdings nur selten gesprochen werden.“ („Verheizte Studiengebühren“, Tagesspiegel, 21.02.07)

Als positives Gegenbeispiel führt der Tagesspiegel die Ruhr-Universität Bochum an, die in ihrer Gebührensatzung immerhin ausdrücklich festgelegt hat, dass Studiengebühren insbesondere nicht für „Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen, Gebäudesanierungsmaßnahmen, Energie- und Mietkosten“ verwendet werden dürfen.

Die konsequentere Schlussfolgerung, dass das Ganze ein weiteres Argument ist, dass Studiengebühren gar nicht erst eingeführt (bzw. falls schon eingeführt wieder abgeschafft) werden sollten, kommt dem Tagesspiegel dagegen natürlich nicht.

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2 Antworten to “Studiengebühren für Imagebroschüren”

  1. "Jetzt, wo Sie Gebühren zahlen..." - UNIcheck.de und die Emnid-Umfrage « FUwatch Says:

    […] die Idee die Studis könnten selbst bestimmen was mit ihren Gebühren passiert illusorisch (siehe “Studiengebühren für Imagebroschüren”), zweitens würde selbst mehr Mitbestimmung bei der Verwendung nichts am elitären, selektiven […]

  2. Studiengebühren für identitätsstiftende USB-Sticks « FUwatch Says:

    […] in regelmässigen Abständen tauchen solche kritischen Artikel in den Medien auf (siehe dazu z.B. “Studiengebühren für Imagebroschüren”). Trotzdem kann es nicht so falsch sein, sich den Wahnsinn in regelmäßigen Abständen immer mal […]

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