Zum Taser-Einsatz an der UCLA

Vor einiger Zeit kam von einem FUwatch-Leser der Vorschlag, den „Taser-Vorfall“ an der University of California in Los Angeles (UCLA) aufzugreifen.

Dabei geht es um einen Studierenden an der UCLA, der am 14.11.06 von Polizisten in der Universitäts-Bibliothek mehrfach mit einem Taser attackiert wurde, als er sich nicht ausweisen konnte und anschließend weigerte ihren Aufforderungen die Bibliothek zu verlassen Folge zu leisten (wobei nicht ganz klar ist, ob es diese Aufforderung seitens der Polizei tatsächlich gab). Das Ganze wurde auch auf Video festgehalten, das sich inzwischen bei YouTube findet. Heise.de berichet, dass das Opfer nun die Universität und die Polizei verklagt:

„Wie einem Video auf YouTube zu entnehmen ist, eskalierte die Situation, als die Polizisten den Studenten anfassten, um ihn gewaltsam aus dem Raum zu entfernen. Als der Student zu schreien anfing (‚don’t touch me!‘) feuerte einer der Polizisten den mitgeführten Taser ab, mit dem sich Zielpersonen durch Stromstöße kurzfristig außer Gefecht setzen lassen. Der junge Mann fiel auf den Boden und weigerte sich anschließend, aufzustehen.

Zu hören ist mehrmals die Androhung, dass man ihn erneut ‚Tasern‘ werde, wenn er nicht unverzüglich aufstehe. Im Verlauf der Auseinandersetzung feuerten die Polizisten offenbar noch mehrmals ihre Elektroschocker ab. Seine eigene (Über-)Reaktion erklärt der Student in der Klageschrift mit einer ‚bipolaren affektiven Störung‘, die allgemein auch als manisch-depressive Erkrankung umschrieben wird. Über seine gesundheitlichen Probleme will er die Polizisten informiert haben.“ (heise newsticker, 18.01.07)

Bedenklich ist nicht nur der Vorfall als solcher, sondern auch wie darüber berichtet wurde. Robert Basic hält zu diesem Problem fest:

„was mich bei den Diskussionen auf zahlreichen Websites stört (zB Digg), ist die Tatsache, dass sich zahlreiche User überhaupt nicht an der überzogenen Gewaltanwendung stören, sondern vielmehr auf das Opfer verweisen, das eben selbst schuld ist, weil es nicht auf Kommando Pfötchen geben wollte. Hab auch so bisserl das Gefühl, dass die Amis ziemlich drogiert vom Patriot Act und dem War against Terror sind… verrücktes Volk. Und Ralf hat imho Recht, dass es bitter ist zu sehen, wie die lieben Studenten halt zuschauen, während die Cops ihr Ding brutal durchziehen (Stichwort: ‚Zivilcourage‘). Hey, ein Haufen ausgebildeter Polizisten gegen einen unbewaffneten Studenten, das ist soooo lächerlich und abstrus. Btw, das mit der Zivilcourage ist ja nicht so, das sich andere Zivilisationen mehr rühmen könnten: ich könnte oW auf die größte Einkaufsmeile Deutschlands (Zeil) gehen und nach Belieben Leute verdreschen, kein Mensch würde einschreiten.“ (Basic Thinking, 31.01.07)

Nun kann man natürlich darüber streiten, inwiefern eine solche Aussage ungerechtfertigt pauschalisiert („die Amis“). Tatsache ist, dass hierzulande kein Studierender von der Polizei auf dem Campus seiner Uni getasert wird. Noch nicht. Denn Taser sind „in“ und sollen demnächst auch in Deutschland bei der Polizei Anwendung finden. Und hat man sie dann erst mal, werden sie auch eingesetzt.

Was die us-amerikanische Berichterstattung im Netz und anderswo angeht, so müsste man natürlich verifizieren, ob der Tonfall hier wirklich überwiegend in Richung „Er ist doch selber schuld“ geht. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es auch in Deutschland mehr als genug Leute gibt, die eine solche Auffassung vertreten und die Unverhältnismässigkeit des Gewalteinsatzes (selbst wenn eine Person von der Staatsmacht unbedingt aus einem Gebäude entfernt werden muss, gibt es andere Wege als sie mit einem Taser zu foltern) nicht wahr haben wollen.

Bitter ist weiterhin in der Tat, wie die Studierenden teilnahmslos daneben stehen, während ihr Kommilitone derart misshandelt wird. Dieses Problem von mangelnder Zivilcourage ist aber natürlich kein rein us-amerikanisches, wie Robert dann ja auch betont. Zu berücksichtigen ist auch, dass es sich bei den Gewaltausübenden um „Autoritätspersonen“ handelte, was Umstehende i.d.R. noch stärker hemmt beherzt einzugreifen.

An der FU regte sich vor kurzem auch kein Widerstand (zumindest kein unmittelbarer), als ein Dozent zusammen mit zwei Polizeibeamten einen Studenten aus einer Lehrveranstaltung holte. Allerdings gab es hier auch keinen angedrohten oder vollgezogenen Gewalteinsatz.

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