Open-Source-Anwälte schrecken Blackboard Inc. auf

Wie berichtet versucht Blackboard Inc., Hersteller der auch an der FU eingesetzten „Blackboard Academic Suite“, seine Konkurrenzen mit dem Anspruch auf ein E-Learning-Patent aus dem Verkehr zu ziehen. Das von Blackboard Inc. gehaltene Patent umschreibt so fundamentale Funktionen eines Learning Management Systems (LMS), das es Blackboard Inc. de facto zum Monopolisten auf dem LMS-Markt machen würde.

Nach Angaben von heise open, ist es Open-Source-Anwälten der Software Freedom Law Center (SFLC) nun zumindest gelungen, das US-Patentamt zur Überprüfung des besagten Patents zu bewegen. Blackboard Inc. ruderte daraufhin erst mal zurück und veröffentlichte ein „Patent Pledge“ („Patent-Gelöbnis“):

„Mit einem ‚Patent Pledge‘ (‚Patent-Gelöbnis‘) sagt die Firma zu, niemals Ansprüche aus bereits zugeteilten oder erst beantragten US-Patenten oder ihren Versionen in anderen Ländern gegen Open-Source-Software oder von Bildungsinstitutionen selbst entwickelte E-Learning- oder Kursmanagement-Software geltend zu machen.“ (heise open 02.02.07)

Mit anderen Worten, Blackboard Inc. gibt sich großzügig und postuliert andere Learning Management Systeme zukünftig zu tolerieren, denkt aber gar nicht daran, das Patent aufzugeben. Die SFLC-Anwälte halten das Patent nach wie vor für ungültig und versuchen weiterhin es zu kippen.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

2 Antworten to “Open-Source-Anwälte schrecken Blackboard Inc. auf”

  1. Torsten Says:

    Zwei Hinweise:
    – In Europa gibt es zum Glück (noch) keine Software-Ideen-Patente und diesbzgl. Rechtsstreitigkeiten in den USA haben hier keine Auswirkung.

    – In diesem Blog wird oft von sog. Open Source geredet. Ein prominenter Mitbegründer dieser Trademark ist mittlerweile der Überzeugung, dass man wieder den älteren Begriff der freien Software benutzen sollte: http://lists.debian.org/debian-devel/1999/02/msg01641.html

    Bei freier Software geht es um Freiheit und nicht nur darum, dass man den Quellcode einsehen kann!

  2. Niklas Says:

    || In Europa gibt es zum Glück (noch) keine Software-Ideen-
    || Patente und diesbzgl. Rechtsstreitigkeiten in den USA
    || haben hier keine Auswirkung.

    Dazu noch mal zwei Absätze aus dem ursprünglich Post (auf den der hier aufbaut):

    „Für Stephan ergibt sich daraus ein möglicher Vorteil für die FU, die mit der Wahl der Blackboard Academic Suite als LMS-Softwarelösung auf der sicheren Seite steht, sollte sich Blackboard Inc. in diesem in den USA erbittert geführt Patent-Rechtsstreit tatsächlich durchsetzen. Gleichzeitig führt er aber an, dass ein solches Softwarepatent nach geltender Rechtslage in Europa kaum Bestand haben dürfte (der Vorstoß in der EU eine Richtlinie zur Patentierbarkeit von ‚computerimplementierter Erfindungen‘ durchzusetzen, scheiterte vorerst im Juli 2005; siehe Wikipedia).

    Da Softwarepatente mehr als umstritten sind und es zurecht eine internationale Bewegung gegen ihre Einführung / Beibehaltung gibt, ist das für mich – normativ – eher ein klares Argument gegen die Verwendung von Blackboard als LMS, da die Blackboard Inc. eine solche äußerst fragwürdige Pro-Softwarepatent- Geschäftspolitik betreibt.“

    Das Argument ist also ein normatives, selbst wenn sich die Patentstreitigkeiten (noch) auf die USA beschränken, ist die Geschäftspolitik der Blackboard Inc. dort doch sehr fragwürdig.

    Nur weil Coca Cola in Deutschland anders als in Kolumbien nicht an Menschenrechtsverletzungen beteiligt ist, bedeutet dies doch nicht, dass man Coca Cola nicht auch in Deutschland boykottieren sollte. Okay, der Vergleich hinkt, aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will.

    || In diesem Blog wird oft von sog. Open Source geredet. Ein
    || prominenter Mitbegründer dieser Trademark ist mittlerweile
    || der Überzeugung, dass man wieder den älteren Begriff der
    || freien Software benutzen sollte.

    Ja, die synonyme Verwendung von „OpenSource Software“ für „Freie Software“ ist natürlich nicht richtig, besser ist in der Tat „Freie Software“.

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