Wozu ein FU-eigenes Blogging-System?

In der Diskussionsrunde mit Dr. Apostolopoulos ging es am vergangenen Donnerstag auch um die Frage, ob die FU wirklich ein eigenes Blogging System braucht. Der CeDiS-Mitarbeiter Bruce Spear beantwortete die Frage warum die FU überhaupt Blogging Services anbieten sollte im letzten Sommer in seinem Blog wie folgt:

„The idea for implementing blogging came first in the context of discussions over the limits of Blackboard’s communications features: that integrating blogging in Bb would give students more communications opportunities than they currently have. Shortly thereafter, blogging appeared to make sense for integration in the student portal, too, as we are developing a multi-levelled approach, which may well appear in the manner of tabs, from top-down, including, a centralized calendar, announcements and information from the FB and programs, Bb integration, and on down to student groups: for students, we need a way to make it VERY EASY to write comments, collect them, and create channels for them, and blogging is one of the fastest and most popular ways people are posting things to the web: anyone can set up a blog in minutes, creating an rss feed is simple, and with that feed a connection can be made on the portal.“ (Bruce Spear: „Why should the FU offer bloging services?“, 10.08.06)

Unbestritten wird ein Blogging-Service innerhalb von Blackboard die Kommunikationsmöglichkeiten für Studierende erweitern. Die interessantere Frage ist jedoch, ob die Studierenden diese Möglichkeiten dann auch nutzen werden.

Meine persönlichen (und nicht nur meine), langjährigen Semestererfahrungen haben mir immer vor Augen geführt, dass nur ein kleiner Bruchteil meiner KommilitonInnen bereit ist sich im Kontext einer Lehrveranstaltung intensiver mit der Nutzung von virtuellen Möglichkeiten (Wikis, Blogs, Forensysteme, Chatrooms etc.) auseinanderzusetzen. Und CeDiS hat in der Vergangenheit mit dem Blackboard ja ganz ähnliche Erfahrungen gemacht, denn nur ein Bruchteil der bereitgestellten Funktionen des System wird von Studierenden und Dozierenden tatsächlich genutzt. Ob das nun wirklich automatisch dadurch besser wird, dass man die Kommunikationsmöglichkeiten durch ein integriertes Blogging-Service noch mal erweitert?

Ronnys Argument (und sicherlich nicht nur seines) ist, man müsse das System ja erstmal einführen, um es den Studierenden überhaupt „schmackhaft“ machen zu können. Mein Gegenargument ist, dass die Praxis in der Vergangenheit gezeigt hat, dass das so offenbar nicht funktioniert. Daher mein Gegenvorschlag, zunächst gründlich zu evaluieren, inwiefern in der Studentenschaft wirklich ein Bedarf nach einem Blogging-Service besteht. Diesen Schritt spart sich CeDiS freilich, Blogging ist neben anderen Web 2.0 Feataures das „In“-Ding schlecht hin, also wird es einfach eingeführt.

Innerhalb der Diskussionsrunde am letzten Donnerstag kam dann auch das Argument auf, Dozierende die für ihre Lehrveranstaltungen unbedingt Features wie einen Blogging-Service anbieten wollen, könnten sich dazu genauso gut einen externen, kostenlosen Anbieter wie z.B. wordpress.com oder blogger.com suchen. Was braucht es da einen Blogging Service von der FU?

Das zentrale Stichtwort von Dr. Apostolopoulos war daraufhin zunächst Integrität. Diese sei viel höher, wenn das mit der Veranstaltung verbundene Blog-Angebot ebenfalls von der Universität kommen würde. In der Erwiderung wurde dann jedoch darauf hingewiesen, dass das nicht zwangsläufig so sein müsse. Auch kommerzielle Anbieter erlauben es heutzutage ihre Angebote optisch anzupassen, so kann man in ein Blog-Template problemlos das FU-Logo einfügen und wenn der Blog dann zum offiziellen Blog der Lehrveranstaltung erklärt wird, welcher Studierende hätte dann noch ein Problem mit der „Integrität“ des Angebots?

In diesem Punkt tendiere ich allerdings eher zur Position der CeDiS. Eine Universität sollte grundsätzlich sicherstellen können, dass die Studierenden für ihre Lehrveranstaltung nicht auf externe, kommerzielle Web-Angbeote zurückgreifen müssen. Nicht immer, aber oft, sind diese kostenlosen kommerziellen Angebote durch Werbung finanziert und Werbung hat grundsätzlich nichts auf dem Campus verloren, weder real noch virtuell (obwohl wir natürlich wissen, dass das an der FU ohnehin längst nicht mehr die Realität ist, Rost- und Silberlaube sind zugepflastert mit Werbeplakaten). Hinzu kommen andere zentrale Punkte wie die Kontrolle über das System, Datensicherheit und -schutz. Das bei einem externen, kommerziellen Anbieter in jedem Fall sicherzustellen, dürfte schwierig sein.

Dennoch bleibt es aber eine Abwägungsfrage: Ist der Bedarf nach einem Blogging-Service wirklich so groß, dass die FU einen eigenen anbieten sollte? Sind kommerzielle Angebote trotz aller oben aufgelisteten Nachteile nicht vielleicht sogar benutzerfreundlicher? Wenn sich nur eine „Handvoll“ von Studierenden und Dozierenden wirklich für Web 2.0 Features wie Blogs interessiert, ist das dann schon Legitimation genug die finanziellen Mittel in ein FU-eigenes System zu investieren?

Das zweite Stichtwort von Dr. Apostolopoulos lautete Corporate Identity. Die „moderne Universität“ legt wert darauf, dass sich die Studierende mit ihr identifizieren können (bzw. dass die Uni auch nach außen als einheitlicher Akteur wahrgenommen wird). Und das bedeutet eben nicht nur, dass die Studis mit FU-Sweatshirts rumlaufen oder das alle FU-Websites im Zuge eines Corporate Designs optisch gleich aussehen, sondern auch, dass die Kommunikation zwischen den Studierenden über universitäts-eigene Systeme abläuft. Als Beispiele nannte Dr. Apostolopoulos hier US-Universiäten wie Yale oder Stanford, bei denen ein eigener Blogging-Service eben auch als Bestandteil der eigenen Corporate Identity gesehen wird.

An dieser Stelle kommt das Haben-wollen-was-alle-anderen-auch-haben- Syndrom zum tragen. Was die elitäre Ivy League vorführt, muss man natürlich sofort übernehmen. In diesem Kontext ist die Einführung des Blog-Service dann endgültig nur noch Teil eines Hypes, eines Internet-Trends.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den “CeDiS-Blackboard-Komplex” betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

5 Antworten to “Wozu ein FU-eigenes Blogging-System?”

  1. Gralki Says:

    Vielleicht tue ich der cedis ja Unrecht und das, was ich in den folgenden Zeilen schreibe, ist auch ihr Ziel und ich hab es nur noch nicht so ganz erkannt.

    Ich fände es großartig, wenn die cedis blogs ebenso anbieten würde wie Twodays, blogger, google oder andere Blog-Anbieter.

    Jeder Angehörige der FU – als Lehrender und als Lernender – könnte sich schnell und ohne bürokratischen Aufwand seinen Blog so einrichten, wie er es bei den anderen Anbietern auch kann.

    Selbstverständlich hat er die Wahl zwischen verschiedenen Designs und Ausstattungsmerkmalen, er kann sich also sein Blog nach seinen Wünschen und Vorstellungen einrichten. Und selbstverständlich kann er sich mit seinem Blog an die Öffentlichkeit wenden, oder ihn nur für eine bestimmte – von ihm definierte – Gruppe öffnen.

    Es gibt keine Bindung an eine bestimmte Lehrveranstaltung, aber jeder Dozent ist frei, zu seiner Veranstaltung auch einen Blog einzurichten. Wenn wirklich Wert auf corporate Design gelegt wird, dann könnten alle Blogs auch mit dem FU-Signet angeboten werden – wie die freien Anbieter es für ihr Unternehmen ja auch tun.

    Das kann alles im Netz beobachtet und studiert werden, und diese Beobachtungen könnten Vorbild für ein entsprechendes Blog-Angebot der FU sein.

    Die gleiche Grundidee lässt sich auch für die Gestaltung von Websites für Lehrveranstaltungen anwenden.

    Die Seiten von “beepworld.de“ sind für mich immer noch ein Vorbild, aber es gibt auch Hunderte anderer Anbieter.

    Ein solches Angebot müsste sicher “akademisiert“ und mit Seriosität und FU-Spezifik ausgestattet werden, denn das beepworld-Angebot richtet sich in erster Linie an Jugendliche.

    Denkbar sind Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Site-Designs, die mit mehr oder weniger “didaktischen“ Elementen ausgestattet sind. Der Nutzer müsste aber frei bleiben , welche Elemente er löschen oder hinzufügen will – z.B. Blogs, Gästebücher, Kalender, Chats usw.

    Das mir vertraute Beepworld-Angebot ist weitgehend intuitiv zu bedienen, es bedarf keines Handbuchs wie Blackboard (über 300 Seiten) und ist auch von Personen mit einer geringen Technikaffinität zugänglich.

    Der passionierte Web-Designer mit HTML-Kenntnissen kann die Seiten allerdings auch vollständig nach eigenen Vorstellungen gestalten.

    Damit ist der Nutzen für die alle Anwender größer als im behäbigen Blackboard. Die Chance neue Nutzer zu gewinnen ebenfalls.

    Ich würde mich ja gar nicht trauen, diese Gedanken hier zu formulieren, würde ich nicht mit einem solchen Verfahren seit vielen Semestern gute Erfahrungen machen. Dies sowohl auf meiner “Zentralseite“ http://www.gralki.beep.de“ als auch auf meiner Vorlesungsseite http://www.benjamin.beep.de.

    Grundlegende Kritik ist von meinen Studenten noch nicht gekommen.

    Es könnte die Aufgabe von cedis sein, eine Reihe von leicht verständlichen “Gebrauchanweisungen“ – als downloads oder Papier-Broschüren – zu veröffentlichen.

    Eine zentralistische Versorgungsmentalität scheint mir ein Grundproblem der cedis zu sein. Das Bedürfnis, alles steuern und vorgeben zu wollen, ist groß und sowohl die didaktische Fantasie der Lehrenden, als auch die Eigenständigkeit der Studierenden wird aus dieser Perspektive als Störfaktor angesehen.

    Eine solche Grundhaltung steht in einem pikanten Gegensatz zu den unendlichen Freiheiten und Möglichkeiten des heutigen Internets.

  2. Andreas Says:

    Tja..also ich sage euch mal meine „Durchschnittsstudentensicht“.
    Ich finde die Idee für jeden einen Blog anzubieten eigentlich total überflüssig.
    Wieviele werden bloggen? Ich denke so 10 Prozent der Studenten, das vielleicht 5 Monate und dann sind es so 2 Prozent. Wofür auch, seine privaten Geschichten kommuniziert man doch nicht über einen FU Blog.
    Und Blogs die sich mit der FU auseinandersetzen, wie dieser hier, die gibt es schon und ich bin sehr froh das es sie gibt aber die haben das auch extern geschafft.
    Ach naja, die Dozenten können ja ihren Blog bekommen auch wenn ich nicht glaube das da viele ihn nutzen werden.
    Was ich mir Webportalmäßig noch von der FU wünsche? Schwierig, ich würde es begrüßen wenn die Professoren Aufnahmen von ihren Vorlesungen machen und die als Audio Datei ins Blackboard stellen so das man sich nicht in Vorlesungen quetschen muss wo man sowieso nur abgelenkt wird. Ok, aber Blackboard gibt es schon und technisch kann man die wahrscheinlich schon heute hochladen, macht nur keiner.
    Und sonst? Ich denke das es ein Kommunikationsportal für Studenten schon gibt was so ziemlich das hat was die Studenten wollen. Nämlich StudiVZ. Das kann man nun in Grund und Boden verdammen wegen dem was da vorgefallen ist und weil sie ein kommerzieller Anbieter sind aber es zeigt doch was Studenten wollen. Die wollen keine Blogs schreiben sondern mit anderen Studenten kommunizieren/flirten/Gruppe bilden, neue Studenten auch aufgrund von Fotos kennenlernen, über Privates berichten. Meinetwegen kann die FU also StudiVZ kopieren, Blackboard belassen und diejenigen die bloggen wollen können das auch so.
    Alles andere denke ich wird sowieso nicht frequentiert werden und würde ich jetzt eher als Geldverschwendung ansehen.

  3. Niklas Says:

    @Gralki:

    || Ich fände es großartig, wenn die cedis blogs ebenso
    || anbieten würde wie Twodays, blogger, google oder
    || andere Blog-Anbieter.

    Ich denke schon, dass sie das vorhaben. Der Blogging-Service wird sicherlich nicht wesentlich besser oder schlechter sein als ein Blogging Service, wie wir ihn heute von Anbietern wie twoday.net oder blogger.com kennen (natürlich gibt es immer einige Unterschiede).

    Man wird hoffentlich verschiedene „Themes“ zur Auswahl haben, um den optischen Auftritt des Blogs variieren zu können.

    Ferner sollte es möglichst viele so genannter „Widgets“ geben, also kleinere, optionale Zusatz-Features wie z.B. einen Spam-Filter (ist nötig falls man im Blog auch ohne sich zu registrieren etwas kommentieren kann) oder z.B. ein Tag-Cloud-Script für das „Tagging“.

    Beim Tagging werden Blog-Einträge mit bestimmten Stichworten „getagged“, die dann anschließend entweder links oder rechts gelistet werden (im FUwatch Blog wird „Kategorien“ als Synonym für „Tags“ verwendet). Um die Übersicht weiter zu erhöhen, können Tags als so genannte „Tag Cloud“ optisch noch „besser“ dargestellt werden – vorausgesetzt man hat ein entsprechendes Widget.

    Schwieriger wird es mit den Zugangsrechten. Dozierende und Studierende loggen sich mit ihrem ZEDAT-Account ins Blackboard ein, wo dann das Blog-System bereitsteht. Vermutlich wird dann jeder Dozierende entscheiden können, ob er das Blog für seine Lehrveranstaltung komplett für alle Internet-Benutzer öffentlich machen will oder nur für Leute die sich zuvor mit einem ZEDAT-Account eingeloggt haben (also alle FU-Zugehörigen) oder nur für den kleineren Kreis seiner KursteilnehmerInnen (die natürlich ebenfalls einen ZEDAT-Account brauchen).

    Bei den Kommentaren ist das sicherlich nicht ganz so einfach. Ich vermute (sic!), man wird einen Blog-Eintrag nur kommentieren können, wenn man einen ZEDAT-Account besitzt. In dem Moment, in dem auch Personen „von außen“ Blog-Einträge kommentieren können, müssten CeDiS/ZEDAT aus rechtlichen Gründen sehr genau und auch zeitnah kontrollieren, was dort geschrieben wurde (gut, das müssen sie bei Studierenden letztlich auch, dort gibt es dann aber keine anonymen (schein-anonymen) Kommentare, das Missbrauchsriskio ist geringer).

    Von Bedeutung ist, für welches der diversen Blog-Systeme sich CeDiS am Ende entschieden hat (das steht inzwischen fest, ich muss es nur noch recherchieren…). Eine Übersicht über die Diskussion zwischen studentischen Bloggern und CeDiS-Mitarbeiterinnen aus dem letzten Sommer zum Thema welches Blogging System am besten ist, findet sich im OSI Wiki.

    Letztlich ist das aber alles eine Anpassungsfrage. Mir geht es dagegen viel grundsätzlicher darum, ob die Anzahl an Studierenden, die ein solches Angebot tatsächlich nutzen werden groß genug ist, um den finanziellen Aufwand ein FU-eigenes Blog-System aufzusetzen zu rechtfertigen. Und in diesem Punkt bin ich skeptisch.

  4. Niklas Says:

    @Andreas:

    || Tja… also ich sage euch mal meine “Durchschnittsstudentensicht”.
    || Ich finde die Idee für jeden einen Blog anzubieten eigentlich total
    || überflüssig. Wieviele werden bloggen? Ich denke so 10 Prozent
    || der Studenten, das vielleicht 5 Monate und dann sind es so 2
    || Prozent. Wofür auch, seine privaten Geschichten kommuniziert
    || man doch nicht über einen FU Blog.

    Primär ist das auch nicht für „private Geschichten“ gedacht, sondern für Lehrveranstaltungen. Tatsächlich werden heute schon Blogs im Kontext von einigen Lehrveranstaltungen eingesetzt. Nur stellt sich hier dann i.d.R. schnell heraus, dass nur ein kleiner Bruchteil der LV-TeilnehmerInnen dieses Angebot wirklich aktiv nutzt.

    Deswegen, ja, ich teile Deine Skepsis – obwohl ich persönlich begeisterter Blogger bin.

  5. Wie CeDiS den neuen Blog von FU-Präsident Dieter Lenzen löschte « FUwatch Says:

    […] bei 1:22 vormittags · Gespeichert unter Hochschulwesen, FU, Software Wie bereits im letzten Semester angekündigt, hat CeDiS inzwischen den Probebetrieb eines eigenen Blog-Systems für die FU aufgenommen. Jeder […]

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