Wie die Entscheidung pro Blackboard zu stande kam

Wie berichtet, war der Leiter des CeDiS, Dr. Apostolopoulos, am Donnerstag zu Gast am IfS, um sich den Fragen der Studierenden bezüglich des E-Learning-Angebots von CeDiS zu stellen. In einer ersten Zusammenfassung wurde anhand der zentralen Aussagen zunächst das „CeDiS-Prinzip“ skizziert. Im folgenden soll noch einmal etwas detaillierter auf Fragen hinsichtlich der Einführung von Blackboard im September 2004 eingegangen werden, die in der Zusammenfassung zunächst außen vor geblieben waren.

Mangelnde Transparenz bei der Entscheidung für das Blackboard System

Bevor CeDiS im September 2004 Blackboard als offizielles LMS der FU einführte, testete man auch alternative Learning Management Systeme. Die CeDiS-Studie die letztlich zur Entscheidung für das proprietäre Blackboard und gegen OpenSource-Alternativen wie Moodle führte, wurde bis heute nicht auf der CeDiS-Website veröffentlicht. Warum eigentlich nicht?

Grundlage der Entscheidung war ein sehr umfassender Fragenkatalog mit gut 140 Fragen. Nach der Auswertung entschied sich ein eingesetztes Lenkungsgremium für Blackboard. Prinzipiell steht einer Veröffentlichung des Fragekatalogs und des Abschlussberichts auf der CeDiS-Website nichts im Wege. Allerdings sieht Dr. Apostolopoulos hier die Gefahr, das Papier könnte „missverstanden werden“. Seine Sorge ist, dass Kritiker das Papier bis ins Detail auseinandernehmen und sich dann an irgend einer Kleinigkeit hochziehen. Besser finde er es daher, wie jetzt den Vorgang einem Auditorium mündlich zu erläutern (dazu weiter unten mehr).

Ingesamt also ein ziemliches Herumgeeiere: Prinzipiell könne man die für den Entscheidungsprozess relevanten Dokumente natürlich online stellen, aber wohl sei einem dabei nicht, da das Material so umfassend sei und eventuell fehlinterpretiert werden könne.

Entweder der Entscheidungsprozess für das Blackboard System und gegen seine Konkurrenten verlief sauber, dann sollte er für Dritte anhand der Dokumente auch problemlos nachvollziehbar sein, oder aber, er verlief nicht ganz so sauber. Nur im letzten Fall hätte man eigentlich einen plausiblen Grund, die Dokumente zurückzuhalten.

Blackboard und seine Alternativen

Wäre es wegen der anfallenden Lizenzkosten langfristig nicht besser gewesen auf ein OpenSource LMS zu setzen? Immerhin fährt die HU Berlin mit Moodle als offiziellem LMS offenbar auch ganz gut.

Nach Angaben von Dr. Apostolopoulos gab es damals (im Mai 2004) keine wirklichen Alternativen zu Blackboard. Das ebenfalls proprietäre (und später von Blackboard geschluckte) WebCT sei noch ein „Baby System“ gewesen (ausgenommen die von Dr. Gralki präferierte „Spezialvariante“, die damals schon irgendwo in der Schweiz eingesetzt wurde). Auch Moodle als OpenSource-Alternative sei bei weitem noch nicht soweit gewesen, in einer Produktivumgebung eingesetzt werden zu können. Über das von der Uni Köln entwickelte ebenfalls offene System ILIAS sagte Dr. Apostolopoulos sinngemäß, man höre nicht mehr viel von ihm und es sei heute hinsichtlich seiner Verbreitung offenbar in der Defensive.

Keineswegs sei man bei CeDiS per se gegen OpenSource-Software. Es sei jedoch nicht bewiesen, dass OpenSource wirklich günstiger sei. Seine These sei viel mehr, dass bei einem OpenSource-System mehr Personal benötigt würde. Und dennoch: Würde man dieselbe Entscheidung heute noch mal fällen, wäre es durchaus denkbar, dass man zu einem anderen Ergebnis kommt. Nur damals, 2004, hätte sich keine wirkliche Alternative zu Blackboard aufgetan. Der „historische Kontext“ in dem die Entscheidung gefallen ist, wurde von Dr. Apostolopoulos also stark betont.

Grundsätzliches Ziel war es ein einheitliches LMS für die gesamte FU zu schaffen. Blackboard hätte sich hier nicht zuletzt wegen seiner leichten Zugänglichkeit angeboten. Innerhalb von 2 Stunden sei es möglich gewesen Dozierende zu überzeugen, das System auszuprobieren. Was insbesondere in der Testphase von entscheidener Bedeutung war.

Ob Blackboard 2004 wirklich so alternativlos war, lässt sich nicht so leicht beurteilen. Man müsste sich sicherlich ansehen, welche anderen Learning Management Systeme 2004 schon irgendwo unter vergleichbaren Bedingungen (sic!) im Produktiveinsatz waren, und wie sie sich da „machten“.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Eine Antwort to “Wie die Entscheidung pro Blackboard zu stande kam”

  1. Überblicksseite zum "CeDiS-Blackboard-Komplex" « FUwatch Says:

    […] 03.02.07: Wie die Entscheidung pro Blackboard zu stande kam […]

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