Das CeDiS-Prinzip

Bei der gestrigen Fragerunde mit dem CeDiS-Leiter Dr. Apostolopoulos verteidigte dieser nachdrücklich die Angebote von CeDiS. Die Veranstaltung war informativ wenngleich an einigen Stellen vielleicht auch etwas bizarr („Hühner mit Kontaktlinsen…“).

Nicht zuletzt der mit aufgeblasenen Backen gemachten Ansage von FUwatch es würde zu einem „High Noon“ kommen war es zu verdanken, dass sich neben Dr. Apostolopoulos mit Kathlen Raith und Stefan Cordes noch zwei CeDiS-MitarbeiterInnen im Seminar einfanden (auch wenn sie nicht viel sagten). Als weiterer Gast wohnte der Veranstaltung auch noch der Leiter des „Compute & Medien Service (CMS)“, Jörg Bechlars von der ZEDAT, bei, um speziell die neue „Account-Poliik“ zu verteidigen (wozu wir aus Zeitgründen aber nicht mehr kamen). Auf studentischer Seite hatte das Säbelrasseln von FUwatch wenig gebracht, die eigentlichen SeminarteilnehmerInnen blieben im wesentlichen unter sich.

Im folgenden die zentralen Positionen und Argumente von Dr. Apostolopoulos.

1) 20-Jahres-Pläne

Der Kritik, dass die von Studierenden und Dozierenden tatsächlich genutzten Blackboard-Funktionen nicht viel mit „E-Learning“ zu tun hätten, entgegnete Dr. Apostolopoulos zweierlei. Erstens reiche die Bereitstellung eines Learning-Management-Systems wie Blackboard natürlich nicht aus, um E-Learning praktizieren können. Zu E-Learning gehöre nun mal mehr. Zweitens würde es einfach noch dauern, bis E-Learning wirklich so praktiziert würde, wie man es sich heute idealtypisch vorstellt. Wie lange genau, kann keiner sagen. Vielleicht 10, 15 oder 20 Jahre.

Eine geschickte Argumentation: Man stellt einen Service bereit und wenn dieser Service nicht oder nur sehr wenig in seiner kompletten Funktionalität genutzt wird, sagt man einfach, es brauche eben noch Zeit, bis sich das ändert. Mit dieser „futuristischen Argumentation“ kann man natürlich so ziemlich alles rechtfertigen.

Das ist ungefähr so, als wenn die Bundesregierung auf die Kritik Hartz-IV würde nicht funktionieren entgegnet, es sei noch viel zu früh das abschließend beurteilen zu können. Selbst unter der Voraussetzung sie hat damit recht (wovon nicht auszugehen ist), kann man keinem Spitzenpolitiker eine solche Argumentation durchgehen lassen. Denn in dem Moment, in dem man den messbaren Erfolg einer Maßnahme an einem nicht näher konkretisierten Zeitpunkt in der Zukunft veranschlagt, entfällt jegliche Möglichkeit über den tatsächlichen Nutzen der Maßnahme eine Aussage treffen zu können.

2) Wir handeln nur, wenn wir dazu aufgefordert werden

Dr. Apostolopoulos betonte, dass CeDiS nicht einfach von sich heraus irgendwelche Neuerungen beschließt. Es würden zunächst Personen an CeDiS herantreten (dezentral, also unabhängig voneinander aus verschiedenen Fachbereichen) und Anforderungen stellen. Namentlich genannt wurde z.B. „die Publizisten“ (konkret einige ProfessorInnen), die dann eben einen FU-eigenen Blogservice fordern. Also macht sich CeDiS daran, einen solchen Blog-Service ins Studierendenportal (bzw. Blackboard) zu integrieren.

Nur auf der empirischen Grundlage von was eigentlich? Es reicht also, wenn einige Dozierende aus einigen Fachbereichen auf CeDiS zukommen? Keine Erhebungen, inwiefern deren Forderungen repräsentativ für den Rest der Uni sind? Und selbst wenn, wer sagt, dass das was die Dozierenden wollen auch von den Studierenden angenommen wird? Aber dazu kommen wir noch.

Um sicherzustellen, die Web 2.0 Features nicht am Bedarf vorbei zu planen, gab es wie berichtet eine Umfrage, bei der Studierende Auskunft geben sollten, was für Features sie sich für das Studierendenportal wünschen (bzw. was für Webangebote sie in ihrem Alltag bereits nutzen). Doch noch bevor das Ergebnis dieser Umfrage feststeht (in ungefähr einer Woche soll es soweit sein), sind einige Features längst beschlossene Sache. Der Blog-Testbetrieb startet am 1. März, das Wiki-System kommt voraussichtlich im Sommersemester und CeDiS-Mitarbeiter Thomas Hüsing steht vor der Vollendung der Blackbird-Implementierung (das ist das RSS-Feature).

Hier kann also keine Rede davon sein, dass sich die Features daran orientieren, was die Studierenden in der Umfrage für Wünsche geäußert haben (was repräsentativ gefordert wird). Begründet wurde dies damit, dass das Wiki- und Blog-System als Zitat „unbedingt nötig“ erachtet wurde und daher auf jeden Fall eingeführt wird. Trotzdem bleibt hier natürlich der fahle Geschmack zurück, diese Studierenden-Umfrage hatte eine reine Alibi-Funktion, um nach außen besser suggerieren zu können, man lege wert darauf, was die Studierenden wollen.

3) Wir stellen die Technik, für die Didaktik sind wir nicht zuständig

Dr. Apostolopoulos führte weiter an, CeDiS verstehe sich als ein Dienstleister, der die technische Infrastruktur bereitstellt, die dann ein E-Learning an der FU ermöglicht. Für die Integrierung der Angebote in die Lehre sei man aber nicht verantwortlich. Schließlich sei es jedem Dozierenden selbst überlassen, ob er die Serviceleistung von CeDiS nutzen möchte oder nicht.

Wenn also ein Angebot von CeDiS nicht angenommen wird, weil Studierende und/oder Lehrende einfach zu unflexibel im Umgang mit den neuen Techniken und Medien sind, ist das nicht das Problem von CeDiS. So nach dem Motto: Ich stelle dir einen schönen Sportwagen vor die Tür und wenn du nicht mit ihm fahren willst, ändert das auch nichts daran, das er schön ist. Herrlich.

4) Zusammenfassung des CeDiS-Prinzips

Riskieren wir anhand des einzuführenden Blog-Systems abschließend noch mal einen Blick in die Zukunft, um exemplarisch zu verdeutlichen wie die hier dargelegte CeDiS-eigene Logik funktioniert:

  1. Es treten einige ProfessorInnen aus verschiedenen Fachbereichen an CeDiS heran und betonen die Notwendigkeit eines FU-eigenen Blog-Systems.
  2. CeDiS handelt und beschließt die Implementierung eines Blog-Systems ins neue Studierendenportal.
  3. Man inszeniert eine Placebo-Umfrage, um zu klären, welche Nebenfeatures außer den bereits beschlossenen Hauptfeatures (darunter auch das Blog-System) ins Studierendenportal kommen sollen.
  4. Die Blog-Funktion wird den Studierenden präsentiert, die FU-Pressestelle gibt eine Pressemitteilung heraus die das neue Blog-System als kolossale Errungenschaft preist.
  5. Die Blog-Funktion wird nur zaghaft angenommen, nur ein Bruchteil der Studierenden findet Zeit und Nerv regelmässigen zu bloggen. Einige Dozierende versuchen begeistert die Blogs für ihre Lehrveranstaltung zu nutzen, doch die Studierende halten sich was die virtuelle Kommunikation angeht zurück.
  6. CeDiS erklärt, dass 1) es noch ungefähr vielleicht eventuell fünf Jahre dauern wird, bis das Blog-System wirklich von einer relevanten Anzahl an Studierenden genutzt wird und dass man 2) ja auch nichts dafür könne, dass die Studierenden (und auch viele Dozierende) so unflexibel auf die Neuerungen reagieren; dafür sei man nicht verantwortlich.
  7. Das nächste CeDiS-Projekt wird in Angriff genommen.

Hach, CeDiS-Mitarbeiter müsste man sein…

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

12 Antworten to “Das CeDiS-Prinzip”

  1. Thomas Says:

    Fragen eines uninformierten Interessierten:

    Welche datenschutztechnischen Bedenken bestehen denn konkret in Hinblick auf die Zusammenlegung von Zedat-Accounts und Blackboard?

    Und was genau ist denn nun die Kritik an der CeDiS?

  2. LHG News-Blog » Blog Archiv » CeDiS-Fortschritte Says:

    […] verfolgt und kritisiert auf FUWatch die Erweiterung und Zusammenführung der Online-Angebote der FU. Ich […]

  3. Apostolopoulos Says:

    Ich bin mit Freude zu dieser Veranstaltung gegangen, weil ich von einem sachlichen Dialog überzeugt bin und ganz CeDiS diesen mit den Lehrenden und den Lernenden gerne führt. Dieser Bericht verdreht (ungeschickt) völlig das Ergebnis der Diskussion. Die Schlussfolgenrungen und Kommentare des Autors Niklas sind in jeder Hinsicht unseriös.

    Fragen und Kommentare anderer Kommilitoninnen und Kommilitonen während der gestrigen Fragestunde haben mich überzeugt, dass es sich lohnt, trotz mancher Polemiker den Dialog mit den Studierenden zu suchen und zu intensivieren.

    Apostolopoulos

  4. Niklas Says:

    || Welche datenschutztechnischen Bedenken bestehen denn
    || konkret in Hinblick auf die Zusammenlegung von Zedat-
    || Accounts und Blackboard?

    Diese datenschutztechnischen Bedenken habe ich versucht in einem vorhergehenden Eintrag etwas ausführlicher darzulegen. Die potentiellen Missbrauchsmöglichkeiten steigen einfach, wenn man über eine zentrale Datenbank an alle Infos kommen kann (die Datenakkumulation ist demgegenüber schwieriger, wenn die Daten über verschiedene voneinander unabhängige Systeme verteilt sind). Das ist zunächst mal der Grundgedanke.

    Meine persönliche Position ist es nicht, für mich überwiegt der praktische Nutzen der Account-Zusammenführung. Tatsache ist jedoch, dass sich nicht wenige KommilitonInnen deutlich schwieriger damit tun. Insbesondere aufgrund des Verhaltens der FU-Verwaltung in Sachen Datenschutz in der Vergangenheit, ist man da sehr skeptisch. Was konkret mit „Verhalten in der Vergangenheit“ gemeint ist, kann man z.B. bei Gutzmann nachlesen (Gutzmann, David: „Stop_Control“ in: Out of Dahlem, Nr. 6, Winter 06/07, S. 25 (zur Zeit noch nicht online gestellt)).

    || Und was genau ist denn nun die Kritik an der CeDiS?

    Die Kritik ist, dass Neuerungen eingeführt werden ohne das zuvor evaluiert wird (bzw. das nur „schein-evaluiert“ wird), ob für diese in der Studentenschaft überhaupt ein Bedarf besteht. Wenn sich dann anschließend herausstellt, dass die Neurungen nur von einem Bruchteil der Studierenden und Dozierenden angenommen werden, gesteht man sich Defizite nicht ein, sondern verweist wahlweise darauf, dass es einfach noch länger dauert bis die Neuerungen in einem adäquaten Umfang angenommen werden (was eine sehr dehnbare Argumentation ist) oder dass man auch nichts dafür könne, wenn die Zielgruppe sich so schwer mit der Annahme der Neuerungen anstellt. So war es beim Blackboard und die Geschichte scheint sich im Moment beim Studierendenportal zu wiederholen.

    Hintergrund ist, dass alle diese „Innovation“ natürlich auch einen Kostenfaktor darstellen. Und wenn es auf der einen Seite immer heißt, „Wir haben kein Geld, führen wir doch Studiengebühren ein“, dann sollte man sich auf der anderen Seite vielleicht auch mal ansehen, für was die FU eigentlich so alles Geld ausgibt.

    Klar, ich find es prima, wenn die FU einen eigenen Blog- und Wiki-Service anbietet. Relevant ist aber, ob das auch für die Mehrheit der Studierenden zutrifft. Und wenn es nur auf eine Minderheit zutrifft, sollte der Gedanke legitim sein, ob es überhaupt sinnvoll ist die finanziellen Mittel hineinzupumpen oder ob sie woanders nicht vielleicht besser aufgehoben wären.

  5. Thomas Says:

    > Und wenn es nur auf eine Minderheit zutrifft, sollte der Gedanke
    > legitim sein, ob es überhaupt sinnvoll ist die finanziellen Mittel
    > hineinzupumpen oder ob sie woanders nicht vielleicht besser
    > aufgehoben wären.

    Ist es denn wirklich so, dass CeDis extra dafür Geld kriegt? Oder gibt es vielleicht einen laufenden Etat, aus dem das finanziert wurde?

  6. Niklas Says:

    || Ist es denn wirklich so, dass CeDis extra dafür
    || Geld kriegt? Oder gibt es vielleicht einen laufenden
    || Etat, aus dem das finanziert wurde?

    Selbst wenn es aus einem laufenden Etat bestritten wird, bleibt doch die Frage im Raum, ob man diesen Etat nicht besser nutzen kann. Entweder innerhalb von CeDiS für andere Projekte oder außerhalb von CeDiS (also eine Kürzung / Streichung des Etats bei nächstmöglicher Gelegenheit, um die Mittel dann an eine andere Stelle zu transferieren).

    Obwohl CeDiS den Lehrenden inzwischen ein sehr breites Spektrum an E-Learning-Angeboten offeriert, finden sich diese bis dato nur recht selten im Uni-Alltag wieder, werden also wenig nachgefragt (exemplarisch nachzuvollziehen am Blackboard, von dessen Funktionalität nur ein Bruchteil eingesetzt / gebraucht wird).

    Dies bedeutet, dass es entweder zwar durchaus einen starken Bedarf an mehr E-Learning gibt, es aber Defizite in der Bereitstellung dieser Angebote durch CeDiS gibt. Oder aber, dass der Bedarf schlicht weg nur sehr gering ist, was dann die Frage aufwirft, ob sich die FU mit CeDiS wirklich eine eigenständige E-Learning-Institution leisten sollte.

  7. Katrin Says:

    > Die potentiellen Missbrauchsmöglichkeiten steigen einfach,
    > wenn man über eine zentrale Datenbank an alle Infos kommen kann
    > (die Datenakkumulation ist demgegenüber schwieriger, wenn die Daten
    > über verschiedene voneinander unabhängige Systeme verteilt sind).

    Also, ich habe mich ja noch nach der Gesprächsrunde mit Herrn Jörg Bechlars von der Zedat unterhalten (http://www.zedat.fu-berlin.de/Compute-Medien-Service), der mit grob erklärt hat, um was es bei dieser Zusammenlegung geht. (Ich hoffe, ich habe alles richtig verstanden)

    Es handelt sich NICHT um eine Zusammenlegung der Datenbanken, so bleiben Blackboard (Kurse), ZEDAT (Bsp. Mail), und Campus Management (Noten) weiterhin getrennte Datenbanken, nur die Authentifizierung läuft über die ZEDAT, mit der dann die Daten z.B. bei der Anmeldung in den verschiedenen Systemen abgeglichen wird. Die ZEDAT wiederum bekommt von einer weiteren Stelle (vermutlich irgendwas vom Immatrikulationsbüro) dann die Daten, wer denn überhaupt (noch) Student ist.

    Laut der Seite von Blackboard, über die die Migration von dem Studenten bestätigt werden muss, werden nur Vorname, Nachname, Matrikel-, Personal- bzw. Dozentennummer, Bereich abgefragt, das würde Sinn machen, wenn es sich eben nur um eine Authentifizierung handelt.

    Die richtige Ansprechpartnerin ist übrigens Ingrid Pahlen-Brandt (seit dem1. Juni 1998 Datenschutzbeauftragte der FU Berlin – ohne den FB Humanmedizin), konkrete Fragen könnte sie vermutlich am besten beantworten.

    Wenn ich das richtig sehe, kann man dann zwar mit dem Benutzernamen und dem Passwort eines Studenten dessen gesamte Informationen einsehen, aber wenn man irgendwie Zugriff auf eine der Datenbanken bekommen würde, hätte man nicht gleich alle Informationen. Aber da bin ich keine Expertin.

  8. Niklas Says:

    || Wenn ich das richtig sehe, kann man dann zwar mit
    || dem Benutzernamen und dem Passwort eines Studenten
    || dessen gesamte Informationen einsehen, aber wenn
    || man irgendwie Zugriff auf eine der Datenbanken
    || bekommen würde, hätte man nicht gleich alle Infor-
    || mationen. Aber da bin ich keine Expertin.

    Aber es geht doch gerade um die die personenbezogenen Informationen auf die man dann über den ZEDAT-Account Zugriff hat. Ob es nun eine, drei, vier oder 100 Datenbanken sind, entscheident ist, dass der Zugang zu diesen Datenbanken immer über ein- und denselben Account abläuft.

    Natürlich wird es ein Rechtemanagement geben, welches sicherstellen soll, dass nicht jede Person X mit Zugang zum System auf jede Datenbank Y oder den Datensatz Z des Studierenden A Zugriff hat. Nur die Hürde das zu überwinden ist einfach niedriger (und die „Versuchung“ größer) wenn am Ende alle Datenbanken einen gemeinsamen Knotenpunkt haben, namentlich eben den Zentralaccount, über den man ins System kommt.

    Ausführlicher in einem neuen Blogeintrag.

  9. Victoria Says:

    Ich verstehe nicht ganz, wie genau Eure Kritik am CeDiS lautet. Auch Eure Motivierung zu dieser Kritik wiederum ist für außenstehende nicht eindeutig erkennbar (sie scheint zumindest nicht immer sachlich, sondern eher politisch motiviert. Ist vielleicht nur ein Eindruck, der es Euch wert sein sollte, ihn zu widerlegen:-)!).
    Möglicherweise wäre es hilfreich, wenn Ihr deutlich machen würdet, was Eure Ziele sind, bzw. was Ihr mit Eurer (im Moment, wie ich finde nicht konstruktiven) Kritik erreichen wollt. Was Ihr bis jetzt geleistet habt, ist Argumente oder Statements vom CeDiS lediglich zu widerlegen. Hierzu hätte ich einige Anmerkungen:

    >“Zweitens würde es einfach noch dauern, bis E-Learning wirklich so >praktiziert würde, wie man es sich heute idealtypisch vorstellt.“
    >“Eine geschickte Argumentation: Man stellt einen Service bereit und wenn >dieser Service nicht oder nur sehr wenig in seiner kompletten Funktionalität >genutzt wird, sagt man einfach, es brauche eben noch Zeit, bis sich das >ändert. Mit dieser “futuristischen Argumentation” kann man natürlich so >ziemlich alles rechtfertigen.“

    Mit dieser Kritik an der „futuristischen Argumentation“ bekommt man jegliche Nachhaltigkeit wegargumentiert!
    Stimmt Ihr denn nicht im Prinzip zu, dass e-learning (mindestens im Sinne des blended learning) ein zukunftsfähiges Konzept ist?
    Ist es denn nicht normal bei Neuerungen, die – wie im Fall des e-learning – Jarhunderte alte Strukturen, wie Tafel, Kreide und Buch neuordnen, zunächst ein wenig Zeit brauchen bis sie etabliert sind? Nur weil sie dann in der ersten Phase nicht auf Anhieb von allen angenommen werden, ist diese Innovation hinfällig? Diese Art Eurer Kritik an der „futuristischen Argumentation“ ist für mich noch erläuterungswürdig. Also nur zu!

    > „Die Kritik ist, dass Neuerungen eingeführt werden ohne das zuvor evaluiert wird (bzw. das nur “schein-evaluiert” wird), ob für diese in der Studentenschaft überhaupt ein Bedarf besteht.“

    Hierzu nur kurz: Ist es nicht ironisch, auf einer Seite wie dieser die Notwendigkeit von Blogs oder Wikis anzuzweifeln?! Auch diese Kritik kann ich nicht bis ins letzte nachvollziehen. Auch die Wahl des Aufhängers („Placebo-Umfrage“) Eurer Kritik könnte etwas weniger polemisch gewählt sein. Denn die Kritik an der Umfrage ist eine andere als Eure (vermeintlichen) Zweifel, ob Bedarf an Wikis oder Blogs bei den Studenten besteht! Eine präzise Argumentation kann an dieser Stelle nicht schaden…

    > „Wir stellen die Technik, für die Didaktik sind wir nicht zuständig“, „Schließlich sei es jedem Dozierenden selbst überlassen, ob er die Serviceleistung von CeDiS nutzen möchte oder nicht.“

    Auch hier ist mir Eure Kritik nicht einleuchtend. Ist das nicht das Prinzip eines Angebotes, dass es jeder in dem Maße /Rahmen nutzen kann, wie er es will?
    Hier muss ich noch mal mit der Nachhaltigkeit argumentieren. Mir erscheint es im Prinzip schon sinnvoll, dass die FU in dieser noch frühen Phase der Etablierung des e-learning-Prinzips in der Lehre, Strukturen bereitstellt, die den Dozenten die Möglichkeit geben, an dieser Innovation teilzuhaben. Nur weil es nich alle gleich annehmen ist das Angbot an sich hinfällig?

    Anbei möchte ich noch anmerken, dass die Formulierung der ÜBerschrift dieses Punktes „(…)für die Didaktik sind wir nicht zuständig“ zunächst darauf hindeutet, dass Eure Kritik in die Richtung geht, zu bemängeln, dass CeDiS nicht noch die Gestaltung der Inhalte übernimmt. Dass es sinnvoll ist, dass die Dozenten die Inhalte gestalten und beispielsweise Designer die Gesaltung von Lehrmedien (z.B. im Hinblick auf Usability) übernehmen, wird hier doch nicht bezweifelt, oder?

  10. Niklas Says:

    @Apostolopoulos:

    || Dieser Bericht verdreht (ungeschickt) völlig das
    || Ergebnis der Diskussion.

    Nope, er gibt das Ergebnis ziemlich genau wieder.

  11. Niklas Says:

    @“Victoria“:

    || sie scheint zumindest nicht immer sachlich, sondern
    || eher politisch motiviert.

    Das „politisch“ und „sachlich“ für dich offenbar zwei gegensätzliche, nicht miteinander vereinbaren Eigenschaften sind, ist schon… beeindruckend.

    Bei „sachlich“ und „polemisch“ wäre es noch eher nachvollziehbar, doch selbst hier muss es sich nicht zwangsläufig ausschließen. Polemik ist ein Stilmittel um Reaktionen zu provozieren, um Aufmerksamkeit auf einen bislang wenig beachteten Sachverhalt zu lenken und um Texte aufzulockern. Sachinformationen schließen sich dadurch keineswegs notwendigerweise aus.

    || Stimmt Ihr denn nicht im Prinzip zu, dass e-learning
    || (mindestens im Sinne des blended learning) ein zukunfts-
    || fähiges Konzept ist?

    Schwer zu sagen, aber es spricht sicherlich einiges dafür, dass Blended Learning eine Zukunft hat. Eine andere Frage ist dann jedoch, ob die Mittel die die FU via CeDiS da reinsteckt in einem angemessenen Verhältnis zum erhofften Ergebnis stehen. Immerhin beschäftigt sich CeDiS ja nicht seit gestern mit der E-Learning-Thematik, aber was hat man denn nüchtern betrachtet für Fortschritte erzielt?

    || Ist es denn nicht normal bei Neuerungen, die – wie im
    || Fall des e-learning – Jarhunderte alte Strukturen, wie
    || Tafel, Kreide und Buch neuordnen, zunächst ein wenig
    || Zeit brauchen bis sie etabliert sind?

    Aber wie lange ist „ein wenig Zeit“? Wenn man ein System mit einem so breiten Funktionsspektrum wie Blackboard einführt und nach 3 Jahren werden immer noch nur die Basisfuktionen genutzt, müsste man dann nicht so ehrlich sein und sich eingestehen, dass weniger vielleicht auch gereicht hätte, dass die Zielgruppe vielleicht schlicht weg diese Neurungen nicht will und auch nicht braucht?

    Die Grundthese die dem zugrunde liegt ist natürlich immer, dass sich mensch diesen neuen Techniken unterwirft oder positiver formuliert, dass er sie sich zu eigen macht. Aber das ist halt ein Grundirrtum, dem man bei CeDiS unterliegt. Permanent wird die Bereitschaft der „Masse“ überschätzt, sich mit den neuen Techniken auseinanderzusetzen und sie einzusetzen. Tatsächlich ist es wohl immer nur eine Minderheit, die sich dafür wirklich begeistern kann. Und dann stellt sich die Frage, ob das den Aufwand lohnt, den CeDiS betreibt.

    || Hierzu nur kurz: Ist es nicht ironisch, auf einer Seite
    || wie dieser die Notwendigkeit von Blogs oder Wikis anzu-
    || zweifeln?!

    Ich differenziere zwischen dem was ich persönlich begrüßen würde und dem was die Mehrheit begrüßen würde. Ich bin ein begeisterter Blogger und werde den neuen Blog-Service im Blackboard gerne und ausführlich testen, da mich das interessiert und ich Blogs für eine gute Sache halte.

    Demgegenüber beobachte ich aber auch genau, was für eine Einstellung meine KommilitonInnen zu Blogs und Wikis haben. Selbst wenn sie denen einen positiven Nutzen einräumen, sind sie spätestens dann urplötzlich verschwunden, wenn es daran geht, solche Möglichkeiten auch aktiv im Lehralltag einzusetzen.

    Und da gibt es m.E. Defizite bei den CeDiS-MitarbeiterInnen, zu differenzieren zwischen dem was man selbst als technikaffiner Netizen nutzt und dem was auch die Mehrheit (oder zumindest ein adäquater Anteil) der Studis ansprechen wird.

    || Denn die Kritik an der Umfrage ist eine andere als Eure
    || (vermeintlichen) Zweifel, ob Bedarf an Wikis oder Blogs
    || bei den Studenten besteht! Eine präzise Argumentation
    || kann an dieser Stelle nicht schaden…

    Mit der Umfrage wurde zwar evauliert, was für Web-2.0-Techniken die Studierende bereits in ihrem „Internet-Alltag“ nutzen oder kennen, maßgeblichen Einfluss auf das, was CeDiS dann am Ende einführt, können diese Ergebnisse allerdings nicht haben, wenn wie auch Dr. Apostolopoulos einräumen muss, die Einführung zentraler Features wie die eines Blogs schon längst feststehen.

    „Schein-Evaluation“ oder „Placebo-Evaluation“ trifft das schon ganz gut, weil mit der Evaluation eben nur der Anschein geweckt werden soll, man orientiere sich wirklich daran, was bei den Studierenden für ein Bedarf herrscht. Nachgefragt kommen dann immer Argumente wie „Wir führen Blogs ein, weil Stanford und Yale so etwas auch haben“ oder „Einige Professoren haben einen solchen Dienst nachgefragt“. Das sind wirklich lausige Argumente, die den Eindruck vermitteln, CeDiS führt Blogs letztlich nur deshalb ein, weil man den Eindruck hat, die sein gerade „trendy“.

    || Auch hier ist mir Eure Kritik nicht einleuchtend. Ist das
    || nicht das Prinzip eines Angebotes, dass es jeder in dem
    || Maße /Rahmen nutzen kann, wie er es will?

    Natürlich, aber wenn kaum jemand mein Angebot nutzt, muss ich mich doch als Anbieter fragen, ob etwas nicht mit meinem Angebot stimmt. Aber genau das findet eben bei CeDiS nicht statt. Man führt ohne vorher vernünftig zu evaluieren was gebraucht wird einfach eine Neuerung ein, stellt dann mehr und minder irritiert fest, dass diese nicht bzw. nur schwach genutzt wird, zuckt mit den Schultern und verweist darauf, dass es nun mal jedem selbst überlassen bleibt, ob er das Angebot nutzt oder nicht. Das ist schon verdammt bequem, weil man sich so nie näher mit der Tatsache auseinandersetzen braucht, dass das was man produziert eigentlich kaum jemand will.

  12. Überblicksseite zum "CeDiS-Blackboard-Komplex" « FUwatch Says:

    […] 02.02.07: Das CeDiS-Prinzip […]

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: