Das Wort zum Sonntag

Der arme Rudi, das hat er nun wirklich nicht verdient. Nachdem die taz beschlossen hat, sich für die Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße einzusetzen, hat er nun neben der CDU und der Springer Presse auch noch die Antideutschen von der Redaktion Bahamas an den Hacken.

Dort versucht man Rudi mit Bernd Rabehl in eine Schublade zu stecken, nur weil der in seinem Wahn Dutschke zum Nationalrevolutionär erklärt hat. Zwar betont die Bahahams in ihrem Aufruf, wer am heutigen Wahltag mit „Ja“ stimme (also gegen die Rudi-Dutschke-Straße), der stimme nicht für die CDU, sondern gegen die „Ströbele-Deutschen“ – letztlich liefe ein Sieg der Umbenennungsgegner aber natürlich auf einen Strike für die CDU hinaus.

Rekapitulieren wir kurz. Der Berliner CDU-Landesverband befindet sich in einem desaströsen Zustand (er ist vermutlich der schwächste in der ganzen Republik) und in der BVV von Friedrichshain-Kreuzberg – die die Umbenennung mit klarer Mehrheit beschlossen hat – stellen die Christdemokraten sogar nur eine winzige Splittergruppe (siehe Sitzverteilung). Doch diese hat es immerhin geschafft ihre 5.000 Unterschriften zusammenzubekommen und damit die Hürde zum Bürgerentscheid genommen. Nun sind alle EinwohnerInnen des Bezirks aufgerufen heute darüber abzustimmen, ob die von der BVV beschlossene Umbenennung durchgeführt wird oder der alte Name beibehalten wird.

Die Ausgangslage der CDU ist schwierig, denn viel mehr Anhänger als diese 5.000 wird sie kaum zur „Ja“-Stimme bewegen können. Umso größer wäre aber natürlich der Erfolg, wenn sie sich trotzdem durchsetzen würde. Es wäre nicht nur für den stark linksalternativ dominierten Bezirk eine unglaubliche Schmach, sondern für jeden in Berlin der sich als links versteht. Insbesondere die in Xberg und Fhain stark vertretenen linken Studierenden müssten sich dann die Frage stellen, wie sie es eigentlich schaffen wollen größere Aufgaben wie etwa die Verhinderung der Einführung von Studiengebühren rhetorisch und organisatorisch zu bewältigen, wenn sie es nicht mal schaffen reaktionären Elementen vor der eigenen Tür Einhalt zu gebieten.

Rudi Dutschke hat als zentrale Ikone der 68er-Bewegung genug bewegt, dass man ihm eine eigene Straße zugestehen kann. Vielleicht wäre eine andere Straße besser geeignet und ja, natürlich nervt die Verklärung von Dutschkes Person durch die taz. Aber inzwischen, nach mehr als zwei Jahren Dauerkampf um die Unbennung, geht es doch längst um mehr als nur um die Frage, ob der östliche Teil der Kochstraße demnächst Rudi-Dutschke-Straße heißt oder nicht.

In Zeiten in denen konservative Autoren den Werteverfall proklamieren und daraus die Notwendigkeit einer neuen bürgerlichen Gesellschaft ableiten, in Zeiten in denen intellektuelle Hinterbänkler in Joachim Fests postumen Windschatten mit absurden Vorwürfen im Cicero versuchen Habermas zu demontieren (als gäbe es gegen Habermas nichts besseres einzuwenden als „Vielleicht eventuell hat er damals diesen Zettel aufgefressen“), usw. usf., wäre es doch ein veheerendes Signal, wenn es jetzt sogar schon einer konservativen Minderheit gelingt eine linke Trutzburg wie Kreuzberg in die Knie zu zwingen.

Es mag sein, dass es AnwohnerInnen und Axel Springer AG später noch gelingt, die Umbenennung juristisch zu unterbinden. Nur dann wird man wenigstens festhalten können, dass sie es politisch nicht konnten, dass ihre Position in Friedrichshain-Kreuzberg nicht mehrheitsfähig war.

Also, liebe Kreuzberger KommilitonInnen, müht euch doch heute rechtzeitig aus dem Bett und wählt mit „Nein“ für die Rudi-Dutschke-Straße. Selbst die Kaltschnäuzigsten unter euch können doch nicht ernsthaft wollen, dass diese Melange aus antideutschen Sektiereren, Christdemokraten und Springer Presse heute einen Sieg davon trägt.

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