Tarnlisten, Gogo-Tänzerinnen und das A-Team

Wie die taz in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, scheint sich an der FU kein „Rechtsruck“ wie unlängst an der TU abzuzeichnen. Gut, das kann niemand wirklich überraschen. Und auch die Tarnlisten sind beileibe kein neues Phänomen, was die taz aber natürlich nicht hindert sich der Problematik anzunehmen:

„… Auf einen politischen Umschwung deutet das aber nicht hin, sagt Janina Alfen, Vorsitzende des studentischen Wahlvorstands. ‚Die FU ist und bleibt links. Die Konservativen kriegen hier keinen Fuß auf den Boden.‘ Der RCDS sei bedeutungslos. Sorgen machen dem Wahlvorstand aber Tarnlisten. Hinter vermeintlich sachorientierten Initiativen steckten in Wahrheit Burschenschaftler und CDU-Mitglieder, sagt Annette Heppel. Sie würden ihre wahren Absichten verschleiern, um an die Stimmen uninformierter Wähler zu kommen.“ (taz, 18.01.07)

Im Prinzip bräuchte man in den Berliner Zeitungsredaktionen einfach nur den Artikel vom Vorjahr rauskramen und wiederveröffentlichen, merkt ohnehin keiner, weil das Prozedere ja immer das gleiche ist. Erwähnung findet diesmal allerdings auch der Blog der „Initiative mündige Wähler/innen“ (freilich ohne dass es die taz mal schafft, die URL mit abzudrucken), auf dem es dieses Jahr allerdings deutlich weniger zu lesen gibt, als im letzten.

Nur einen Eintrag hat die Initiative zur Wahl gepostet und darin findet neben dem RCDS auch eine Gruppe Erwähnung, die sich „jur.a“ nennt und nach Angaben der Initiative sogar einen eigenen Wahlwerbespot produziert hat.

In dem Spot werden die jüngsten Skandale am FB Rechtswissenschaften aufgezählt wie z.B. „Das erste mal seit 20 Jahren keine Fachbereichsparty!“ oder „Keine regelmässigen Sportveranstaltungen!“. Offenbar scheint es der FU-Juristerei ja noch verhältnismäßig gut zu gehen, wenn sie sich mit solchen Pseudo-Problemen rumschlägt. Diese müssen natürlich gelöst werden. Es folgt weiter die Inszenierung einer Party-und-Proll-Kultur mit „Stammtisch“, „Lounge“, „Weihnachtsmarkt-Bummel“ und Gogo-Tänzerinnen auf einer FB-Party (so suggeriert es zumindest das Video). In einem zweiten Spot spielt die jur.a Gruppe dann ein bisschen A-Team.

In Sachen Mediennutzung können sich asta-tragende Listen, FSR-Gegnerschaft, Initiative mündige Wähler/innen, etc. eine Scheibe von der jur.a Gruppe abschneiden. Auch wenn hier inhaltlich natürlich fraglich, erscheint die Erstellung eines kleinen Wahlwerbespots den man dann bei YouTube reinstellt grundsätzlich zeitgemäß. Zumindest von der PARTEI als Tarnliste ganz anderer Art, hätte man erwarten können, dass sie ein unterhaltsames Satire-Video produziert.

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2 Antworten to “Tarnlisten, Gogo-Tänzerinnen und das A-Team”

  1. Mensch Meier Says:

    Die besagte Liste Jur.a tritt auch zu den StuPa Wahlen an hier nennt sie sich allerdings „Liste gegen Studiengebühren“ (Liste 31). Das bundesweite Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) fordert die Liste inzwischen auf den Internet-Wahlkampf mit dem Referenz-Link des ABS zu stoppen. Hier der Brief des ABS:


    Hallo „Liste gegen Studiengebühren“

    das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren ist ein breites gesellschaftliches Bündnis, das sich aus sozial-, gesellschafts- und bildungspolitischen Gründen gegen die Einführung von Studiengebühren engagiert. Wir sind überparteilich organisiert und betreiben Lobbyarbeit in Bund und Ländern mit dem Ziel, die Erhebung allgemeiner Studiengebühren – über Demonstration, Klagen und Boykotte – zu verhindern. Aus diesen Gründen der Überparteilichkeit ist uns die Bewerbung einzelner Parteien oder Listen untersagt.

    Sie führen z.Zt. Wahlkampf an der FU Berlin. Im StudiVZ geben sie unserer Berliner Homepage als Referenz für ihre Liste an.

    Dies ist nicht nur irreführend, sondern eine bewusste Täuschung potentieller WählerInnen nicht nur, weil sie die HP des ABS Berlin als die ihre bezeichnen, sondern, was schwerer wiegt, weil die von ihrer Liste vertretenen Positionen mit den Grundsätzen des ABS (‚Hattinger Erklärung’, siehe http://www.abs-bund.de) nicht vereinbar sind.

    Wir bitten sie, dies schnellstmöglich, d.h. bis zum 17.01, zu unterlassen, andererseits sähen wir uns gezwungen, die Unterlassung auch gerichtlich durchzusetzen,

    für Rückfragen stehe ich jederzeit zur Verfügung,

    mit freundlichen Grüßen,

    Fredrik Dehnerdt
    Geschäftsführer Aktionsbündnis gegen Studiengebühren

  2. Niklas Says:

    || Die besagte Liste Jur.a tritt auch zu den StuPa Wahlen an hier
    || nennt sie sich allerdings “Liste gegen Studiengebühren” (Liste 31)

    Ja, wegen eben diesem Listennamen ist die jur.a-Gruppe ja überhaupt erst ins Visier der „Initiative mündige Wähler/innen“ geraten, denn, so das Argument, die Gruppe hat anders als ihr Name suggeriert offensichtlich nicht viel mit dem Kampf gegen Studiengebühren zu tun. Der von Dir zitierte Brief des ABS stützt diese Ansicht jetzt natürlich zusätzlich.

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