Zweite Ausgabe der OSI-Zeitung gelungen

Nachdem die erste Ausgabe der OSI-Zeitung etwas zahnlos daher kam, bringt die bereits im Dezember erschienene zweite Ausgabe deutlich mehr Biss mit.

Eigentlich sollte hier auch schon früher eine Kritik erscheinen, nur ließ sich einfach nie eine Ausgabe am OSI auftreiben. Und während die erste Ausgabe auf einem informellen Weg immerhin noch als pdf-Datei ins Netz gestellt wurde, gibt es von der zweiten Ausgabe gar keine Online-Version. Was auch der erste Kritikpunkt wäre: Auch mit der zweiten Ausgabe hat es die Redaktion nicht geschafft, eine Online-Präsenz ins Netz zu stellen. Dabei wäre es ungleich bequemer die Artikel online lesen zu können.

Der erste Artikel der einen im Inhaltsverzeichnis anspringt, ist der von Gerrit über die Kritik(un)fähigkeit der Linken. Natürlich bringt die Geschichte über die beiden FSIler „Anna“ und „Arthur“ erstmal keinen neuen Erkenntnisgewinn, das paradoxe Verhaltensmuster der äußersten Linken Herrschaftskritik üben zu wollen und dabei selbst „Herrschaft im Dialog“ auszuüben, ist bekannt. Und ob neben „Arroganz“ auch „Angst“ ein Schlüsselbegriff ist, ist natürlich diskussionswürdig („Arroganz und Wahn“ trifft es vielleicht eher).

Andererseits ist es ja die terrierhafte Bissigkeit wie sie unter anderem der FSI oft zu eigen ist, die man manchmal in den OSI-Zeitungs-Artikeln so schmerzlich vermisst. Und gerade hier liegt die Stärke von Gerrits Artikel, da er eben leistet, was in der ersten OZ Ausgabe noch an vielen Ecken fehlte: Missstände klar benennen und gegen sie anstinken, auch mal riskieren vielleicht polarisierend zu wirken. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass „Anna“, „Arthur“ und Gleichgesinnte noch mal zum Umdenken gelangen (na ja, in 30 Jahren vielleicht), dennoch sollten Aus- und Abgrenzungsmechanismen wie Gerrit sie aufgreift zur Sprache gebracht werden.

Auch im „Für und Wider“, der einen Pro FSR Artikel von Florian (LHG) und einen Contra FSR Artikel von den FSIen bringt, schneiden die FSIen nicht besonders gut ab. Der Einwand, dass der FSR mehr eine Art Alibi-Gremium ist, das de facto keinen Einfluss auf Entscheidungen am Fachbereich hat, ist ja richtig. Nur dann muss eben die Grundlage verändert werden. Überhaupt erst mal einen FSR zu haben, könnte der erste Schritt sein. Die größte Schwäche in der Argumentation der FSIen besteht darin, dass sie offenbar dem Vorwurf nichts entgegenzusetzen haben, sie sein primär nur deswegen gegen den FSR, weil dieser ihren Alleinvertretungsanspruch der Studentenschaft am FB in Frage stellen und damit letztlich zur Schwächung ihrer Position führen würde.

Ihr Demokratieverständnis beschreiben die FSIen wie folgt: „Sie [die FSIen] sind der Auffassung, dass Studierende ihre Interessen am besten selbst vertreten können und sollten. Da dies in den seltensten Fällen inidividuell realisierbar ist, organisieren sich Studierende in basisdemokratischen Initiativen. Als solche verstehen sich die FSIen am Fachbereich“ (S. 15). Und wie das dann bei den „basisdemokratischen Initiativen“ abläuft, kann man ganz gut in Gerrits oben schon erwähnten Artikel nachlesen.

In der Titelgeschichte nehmen sich Gerrit und Marcel der Exzellenzinitiative am OSI an und stellen dem Hype um die „hochfliegenden Forschungspläne“ die nüchterne Realität in der Lehre am OSI entgegen. In einem allgemeineren Artikel zur Exzellenzinitiative betonen Alina und Till wie die Geistes- und Sozialwissenschaften hinter den Naturwissenschaften zurückstecken mussten (was ja angeblich bei der zweiten Runde nicht mehr der Fall gewesen sein soll, auch das müsste man sich mal genauer ansehen). Dem Gewäsch von Bildungsministerin Schavan werden die Statements des Eliteforschers Hartmann entgegengestellt. Beide Artikel bringen das nötige Maß an Kritik mit und sind informativ.

Wie vorgeschlagen gibt es diesmal auch einen Artikel über die „Listenclowns“. Zwar handelt es sich nicht direkt um ein Interview, die Beweggründe der Akteure und der Ablauf ihrer Aktionen werden jedoch solide dokumentiert. Auch die fast schon hysterischen Reaktionen von Prof. Hesse kommen zur Sprache. In einem weiteren, kurzen Artikel zum Thema Anwesenheitslisten steht dagegen Prof. Brühl im Zentrum. Auch sie tat sich offenbar etwas schwer und bedurfte einiger „Hilfestellungen“ durch Studierende. Von solchen Artikeln, die das Auftreten und Verhalten von Dozierenden am Institut kritisch betrachten, wünscht man sich mehr.

Unfassbares offenbart die Newsübersicht hinsichtlich der neu zu besetzenden Professuren. Die Berufungsverfahren für die Professuren „Politische Ideengeschichte“, „Internationale Politische Ökonomie“ und „Unweltpolitik / Vergleichende Politiklehre“ befinden sich immer noch in der Schwebe. Auch die Wiederbesetzung der Professur „Vorderer Orient“ ist immer noch unsicher. Gut, solche Besetzungen müssen wohl überlegt sein und es ist schwierig eineN KandidatIn zu finden, der/die allen Beteiligten zusagt. Dennoch bleibt es ein Unding, dass sich diese Neubesetzungen derart lange hinauszögern. Hier könnte man in der nächsten Ausgabe mit einem etwas ausführlicheren Artikel ansetzen und versuchen detaillierter herauszufinden, was oder wer hier so bremst. Dürfte nicht ganz so einfach sein, weil man Insider-Infos braucht, aber vielleicht hat die Redaktion ja schon die nötigen Connections.

Defizite weist der Artikel über den Institutstag auf. Hier wird zwar in der Überschrift vollmundig von „Selbstkritik“ gesprochen, die dann aber im Artikel m.E. zu kurz kommt. Der Umstand, dass weniger Studierende und Dozierende als erhofft am Institutstag teilgenommen haben, wird damit begründet, dass es ein „offensichtliches Desinteresse vieler an der Institutspolitik“ gibt. Dies mag unzweifelhaft ein zentraler Faktor gewesen sein, Selbstkritik würde aber auch bedeuten, sich zu überlegen, ob es nicht auch andere Gründe gegeben haben kann. Wirkt die Struktur des Institutstags vielleicht einfach abschreckend? Ist der Leidensdruck unter Umständen gar nicht so groß wie oft unterstellt? Was kann getan werden, damit sich am nächsten Institutstag wieder mehr Studierende und Dozierende beteiligen? So etwas kann man doch einfließen lassen. Und wenn die Frage lautet, „Was brachte der Institutstag?“, dann sollte man sich z.B. nicht nur ansehen, dass die AG Lehre ein Handbuch zur Verbesserung der Lehre präsentierte, sondern auch was damit eigentlich gewonnen ist.

Insgesamt erscheint die zweite Ausgabe der OSI-Zeitung jedoch gelungener als die erste. Es finden sich deutlich mehr Artikel, die mit dem (zugegebenermaßen sehr dehnbaren) Attribut „kritisch“ gekennzeichnet werden können. Für meinen persönlichen Geschmack könnte die Schreibe zwar immer noch etwas aggressiver sein (eine Glosse findet sich in der aktuellen Ausgabe gar nicht mehr), aber es ist nachvollziehbar, dass man bei einem solchen Gemeinschaftsprojekt mit Redakteuren die ganz verschiedene politische Positionen vertreten, auf einen polemischen Tonfall in den Artikeln verzichten möchte. Einigen KommilitonInnen sind die Artikel vermutlich immer noch zu oberflächlich, zu wenig analytisch. Allerdings ist das Projekt ja wohl auch so angelegt, dass das Informative im Vordergrund stehen soll.

Eine Antwort to “Zweite Ausgabe der OSI-Zeitung gelungen”

  1. OSI Blog » Blog Archiv » FUWatch zur OSI-Zeitung Says:

    […] Lob und konstruktive Kritik zur aktuellen Ausgabe der OSI-Zeitung kann man bei FUWatch nachlesen. […]

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