Wir sind schon wieder bald vielleicht exzellent

Die HU Berlin, beim ersten Exzellenz-Durchlauf noch gnadenlos abgeschmiert, ist zusammen mit der FU unter den letzten acht Universitäten in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative. Neben HU und FU haben es auch noch Göttingen, Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Aachen und Bochum geschafft. Wer von diesen acht zu den bereits bestehenden „Elite“-Unis LMU München, TU München und Karlsruhe aufschließen wird, entscheident sich jedoch erst im Oktober diesen Jahres (Spiegel Online, 12.01.06).

Der Druck war offenbar so groß, dass HU-Präsident Christoph Markschies für den Fall eines Nicht-Weiterkommens seiner Uni in der taz sogar seinen Rücktritt angekündigt hatte (taz, 12.01.06). Jetzt kann er bleiben – vorerst. Denn die endgültige Entscheidung fällt erst im Oktober und ob es dann wirklich zwei Berliner Unis in den erhabenen Kreis schaffen werden, nachdem München bereits mit zwei Unis im Elitezirkel vertreten ist, erscheint als eher unwahrscheinlich. Eine der beiden Berliner Unis wird es nicht packen – oder vielleicht doch gar keine? Lenzen und Markschies müssen bis Oktober an den Nägeln kauen.

Die Folgen für die Unis denen die Berufung zur Elite verwehrt bleibt dürften langfristig in jedem Fall katastrophal ausfallen. Der Elitenforscher Michael Hartmann sagte heute in einem taz-Interview:

„Die staatliche Förderung der einzelnen Eliteunis wird auch eine Umverteilung anderer Gelder wie vor allem der Drittmittel zugunsten der Gewinner nach sich ziehen. Die meisten Hochschulen werden dadurch aber ins finanzielle Abseits gedrängt. Sie übernehmen dann nur noch die schnelle Ausbildung der großen Studierendenmehrheit und verlieren ihre Bedeutung für die Forschung.“ (taz, 13.01.07)

Während also die Eliteunis immer mehr finanzielle Mittel erhalten, steht den Rest-Unis immer weniger zur Verfügung, ihnen droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit bzw. sie werden sich mit dem Status als mittelmäßige Ausbildungsakademien abfinden müssen. Hartmann weiter:

„Wir haben in der weltweiten Forschung einen guten Ruf wegen des hohen Niveaus in der Breite. Um als deutsche ‚Elite‘-Hochschule mit den internationalen Spitzenuniversitäten zu konkurrieren, sind die Fördermittel des Exzellenzwettbewerbs viel zu gering. Insgesamt verliert die deutschen Wissenschaft durch den Wettbewerb ihre eigentliche Stärke – nämlich die Breite und Vielfalt der Forschung.“ (ebd.)

Um zu internationalen Spitzenunis aufzuschließen reichen also den deutschen „Elite“-Unis auch die erhöhten Zuwendungen nicht, während zeitgleich Breite und Vielfalt in der deutschen Hochschullandschaft wegbrechen.

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