Features für das Studierendenportal

Wie berichtet, macht die CeDiS zur Zeit gerade eine Online-Umfrage zur Ausgestaltung des zukünftigen Studierendenportals. Ein guter Zeitpunkt, die potentiellen Features näher zu beleuchten und ihre idealtypische Ausrichtung zu skizzieren.

1) Webspace mit Datei-Austausch
2) Webfrontend für die Verwaltung des eigenen Webspace
3) WYIWYG-Editor
4) Poll-Service zur Terminabstimmung
5) Blogs
6) Wikis
7) Foren
8) Mailing Listen
9) Campus Messaging
10) Campus Location Finder
11) Campus Veranstaltungskalender
12) Blackboard RSS Announcements
Fazit

1) Webspace mit Datei-Austausch

Eines der denkbaren Features beim neuen Studierendenportal lautet „Material-Austausch“. Kommilitonin A schreibt also z.B. etwas in einer Vorlesung mit und stellt ihre Notizen als Word-Datei über einen persönlichen Webspace der abwesenden Kommilitonin B zur Verfügung oder am besten gleich allen KommilitonInnen die ebenfalls diese Vorlesung besuchen.

Die Mehrheit der KommilitonInnen schreibt allerdings immer noch handschriftlich in Vorlesungen mit und diese Notizen werden in der Regel nicht noch mal in den Computer eingegeben, wenn man nicht ohnehin ein Protokoll erstellen muss, das allen zugänglich gemacht wird. Dies kann dann genauso gut über Blackboard oder per Mailing Liste geschehen.

Nur im Blackboard sind jeweils immer nur die TeilnehmerInnen einer Lehrveranstaltung zusammengefasst und nicht in jeder Lehrveranstaltung wird Blackboard genutzt. Sinnvoll wäre so ein „globales“ Datei-Austausch-Feature also durchaus. Nicht nur für selber verfasste Notizen, sondern auch für Dokumente die Dritte bei ihrer Recherche im Internet und anderen Quellen ausfindig machen konnten und bei sich gespeichert haben.

Von essentieller Bedeutung wäre hier also eine Suchfunktion. Beispiel: Ich will eine Arbeit über die Punischen Kriege verfassen, allerdings ist das Thema nicht mein Schwerpunkt, meine Materiallage daher mässig. Dann recherchiere ich für diese Arbeit nicht nur im Internet und in Bibliotheken, sondern auch im Datei-Austausch-System der FU, wo der Kommilitone Mustermann, ein Spezialist für die Punischen Kriege, eine umfangreich „Privat Bibliothek“ mit Material (pdf-Dokumente, Links, inzwischen verschwundene HTML-Sites, etc.) zum Thema angelegt hat und diese dankenswerter Weise zur Verfügung stellt.

Dies setzt voraus, dass der Kommilitone seine Dokumente vorher mit Tags gekennzeichnet hat. Suche ich nun nach dem Tag „Punische Kriege“ im FU-internen Datei-Austausch-System, finde ich sein Material. Besser wäre natürlich eine Suchmaschine, die jedes Dokument auch komplett nach Schlagwörtern durchsucht, aber die Tag-Lösung wäre ergänzend durchaus praktisch.

Finde ich das Material des Kommilitonen Mustermann über die Punischen Kriege hilfreich, dann „ranke“ ich es positiv, was dann weiteren Kommilitonen als Hinweis dienen kann. Das Feature eines „Datei-Austauschs“ wird so mit den Vorzügen des Social Bookmarkings verknüpft.

Vorstellbar wäre auch der Datei-Austausch über ein P2P-Netzwerk, mit einer eigens von ZEDAT/CeDiS bereitgestellten P2P-Software. Der Zugang zu diesem P2P-Netzwerk würde dann über die ZEDAT-Kennung erfolgen. Stichwort wäre hier z.B. „i2hub“ (nur halt ohne Abilene Network). Das Missbrauchspotential (Musik- und Filmtausch) ist offensichtlich, sollte aber durch Filter in den Griff zu kriegen sein (bzw. durch die eindeutige Zuordnung mittels ZEDAT-Kennung).

2) Webfrontend für die Verwaltung des eigenen Webspace

Die ZEDAT bietet bereits jetzt jedem ihrer Nutzer auch die Möglichkeit seine eigene Website aufzubauen, die dann unter http://userpage.fu-berlin.de/~mustermann zu finden ist (Beispiele hier). Das Problem ist nur, dass die Einrichung der Website für nicht technikaffine Studierende (und Dozierende) schwierig ist. Man muss sich über Telnet/SSH auf dem Komma-Server einloggen und dort erst mal die Website freischalten. Anschließend muss man sich einen FTP-Client installieren, um seine Dateien hochzuladen.

Für die Klickibunti-Generation ist dieses Konzept nicht mehr tragbar, es schreckt sie ab. Sie ist es gewohnt, alle nötigen Schritte bequem über eine Weboberfläche managen zu können. Hier könnte man ansetzen und bei dem Aufbau des Studierendenportals auch die Verwaltung des von der ZEDAT bereitgestellten Webspace integrieren.

Trotz aller Web 2.0 Neuerungen wie Wikis oder Blogs, wollen viele Studierende und Dozierende oft auch einfach ganz klassisch eine einfache Webseite mit ein paar über einen WYSIWYG-Editor erstellten HTML-Dateien ins Netz stellen.

3) WYIWYG-Editor

Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären: Das Studierendenportal sollte auch über einen WYSIWYG-Editor verfügen. Natürlich wird die Frage nach „Writely“ (Google Docs & Spreadsheets) im Poll zu tage fördern, dass das bisher nur wenige Studierende kennen. Nur würden sie es kennen, würden sie es m.E. auch stärker nutzen. Die Grundidee eine Datei nicht mehr lokal mit einer entsprechenden Applikation erstellen und editieren zu müssen, sondern das direkt im Netz über einen passablen WYSIWYG-Editor erledigen zu können, ist sicherlich ein deutlicher Fortschritt.

Statt meine Notizen erst mit Word lokal zu erstellen und dann Dritten per Upload im Internet zur Verfügung zu stellen, kann man sie auch gleich online eingeben und auf einem Server abspeichern. Was voraussetzt, dass die Person die die Notizen macht zu dem Zeitpunkt online ist. Also z.B. mit einem Laptop via FUnkLAN im Netz ist. Was trotz zunehmender Verbreitung von Notebooks immer noch nur auf eine Minderheit zutrifft. Selbst zu hause mit Standard-Internetverbindung (meint hier ohne Laptop und WLAN) kann ich mir dann aber die Installation eines Textverarbeitungsprogramm sparen, wenn ich einen Service wie „Google Docs & Spreadsheets“ nutze.

Wichtig ist, dass der WYSIWYG-Editor passabel ist (ansonsten wäre mein Ratschlag es zu lassen). Und „passabel“ meint hier wirklich einen Editor, der nicht bei jedem zweiten Klick verreckt (und dabei vielleicht noch gleich den Browser mitabschießt) oder der eine kleine Ewigkeit braucht, bis er geladen ist. Google Docs läuft hier erstaunlich stabil und schnell, ist aber leider keinesfalls die Regel was WYSIWYG-Editoren angeht.

4) Poll-Service zur Terminabstimmung

Wer kennt das Problem nicht, man muss mit gleich mehreren KommilitonInnen ein Referat vorbereiten oder will sich mit seiner Lerngruppe oder AG treffen, aber es fällt unglaublich schwer einen Termin zu finden, bei dem alle Betroffenen Zeit haben. Insbesondere bei größeren Gruppen ist es in der Regel unmöglich einen Termin zu finden, an dem wirklich alle können. Also wählt man den Termin, an dem die meisten Zeit haben. Nur, wie ermittelt man diesen Termin möglichst schnell bei 12 oder mehr Personen?

Die MentorInnen des MentorInnenprogramms am OSI verwenden dazu Doodle, einen Umfrage-Service. Man legt eine Anzahl von möglichen Terminen fest und anschließend trägt jedeR MentorIn sich namentlich auf einer Website ein, zu welchen der genannten Zeitpunkte er kann und zu welchen nicht. Anschließend wird automatisch ausgerechnet, welcher der Termin ist, an dem die meisten MentorInnen Zeit haben (exemplarisch hier).

Natürlich ist das nur eine Variante, wie man einen solchen Umfrage-Erstellungs-Service nutzen kann, aber eine ungemein praktische. Anstatt dass auf einer Mailing Liste ewig hin und her gemailt wird, kann so übersichtlich ermittelt werden, welcher der beste Termin wäre. So trivial die Funktion ist, so hilfreich wäre sie doch im Unialltag zur Terminabstimmung.

5) Blogs

Ja, natürlich sollte zu dem Studierendenportal auch ein Blog-System gehören. Für mich, als Blogger, liegt das auf der Hand. Aber ob das auch für die vielen Studierenden gilt, die den Begriff „Blog“ (oder Weblog) bis heute noch nicht mal gehört haben (passiert immer wieder)? Oder jene, die zwar wissen, was Blogs sind, ihnen aber nicht so eine große Bedeutung beimessen bzw. sich nicht vorstellen können, selber einen Blog zu führen.

Wichtig wäre hier sicherlich ein Blog-System zu wählen (wir hatten die Diskussion ja in den letzten Semesterferien), das auch Gemeinschaftsblogs ermöglicht. Meine Prognose lautet, dass nur ein Minderheit der Studierenden die Zeit, die Nerven und die Ausdauer haben wird, einen privaten Blog dauerhaft zu führen. Wenn Blogs überhaupt angenommen werden, dann wohl eher in ihrer Funktion als Gemeinschaftsblogs: Im Zuge einer Lehrveranstaltung wird ein Blog eingerichtet, indem DozentIn und Studierende themenbezogen regelmässig Einträge schreiben und kommentieren. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass selbst solche Seminar-Blogs (wo sie schon eingesetzt wurden) nur auf wenig Teilnahmebereitschaft seitens der Studierenden stießen (zumindest was die sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen angeht).

Trotzdem kann man ja mal versuchen, ein FU-eigenes Blog-System im Zuge der Einrichtung des neuen Studierendenportals bereitzustellen. Oft reicht der eigentlich triviale Vorgang sich irgendwo bei einem externen Anbieter einen Account einrichten zu müssen schon, dass die Studierenden abgeschreckt werden. Ihren ZEDAT-Account haben sie wegen des Campus Managements aber inzwischen so oder so, wenn man dann nur noch einen Klick von der Blog-Erstellung entfernt ist, kann das vielleicht auch manch einen Zögerer überzeugen.

6) Wikis

Noch besser als Blogs sind für das gemeinschaftliche Arbeiten im Zuge einer Lehrveranstaltung oder einer AG sicherlich Wikis. Wie ein Wiki funktioniert ist aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades der Wikipedia inzwischen so gut wie jedem Studierenden bekannt.

Größtes Hindernis sind hier sicherlich die für die Formatierungen beim Editieren nötigen Kenntnisse der entsprechenden Kommandos. Hier sollte bei der Wahl der Wiki-Software darauf geachtet werden, dass sie über einen integrierten WYSIWYG-Editor verfügt. Ebenfalls wichtig ist die Funktion einer Diskussions-Seite zu jedem Eintrag, wie es sie z.B. bei MediaWiki gibt.

7) Foren

Eher „Web 1.0“ als „Web 2.0“ sind Internet-Foren-Systeme wie z.B. phpBB, YaBB oder vBulletin. Obwohl vielleicht „old school“ sind solche Systeme immer noch sehr gefragt, da die Möglichkeiten hier Diskussionen zu führen komfortabler sind als etwa in Blogs.

Auch hier hat der Einsatz des in Blackboard integrierten Forums zwar gezeigt, dass das Interesse an einer verstärkten Kommunikation eher gering ist (ich habe jedenfalls noch kein Seminar gesehen, wo sich im Blackboard richtige Threads mit 10 oder mehr Postings entwickelt hätten), dennoch könnte ein Forumsystem losgelöst von Blackboard hier ein richtiger Schritt in Richtung mehr Akzeptanz sein. Wenn Diskussions-Boards allgemein und zu jedem Thema eingerichtet werden können (und nicht zwangsläufig im Kontext eines bestimmten Blackboards-Course; zudem nun mal nicht alle Lehrveranstaltungen auf Blackboard zurückgreifen), würden sie vielleicht mehr genutzt.

8) Mailing Listen

Ebenfalls etwas „antik“, aber immer noch schwer im Gebrauch: Mailing Listen. Hier werden am OSI in der Regel die Yahoo! Groups eingesetzt. Alternativ bieten die ZEDAT mit Majordomo und die FU-spline-Informatiker mit Mailman ebenfalls jeweils einen Mailing Listen Service an. Nur bei der ZEDAT muss man die Einrichtung einer Liste erst schriftlich beantragen, bei spline ist für die Anmeldung Voraussetzung, dass man eine FU-eigene-IP hat (also via ZEDAT-Dialin/(W)LAN im Netz ist bzw. an einem Pool-Rechner in der FU sitzt) oder die Liste via ZEDAT-Email-Account beantragt.

Einfacher wäre es, wenn man sich über das Studierendenportal wie gewohnt einfach mit der ZEDAT-Kennung einloggt und dann über ein Webinterface eine Mailing Liste bequem einrichten und administrieren könnte.

9) Campus Messaging

„Informationen aus Portaldiensten werden via Messaging verteilt (SMS, Skype, ICQ …)“. Hier wäre mein Einwand, dass die Information ja erst mal in die „Portaldienste“ hineinkommen muss, bevor sie dann anschließend via Messaging an die Studierenden verteilt werden kann. Ein Service der mich z.B. über den Ausfall einer Veranstaltung via SMS aufklären könnte, bringt mir nichts, wenn niemand da ist, der die entsprechende Information ins Netz einspeist.

Wenn der Dozierende morgens bemerkt, dass er krank ist und nicht kommen kann, wie verteilt er dann diese Information? Kann er über ein Portaldienst die SeminarteilnehmerInnen direkt informieren, so dass diese die Information noch auf ihrem Handy sehen, bevor sie umsonst zur Uni fahren? Oder muss der Dozierende erst ein Sekretariat kontaktieren, dass diese Information dann via Messaging an die Betroffenen weiterleitet? Muss der Dozierende sich trotz Krankheit erst noch mal ins Internet quälen, um den Ausfall der Veranstaltung bekannt zu geben?

Ich habe hier so meine Bedenken, dass die Information die Betroffenen noch rechtzeitig erreichen würde. SMS ist als Benachrichtigung unmittelbarer als Email, da nicht jeder morgens vor dem aus dem Haus gehen noch mal seine Emails abruft, trotzdem bin ich skeptisch, ob die Information die Empfänger hier noch in einem angemessenen Zeitrahmen erreicht. Ein Fortschritt wäre es sicherlich, wenn es klappt.

Messages über IP-Telefonie oder Instant Messaging kann ich genauso gut via Email in Empfang nehmen. Die CeDiS wird hier wohl kaum einen eigenen Messaging Service aufbauen, sondern auf bestehende externe Services setzen. Mal abgesehen von den Komplikationen die das mit sich bringt, ist der Vorteil gegenüber konventionellen „Benachrichtigungsformen“ wie Email doch eher gering. Gut, wenn man einen Messenger laufen hat (ICQ, AIM, GTalk, Y!M, WLM, etc.), erreicht einen eine Mitteilung schneller als per Email, die man vielleicht nur zwei oder drei Mal am Tag abruft. Aber wenn man nicht online ist bzw. nicht am Computer sitzt, erreicht einen auch die Message via Instant Messenger nicht. Nur eine Benachrichtigung via SMS direkt auf das Handy wäre hier ein wirklicher Fortschritt.

10) Campus Location Finder

„Locations in Berlin oder auf dem Campus werden in Google Maps angezeigt“. Okay, das ist nun wirklich reine Spielerei. Wenn ich mir eine „Location“ in Berlin oder auf dem Campus anzeigen lassen möchte, kann ich das dann ja auch gleich direkt über Google Maps machen (da die Campus-Gebäude ja alle einen Zugang über mindestens eine Straße mit Hausnaummer haben, die ich bei Google Maps als Ziel angeben kann). Hilfreich wäre es, wenn der „Location Finder“ mir zeigen könnte, wo ein bestimmter Raum / Hörsaal innerhalb eines Gebäudes zu finden ist. Nur soweit ist Google Maps noch nicht ;).

11) Campus Veranstaltungskalender

„Darstellung personalisierter Termine in einem Kalenderportlet“. Ja, aber eben nicht nur persönliche Termine. Wichtig wäre es auch, dass man seinen Kalender oder Teile seines Kalenders öffentlich machen kann (bei Google Calendar kann man ja auch mehrere Kalender führen und dann zwischen „privat“ und „öffentlich“ differenzieren).

Dies hätte den Vorteil, dass man seine Termine mit anderen leichter abstimmen kann bzw. dass andere wissen wo man sich jetzt gerade aufhält. Es kann unter Umständen sinnvoll sein, diese Information freiwillig Preis zu geben. Kommilitonin X sucht Kommilitonin Y und sieht in deren Kalender, dass sie gerade ein Seminar im Raum 100 hat, also wartet sie vor dem Raum 100 bis das Seminar zuende ist, um die gesuchte Kommilitonin abzufangen.

Auch das unter 4) genannte Feature einer Terminabstimmung via Poll könnte man gut in einen solchen Campus-Kalender integrieren.

12) Blackboard RSS Announcements

„Announcements in der Lernplattform werden als RSS-Feed verteilt“. Okay, was für Annoucements werden denn in Blackboard publiziert, die von solcher Bedeutung sind, dass ich sie via RSS-Feed lesen möchte? Bezüglich einer meiner Lehrveranstaltungen, die Blackboard nutzen vielleicht, okay. Aber normalerweise komme ich an die seminarbezogenen Annoucements ja nur ran, wenn ich mich im Blackboard einlogge. Also kann ich auch den RSS-Feed ohne vorherigen Login nicht lesen, ergo müsste der Feedreader diesen Login automatisch vornehmen, bevor er sich den Feed zieht. Kann er das? Sind RSS-Feeds normalerweise nicht frei verfügbar, also von jedem zu abonnieren ohne sich vorher irgendwo einzuloggen?

Fazit

Von einigen Spielereien abgesehen ist die Mehrzahl der potentiellen Features die das neue Studierendenportal mit sich bringen könnte durchaus sinnvoll und erleichtert die Kommunikation an der FU für Studierende und Lehrende. Eine andere Frage ist, welche der genannten Features es am Ende tatsächlich geben wird und ob die Masse der StudentInnen diese dann auch wirklich nutzen wird.

Über die Online-Umfrage versucht man zu ermitteln, was für Features die Studierenden wirklich gebrauchen können. Doch dass das Studierendenportal kommen wird ist bereits jetzt sicher und man wird den Verdacht nicht los, dass bestimmte Funktionen völlig losgelöst vom Ausgang der Umfrage bereits jetzt als Bestandteile des Studierendenportals feststehen (so legt z.B. die ausführliche Testphase für Blogsysteme im Vorfeld nahe, dass es in jedem Fall ein Blogsystem geben wird).

Die „Gefahr“ besteht sicherlich, dass man mit solchen Web 2.0 Innovationen nur die „üblichen Verdächtigen“ begeistern wird. KommilitonInnen die sich also schon vorher für Blogs und Wikis interessiert haben, werden die Features des neuen Studierendenportals begrüßen. Doch diese webaffinen KommilitonInnen stehen eben nicht unbedingt repräsentativ für den Durchschnittsstudierenden an der FU.

Zu hoffen bleibt, dass mit der Bereitstellung des neuen Studierendenportals auch die Nachfrage nach den neuen Web 2.0 Techniken, die das Portal bereitstellen wird, steigt. Doch ein Blick auf die Nutzung der Blackboard-Funktionen stimmt mich hier skeptisch. Sicherlich begrüsst die Mehrheit der Blackboard-Nutzer die Möglichkeit, Material herunter- und heraufladen zu können. Aber hat jemand schon mal gesehen, dass in einem Blackboard-Forum eine wirkliche Diskussion entstanden ist? Oder dass das Chat-Modul genutzt wurde? Wer hat schon mal an einer Online-Umfrage innerhalb eines Blackboard-Course teilgenommen oder an einem durch einen Dozierenden eingerichteten Test?

Ein Großteil der Funktionen liegt brach, wird wenn überhaupt nur von einer verschwindend kleinen Minderheit genutzt. Es steht zu befürchten, dass etliche Features des Studierendenportals ein ähnliches Schicksal erleiden werden – trotz ihrer potentiell durchaus nützlichen Eigenschaften. Ob dieses Szenario durch die Online-Umfrage tatsächlich ausgeschlossen werden kann? I doubt it, aber wir werden sehen.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

5 Antworten to “Features für das Studierendenportal”

  1. Ahmet Says:

    sehr interessante gedanken. mal sehn, welche anreize der rest der studentenschaft bietet. wie gesagt, die einladung zur partizipation steht am ende der umfrage…

  2. KR Says:

    Hallo,
    RSS feeds werden i.d.R. öffentlich publiziert und sind mit jedem Feedreader abrufbar. Ein Login wäre auch für die Bb-feeds NICHT erforderlich. Man müßte es dann den jeweiligen Kursleitern allerdings freistellen, Announcement-Feeds zu veröffentlichen – oder eben auch nicht.

  3. Niklas Says:

    || Ein Login wäre auch für die Bb-feeds NICHT erforderlich.
    || Man müßte es dann den jeweiligen Kursleitern allerdings
    || freistellen, Announcement-Feeds zu veröffentlichen –
    || oder eben auch nicht.

    Aber welcheR KursleiterIn wäre denn dazu bereit? Frei zugängliche RSS-Feeds bedeuten ja dann auch, dass wirklich jeder sie lesen kann, egal ob er etwas mit dem Kurs oder der Universität überhaupt zu tun hat oder nicht. Nun sind sicherlich die meisten Blackboard-Annoucements nicht so brisant, dass sie nicht auch Dritten zugänglich sein könnten, trotzdem tun sich die meisten vermutlich etwas schwer damit.

    Ich habe es schon erlebt, dass Dozierende selbst innerhalb eines Blackboard-Kurses TeilnehmerInnen voneinander im Forum abgegrenzt haben. Die Vorbereitungsgruppe für die Klausur durfte dann nicht am Forum der Vorbereitungsgruppe für Hausarbeiten partizipieren (sie hatte nicht mal Zugriff) und vice versa. Begründung: Es könnte sich möglicherweise hemmend auf die Diskussionsbereitschaft im Forum auswirken, wenn man immer im Hinterkopf haben muss, dass zu viele andere KommilitonInnen mitlesen, was man so schreibt.

    Obwohl ein Studierender der z.B. nur einen Teilnahmeschein in dem Seminar machen wollte mit seinem Wissen durchaus auch KommilitonInnen hätte unterstützen können, die im selben Seminar eine Klausur schreiben wollen, konnte er dies nicht, weil er mit dem Hinweis auf die Privatsphäre der Klausur-Vorbereiter ausgegrenzt wurde (es sei denn er hätte beim Dozierenden schriftlich beantragt, ebenfalls für dieses Sub-Forum zugelassen zu werden; aber mal ehrlich, was für eine Kommunikationskultur ist das denn?).

    Die Logik mag verquer erscheinen, trotzdem lautet eine der Hauptregeln an die sich viele Dozierende (und auch Studierende) klammern: Informationen die eine Lehrveranstaltung betreffen, sollten wirklich nur den TeilnehmerInnen dieser Lehrveranstaltung zugänglich sein und niemandem sonst (was bei offenen RSS Feeds eben nicht mehr gewährleistet wäre). Das ist für die Bestandteil von Datenschutz.

    Dass die LehrveranstaltungsleiterInnen dann die Wahl haben, ob sie die Feeds veröffentlichen wollen oder nicht, ist daher natürlich richtig. Nur ich glaube eben nicht daran, dass sich viele finden, die sie veröffentlichen wollen (und nur dann würden die Feeds ja was bringen), es sei denn natürlich man setzt die Default-Einstellung auf „veröffentlichen“ und spekuliert darauf, dass sie diese Default-Einstellung aus Unkenntnis nicht ändern, das könnte funktionieren, wäre aber natürlich fragwürdig.

    Daneben steht die grundsätzliche Frage, wie viele Studierende überhaupt mit Feedreadern arbeiten oder wissen was „RSS“ ist. Aber vielleicht ergibt die Umfrage ja dann darüber Auskunft…

  4. Vitriol » Blog Archive » Web 2.007 Says:

    […] stellt in seinem Beitrag Features für das Studierendenportal eine Liste von Funktionalitäten für das geplante Studierendenportal vor. Obwohl die Darstellung […]

  5. Überblicksseite zum "CeDiS-Blackboard-Komplex" « FUwatch Says:

    […] 29.12.06: Features für das Studierendenportal […]

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