Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online

Das FU-Präsidium hat unlängst endlich die Ergebnisse der Bachelor-Umfrage aus dem Sommersemester 2006 veröffentlicht. Die Tatsache, dass die Ergebnisse den Verantwortlichen schon seit geraumer Zeit vorliegen, aber nur teilweise und nur in mündlicher Form veröffentlicht wurden, hatte in der Studentenschaft Anfang November zu Unmut geführt. Kurz vor Beginn der akademischen Weihnachtsferien wurden die Ergebnisse nun endlich online gestellt.

Zur technischen Durchführung

Im Auftrag des Präsidiums führte der Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie eine Online-Umfrage unter den Bachelor-Studierenden an der FU durch, um zu ermitteln, wie zufrieden / unzufrieden diese Studierenden mit den neuen BA-Studiengängen sind bzw. wo die neuen Studiengänge noch offensichtliche Defizite aufweisen. Den betroffenen BA-Studis wurde daher ein Link zur Umfrage in ihre ZEDAT-Mailbox zugestellt. Um Mehrfachantworten auszuschließen und sicherzustellen, dass wirklich nur FU-BA-Studierende teilnehmen, wurde ein TAN-Verfahren verwendet (S. 5). Jeder Studierende bekam mit der Email auch eine individuelle Transaktionsnummer (TAN) zugestellt, die er bei der Umfrage angeben musste (oder die in den Link integriert war) und die nach einmaliger Benutzung verfiel.

Das TAN-Verfahren ist ein Fortschritt im Vergleich zu gewöhnlichen Online-Umfragen, die Mehrfachantworten und Manipulationen in der Regel Tor und Tür öffnen. Mal abgesehen von der Anonymisierungsproblematik (bei individueller TAN lässt sich theoretisch leicht ermitteln, welcher Studierender den Umfrage-Bogen wie ausgefüllt hat), stellt sich natürlich auch hier wieder die Frage, wie oft und ob überhaupt die FU-Studierenden ihre ZEDAT-Mails abrufen. Der Teilnahmezeitraum beschränkte sich auf drei Wochen im Juni (S. 5) und der Rücklauf betrug 29% (S. 6). Wenn man bedenkt, dass viele KommilitonInnen ihre ZEDAT-Emails wenn überhaupt nur ein oder zwei Mal im Semester abrufen, so erklärt sich der Rücklauf von nur knapp einem Drittel vielleicht auch dadurch, dass viele die Aufforderung zur Umfrage-Teilnahme zu spät erreichte. Die Autoren betonen, bei der Auswertung auf die Repräsentativität geachtet zu haben (S. 6), trotzdem wäre es grundsätzlich ja mal interessant zu wissen, welche Studierenden (nach Studienfächern) in welchen Abständen ihre ZEDAT-Mailbox überhaupt abrufen, wenn man schon die Links zur Teilnahme an einer solchen Umfrage nur via ZEDAT-Email verteilt.

„Soziodemographische Variablen“

Unter dem Punkt „soziodemographische Variablen“ (S. 7 / 8) offenbarte sich für die Befragungs-Auftraggeber Unglaubliches, Studierende sind in unerwartet hoher Anzahl erwerbstätig! Obwohl eigentlich keine neue Erkenntnis gab sich das Präsidium hier sehr überrascht (siehe dazu den Bericht des Kommilitonen Hachfeld zur mündlichen Vorstellung der Ergebnisse im November). Unter anderem ergab sich:

  • „Neben dem Studium sind sowohl während der Vorlesungszeit als auch während der vorlesungsfreien Zeit 47 Prozent der befragten Studierenden erwerbstätig, und zwar im Mittel 13,3 Stunden (Standardabweichung: 6,7) pro Woche während der Vorlesungszeit. Dieser Wert beträgt für die vorlesungsfreie Zeit 20,8 Stunden (Standardabweichung: 11,6) pro Woche.“
  • „Der überwiegende Teil der Studierenden in den Bachelor-Studiengängen hat einen Studienplatz in der 1. Priorität erhalten: 84 Prozent der Studierenden gaben an (Kombi: 82 Prozent Mono: 86 Prozent), in ihrem Wunschfach immatrikuliert zu sein.“
  • „Rund die Hälfte (51 Prozent) der Studierenden beabsichtigt, ein Semester oder ein Jahr im Ausland zu studieren.“
  • „Lediglich 8 Prozent der Studierenden streben den Bachelor-Abschluss als höchsten Abschluss an. 35% der Studierenden streben einen fachwissenschaftlichen und 24 % einen lehramtsbezogenen Master an. 33% sind noch unentschlossen, ob sie nach dem Bachelorein Masterstudium aufnehmen wollen.“

Was den letzten Punkt angeht, so stellt sich diese Frage unter Umständen gar nicht erst. So wollen die Berliner Universitäten in Zukunft sehr genau auswählen, wer nach dem Bachelor noch einen Master machen darf und wer nicht. Selbst wenn die Universitäten hypothetisch noch freie Master-Plätze für BA-AbsolventInnen haben, wollen sie diese Plätze nicht in jedem Fall füllen, weil zur „Qualitätssicherung“ eben nur „die besten“ zugelassen werden sollen. Gegen diese Elitebildung hat sich Ex-Senator Flierl gestellt, doch die Berliner Unis wollen da nicht mitspielen (vgl. zuletzt „Da könnt‘ ja jeder Master werden“, Berliner Zeitung, 15.12.06).

Kenntnis der Studienanforderungen

Die meisten BA-Studierenden an der FU kennen ihre Studienordnung, ihren Studienverlaufsplan und die Modulbeschreibungen ihres Studienfachs „eher gut“ (S. 9). Dunkler steht es hier um die Pürfungsanforderungen die immerhin gut ein Drittel nicht kennt. Bei den Prüfungsanforderungen in der Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV) beurteilen sogar mehr als die Hälfte ihre Kenntnis als „eher schlecht“.

Beurteilung des Studienangebots

Als „eher gut“ beurteilen 62% der Befragten den Erwerb von Grundkompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens während des Studiums (S. 10). Auch bei der „Vermittlung fachlicher Grundlagen“ bewertet noch eine solide Mehrheit von 71% das Studienangebot als „eher gut“. Knapp im positiven Bereich sind auch „Aufbau und Struktur“ sowie „Inhaltliche Breite des Lehrangebots“. Vernichtend fällt dagegen die „Vemittlung von Lerntechniken und -strategien“ (62% „eher schlecht“), „Verknüpfung von Theorie und Praxis (64% „eher schlecht“) und die „Vermittlung berufsrelevanter Qualifikationen“ (78% „eher schlecht“) aus.

Es ist bezeichnend für die Bologna Reform an der FU, dass man nun ausgerechnet in den Bereichen, die man sich bei der Bachelor-Einführung so groß auf die Fahnen geschrieben hatte, mehr Praxis- und Berufsrelevanz im Studienangebot, elendig verreckt. Manch ein Dozierender mag sich hingegen vermutlich fragen, wo diese 62% Studierenden sind, die sich selbst den „Erwerb von Grundkompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens“ attestieren, den ihnen das Studienangebot ja angeblich vemittelt. Es stellt sich mithin die Frage, wie man Grundkompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens erwirbt, wenn man zeitgleich diagnostiziert, dass das mit der Vermittlung von Lerntechniken und -strategien noch nich so recht klappt.

Während die Beurteilung der Module im Kernfach weitgehend positiv ausfällt (nur die Abstimmung der Lehrveranstaltungen innerhalb eines Moduls schwächelt noch etwas) (S. 11), ist das Ergebnis bei der Beurteilung des Studienbereichs der Allgemeinen Berufsvorbereitung (ABV) recht durchwachsen (S. 12). 71% beurteilen die ABV als Ergänzung zum Fachstudium als „eher gut“, 53% sehen hier auch die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen noch als „eher gut“, aber nur 47% sehen das auch bei der Vermittlung berufspraktischer Erfahrungen so und bei der Vemittlung der Anforderungen am Arbeitsmarkt sind es sogar nur noch 30% „eher gut“ gegenüber 70% „eher schlecht“.

Grundsätzlich stellt sich wie immer die Frage, ob ein Studium überhaupt erstrebenswert ist, das sich so stark auf den berufliche Werdegang nach dem Abschluss konzentriert, das nicht „bildet“, sondern nur „ausbildet“. Nur wenn man sich dann schon auf die Fahnen schreibt, dass die BA-AbsolventInnen nach Möglichkeit perfekt-funktionierende Rädchen werden, die am Markt alle ihren Platz finden, dann ist es natürlich um so bitterer, wenn das Ergebnis der Umfrage gerade im Bereich Berufsvorbereitung und Praxisrelevanz so negativ ausfällt.

Bewertung der Unterstützungsleistungen

Das Informationsangebot zum Bachelor allgemein hält eine Mehrheit der Studierenden für „eher schlecht“ (S. 15). Besser sieht es hier beim Studienaufbau und beim Kernfach aus, hier scheint ein ausreichendes Informatiosangebot vorhanden zu sein. Besonders unzufrieden sind die Befragten mit Informationen zu den so genannten „affinen Bereichen“ der Mono-BA-Studiengänge sowie zur ABV.

Durchweg negativ fällt die Umfrage zur Unterstützung und Betreuung aus (S. 16). Egal ob bei der Planung des Studienverlaufs, der HA-Betreuung, der Hilfe bei Lern- und Arbeitsschwierigkeiten oder der Unterstützung bei der Berufsfeldorientierung und Prüfungsvorbereitung, stets sind BA-Studierenden „eher unzufrieden“ mit dem Angebot. Fatal dürfte sich hier der fortlaufende Stellenabbau auswirken, der eher noch weniger statt mehr Unterstützung und Betreuung durch die Uni produzieren wird.

Bei der Prüfungsorganisation sind die Studierenden zufrieden mit der Vorbereitung durch die DozentInnen, nicht jedoch mit dem anschließenden Feedback. Die Terminorganisation ist zufriedenstellend, nicht jedoch die Beratung durchs Prüfungsbüro (S. 17). Bei den Beratungsangeboten sind die Studierenden mit den Websiten der FU und dem Vorlesungsverzeichnis zufrieden, weitgehend unbekannt sind dagegen der „Infoservice der FU“ und die studentische Studienberatung (vermutlich weil sie kaum noch stattfindet?). Als eher negativ fällt das Beratungsangebot von Studien- und Prüfungsbüros auf (mit 38% „eher unzufrieden“ bei 33% „eher zufrieden“ und 28% „unbekannt“) (S. 18).

Studierverhalten

Insgesamt gaben 55% der Befragten an, im Sommersemester alle Lehrveranstaltungen gemäß exemplarisch Studienverlaufsplan besucht zu haben. 60% der nicht erwerbstätigen Studierenden konnten besagte Lehrveranstaltungen besuchen, bei den erwerbstätigen waren es nur 51% (S. 18). Als Gründe für ein nicht studienplankonformes studieren wurden hauptsächlich Terminüberschreitungen, fehlende Informationen zum Studienverlauf und zu hohe Leistungsanforderungen angegeben (S. 19). Wenn knapp die Hälfte der Studierenden nicht nach dem idealtypischen Studienverlaufsplan studieren kann, taugt dieser offenbar nicht viel. Auch das ein weiteres Indiz dafür, dass die Konstrukteure der BA-Studienordnungen i.d.R. wenig über die Realität der Studierenden wissen.

Nur 42% der Studierenden gaben an, dass sie im vergangenen Semester genug Zeit zur Verfügung hatten, sich auf die anstehenden Prüfungen angemessen vorzubereiten (S. 20). Die Mehrheit, der das nicht möglich war, gab vor v.a. zu hohe Prüfungsanforderungen, schlechte zeitliche Pürfungsorganisation und unzureichende Vorbereitung durch DozentInnen als Gründe an. Ein klarer Beleg für den Irrsinn in BA-Studiengängen quasi jedes Semester zum Prüfungssemester zu machen.

Ein weiteres zentrales Problem stellen offenbar die Überschneidungen von Lehrveranstaltungen dar (S. 20). Besonders hoch waren die Überschneidungen mit 57% zwischen Kernfach und Modulangebot bzw. affinen Bereich sowie zwischen ABV und dem Kernfach oder Modulangebot bzw. affinem Bereich mit 45% (S. 21). Eine Mehrheit von 61% der von Überschneidungen betroffenen Studierenden gab an, kein tragfähiges Angebot zur Überwindung der Problematik erhalten zu haben.

Zufriedenheit mit den BA-Studiengängen

Insgesamt ist eine Mehrheit von 68% im 2. Fachsemester und von 65% im 4. Fachsemester eher zufrieden mit dem Bachelorstudiengängen (S. 22). Das bedeutet aber eben auch, dass gut ein Drittel der BA-Studierenden mit dem Studium an der FU eher unzufrieden ist. Die Hauptursachen für die Unzufriedenheit fassen die Autoren des Papiers wie folgt zusammen (S. 23):

„Was die Unzufriedenheit mit dem Bachelorstudium betrifft, werden vor allem folgende Faktoren moniert: ein subjektiv als zu hoch empfundener Arbeitsaufwand, die Prüfungskumulation zum Ende der Vorlesungszeit (Gefühl der Überforderung) in Zusammenhang mit der mangelnden Transparenz der Studienanforderungen, eine als problematisch empfundenen Studienorganisation, fehlende bzw. widersprüchliche Informationen sowie Defizite in der Betreuung und Beratung. Hinzu kommen für die Bachelorstudierenden der Leistungsdruck aufgrund des zum Zeitpunkt der Befragung ungeklärten Zugangs zum Masterstudium und die ungewisse Berufsperspektive. In dieser Situation fehlt den Studierenden offensichtlich die notwendige Beratung und Betreuung.“

Was ihnen tatsächlichen fehlt, ist ein vernünftiges Studium und keine abgespeckte Ausbildung in sechs Semestern, wie sie der BA nun mal darstellt. Auch kann alle Beratung und Betreuung nicht darüber hinweg helfen, dass die FU wie oben bereits angesprochen gar nicht daran denkt, allen BA-AbsolventInnen optional einen Weitergang bis zum MA anzubieten, während die Berufsperspektiven für BA-AbsolventInnen weiterhin mehr als ungewiss bleiben.

Weiterhin keine allgemein zugängliche Aufschlüssung nach Fachbereichen

Das Ergebnis der Umfrage weist zwischen den verschiedenen BA-Studiengängen teilweise erhebliche Unterschiede auf, wie die Autoren gleich zu Beginn betonen (S.4). Dennoch werden die differenzierten Ergebnisse die einzelnen Studiengänge betreffend nur den Fachbereichen zugestellt. Im LHG News Blog heißt es dazu:

„Auf Nachfrage sollten die Fachbereichsergebnisse jedoch mindestens allen studentischen Gremienvertretern am jeweiligen Fachbereich, wenn nicht allen interessierten Studierenden über das Dekanat zugänglich sein. Wir setzen uns auch dort für einen offenen fachbereichsweiten Diskurs über die Ergebnisse und den sich daraus ergebenden Folgen ein.“

Zu wünschen wäre wirklich, dass die fachbereichsbezogenen Ergebnisse den Studierenden ebenfalls zugänglich gemacht werden. Die daraus letztendlich resultierende Vergleichbar von Fachbereichen bzw. Studiengängen wird auch von vielen Studieren kritisch gesehen, letztendlich kann man aber nur aus so einem Vergleich folgern, wo es an der Uni an einigen Ecken stärker „brennt“ als an anderen, was dann eben bis zu einem bestimmten Grad vielleicht auch Rückschlüsse zuließe, wie die Uni-Leitung einen Fachbereich gegenüber einem anderen bevorteilt oder wo fachbereichsintern mehr Mist gebaut wird als anderswo. Wenn Fachbereich A eine besser konzipierte Studienordnung hat als Fachbereich B, dann könnte B von A lernen und die Studierenden von Fachbereich B hätten ein Druckmittel gegenüber der eigenen Fachbereichsleitung diesen Lernprozess einzuleiten.

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3 Antworten to “Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online”

  1. HU-Studierende veröffentlichen Studie zur BA/MA-Einführung « FUwatch Says:

    […] die FU plant. Nicht zuletzt um eine Vergleichsmöglichkeit zur Umfrage des FU-Präsidiums (siehe “Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online”) zu haben. Interessierte sollten sich an studierbarkeit.fub[at]gmx.de […]

  2. FU interessiert sich für studentische Studierbarkeitsumfrage « FUwatch Says:

    […] an der FU”), die auch eine Alternative zur (alten) Bachelor-Umfrage des Präsidiums (siehe “Ergebnisse der Bachelor-Umfrage endlich online”) sein sollte, bei diesem jedoch nicht besonders beliebt war (siehe “ZEDAT-Verschickung mit […]

  3. FU veröffentlicht Ergebnisse der neuen Bachelorumfrage « FUwatch Says:

    […] Erhebung baut auf der Bachelorbefragung von 2006 und der Exmatrikuliertenbefragung von 2007 auf und zeichnet das Bild einer Verbesserung der […]

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