Blackboard Patent-Streit / Videokonferenzsaal

Während man bei der CeDiS not amused über die kritische Darstellung des FU-eigenen e-Learning-Angebots ist („deine kritik ist also in dem punkt völlig unberechtigt“, „details kann ich wie immer nicht verraten, aber das sollte nicht zu spekulationen eurerseits führen“), weisen die Kollegen vom DEFO- und vom LHG OSI-Blog auf andere Entwicklungen hin, die auch zu diesem Thema passen.

Der Kommilitone Stephan Manske schreibt über einen Patent-Streit in den USA in dessen Mittelpunkt die Blackboard Inc. steht:

[Blackboard Inc.] „hat nämlich ein oder wie Kritiker sagen das Patent auf nahezu alle programmierbaren netzunterstützten Lehr- und Lernsysteme bzw. ‚a system for providing to a community of users access to a plurality of online courses‘

Für Stephan ergibt sich daraus ein möglicher Vorteil für die FU, die mit der Wahl der Blackboard Academic Suite als LMS-Softwarelösung auf der sicheren Seite steht, sollte sich Blackboard Inc. in diesem in den USA erbittert geführt Patent-Rechtsstreit tatsächlich durchsetzen. Gleichzeitig führt er aber an, dass ein solches Softwarepatent nach geltender Rechtslage in Europa kaum Bestand haben dürfte (der Vorstoß in der EU eine Richtlinie zur Patentierbarkeit von „computerimplementierter Erfindungen“ durchzusetzen, scheiterte vorerst im Juli 2005; siehe Wikipedia).

Da Softwarepatente mehr als umstritten sind und es zurecht eine internationale Bewegung gegen ihre Einführung / Beibehaltung gibt, ist das für mich – normativ – eher ein klares Argument gegen die Verwendung von Blackboard als LMS, da die Blackboard Inc. eine solche äußerst fragwürdige Pro-Softwarepatent- Geschäftspolitik betreibt.

Zeitgleich weist Ronny Patz auf eine Neuerung am OSI hin: Der Fachbereich PolSoz besitzt seit kurzem einen Videokonferenzsaal! Zumindest theoretisch bietet der Saal die Möglichkeit wirklich mal ein wenig „e-Learning“ zu betreiben. So frotzelt Ronny über die möglichen Verwendungszwecke unter anderem:

„4. Für Vorlesungen: Statt hundertfünfzig Studierende für eine Vorlesung in die Ihne 22/E1 zu stopfen könnten die Studierenden eine Vorlesung bequem in der Cafeteria verfolgen. Die Anwesenheit wird über den Abgleich mit der IP-Adresse garantiert und für alle Menschen auf der Welt auf StudiVZ publiziert.

5. Für Studierende in anderen Bundesländern, die wegen Studiengebühren kein Studium anfangen konnten: Seminare (zu Themen, für die maximal 20 Studierende kommen) finden im Konferenzsaal statt und geben den Außenstehenden eine Vorstellung davon, was sie hätten haben können, wenn ihre Eltern genügend Geld gehabt hätten.“

Das hatten wir neulich auch in unserem e-Learning Seminar: Wäre es nicht schön, sich eine Vorlesung die um 8 Uhr morgens stattfindet erst um 12 Uhr mittags als Aufzeichnung anzusehen und sich dafür nicht mal in einen überfüllten Vorlesungssaal zwängen zu müssen, sondern das Ganze vor dem heimischen PC bei einer Tasse Kaffee konsumieren zu können?

Und das wäre ja nur die Nutzung als Aufzeichnung, „Konferenz“ meint ja, dass die andere Seite – sofern sie über eine entsprechende technische Ausrüstung verfügt – sich aktiv ins Geschehen einklinken kann. Und wenn der Prof dann mal nervt, einfach den Ton abdrehen und nur hin und wieder nicken bzw. einen Garderobenständer vor der Webcam postieren, bei einem Low-Quality-Connect merkt das ohnehin keiner. Hach, das wär’s doch.

Mal abgesehen davon, dass ein solches „Fernstudium“ via Videkonferenzen natürlich diverse negative Folgewirkungen haben kann (deren Ausführung den Rahmen dieses Posts sprengen würde), stellt sich natürlich die Frage, ob so etwas überhaupt für den PolSoz-Videokonferenzsaal vorgesehen ist. Das Foto auf der entsprechenden Website mit Konstrukti Risse suggeriert jedenfalls, es ginge hier eher um den Gedankenaustausch zwischen Dozierenden und Dozierenden, weniger zwischen Dozierenden und Studierenden. Der Raum selbst hat maximal Platz für 23 Personen und als Empfänger kommen wohl nicht etwa die großen Hörsäle im Henry-Ford-Bau in Frage, sondern nur andere spezielle Videokonferenzräume (etwa im Ausland), die kaum mehr Sitzplätze zur Verfügung haben werden als wir in unserem tollen „Videokonferenzsaal“.

Unklar ist, inwieweit man auch Konferenzen über das Internet abhalten kann (denn dann könnten Studierende zumindest vor dem heimischen PC partizipieren). In der Werbebroschüre kann man zwar nachlesen, dass alle nötigen Protokolle/Standards unterstützt werden (siehe letzte Seite), ob aber auch am FB PolSoz geplant ist, Konferenzen über das LAN hinaus im Netz zugänglich zu machen, bleibt abzuwarten.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen den „CeDiS-Blackboard-Komplex“ betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

Eine Antwort to “Blackboard Patent-Streit / Videokonferenzsaal”

  1. Open-Source-Anwälte schrecken Blackboard Inc. auf « FUwatch Says:

    […] bei 9:20 nachmittags · Gespeichert unter Software, Protest, FU Wie berichtet versucht Blackboard Inc., Hersteller der auch an der FU eingesetzten “Blackboard Academic […]

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: