Dubai Segbers verspottet Grottian und Narr

Wie der Kommilitone Martin Kaul gestern in der taz berichtete, hat der Anti-Bachelor-Aufruf von Grottian und Narr („Bachelor macht dumm“, taz, 08.11.06) am OSI für Knatsch gesorgt. Für besondere Verärgerung sorgte folgender Satz:

„Die von einer Vorstufe der Banalität des Bösen geprägten Prozesse des Entlernens kulminieren in der Struktur der Bachelor-Studiengänge.“ („Bachelor macht dumm“, taz, 08.11.06)

Dazu Martin im gestrigen taz Artikel:

„Der Begriff ‚Banalität des Bösen‘ stammt von Hannah Arendt. Im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Adolf Eichmann 1961, einen der hauptverantwortlichen Organisatoren des Holocausts, hatte sie mit dem Begriff auf die vermeintliche Banalität etwa der ’schier gedankenlosen‘ bürokratischen Folgsamkeit hingewiesen, die Mitursache am Völkermord an sechs Millionen Juden gewesen sei.

Dies auf die Konstitution des Hochschulwesens zu beziehen, hielt OSI-Direktor Massing gegenüber der taz für einen ‚unsäglichen Vergleich‘, der nicht hinnehmbar sei. ‚Hier werden Studierende und Kollegen beschimpft, die sich an unserem Institut dafür eingesetzt haben, den kritisierbaren Bachelor in vernünftige Bahnen zu lenken‘, sagte Massing. Er gehe davon aus, dass die Äußerungen der Professoren auch auf der Sitzung des Institutsrats Anfang Dezember thematisiert würden.“ („Provokateure sollen Abbitte leisten“, taz, 17.11.06)

„In vernünftige Bahnen zu lenken“? Vernünftig wäre a) die Abschaffung von BA/MA oder b) die Ausdehnung des BAs auf mindestens acht oder neun Semester oder c) die Garantie, dass jeder der einen BA Polwiss macht anschließend auch einen MA Polwiss draufsatteln kann. Lediglich die Studienordnung etwas zu überarbeiten kann dagegen nur eine Notlösung sein, die aber nichts am grundsätzlichen Problem des BAs ändert (das Narr und Grottian durchaus treffend skizzieren). Der Verweis auf „eine Vorstufe der Banalität des Bösen“ war in der Tat ein Missgriff, ändert aber auch nichts daran, dass Grottian und Narrs Kritik am Bachelor ansonsten berechtigt ist.

Doch der Aufruf hat rein symbolischen Charakter, dass sich jetzt mehr Studierende als die „üblichen Verdächtigen“ engagieren und gegen die Bachelor-Studiengänge erheben, ist äußerst unwahrscheinlich. Auch in der Dozentenschaft wird nach einer kurzen Welle der Entrüstung (über Grottian/Narr, nicht über den BA) von diesem Versuch eine kontroverse Diskussion anzustoßen nicht viel übrig bleiben. Insofern hat Dubai Segbers nicht unrecht wenn er spottet:

„‚Den beiden sind die revolutionären Garden abhanden gekommen, die es hier möglicherweise mal gegeben hat‘, so OSI-Prof Klaus Segbers: ‚Professoren meiner Generation haben keine Zeit, sich mit solchen Debatten zu beschäftigen.'“ (zitiert in „Provokateure sollen Abbitte leisten“, taz, 17.11.06)

Dass ein Professor wie Segbers zwischen Präsenzverpflichtungen in Dubai und exklusiven Masterporgrammen keine Zeit mehr für Grundsatzdebatten über die Problematik von verschulten Bachelor-Studiengängen hat, ahnte man ja irgendwie schon. SEMTIX stellt dazu fest, dass „Klaus Segbers ein gutes Beispiel für eine völlig unkritische und verflachte Lehre ohne Substanz ist, die inzwischen leider typisch für das Otto-Suhr-Institut geworden ist.“

Doch auch die Studierenden haben für den Widerstand gegen den BA und die mit ihm einhergehende Entmündigung keine Zeit, wenn auch aus anderen Gründen, wie die hochschulpolitische Referentin des AStAs, Jenny Simon, am Ende des taz-Artikels zitiert wird: „Viele Studierende stehen den Problemen der Bachelor-Studiengänge ohnmächtig gegenüber, zudem lassen die restriktiven Anforderungen der neuen Studiengänge weniger Raum für politisches Engagement“ (zitiert in taz, 17.11.06).

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