StudiVZ in der Kritik

Spiegel Online widmete gestern einen längeren Artikel den Problemen des „Online-Studentennetzes“ StudiVZ. Als deutsches Kommunikationsforum für Studierende mit dem us-amerikanischen Pendant Facebook vergleichbar (ums mal diplomatisch zu formulieren), erfreut es sich zunehmend großer Beliebtheit unter den Studierenden. Ehssan Dariani, der Gründer von StudiVZ, wollte im Zuge der bereits losgetretenen Web-2.0-Übernahme-Welle (YouTube, MySpace, etc.) demnächst offenbar den großen Reibach machen (das suggeriert zumindest der SpOn-Artikel), hat allerdings mit einigen Problemen zu kämpfen. So schreibt Spiegel Online unter anderem über Dariana selbst:

„Nicht nur, dass der 26-jährige Startup-Gründer nächtens durch Berlin streift und bizarre Filme von Frauen veröffentlicht, zum Beispiel aus der U-Bahn oder von einer Party-Toilette (vielsagender Titel: ‚chick auf mitte party // WC‘). Schon vor Monaten sicherte sich Dariani die Adressen voelkischer-beobachter.de und voelkischerbeobachter.de. Die Seiten wurden mit einem überarbeiteten Titelblatt der Nazi-Zeitung verziert – eine Party-Einladung sollte das sein. Immerhin thronte der Reichsadler nicht auf einem Hakenkreuz, sondern auf dem Logo von StudiVZ. Die Publikation wurde ‚Kampfblatt der Vernetzungsbewegung Europas‘ genannt.“ (Spiegel Online, 15.11.06)

Obgleich später als Satire bezeichnet, kam diese Nazisymbolik wohl bei vielen weniger gut an. Der eigentliche Skandal liegt indes darin, dass ein solches Verhaltensmuster für viele Studierende so untypisch gar nicht ist. Ordentliche Saufpartys, pubertäre Späßchen mit dem Fotohandy, Sexismus, das Aufbegehren gegen eine gefühlte Tabuisierung („dass ich die deutsche Mentalität, die deutsche Art, wie sich die (political correct) Mehrheit mit sich und seiner Vergangenheit identifiziert, als GESCHEITERT betrachte“ zitiert in ebd.). All das sind Verhaltensmuster die inzwischen zur Normalität für ein Großteil der Studentenschaft in Deutschland gehören und teilweise an die klassischen us-amerikanischen Spring- und Summer-Break-Partys in Florida und Co. erinnern (exzessiver Alkoholkonsum, halbnackte Studentinnen, etc.).

Wirklich neu ist die Thematik natürlich nicht, osiwelt brachte den Zweck von Portalen wie Facebook z.B. schon im Juni prägnant auf den Punkt. Doch erst jetzt, wo andere häßliche Erscheinungsmerkmale bei StudiVZ hinzukommen (Geringachtung der Meinungsfreiheit, zweifelhaftes Vorgehen gegen Konkurrenten, fragwürdige Datenschutzpolitik, etc.) wirbelt das Portal auch in Mainstream Medien wie Spiegel Online Staub auf.

Wünschenswert wären wie von osiwelt schon damals angestoßen natürlich sinnvollere Formen der Vernetzung (jenseits vom Partylife). Nur dafür ist StudiVZ jetzt wohl deutlicher denn je einfach nicht der richtige Kandidat.

2 Antworten to “StudiVZ in der Kritik”

  1. StudiVZ gruschelt sich immer tiefer in den Sumpf « FUwatch Says:

    […] StudiVZ kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Nachdem der Betreiber des Online-Studentennetzes, Ehssan Dariani, erst vor kurzem wegen seiner “Nazi-Satire” und Spanner-Handy-Foto-Shots in die Kritik geraten war, walzt sich nun ein weiterer Skandal um StudiVZ von der Blogosphäre ausgehend bis in die Mainstreammedien. […]

  2. Warum StudiVZ auch diesmal unbeschadet davon kommen wird « FUwatch Says:

    […] Party-Toilette (”chick auf mitte party // WC”) beim Plattform-Gründer selbst (siehe “StudiVZ in der Kritik”), dann die Cyberstalker-Affäre und fast täglich neue Sicherheitslücken in der Software […]

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