HU-Präsident verbietet „Loose Change“-Vorführung

Wie die taz gestern berichtete, hat die HU untersagt, dass der verschwörungstheoretische Streifen zu den Anschlägen vom 11. September 2001, „Loose Change“, an der HU aufgeführt wird. Die taz schreibt:

„Das Brisante ist, dass in der Begründung der HU eine Reihe inhaltlicher Kritikpunkte an dem Film aufgeführt werden. Er enthalte ‚rassistische und diskriminierende Behauptungen‘ und sei pseudowissenschaftlich. Eine öffentliche Vorführung gefährde sowohl das Image der HU als auch ‚das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland‘. Für Veranstalter Rehmet ist das ein klarer Fall von Zensur.

HU-Präsident Christoph Markschies verteidigt die harte Linie des Vorführungsverbots: ‚An dieser Universität werden Filme mit wilden Mutmaßungen antijüdischen und antiamerikanischen Charakters, schon aufgrund ihrer Geschichte in den Jahren 1933 bis 1945, nicht öffentlich gezeigt – zumal der Film ja ohne Mühe von jedem häuslichen Schreibtisch aus gesehen werden kann‘, sagte er gegenüber der taz.“

In der Tat kann sich jeder den Film „auf seinem häuslichen Schreibtisch ansehen“, da er z.B. bei Google Videos zu finden ist. Nur das allein ist kein Grund seine Aufführung an der HU zu untersagen. Auch, dass der Inhalt zweifelhaft ist, taugt als Argument wenig. Im Gegenteil, gerade weil der Film so problematisch ist sollte er eben nicht nur am „häuslichen Schreibtisch“ gesehen werden, sondern auch in der Öffentlichkeit vorgeführt und diskutiert werden.

Wir haben uns in einem Proseminar zum Thema „NS Ideologie“ dereinst auch einen Propagandafilm aus der NS-Zeit angesehen und ihn anschließend kritisch diskutiert. Um zu analysieren, wie die NS-Propaganda gewirkt hat, kommt man nicht umhin entsprechendes Original-Material auch zu sichten.

Selbst wenn man zugrunde legt, dass „Loose Change“ tatsächlich „einen antijüdischen und antiamerikanischen Charakter“ hat, so könnte man dies doch dann auch im Rahmen einer solchen öffentlichen Vorführung anschließend diskutieren. Zwar wird „Loose Change“ gemeinhin als verschwörungstheoretisches Machwerk verdammt, nur wenige haben sich bisher aber die Mühe gemacht, Aufbau und Struktur des Films systematisch auseinanderzunehmen. Natürlich ist der Film unter aller Kanone, aber gerade wegen seines großen Wirkungsgrades sollte man ihn sich dann vielleicht mal genauer ansehen und den Inhalt auch an der Uni diskutieren, Dritten verdeutlichen mit welchen Tricks die Macher des Films arbeiten.

Man könnte natürlich einwenden, dass eine Lehrveranstaltung etwas anderes ist, als eine solche öffentliche Vorführung. Nur muss es doch auch auf letzterer Wege geben, den Film anschließend mit den Zuschauern zu diskutieren. Die Vorführung des Films mit dem Hinweis auf seinen zweifelhaften Inhalt zu untersagen ist jedenfalls die denkbar schlecheste Form mit so etwas wie „Loose Change“ umzugehen.

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