Schlossplatz hoch drei

Und immer wenn du denkst, es geht nicht noch glatter und schmieriger, wird so ein neues, steriles Hochglanz-Magazin herausgebraucht. So geschehen bei der Hertie School of Governance die jetzt mit „Schlossplatz³“ (oder wie die coolen Leute von der Hertie auch sagen: „sp3“) etwas in dieser Kategorie am Start hat.

„The magazine presents a reflection upon the interdependence of current policy issues. Most of today’s economic, political and societal challenges need different perspectives and approaches that combine the public and the private sector as well as civil society. If we are to understand and solve the questions of our time we have to be mindful of the role of these actors – hence the ‚3‘ (‚to the power of three‘) in the title: An allusion to our credo that it is a crucial task to unite all three in finding solutions to common tasks. None of the three actors is capable, on their own, of tackling present or future challenges. Therefore, it is time that we try to establish and foster a fruitful debate between all different sectors of society.“

„An allusion to our credo that it is a crucial task to unite all three in finding solutions to common tasks“, herrlich. Worum es natürlich in Wahrheit geht, ist wie immer heiße Luft. Das eigentliche „credo“ der Hertie School heißt „Name dropping“. Die erste Ausgabe enthält ein Interview mit Ralf Dahrendorf, eines mit Detlev Mehlis und noch eines mit Klaus Wowereit. Auch Kurt Biedenkopf darf natürlich seinen Senf abgeben. Cicero ick hör dir trapsen.

Inhaltlich am Interessantesten ist sicherlich noch der Artikel zum Grundeinkommen von Götz Werner und André Presse, auch wenn er wenig Neues bringt (Werners Position pro Grundeinkommen ist hinlänglich bekannt). Auch den Artikel von Alfred Grosser über „The Role of the Unions in France“ kann man sich ruhig mal geben. Das Angenehmste in der gesamten Ausgabe sind jedoch zwei Fotos von Cornelia Woll. Der Erkenntnisgewinn des Interviews mit ihr über einen Lobbying-Vergleich zwischen Washington und Brüssel hält sich dagegen in Grenzen.

Unterm Strich dient das Magazin der Selbstinszenierung, die HSoG möchte die Leserschaft wissen lassen, wen sie so alles kennt und was für schneidige Leute sie ausbildet. Kritisches oder Subversives findet sich dabei natürlich nicht. Offenbar kann allerdings selbst die Hertie School so ein Hochglanz-Magazin nicht aus der eigenen Kasse zahlen, wie die ganzseitige Werbung von „Pfalzmöbel“ und der „Deutschen Bank“ am Ende der Ausgabe verdeutlicht. So wird dem Leser dann zum Schluss noch mal nachdrücklich vor Augen geführt, wo die Hertie School einzuordnen ist.

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