Die Uni-Leitungen träumen weiter von der einzig wahren Elite

SEMTIX macht auf einen gestrigen Tagesspiegel-Artikel aufmerksam, demnach die die Berliner Universitäten eine Verfassungsbeschwerde planen. Der Grund: eine Änderung des Hochschulgesetzes durch den Senat, die sicherstellen soll, dass der BA-Abschluss die einzige Zugangsvoraussetzung für einen MA-Studiengang ist:

„Worum geht es? Die Regierungskoalition aus SPD und Linkspartei wünschte sich weit offene Türen zum Master. Deshalb änderte sie das Hochschulgesetz: Der Bachelorabschluss soll die einzige Zugangsvoraussetzung für solche Masterstudiengänge sein, die nicht direkt auf einen bestimmten Bachelorstudiengang aufbauen (’nicht-konsekutive Master‘). Das heißt, solange es freie Plätze gibt, müssen die Hochschulen auch Bachelor-Absolventen aufnehmen, die sie für ungeeignet halten. Erst wenn mehr Studierende sich bewerben als Plätze frei sind, dürfen die Hochschulen sich Bewerber nach den im Hochschulzulassungsgesetz festgelegten Bestimmungen aussuchen. […] Aus Sicht der Hochschulen zwingt sie das Gesetz zu einem ‚extrem niedrigen Niveau‘, da sie die Bewerber nicht auswählen dürften. Zu befürchten sei auch, dass die zwangsweise aufgenommenen, aber ungeeigneten Studierenden abbrechen oder die Regelstudienzeit überschreiten.“ (Tagesspiegel, 28.09.06)

Ja, das wäre auch zu ärgerlich, wenn „ungeeignete Studierende“ ihr Studium abbrechen oder die Regelstudienzeit überschreiten. Wie will man denn eine echte Elite heranbilden, wenn man solche „Subjekte“ in den eigenen Reihen weiß. Mal abgesehen davon, dass das „elitäre Image“ der Uni darunter womöglich stark leiden würde. Das geht natürlich nicht, also immer feste druff mit dem Knüppel. Statt sich darüber Gedanken zu machen, warum so viele Studierende nicht innerhalb der Regelstudienzeit studieren (und ob das überhaupt erstrebenswert ist) oder ihr Studium abbrechen, und was man dagegen tun kann, versucht man lieber gleich präventiv auszusieben.

Einerseits ist der Bachelor kein dem alten Diplom entsprechender Abschluss, andererseits soll aber nach dem Willen der Hochschulen auch nicht jedem/r BA-AbsolventIn die Möglichkeit geboten werden einen MA zu machen – selbst wenn dafür noch Studienplätze frei wären. Wenn die Hochschulen damit durchkommen, wäre der Selektionsgrad einmal mehr deutlich erhöht worden.

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2 Antworten to “Die Uni-Leitungen träumen weiter von der einzig wahren Elite”

  1. FU Präsidium hält Ergebnisse der Bachelor-Umfrage weiter unter Verschluss « FUwatch Says:

    […] Bekannt wurde aber z.B., dass knapp die Hälfte der Befragten erwerbstätig sind und nur eine kleine Minderheit (8%) nach dem Bachelor ihr Studium definitiv beenden will. Der Rest möchte auf jeden Fall noch einen Master draufsatteln oder ist sich noch nicht sicher. Angesichts der Tatsache, dass inzwischen sogar eine künstliche Verknappung der MA-Zulassungen im Gespräch ist, dürfte es hier für viele ein häßliches Erwachen geben. […]

  2. Volxbegehren für offene und demokratische Hochschulen « FUwatch Says:

    […] Auch die “künstliche Verknappung” ist ja immer wieder im Gespräch. Um einen “Qualitätsstandard” zu wahren, ist es demnach theoretisch auch denkbar, dass nicht jeder freie MA-Studienplatz zugeteilt wird, weil man im Zweifelsfall eben lieber ein paar Studienplätze unbesetzt lässt, statt sie BewerberInnen zuzuschlagen, deren Qualifikation als zu niedrig empfunden wird (siehe: “Die Uni-Leitungen träumen weiter von der einzig wahren Elite”). […]

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