FU BEST Program und Ekkehard Klausa

Das FU-BEST Program (kurz für Berlin European Studies) richtet sich in erster Linie an Studierende aus dem Ausland. Es möchte ihnen Europa, Deutschland, Berlin und die Deutsche Sprache näherbringen. Natürlich nicht ganz kostenlos:

„Tuition: 3,000 Euro per semester for the Fall and Spring semesters, 500 Euro for the German-style Sommersemster; Program Fee: 2,900 Euro per semester when housing in a single-occupancy, fully furnished studio apartment is selected; 3,200 Euro per semester when a homestay (incl. breakfast and dinner) is selected“ („Financial and housing information…“)

Ob es für Kaviar und Hummer einen Aufpreis gibt, war leider nicht zu erfahren. Immerhin ist aber eine nette Villa als Lehrräumlichkeit samt Weihnachtsbaum und devoter Gedenktafel inklusive.

In ihrer unendlichen Großzügigkeit erlauben die Macher des BEST Programs „im Prinzip“ auch 2 bis 3 FU-Studierenden pro Kurs die Teilnahme. So auch für eine Veranstaltung „The Human Condition and the Totalitarian Experience“ die am OSI und IfS als Proseminar anerkannt wird. Zu den „Teilnahmevoraussetzungen“ zählt unter anderem eine…

„Zulassungsbescheinigung durch den Academic Director des FU-BEST Programms. Pro FU-BEST Kurs stehen regulären FU Studierenden im Prinzip 2 oder 3 Plätze zur Verfügung. Die Auswahl von FU Teilnehmer/innen macht aber letztendlich das FU-BEST Programm selbst.“ (Einladung des FU-BEST Programs)

Zahlen müssen FU-Studierende bis auf die normalen „Studiengebühren“ (?) allerdings nichts.

Die „Causa Klausa“

Geleitet wird dieses Seminar von Dr. Ekkehard Klausa, den die „AG Kritikal“ besonders innig in ihr Herz geschlossen hat:

„In der Folgezeit offenbarte sich, was für ein Anhänger von nationalem Pathos unser Dozent ist und was alles an Menschenverachtung, Borniertheit, Rassismus und Antisemitismus herauskommt, wenn ein Mensch einfach nicht seine deutschnationale Brille abnehmen kann und also ständig Gegensätze wie („autochthon“) Deutsche/Fremde und Deutsche/Jüdinnen und Juden aufmacht. […] Im Anschluss an dieses Referat folgte dann der bisherige Höhepunkt, als es eine Diskussion darüber gab, ob die Menschen generell in Rassen einzuteilen sind. Dabei warf Klausa einer Studentin Besessenheit vor, weil sie sich gegen den Begriff der Rasse und die Behauptung, Rassismus sei nur die wertende Kategorisierung von Menschen in Rassen, sperrte.“ (AG Kritikal am Institut für Soziologie: „Ein interessantes Seminar…“ in: AStA-Info Nr. 7, Januar 2005)

Klausa hat unter anderem in der Zeitschrift „MUT“ veröffentlicht („Leitkultur – ein globales Problem und eine sehr deutsche Debatte“, MUT, Nr. 423), die eine sehr „bewegte“ Vergangenheit hat: Mitte der 1960er gegründet, hatte das Blatt zunächst eine klar rechtsextreme Position (laut Verfassungsschutz). Anfang der 1980er schaffte es die Wende und gewann Autoren wie Dahrendorf und Giordano. Zu den Herausgebern zählt heute unter anderem Peter Steinbach. Doch „einige Kritiker zweifeln an der Wandlungsthese und wollen weiterhin einen neurechten Kern erkennen“ (Wikipedia).

Die AG Kritikal widmete Klausa sogar eine ganze Broschüre, „Die Causa Klausa“, welche in digitaler Form leider nicht verfügbar zu sein scheint. Dieses Papier dokumentiert angeblich ausführlich Klausas wandeln auf Walsers Wegen.

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Eine Antwort to “FU BEST Program und Ekkehard Klausa”

  1. Barbara de Souza Says:

    MEIN KOMMENTAR:

    Ich als Ausländerin habe seinerzeit mit Verwunderung den misslungenen Versuch der „AG Kritikal“ miterlebt, Herrn Klausa in einer als wissenschaftliches Symposion getarnten Wahlkampfveranstaltung den Prozess zu machen. Klausa erschien dort zum Entsetzen der Veranstalter mit den Studierenden seines Seminars, dessen Sitzung „Kritikal“ einmal gewaltsam verhindert hatte, und spuckte diesen jungen Ideologen kräftig in die Suppe. Uns Ausländern hat früher der deutsche nationalistische Extremismus Angst gemacht. „Kritikal“ macht das gleiche mit umgekehrtem Vorzeichen: die „Bewegung der Anti-Deutschen“ erklärt, sie wolle die polnische Ostgrenze gern an die französische Westgrenze vorverlegen.

    Dass die „AG Kritikal“ ihre „ganze Broschüre“ nicht digital verfügbar macht, zeigt immerhin einen Rest Schamgefühl und damit eine überraschende Reife. Denn es ist eine absolut verkorkste Seminararbeit eines soziologischen Erstsemesters. Damit Ihre Leser wenigstens in den Genuss einiger Zitate kommen, füge ich Ihnen hier die Stellungnahme bei, die Klausa und seine Studierenden bei der Kritikal-Wahlkampfveranstaltung verteilten:

    Ekkehard Klausa , Institut für Soziologie an der FU Berlin

    BRAUCHEN STUDIERENDE ANDERE STUDIERENDE ALS VORMÜNDER ?

    Ich meine: nein. Anders sieht es die „AG Kritikal“, die am 12. Januar den Studierenden meiner soziologischen Übung „Staat als Integration: Erinnerungs- und Symbolpolitik“ verbot, an meiner Lehrveranstaltung teilzunehmen, indem sie mir mit Gewalt den Zutritt verwehrte. Die Blockade wurde mit einem verleumderischen Spruchband ausgeschmückt, das mich als „Rassisten“ bezeichnete. Zur Begründung zirkuliert ein 20-seitiges Pamphlet mit der Überschrift „Die Causa Klausa – Antisemitismus und Nationalismus haben viele Namen, einer ist: Ekkehard Klausa“.

    Der Zusammenhang dürfte folgender sein: in meiner Veranstaltung war anfangs ein Student, der anonym bleiben wollte und sich weder in der Teilnahmeliste noch in den Anwesenheitslisten der Sitzungen eintrug. Er opponierte heftig gegen fast alles, was gesagt wurde, was mir zur Belebung der Diskussion ganz recht war. Allerdings waren seine Argumente („alles Scheiß“) oft für eine inhaltliche Diskussion zu wenig greifbar. Einmal referierte eine Studentin Ernest Renans klassische Rede „Was ist eine Nation?“ und erwähnte dabei, dass Renan u.a. folgende Definitionsmerkmale für Nation ablehnte: Ethnische Abstammung, Sprache, Rasse. Daraufhin erklärte der anonyme Student, schon die Erwähnung des Begriffs Rasse sei rassistisch – es gebe keine Rassen, nur Menschen. Auf meine Frage, ob dann auch „affirmative action“ zur Förderung benachteiligter rassischer Minderheiten rassistisch sei, wusste er keine Antwort. Kurz darauf verschwand dieser Student endgültig aus der Lehrveranstaltung, einige Tage darauf verschwand aus dem Handapparat der Aktenordner mit den gemeinsam zu lesenden Texten (von Jürgen Habermas, Rudolf Smend, Volkhard Knigge, Christoph Stölzl, Peter Reichel usw. sowie einigen Artikeln von mir). Zwei Wochen später tauchte er wieder auf, offenbar nach Auswertung durch „Kritikal“.

    Wäre ich ein so flinker Untersteller wie die „AG Kritikal“, so erschiene es mir nicht als Zufall, dass die Teilnehmer/innen meiner Übung wegen des verschwundenen Aktenordners ausgerechnet den Habermas-Text nicht vorbereiten konnten („Was bedeutet ‚Aufarbeitung der Vergangenheit’ heute?“). Aha! Habermas hat für die blockierenden Vormünder und Zensur ausübenden selbsternannten Sendboten des Weltgeistes ja einst das treffende Etikett „Linksfaschismus“ geprägt.

    Ich will aus dem Pamphlet nur einige Argumente zitieren und kommentieren, mehr lohnt nicht. Über viele Seiten hat es überhaupt nichts mit mir und den Thesen meines Diskussionspapiers für die Übung zu tun, sondern macht das, was 1968 die Erstsemester im „Kapital“-Lektürekurs taten: erste politökonomische Gehversuche („Gleichheit heißt … sowohl einE UnternehmerIn als auch einE ArbeiterIn darf … am Kotti nächtigen … materielle Unt8erschiede werden mit der Gleichheit aller
    (re-)produziert“ , S.11]). Immerhin habe ich dabei gelernt, dass die feministisch korrekte Übersetzung von „jemand“ heutzutage „jemenschd“ heißt (S. 12).

    „Kritikal“ bemüht sich, einem Diskussionpapier von mir Antisemitismus nachzuweisen, aber natürlich vergeblich, weil keiner drin ist (wer dieses Papier „Gedenken in Deutschland“ lesen will, dem maile ich es gern. Anfragen bitte auf Mailadresse Ekkehard@Klausa.de).- „Kritikal“ schreibt also:

    • Kritik an Israel sei antisemitisch (S. 2f). Nur ist in meinem Text von Israel mit keinem Wort die Rede.

    • Wer überhaupt von Nation und nationaler Identität spricht, macht „rassistische und antisemitische diskursive Praktiken (wieder) hoffähig, … sind doch Rassismus, völkischer Nationalismus und Antisemitismus der Konstruktion der deutschen Nation immanent“ (S. 4). Ach ja?

    • Es „wütet“ in Klausa, denn er findet, das Holocaust-Mahnmal sei kein Ehrenmal, es sei ein Schandmal. Dazu „Kritikal“: „Schandmal. Die Erinnerung an die vom deutschen TäterInnenkollektiv ermordeten JüdInnen stellt also eine Schande dar. Die … Haltung Klausas stellt … einen Skandal dar“ (S. 6). Das kann man, trotz Pisa, schon nicht mehr mit einem begriffsstutzigen Missverständnis von „Kritikal“ entschuldigen, sondern es ist eine böswillige Verdrehung – in der Hoffnung, niemand werde es mit Klausas Originaltext vergleichen. Dort steht nicht, dass „die Erinnerung eine Schande“ ist, sondern dass die „Erinnerung an die Schande“ der eigenen Nation ein sehr positives und notwendiges Element der deutschen Erinnerungskultur ist. (zB S. 9: „Es scheint, dass die außergewöhnliche selbstkritische nationale Repräsentation in Deutschland Vorläufer werden könnte … Die Russische Memorial-Bewegung fordert seit Jahren ein Denkmal für die Opfer des Stalinismus – und ohne die Aufarbeitung dieser Vergangenheit wird Russland kaum zur Demokratie werden“. So wie auch Deutschland ohne das Bekenntnis der Naziverbrechen nicht zur zivilgesellschaftlichen Demokratie hätte werden können – das stand z.B. in dem Habermas-Text, den wir gelesen hätten, wenn „Kritikal“ es nicht verhindert hätte.

    • Klausa spricht vom „Völkermord an den Zigeunern“. Dazu „Kritikal“ (Fn 17): „Für uns stellt es einen Skandal dar, dass Klausa in seinem Text Sinti und Roma mit dem lange tradierten Schimpfwort ‚Zigeuner’ beleidigt.“ „Kritikal“ sollte sich ein wenig informieren und würde dabei folgendes erfahren: die „Sinti-Allianz Deutschland“ fordert, das Mahnmal sollte „den ermordeten Zigeunern“ gewidmet werden, weil nicht nur Sinti und Roma, sondern auch andere Zigeunerstämme wie Manusch, Kale und Lalleri unter den Opfern waren. Im übrigen sei Zigeuner kein Schimpfwort, sondern international üblich (ciganes, gypsies) und werde von den meisten Beteiligten selbst benutzt. Also eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Verbänden der Betroffenen selbst (Zentralrat der Sinti und Roma ./. Sinti-Allianz Deutschland).

    • Klausa negiert nach Auffassung von „Kritikal“ (S. 7) die „Singularität der Shoah“, wenn er darauf verweist, dass die USA den gepeinigten Sklaven und die Engländer den zusammengeschossenen Indern von Amritsar kein Mahnmal gesetzt haben.- Das exakte Gegenteil ist der Fall. Klausa schreibt vielmehr (S.2), dass die „Monstrosität der Naziverbrechen und vor allem des Holocaust“ uns, anders als den anderen Völkern, die „Beschäftigung nur mit den schönen und angenehmen Antiquitäten der Geschichte“ verbietet. Wenn Klausa aber schreibt, der Holocaust zwinge die Deutschen zu dieser selbstkritischen nationalen Repräsentation, so meint er nach „Kritikal“ (S. 7) in Wahrheit, „die JüdInnen“ zwängen die Deutschen „mit Mauscheleien zum Gedenken und zum Schuldeingeständnis“. Nein, sondern die Monstrosität der eigenen Taten im Holocaust verpflichtet uns dazu. Ich finde, von Leuten mit Abitur könnte man ein bisschen intelligentere Verleumdungen erwarten.

    • Wenn Klausa schreibt, Frau Rosh habe für ihr Denkmalsprojekt „Unterstützer aus der Großindustrie“ gewonnen, so ist das nach „Kritikal“ (S. 8) für Klausa heimlich eine antisemitische „Chiffre“ für „jüdische Lobby“ und „für die angebliche ‚Allmacht’ und den ‚Reichtum’ der JüdInnen“. Wieder hapert es leider mit der Information von „Kritikal“. Diese Vertreter der „Großindustrie“ waren nämlich die Firmen Daimler-Benz und Bosch. Diese sind – vor „Kritikal“ – noch von niemandem mit „jüdischer Lobby“ und „jüdischer Allmacht“ assoziiert worden. Also immerhin: für einen sechsten APO-Aufguß eine beachtlich originelle Leistung.

    Wenn die APO-Leute einst „Kinder von Marx und Coca-Cola“ genannt wurden, dann sind die „Kritikalen“ Kinder von Karl Marx und Carl Schmitt. Dessen „Freund-Feind-Verhältnis“ scheinen sie nämlich zur Selbststabilisierung ihrer Gruppenidentität zu benötigen. Dabei suchen sie sich ihre „Feinde“ einigermaßen willkürlich aus. Sie sollten wissen: Das Gegenteil von Faschismus ist nicht „Antifaschismus“ und erst recht nicht Linksfaschismus, sondern Zivilgesellschaft. Die hat mit Diskussion und (gerne auch scharfer) Kritik zu tun, aber nicht mit Blockade, Zensur und Bevormundung von Mitstudierenden. Teilnehmer und Teilnehmerinnen meiner Übung schrieben mir unmittelbar nach dem Vorfall: „Wir bedauern diese haltlosen Anschuldigungen und verachten die Art und Weise, mit der man Ihnen gegenübergetreten ist.“

    Ich will Ihnen, den Lesern und Leserinnen, nicht noch weitere „Kritikal“-Zitate zumuten. Ich gehöre vermutlich zu den wenigen lebenden Menschen, die sich durch die gesamten 19 Seiten der „Kritikal“-Prosa einschließlich 39 Fußnoten durchgequält haben. In Fußnote 36 fand ich endlich eine Ansicht, auf die ich mich sofort mit „Kritikal“ einigen kann: „Wer nichts zu sagen hat, soll auch nicht sprechen (und auch nicht schreiben und diesen Unfug verbreiten…)“. Gut gebrüllt, Kritikal-Löwe! Nur – warum handelt du nicht danach … ?

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