Vom „Pisa-“ zum „OECD-Schock“

Nach Pisa kommt mit der neuen OECD-Studie „Education at a Glance 2006 (Bildung auf einen Blick 2006)“ (Zusammenfassung der OECD, 8 Seiten; Zusammenfassung von BMBF/KMK, 23 Seiten) nur erneut ein böses Erwachen. Während deutsche Schulen im Jahr 2001 „noch“ Mittelmaß waren, zeigt nun diese neue Studie, dass die Defizite im Hochschulbereich noch gravierender sind. Bei der Ausbildung von AkademikerInnen ist Deutschland im internationalen Vergleich noch weiter zurückfallen – trotz aller Versuche den Trend umzukehren. Der Tagesspiegel fasst zusammen:

„Der Anteil von Hochschul- und Fachhochschulabsolventen steige zu langsam, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Im 30 Staaten umfassenden OECD-Raum bilden nur die Tschechische Republik, Österreich und die Türkei weniger Akademiker aus als Deutschland. So absolvieren nur 20,6 Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium – gegenüber dem Jahr 2000 lediglich eine Steigerung von 1,3 Prozent. Andere Länder verbesserten ihre Absolventenquote weitaus stärker: In der Schweiz stieg sie um 15,5 Prozent, in Italien fast um das Doppelte. Im OECD-Durchschnitt absolvieren 34,8 Prozent eines Jahrgangs ein Studium.“ (Tagesspiegel, 13.09.06)

Im UniSpiegel heiß es zum Thema:

„Deutschland gleicht laut OECD die Rückstände in der Hochschulausbildung nur langsam aus. Dies zeige sich auch an den gestiegenen Zahlen von Studienanfängern. Das Potenzial an Studenten sei zudem weitgehend ausgeschöpft, da nur ein vergleichsweise geringer Anteil der Schüler die Hochschulreife erwerbe. Als positiv bewertet die OECD die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. (UniSpiegel, 12.09.06)

Ausgerechnet die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen wird also als eines der wenigen positiven Maßnahmen gewertet. Eine äußerst fragwürdige Deutung.

Ferner verwies SEMTIX bereits vorgestern auf einen weiteren UniSpiegel-Artikel, in dem es um die hohe, durch Studiengebühren bedingte Schuldenlast von AbsolventInnen us-amerikanischer Unis geht:

„Für manche deutschen Bildungspolitiker sind die USA ein leuchtendes Vorbild. Doch dort steigen die Studiengebühren und schrumpfen die Stipendien, junge Akademiker häufen horrende Schulden an. Viele wohnen aus Not wieder bei den Eltern – und ein Zahnarztbesuch ist Luxus. […] Auch wer nach dem Studium einen gut bezahlte Stelle bekommt, spürt die finanzielle Belastung […] vielen Berufsanfängern fehle Geld für das Nötigste.“ (UniSpiegel, 11.09.06)

Einerseits mangelt es also laut OECD in Deutschland an HochschulabsolventInnen und es erhalten zu wenige eines Jahrgangs eine Hochschulzugangsberechtigung. Andererseits werden die ohnehin zu wenigen jetzt noch zusätzlich durch Studiengebühren abeschreckt, welche sich wie das Beispiel USA zeigt äußerst negativ auswirken. Natürlich sind die in Deutschland eingeführten Gebühren bei weitem noch nicht so hoch wie in den USA, doch bereits 500 bis 1.000 Euro haben eine abschreckende Wirkung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: