Catch the orange, Don Flierl

Leider werden in das Online-Archiv des Tagesspiegels nicht die Bilder der Print-Ausgabe übernommen. Das Foto von Frank Ossenbrink, das dem heutigen Artikel über Wissenschaftssenator Flierl von Tsp-Redakteurin Anja Kühne angefügt ist, ist einfach zu schön: Flierl im Vordergrund, ganz in schwarz gekleidet, hinter ihm Wowereit auch ganz in schwarz (bis auf eine dunkelrote Krawatte) und mit Sonnenbrille. Vermutlich wurde das Bild anläßlich einer Beerdigung oder während einer Gedenkfeier aufgenommen, jedenfalls wirkt es so, als hätte man zwei Mitglieder der „ehrenwerten Gesellschaft“ vor sich – auch wegen der Gesichtsmimik, beide wirken ziemlich düster. Don Flierl und sein Bodyguard Wowi.

Die tatsächliche Rollenverteilung war natürlich eine andere, wie Kühne ganz richtig schreibt: Wowereit hat Flierl immer mal wieder abgewatscht; Flierl, „ein Mann der sich regelmäßig für öffentliche Rügen empfiehlt“ (ebd.). SPD und PDS sind sich demnach einig, dass „Flierl zwar eine interessante Persönlichkeit, aber kein Politiker sei“, wie Kühne ein ungenanntes SPD-Fraktionsmitglied zitiert. Mit 97%iger Wahrscheinlichkeit wird Flierl angeblich seinen Stuhl nach der Wahl für einen Genossen / eine Genossin räumen müssen.

Den Studierenden ist Flierl in seiner Eigenschaft als Wissenschaftssenator sicherlich in erster Linie wegen seiner häßlichen Forderung nach Studienkonten in Erinnerung, die seiner Zeit nur durch die PDS-Basis verhindert werden konnte. Die Hochschulleiter in Berlin können nicht unzufrieden mit ihm sein, er gewährte ihnen die erwünschte Autonomie und hielt sie „an der langen Leine“ (ebd.). Kühne schreibt weiter:

„Wenn Flierl dafür plädiert, weit mehr Mittel als bislang zwischen den Hochschulen nach Leistung zu verteilen, im Wettbewerb also, klingt er nicht anders als die marktliberalen Experten vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).“

Für einen PDS-Politiker natürlich ein vernichtendes Urteil. Im Wesentlichen skizziert Kühne Flierl als jemanden, der in den Zwischenwänden herumkraucht, er pendelt mal in die eine, mal in die andere Richtung („Flierl verärgerte Wowereit, als er wütenden Studenten während des großen Streiks 2003/2004 opportunistisch erklärte, nicht er, sondern Finanzsenator Sarrazin habe die Einschnitte zu verantworten.“). Ein durchaus zutreffendes Porträt. Aber auch der Hinweis, Flierl habe „auch nicht weniger vorzuweisen, als der Rest des Berliner Senats“, ist durchaus angebracht. Wesentlich besser oder schlechter als seine SenatskollegInnen war er wirklich nicht.

Zu den progressiveren Vorhaben von Flierl gehört die Ankündigung, er werde „Präsidialregime“ an den Unis nicht dulden. Jetzt soll sie endlich kommen, die lang versprochene Viertelparität – so er denn wieder Wissenschaftssenator wird. Aber mal ehrlich, wer nimmt ihm das jetzt noch ab? Da stünden die Umsetzungs-Chancen unter einer/m anderen WissenschaftssenatorIn vermutlich besser. Die Sache könnte aber natürlich auch in die andere Richtung gehen, mit einer/m WissenschaftssenatorIn der/die noch mehr vor den Präsidialregimen buckelt.

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