Die neue OSI-Zeitung – informativ aber zahnlos

Fast könnte man meinen, Frida Thurm denkt auch an die neue OSI-Zeitung (OZ) wenn sie in selbiger unsere Generation als „glatt“ beschreibt (der Artikel kann auch in der ZEIT online nachgelesen werden). Die neue OZ ist zwar informativ, wirkt aber recht zahnlos.

Der Ansatz ein „parteiübergreifendes“ Blatt zu gestalten, das sich keiner politischen Richtung zuordnen lassen möchte und sich mit der Berichterstattung auf das OSI beschränkt, ist sicherlich legitim. Dies muss aber nicht bedeuten, dass der Tonfall der sich durch die Artikel zieht so handzahm sein muss, wie dies bei der aktuellen ersten Ausgabe der Fall ist.

Besonders die Tendenz mit der Dozentenschaft zu fraternisieren wirkt etwas nervig. Nur auf der News-Seite wird in zwei Sätzen auf Prof. Hesse und die Anwesenheitslisten-Problematik eingegangen. Auch das Problem mit Prof. Riedmüller aus dem vergangenen Semester ist der Redaktion keine Nachbetrachtung wert. Stattdessen gibt es rührselige „Homestories“ in der der Leser erfährt dass Prof. Mengel mal versucht hat aus dem ADAC auszutreten und die Frau von PD Roth Vegetarierin ist.

Ist es wirklich vorteilhaft, dass ausgerechnet ein Leistungsfetischist wie Prof. Chojnacki (10 Exzerpte für einen Teilnahmeschein) die „Schirmherrschaft“ über das Mentorenprogramm hat? Wenn Prof. Segbers dem Geldadel in Dubai so zugetan ist, wäre es nicht vielleicht für alle Beteiligten das beste er würde dauerhaft dorthin entschwinden? Und was bringt uns z.B. der Governance-Sonderforschungsbereich? Wollen wir das? Das sind alles interessante Fragen, denen man in Artikeln kritisch nachgehen könnte. Dabei muss ja nicht alles umfassend erörtert werden, aber ein wenig mehr Biß wäre schön.

Statt ein Interview mit Dr. von Oppeln über die Unterschiede zwischen deutscher und französischer Protestkultur zu führen (interessantes Thema, aber für so ein Kurz-Interview viel zu komplex), hätte man auch einfach mal einen der berüchtigten „Listenclowns“ über deren Motivation interviewen können. Denn man schon nicht selbst subversiv sein möchte, sollte man wenigstens die subversiven Ansätze Dritter dokumentieren.

Auch wäre es ganz schön gewesen, wenn man in einem Artikel kurz auf die Vergangengenheit der OSI-Zeitung eingegangen wäre, die bekanntlich recht kontrovers diskutiert wurde. Der Name „OSI Zeitung“ ist nun mal vorbelastet, darüber sollte aufgeklärt werden.

Lobenswert ist die OZ, wenn es darum geht die OSIaner auf den neusten Stand von Entwicklungen am OSI zu bringen. So erfährt man, dass eine größere Wahlfreiheit der „Leitgedanke“ bei der Ausarbeitung einer neuen Studienordnung ist. Und weil das so ist, hat man kurzerhand entschieden, dass alle Studierenden ein Gender-Seminar besuchen müssen, wie es zwei Absätze weiter heißt. Wir lernen: Wahlfreiheit ist auch in Zukunft sehr relativ.

Aber im Ernst, die Infos sind durchaus vielfältig und interessant. Besonders die Artikel über das Berufungsverfahren für die Professur Ideengeschichte und über die Einführung eines NCs für Hauptstudiums-Hochschulwechsler fallen hier positiv auf. Die Hintergründe für die Einführung des NCs werden ausführlich dargelegt und bei dem Berufungsverfahren kann man nachlesen, welche KandidatInnen sich am ehesten Chancen ausrechnen können bzw. welche auch von den anwesenden Studierenden präferiert wurden.

Der Punkt ist eben nur der, dass es auch nicht mehr ist. Die OZ ist eine Art studentische Informationsbroschüre mit der sich die Studentenschaft über den Stand der Dinge am Institut informieren kann. Falls das das alleinige Ziel war, wurde es erreicht. Nur ein kritisches, systematisches Hinterfragen der Zustände findet in den Artikeln entweder gar nicht oder noch zu wenig statt. Auch ein wenig mehr Polemik und Provokation würde die Zeitung lesenswerter machen.

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8 Antworten to “Die neue OSI-Zeitung – informativ aber zahnlos”

  1. Ronny Says:

    „Zahnlos aber informativ.“ Klingt etwas traurig für eine Gemeinschaftsarbeit von politisch unterschiedlichen Studierenden ohne gesicherte finanzielle Rückendeckung (bislang gibt wohl noch keine Zuschüsse: der Institutsrat trödelt und der Fachschaftsrat wird blockiert), die es schaffen, gemeinsam eine Zeitung auf die Beine zu stellen, die in sich Informationen und unterschiedliche Meinungen vereint.

    Ich denke doch, dass die OSI-Zeitung ein Lücke füllt, die viel zu lange offen war: Das Institut über sich selber informieren, aus verschiedenen Blickwinkeln, und nicht mit irgendeiner politischen Absicht.

    All jene, die von vorauseilender Bissigkeit abgeschreckt sind und sich von der Beschäftigung mit ihrem Institut abgewendet haben, werden dankbar sein, endlich mal was Zahnloses zu bekommen. Vielleicht gewinnt man ja so den ein oder anderen dazu, wieder aus eigenem Antrieb das Treiben am OSI kritisch zu begleiten, statt sich immer alles „Kritische“ von anderen vorgeben zu lassen. Zahnlosigkeit als Chance…

    Für die Gebissreihe sorgen schon andere, da habe ich keine Angst! ;-)

  2. Niklas Says:

    Gegen den Ansatz aus verschiedenen Blickwinkeln zu informieren spricht ja nichts. Das muss aber wie gesagt nicht bedeuten, dass man sich mit einer kritischen Betrachtung zurücknimmt. Man könnte z.B. ganz klassisch eine Pro-Kontra-Gegenüberstellung bringen, bei der zwei Autoren dasselbe Thema in zwei Artikeln konträr erörtern. Bissigkeit muss ja nicht zwangsläufig in nur eine ganz bestimmte politische Richtung „vorauseilen“. Eine Zeitung die nur informiert, die Sachverhalte aber entweder gar nicht oder zu wenig hinterfragt, bleibt für meinen Geschmack einfach zu harmlos.

  3. Gerrit Says:

    ich möchte als Redaktionsmensch mal anmerken, daß wir mit Sicherheit nicht zahnlos sind. Aber von Vorne: lieben Dank für die sehr konstruktive Kritik. Sie ist bereits herumgegangen und ich habe auf jeden Fall vor, sie mir zu Herzen zu nehmen. Für die erste(n) Ausgabe(n) war allerdings auf jeden Fall klar: wir informieren primär über das OSI und seine Politik. Denn Meinungen (auch unbequeme) kann man nur entwickeln, wenn man die nötigen Infos hat. Kritische Beiträge werden da schon nicht zu kurz kommen. „Kritisch“ heißt bei uns aber nicht automatisch „Links“ oder „Antilinks“ (seltsam genug, daß einige Gruppierungen am OSI das immer wieder so interpretieren). Zur Pro-Kontra-Idee: War bereits für die erste Ausgabe mit Campus Management geplant, wurde dann aber kurzfristig aus technischen Gründen gekippt. Der Kontra-CM Beitrag kommt dann nächste Ausgabe.
    freundliche Grüße,
    Gerrit

  4. Marcel Says:

    Erstmal, auch von mir, vielen Dank für die konstruktive Kritik.

    Kann mich, als ebenfalls Redaktionsmensch, Gerrit, welch Überraschung, nur anschließen.
    Denke, dass wir mit der 1. Ausgabe der OSI-Zeitung einen ganz guten Anfang gemacht haben. Ob ein Artikel Pro-Campus Management, wie er sich auf der Rückseite findet, dem OSI-Mainstream entspricht und somit völlig zahnlos daherkommt, möchte ich bezweifeln. Der Informationscharakter stand jedoch in der 1. Ausgabe klar im Vordergrund und die „OZ“ sollte (und soll auch in Zukunft) unserer Meinung nach die OSIaner möglichst wertfrei über Entwicklungen in ihrer Umgebung aufklären, die sie bisher nicht wahrgenommen haben/wahrnehmen konnten.

    Trotzdem kann ich die Kritik durchaus nachvollziehen und hoffe, dass die 2. Ausgabe, was den kommentierenden Teil anbelangt, noch ein paar stärkere Beißerchen vorweisen kann.

  5. Niklas Says:

    || Ob ein Artikel Pro-Campus
    || Management, wie er sich
    || auf der Rückseite findet,
    || dem OSI-Mainstream entspricht und
    || somit völlig zahnlos daherkommt,
    || möchte ich bezweifeln.

    Die von Stefan formulierte Erkenntnis, dass das Campus Management nicht das eigentliche Problem ist (denn das besteht in den Prozessen die hinter dem System stehen) ist allerdings auch nicht sonderlich neu. Bereits im Oktober letzten Jahres zur Einführung des Systems (und später dann auch im Dezember-Eine-Woche-Streik) wurde durchaus kontrovers diskutiert, inwieweit es überhaupt Sinn macht das System als solches zu kritisieren oder ob die Kritik nicht eigentlich ganz woanders ansetzen müsste (siehe exemplarisch den Eintrag vom 24.10.05 im AStA Pinboard). Dass die Kritik sich nicht auf technische „Kinderkrankheiten“ des Systems beschränken sollte ist inzwischen allgemeiner Konsens und damit durchaus eine Mainstream-Meinung.

    || die „OZ“ sollte (und soll auch in
    || Zukunft) unserer Meinung nach die
    || OSIaner möglichst wertfrei über
    || Entwicklungen in ihrer Umgebung
    || aufklären, die sie bisher nicht
    || wahrgenommen haben/wahrnehmen
    || konnten.

    Tatsächliche Wertfreiheit ist schwer zu erreichen (oft entpuppen sich vermeintlich neutrale Artikel als nicht wirklich neutral) und m.E. auch nicht wirklich wünschenswert. Da halte ich den Ansatz für besser, verschiedene, durchaus auch bewusst wertende Aussagen einander gegenüber zu stellen und kontrovers zu diskutieren. Die Diskussionen sollten nicht erst nach der Lektüre des Blattes entstehen, sondern bereits im Blatt selbst beginnen. Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass das so nach dem Motto „Information zur Kenntnis genommen und abgehakt“ abläuft.

    Aber gut, so wie ich euch verstanden habe, soll die zweite Ausgabe ja ohnehin etwas „bissiger“ werden.

  6. Christian Beck Says:

    Moinsen, ebenfalls als Autor moechte ich nur ganz kurz klarstellen: ich habe politische Absichten mit meinen Artikeln und halte „neutrale“ Artikel fuer fast bis ganz unmoeglich bzw ideologisch hoch verdaechtig. Ich bin auch sehr fuer Pro-Kontra-Debatten und wuerde mir gerade wuenschen, dass unzufriedenen Leser der Nr. 1 so etwas selbst fuer Nr. 2 beitragen. Ausser einem sinnvollen Umgangston halte ich fast alles in der OZ fuer moeglich!

  7. OSI-Zeitung jetzt auch online verfügbar « FUwatch Says:

    […] Meine kritische Betrachtung der ersten Ausgabe ist bei den Redaktions-Mitgliedern auf reges Interesse gestoßen, wer will kann seine Meinung dort auch noch kund tun. […]

  8. Zweite Ausgabe der OSI-Zeitung gut gelungen « FUwatch Says:

    […] Exzellenzinitiative, Institutstag, OSI-Zeitung Nachdem die erste Ausgabe der OSI-Zeitung etwas zahnlos daher kam, bringt die bereits im Dezember erschienende zweite Ausgabe deutlich mehr Biß […]

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