MeinProf.de in der Kritik

Wie unlängst berichtet, bietet das Internetportal MeinProf.de Studierenden die Möglichkeit, ihre DozentInnen bzw. deren Lehrveranstaltungen zu bewerten. Auf seiten der Dozierenden stößt dieses Angebot jedoch nicht nur auf Gegenliebe. So ist die RWTH Aachen mit der Auffoderung an die Website-Betreiber herangetreten, alle Daten die sich auf Dozierende an der RWTH beziehen, umgehend zu löschen, sofern die Dozierenden nicht ausdrücklich ihr Einverständnis erklärt haben. Denn die Verarbeitung personenbezogener Daten, so das Argument, verstößt gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen (Bundesdatenschutz-, Hochschul- und Teledienstegesetz).

Die Macher von MeinProf.de sind dieser Aufforderung unter Vorbehalt erst einmal nachgekommen, denken jedoch trotzdem, dass sie sich im Recht befinden. Ein Gutachten des Bremer Rechtsanwalts Lambert Grosskopf stützt diese Position. In einem Spiegel Online Artikel heißt es:

„[…] Bei Meinprof.de handele es sich um ein Meinungsforum; die Werturteile dort seien ‚vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt‘. Das gelte auch für die ‚öffentliche Evaluation von Lehrveranstaltungen und Lehrenden‘, solange in den Kommentaren ‚keine Formalbeleidigung enthalten sind oder sie die Menschenwürde nicht verletzen oder keine reine Schmähkritik darstellen‘.

Komplizierter ist der Umgang mit den Daten. Meinprof.de nennt die Dozenten mit den Kategorien ‚Name‘, ‚Titel‘ und ‚Schwerpunkt‘ (gemeint ist das universitäre Fach). Die Verarbeitung personenbezogener Daten verbietet das Datenschutzgesetz eigentlich. Doch bei Meinprof.de ist die Lage laut Grosskopf anders: Die Daten sind frei zugänglich – jeder kann sich die Vorlesungsverzeichnisse der Hochschulen gedruckt oder im Internet ansehen. Zudem, so der Anwalt, sei bei Staatsbediensteten zu unterscheiden, ob ’sie als Privatpersonen oder als Amtswalter durch Veröffentlichung von Daten betroffen sind‘.

‚Die Speicherung und Übermittlung ist von dem Betroffenen hinzunehmen, wenn der Zweck, zu dem die Speicherung und Übermittlung erfolgt, mit der Belastung des Selbstbestimmungsrechts zu vereinbaren ist‘, schreibt Grosskopf weiter. Die Allgemeinheit habe ein nicht zu leugnendes Interesse, ’sich über die Qualität des Lehrangebotes an einer Hochschule zu informieren‘ […]“

Die Frage ist, ob die entsprechenden ProfessorInnen tatsächlich die Sorge um ihre Daten umtreibt oder ob es nicht doch eher so ist, dass sie es nicht gern sehen, wenn ihre Lehrveranstaltung kritisch betrachtet werden. Die bewertenden StudentInnen lassen es jedenfalls nicht an Deutlichkeit missen, wenn sie mit einem Dozierenden unzufrieden sind und das dann entsprechend dokumentieren. Umgekehrt gibt es aber natürlich Fälle von Dozierenden die besonders beliebt sind und gute Ergebnisse erhalten.

Zentrales Problem des Ansatzes bleibt jedoch der Aussagewert der Daten. Der Aufbau des Portals lässt es zu, dass die Ergebnisse manipuliert werden können. Ein einzelner wütender Studierender kann das Ergebnis in eine negative Richtung drücken, indem er sich mehrere Benutzer-Konten anlegt und so gleich mehrere Bewertungen abgibt. Solche Manipulationsversuche habe es schon gegeben, räumte MeinProf.de-Mitgründer Thomas Kaschwig gegenüber Spiegel Online ein. Aber auch die umgekehrte Variante sei schon zu beobachten gewesen: Professoren-Hiwis hätten versucht ihren Chef hochzujubeln.

MeinProf.de versucht dem entgegenzuwirken. So werden Ergebnisse zu Lehrveranstaltungen z.B. inzwischen erst ab fünf Bewertungen ausgegeben, weil darunter der Aussagewert einfach zu gering ist. Ferner ist geplant, dass die Dozierenden zukünftig Passwortlisten in ihren Lehrveranstaltungen verteilen können, um sicherzustellen, dass nur echte TeilnehmerInnen bei der Bewertung mitmachen. Ein derartiges Konzept würde aber eine Kooperationsbereitschaft des jeweiligen Dozierenden voraussetzen. Wenn der sich nicht bewerten lassen will, gibt er einfach keine Passwortlisten aus. Und wird er dann trotzdem bewertet, stellt sich wieder das alte Problem, dass die Erhebung nicht verlässlich ist.

Grundsätzliche Probleme die sich bei Erhebungen durch Internet-Umfragen immer stellen, wird auch MeinProf.de nie ganz ausräumen können. Es bleibt dennoch zu hoffen, dass die Website nicht gleich wieder in der Versenkung verschwindet, denn die Aufregung die um dieses Portal herum entstanden ist, macht auch deutlich, dass es offenbar noch Defizite bei der Evaluation von Lehrveranstaltungen gibt. Die Universitäten evaluieren zwar auch selbst, aber von den Ergebnissen erfahren Studierende in der Regel nichts.

Advertisements

2 Antworten to “MeinProf.de in der Kritik”

  1. Neues von MeinProf.de « FUwatch Says:

    […] unter Hochschulwesen, Seminare, FU, Organisation Es gibt Neues von MeinProf.de, wie schon im letzten Jahr berichtet, steht das Webportal zur Bewertung von Dozierenden immer mal wieder in der Kritik, weil gelistete […]

  2. MeinProf.de hat mal wieder Stress « FUwatch Says:

    […] das Portal zum Bewerten von Dozierenden an deutschen Unis, hat mal wieder Ärger (siehe auch 2006 und 2007). Diesmal ist das Problem allerdings nicht einE DozentIn die/der sich verunglimpft sieht, […]

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: