Der autistische PC-Pool

Während der Campus mit WLAN hochgerüstet wird, verschwinden PC-Pools langsam aus der Uni. Je mehr Studierende mit ihrem eigenen Notebook via WLAN ins Netz können, desto weniger brauchen sie Räumlichkeiten mit PCs und stationären Internetzugängen. Dieses Konzept setzt freilich voraus, dass Studierende die finanziellen Ressourcen besitzen sich ein immer noch vergleichsweise teures Notebook anzuschaffen.

Natürlich kann man PC-Pools nicht ganz abschaffen, da es einige Lehrveranstaltungs-Angebote gibt, die einen Zugang zu einem PC-/Internet-Arbeitsplatz zwingend voraussetzen. So wäre es z.B. schwer Studierende im Umgang mit SPSS zu schulen, wenn die TeilnehmerInnen nicht gleich vor Ort das Erlernte umsetzen können.

Dennoch steht Studierenden an der FU für OSI, OEI und IfS nur noch ein einziger PC-Pool zur Verfügung. Diesen können die StudentInnen aber auch nicht frei nutzen, er steht nur noch für Lehrveranstaltungen bereit. Man kann den Pool also nicht nutzen, um zwischen zwei Lehrveranstaltungen kurz Emails abzufragen oder mal in einer längeren Pause etwas zu Papier zu bringen und auszudrucken.

Während der Nutzung des Pools im Zuge einer Lehrveranstaltung ist dann aber nicht mal die Kommunikation der SeminarteilnehmerInnen untereinander über das Intranet möglich. Jeglicher Verbindungsaufbau zwischen zwei Pool-Rechnern wird unterbunden egal ob Remote Desktop, Nachrichtendienst oder Telnet, nichts geht.

Eine solch rigide Rechtevergabe mag sich aus Sicherheitserwägungen herleiten. Trotzdem wäre es dann nützlich irgend eine Messenger Software auf den PCs vorzufinden, die eine Live-Kommunikation zwischen den TeilnehmerInnen ermöglicht. Es geht doch nur darum, dass wenn jemand z.B. eine URL herausgesucht hat, er diese den anderen TeilnehmerInnen schnell übermitteln kann. Momentan läuft das so, dass die Adresse den anderen TeilnehmerInnen quer durch den Raum buchstabiert werden muss oder an die Tafel geschrieben wird, was insbesondere bei längeren URLs ziemlich lästig ist.

Es entsteht so die absurde Situation, dass obgleich alle Anwesenden miteinander vernetzt sind, man doch nicht auf virtuellem Weg direkt miteinander kommunizieren kann; eine Art „Autismus“ im PC-Pool.

Möglich wäre natürlich, dass alle sich über das Webfrontend ihres Email-Providers in ihren jeweiligen Mail-Account einloggen und man dann den Link an alle via Email versendet. Ein ungelenkes Verfahren, einfacher wäre die Kommunikation über einen Instant Messenger. Denkbar wäre z.B. der Einsatz eines speziell für den LAN-Betrieb konzipierten Messengers wie Lotus Sametime oder Softros. Man könnte es natürlich auch einfach über Jabber laufen lassen.

Hoffnung gibt die Tatsache, dass es z.B. möglich ist Firefox zu installieren, obwohl man als einfacher Nutzer formal gar keine Rechte hat, Software zu installieren. Firefox braucht wenig um in Gang zu kommen, es werden zwar Admin-Rechte empfohlen, tatsächlich muss man lediglich ein Laufwerk angeben für das man eine Schreiberlaubnis hat (Netzwerklaufwerk) und schon kommt der Installationsprozess durch und Firefox lässt sich anschließend problemlos starten (offenbar ist also das System doch nicht ganz abgeriegelt). Vielleicht ist es also auch möglich selber einen Instant Messenger aufzusetzen. Selbst wenn er sich installieren ließe, würde er aber vermutlich anders als Firefox nicht laufen.

Update 17.05.06

Heute habe ich mit Miranda endlich einen Messenger erfolgreich installieren und starten können, nachdem die Standard-Messenger sich wegen mangelnder Admin-Rechte nicht mal installieren ließen. Allerdings kann immer nur eine Person das Programm ausführen, bringt also auch nicht viel. Wie ich dann feststellen musste, hätte ich mir das Ganze auch sparen können, es scheint auf jedem System ein Windows Messenger draufzusein. Da der nicht im Menu auftauchte und ich über den Arbeitsplatz keinen Zugriff auf C: habe (da liegt er im Programme-Ordner), war ich davon ausgegangen, er wäre aus dem System gekickt. Probier ich nächste Woche mal aus (der Passport-Account muss dem Windows-Benutzerkonto zuzuweisen sein, dafür sollten die vorhandenen Rechte noch reichen).

Mein nächstes Projekt ist eine Linux-Distribution. Da ich natürlich kein Linux-System draufziehen kann, suche ich nach einer Distri, die man auch innerhalb von Windows starten kann (ohne Boot-CD, ohne eigene Partition, etc.). Da sowas normalerweise nicht so wahnsinnig viel Sinn macht, gibt es da auch nicht so viel Auswahl. Aber mit WinLinux, Damn Small Linux (DSL) (embedded edition) und DragonLinux habe ich schon drei potentielle Kandidaten.

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5 Antworten to “Der autistische PC-Pool”

  1. Hobbes vs Boyle Says:

    Ich würde mal sagen: wenn man Firefox installieren/benutzen kann, sollte man auch einen IM installieren können sollte man auch eine Verbindung herstellen können.

    Alternativ kann man mit Google Talk auch per Webinterface IMen (AFAIK allerdings im Moment nur zu anderen G-Talk NutzerInnen).

  2. Niklas Says:

    || Ich würde mal sagen:
    || wenn man Firefox
    || installieren/benutzen
    || kann, sollte man auch
    || einen IM installieren können
    || sollte man auch eine Verbindung
    || herstellen können.

    Nun ja, sie haben so ziemlich jeden Port dicht gemacht. Und Messenger laufen nun mal i.d.R. nicht über Port 80. Aber mal sehen…

    || Alternativ kann man mit
    || Google Talk auch per
    || Webinterface IMen (AFAIK
    || allerdings im Moment nur zu
    || anderen G-Talk NutzerInnen).

    Was voraussetzt, dass jeder Teilnehmende einen Gmail-Account hat, denn ohne den läuft ja kein Google Talk. Das ließe sich sicherlich bewerkstelligen, wäre aber doch recht aufwendig.

    Ideal wäre es, wenn gar kein Account bei einem Drittanbieter notwendig wäre. Daher habe ich oben einen LAN-Messenger ins Spiel gebracht, der die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden ermöglicht ohne dass sie sich vorher noch mal irgendwo gesondert anmelden müssen. Ein solcher Messenger müsste aber vermutlich in jedem Fall durch Admins vorkonfiguriert werden.

  3. Niklas Says:

    Nichts zu machen, gängige Messenger wie Yahoo oder MSN blocken den Installationsprozess sofort ab, wenn man keine Admin-Rechte hat. Andere Messenger wie GAIM, Coccinella oder Softros LAN lassen sich zwar installieren, versagen aber ihren Dienst. Entweder weil die Windows Firewall sie abwürgt oder weil es keinen Schreibzugriff auf die Registry gibt, die Installation nur mit Fehlern durchkommt.

    Irgend jemand hat es dann offenbar mit Skype versucht und ich habe diesen Ansatz aufgegriffen (man muss natürlich auch hier das Ziellaufwerk ändern). Und Skype läuft tatsächlich; bringt nur leider nicht viel auf einem Rechner ohne Audio-Zugang *rofl*. Jedenfalls gab es dann diverse Verbindungen zu etlichen fremden Rechner über verschiedene Ports, da klebten auf einmal sonst was für Leute an meiner Maschine, keine Ahnung ob das bei Skype normal ist (ich hatte eigentlich nur eine Testverbindung zu Skype selbst aufgebaut). Fakt ist: Wirklich abgeriegelt ist das System nicht.

    Zur Fernwartung wird übrigens Citrix verwendet, allerdings hat man darauf natürlich keinen Zugriff.

  4. Hobbes vs Boyle Says:

    Ah, hat Skype seinem Namen als Bezwinger aller Firewalls also wieder alle Ehre gemacht :-) Ist ja immerhin halbwegs verbreitet und die nicht-audio IM-Funktionen sind eigentlich recht gut (Filetransfer, GUI, Archivierung, Gruppenchats, [undurchsichtige] Verschlüsselung etc.)

    Das mit dem Verbinden zu allen möglichen Rechner ist normal — Skype is p2p-basiert und deswegen läuft anderer Leute traffic eben auch über deinen Rechner.

  5. GIMP, Ubuntu und GnuPG in der Aktionswoche « FUwatch Says:

    […] genau ist noch unklar, bisher ist das Rote Café vorgesehen, besser wäre aber natürlich z.B. der PC-Pool im OEI, der eigentlich nie bis ans Limit mit Lehrveranstaltungen belegt […]

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