Ajax – Für SAP nur ein Haushaltsreiniger?

Heute läuft die An- und Abmeldefrist für Module im Campus Management aus. Unterm Strich lief das Prozedere weniger chaotisch ab als noch im letzten Semester, als das System eingeführt wurde. Wie exemplarisch am Fall von falsch zugewiesenen Lehrveranstaltungen verdeutlicht, zickt das System allerdings immer noch rum und produziert teilweise absurde Ergebnisse (z.B. „Misch-Module“, in denen sich neben den richtig zugewiesenen Lehrveranstaltungen auch solche aus einem ganz anderen Modul wiederfinden).

„Bahnbrechende“ Fortschritte – im Vergleich zum letzten Semester

Der „bahnbrechende“ Fortschritt gegenüber dem letzten Semester besteht darin, dass sich die StudentInnen nun auch von einzelnen Lehrveranstaltungen innerhalb eines Moduls wieder abmelden konnten und nicht nur vom kompletten Modul. Dieses Problem hatte im letzten Semester noch zu einem enorm hohen bürokratischen Aufwand geführt, da Änderungswünsche nur auf konventionellem Weg per Zettel vorgebracht werden konnten. Zweitens wurden An- und Abmelde-Zeitraum zusammengelegt, im letzten Semester gab es zunächst einen Anmelde-Zeitraum und danach einen für die Abmeldung, in dem man sich dann aber nicht mehr für alternative Module / Lehrveranstaltungen anmelden konnte.

Drittens ist eine Ausdehnung des Anmeldezeitraums bis zum Ende der dritten Vorlesungswoche moderat. Zwischenzeitlich wurde bekanntlich angedacht, die Anmeldung auf einen Zeitraum noch vor Beginn der Vorlesungszeit zu begrenzen, also ohne die Möglichkeit die Lehrveranstaltungen vor der verbindlichen Anmeldung zu „testen“. Heute gilt dies nur noch für Veranstaltungen mit Teilnehmerbeschränkung (oder „Platzbeschränkung“ wie es im Jargon des CM-Projektteams heißt). Auf selbige Veranstaltungen beschränkte sich dann auch das „Präferenz-Karussell“. Wirklich häßlich wird dieses überarbeitete System erst mit einer Zunahme der teilnehmerbeschränkten Veranstaltungen.

Anmeldung in Zeitlupe

Was nach wie vor nervt, ist das Schneckentempo in dem sich das System bewegt. Bei der Anmeldung eines neuen Moduls konnte es schon mal knapp eine Minute dauern, bis sich die entsprechende Seite mit den auswählbaren Modulen aufbaute. Dann noch mal solange bis die Lehrveranstaltungen für das gewünschte Modul gelistet wurden und dann noch mal etliche Sekunden bis die Auswahl bestätigt wird. Immerhin gab es aber statt der Fehlermeldung wegen Server-Überlastung im letzten Semester diesmal ein nettes orange-farbenes Schildchen mit dem Hinweis sich zu gedulden. Und der leiderfahrene Studierende ist ja schon glücklich, wenn es überhaupt geht.

Dennoch sind 40 oder 50 Sekunden um von einer Seite auf die andere zu kommen einfach zu viel. Der Zeitraum ist deutlich länger, als er sich liest. Ein Internet-Shop-Betreiber, der es seinen Kunden zumutet, dass sie eine knappe Minute warten müssen, um von einer Eingabe-Maske zur nächsten zu kommen, würde jedenfalls nicht weit kommen. Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass AJAX für SAP nur ein Haushaltsreiniger ist. Nicht von ungefähr attestieren KommilitonInnen aus der Informatik SAP CM einen urzeitlichen Aufbau.

Von „D. pol. Ök. v. Ref. proz. in M.-&Osteur.“ bis zu „Reg. Integr. a. Probl. f. d. intern. Bez.“

Von der archaischen Struktur des Systems kündet auch die Zeichenbegrenzung der Lehrveranstaltungs-Titel, welche dadurch oft völlig unleserlich werden. Natürlich kann man i.d.R. immer herleiten, was dieses Abkürzungs-Kauderwelsch heißen soll, dennoch muss man sich beim Durchsehen der Liste an die Lehrveranstaltungsnummer halten, um möglichst schnell fündig zu werden (wobei es hier wiederum praktisch wäre, wenn die Liste numerisch geordnet ausgegeben würde, was wie gesehen auch nicht der Fall ist). Schöner wäre es, wenn alle Veranstaltungen leserlich wären und man so schneller finde könnte was man sucht.

Dubai-Segbers – Knockout durchs Campus Management?

Seit März können sich auch die Lehrenden ins Campus Managment einloggen, um den Studierenden ihre Leistungsnachweise aus dem vergangenen Semester zu bescheinigen. Inwieweit das funktioniert hat oder ob es auch hier Pannen gab, ist noch unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass auch hier nicht alles einwandfrei lief.

So lautete die erste Geschichte, die ich am Dienstag nach Ostern (Beginn der Vorlesungszeit) in einem Seminar von einem Kommilitonen mitbekam, dass Dubai-Segbers und seine Truppe daran gescheitert sein sollen, Noten ins System einzutragen (bzw. die Teilnahme zu bestätigen). Offenbar war das kühne Unterfangen, alle Leistungen aus allen Lehrveranstaltungen die Dubai-Segbers und seine Mitarbeiter im vergangenen Semester angeboten hatten auf einen Schlag ins System einzutragen – unmittelbar vor Beginn des neuen Semesters (der Vorlesungszeit). Vielleicht haben sie es erst mal auch nur mit einer Lehrveranstaltung versucht – jedenfalls scheiterten sie der Geschichte zufolge kläglich, weil das System streikte.

Ausgabe der Leistungsbescheinigung hakt

Diese Geschichte ist nicht verifiziert, ob es wirklich Probleme gab und wenn ja, ob sie sich über mehrere Tage hinzogen oder nur den einen Tag betrafen, bleibt ungewiß. Nur warum sollte das System auf seiten der Lehrenden einwandfrei laufen, wenn es doch auf seiten der Studierenden immer wieder Macken hat? Auf der CM-Infoseite des FB PolSoz heißt es zudem:

„Die Sicht auf die von den DozentInnen frei gegebenen Noten und Teilnahmebestätigungen ist z.Zt. noch nicht möglich und wird erst in einigen Tagen möglich sein.“ (Stand: 20.04.06)

Offenbar konnten die Dozierenden also bereits Noten und Teilnahmebestätigungen eingeben, die Studierenden können diese aber noch nicht abrufen. Da diese Verzögerung vermutlich nicht geplant war, muss man davon ausgehen, dass das System auch hier noch etwas buggy läuft.

Fazit

Gegenüber dem letzten Semester wurde das System technisch wie strukturell verbessert, unklar bleibt aber wie viele Leute unter den auch in diesem Semester aufgetretenen Macken (wie z.B. der falschen Zuordnung von Lehrveranstaltungen) zu leiden hatten. Betroffene kontaktieren die Hotline, die dann entweder in der Lage ist zu helfen oder nicht. Es liegen jedoch keine Zahlen vor, wie viele Studierende sich an die Hotline wenden mussten und wie viele Probleme es insgesamt gab. Dadurch bleiben es „individuelle Einzelschicksale“, das volle Ausmaß der technischen Unzulänglichkeiten des Systems wird offensichtlich nicht publik.

Von den rein technischen Problemen abgesehen stellt sich weiterhin die Frage, wie das Campus Management insgesamt in den studentischen Uni-Alltag eingreift, wie es als Instrument zur Durchsetzung eines aus studentischer Sicht negativen Reglements verwendet wird. Ein Urteil über diese Entwicklungen lässt sich vermutlich erst nach dem dritten oder vierten Semester mit Campus Management fällen. Dann sollte es möglich sein im Rückblick erste Langzeit-Auswirkungen des Systems zu belegen.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen das SAP Campus Management betreffenden Einträgen in diesem Blog findet sich hier.

4 Antworten to “Ajax – Für SAP nur ein Haushaltsreiniger?”

  1. Ronny Says:

    Wenn ich Daphne Stelter vom Prüfungsbüro im Colloquium von Zeuner richtig verstanden habe, konnten weder Dozent/inn/en noch das Prüfungsbüro die eingetragenen Noten einsehen. Das deckt sich mit der Aussage von Claudio Franzius, das eine Kollegin alle Noten eingetragen habe und nach dem Speichern alles verschwunden sei (weshalb ich von ihm einen Papier-Schein erhalten habe). Frau Stelter hat allen, die sich in sehr naher Zukunft zum Diplom anmelden, ihre Scheine noch in alter Form geben zu lassen. Schöne heile Welt der Online-Verwaltung…

  2. Niklas Says:

    || konnten weder
    || Dozent/inn/en noch
    || das Prüfungsbüro die
    || eingetragenen Noten einsehen.

    Vielleicht weil keine der eingetragenen Noten tatsächlich in der Datenbank gespeichert wurde…

    || das eine Kollegin alle Noten
    || eingetragen habe und nach dem
    || Speichern alles verschwunden sei

    Das deckt sich mit der Segbers-Story, so wie sie mir übermittel wurde. Auch da soll die Eingabe noch möglich gewesen sein, die Daten aber anschließend nicht mehr auffindbar gewesen sein bzw. das Abspeichern einfach nicht richtig funktionieren.

    Das Problem scheint doch größer zu sein.

  3. Geben Sie Olga wieder frei! « FUwatch Says:

    […] Es wird also suggeriert, der Studierende könne die Noten / die Teilnahmebescheinigung sofort einsehen, nachdem der Dozierende sie endgültig gespeichert hat. Die Praxis sieht wohl zur Zeit noch etwas anders aus. Tatsächlich scheint überhaupt niemand einmal eingegebene Daten einsehen zu können. Ronny beschrieb als Kommentar in einem anderen Eintrag in diesem Blog unlängst folgendes Szenario: “Wenn ich Daphne Stelter vom Prüfungsbüro im Colloquium von Zeuner richtig verstanden habe, konnten weder Dozent/inn/en noch das Prüfungsbüro die eingetragenen Noten einsehen. Das deckt sich mit der Aussage von Claudio Franzius, das eine Kollegin alle Noten eingetragen habe und nach dem Speichern alles verschwunden sei (weshalb ich von ihm einen Papier-Schein erhalten habe). Frau Stelter hat allen, die sich in sehr naher Zukunft zum Diplom anmelden, ihre Scheine noch in alter Form geben zu lassen. Schöne heile Welt der Online-Verwaltung…” […]

  4. Die Web 2.0 Offensive an der FU « FUwatch Says:

    […] … bastelt fleißig daran, Web 2.0 an der FU einzuführen. Ein löbliches Ziel, gibt es doch bei bestehenden Systemen in Sachen Web 2.0 – wie dokumentiert – noch Defizite. […]

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